Liebe Gemeinde,
Er schickt seinen Engel, um beider Schicksal zum Guten zu wenden. Nur weiß dies, außer Gott selbst, keiner der Beteiligten.
Ein Gedicht Yvan Gols kommt mir in den Sinn:
„Einmal geht der Engel auch ganz nah an dir vorbei. Es ist ein regnerischer Montag, du fühlst dich älter als die Welt, die Stiefel schlecht geputzt, das Herz gänzlich verrostet. Aber deines Schicksals Engel geht vorbei, Dich mit Güte überschwemmend, und einem rosa Lächeln. Halt ihn fest! Dreh dich um! Bevor er nur noch dem Winde gleicht!“
Tobit gegenüber stellt sich der junge Mann als »Asarja, der Sohn des älteren Hananja aus deinem eigenen Stamm« vor. Nachdem dieser sich davon überzeugt hat, dass sein Sohn einen verlässlichen Begleiter gefunden hat, gibt er beiden Weggenossen seinen Segen.
Der Vater ahnt gar nicht, wie direkt und unmittelbar sein Wunsch nach himmlischer Begleitung erfüllt wird. Und können wir dem nicht mit folgendem Gedicht zustimmen?
Vielleicht hilft es uns, wenn wir bestimmte Situationen und Begegnungen in unserem Leben unter dem Blickwinkel der Bewahrung sehen. Denn Engel begegnen uns meist unerkannt in der Gestalt von ganz normalen Menschen. Sie stärken uns derart, dass wir uns einer Krise stellen können – und nicht einfach vor ihr weggelaufen oder ihr wie gelähmt gegenüberstehen. Rudolf Otto Wiemer drückt es so aus: „Immer, wenn ich den Engel traf, blieb er unkenntlich. Erst im Weggehen streifte mich ein Lidschlag lang der Zipfel seines Gewandes“.
Auch wir dürfen Gottes strahlender Herrlichkeit nahe kommen, wenn wir uns von seinen Engeln leiten lassen. Dann können wir mit Rose Ausländer sagen: „Der Engel in dir freut sich über dein Licht, weint über deine Finsternis. Aus seinen Flügeln rauschen Liebesworte, Gedichte, Liebkosungen. Er bewacht deinen Weg. Lenkt deinen Schritt engelwärts“.
fühlen auch ist sie wieder dieses „Sommer-Kribbeln“ im Bauch? Lockt die Ferne, sind womöglich die Koffer schon gepackt? - Egal, ob sie sich für eine Weltreise oder für den Garten zu Hause entscheiden: Sommerzeit ist Aufbruchzeit. Pulsierende Zeit voller Energie, die jedes Jahr neue Chancen bietet, den Kopf vom Alltag zu „lüften“, Unbekanntes aufzunehmen und über den Tellerrand zu schauen. Doch seit dem erneuten Terroranschlag in London, sind viele unter uns besorgt, und fragen sich, ob sie unbeschadet an Leib und Seele von ihrer Reise zurückkehren werden. Von daher ist es gut sich bewusst zu machen, dass Gott uns nicht alleine lässt. Die Bibel erzählt uns durch viele Geschichten immer wieder neu, dass ER uns einen Engel zur Seite stellt, der uns auf unserem Weg begleitet.
Eine Geschichte möchte ich Ihnen heute erzählen. Es ist die Geschichte des frommen Tobit, seinem Sohn Tobias und dem Engel Raphael.
Die Geschichte der Familie Tobits, wird uns in den Apogryphen des Alten Testaments erzählt.
Tobit, ein frommer, gesetzestreuer, mildtätiger Jude aus dem Stamme Naftali, wird im 8. Jahrhundert nach Ninive verschleppt. Mit seiner Frau Hanna hat er einen Sohn Tobias. In Ninive kommt er zu Reichtum, wobei er eine beträchtliche Summe Geldes, auf einer seiner Reisen nach Medien, bei einem Bekannten - Gabaël - hinterlegt. Als ein neuer König in Ninive herrscht, der viele seiner Landsleute ermorden lässt, sieht er es als seine Pflicht an, die erschlagenen Juden zu begraben. An einem heißen Tag schläft er an der Mauer seines Hauses. Unglücklicherweise fällt Vogelkot in seine Augen, und er erblindet. Nun kann er seine Familie nicht mehr selbst versorgen, und ist auf die Arbeit seiner Frau angewiesen. Diese sucht durch Handarbeiten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch ihre Arbeit bringt nicht viel ein, so dass die Familie ihr Leben an der Armutsgrenze meistern muss. Der blind gewordene Tobit verzweifelt an seinem Leben und wünscht sich von Gott den Tod.
Mit dieser Geschichte ist eine zweite eng verwoben. Sara, die Tochter eines Verwandten Tobits, betet zur gleichen Zeit auch zu Gott und bittet diesen um ihren Tod. Denn Sara war nacheinander mit sieben Männern verlobt, die alle in der Hochzeitsnacht gestorben sind. Verantwortlich dafür ist der Dämon Aschmodai, von dem Sara besessen ist. Und er ist es, der am Abend der Hochzeit jeden Bräutigam ums Leben brachte.
Diese beiden Schicksale sind der Ausgangspunkt der Tobit-Erzählung, wobei der Erzähler berichtet:
3, 16 „Die Gebete der beiden drangen bis zum Thron Gottes, und Gott erhörte sie sogleich“.
Tobit erinnert sich an die hinterlegte Geldsumme. Über dieses, in einem fernen Land bei Gabaël deponierte Vermögen, informiert er seinen Sohn Tobias, und bittet ihn die beschwerliche Reise auf sich zu nehmen, damit er nach dem Tod des Vaters nicht weiter in Armut leben muss.
Um den Gefahren eines bedrohlichen Wegs nicht schutzlos und allein ausgeliefert zu sein, sucht Tobias nach einem vertrauenswürdigen und erfahrenen Begleiter.
5, 4 Dabei traf er auf Raphael, wusste aber nicht, dass er einem Engel Gottes begegnet war.
5 »Woher kommst du, junger Mann?« fragte Tobias. »Ich bin ein Israelit wie du«, sagte der andere, »ich suche hier Arbeit.«
»Kennst du den Weg nach Medien?« fragte Tobias
6 und erhielt die Antwort: »Ich kenne ihn gut; ich bin oft dort gewesen. Ich kenne dort auch einen Landsmann namens Gabaël, bei dem ich regelmäßig eingekehrt bin. Er wohnt in Rages, zwei volle Tagereisen von Ekbatana. Rages liegt nämlich in den Bergen.«
7 »Warte einen Augenblick«, sagte Tobias, »ich will hineingehen und es meinem Vater sagen. Ich brauche dich als Reisebegleiter und werde dich angemessen entlohnen.«
8 »Ich warte«, erwiderte der junge Mann, »aber halte dich nicht zu lange auf!«
9 Tobias ging zu seinem Vater hinein und berichtete: »Ich habe jemand
gefunden; es ist ein Israelit!« »Ruf ihn herein«, sagte Tobit, »ich möchte
wissen, zu welchem Stamm er gehört und zu welcher Sippe und ob er ein verlässlicher Begleiter für dich ist.«
17 Gott im Himmel bewahre euch unterwegs und bringe euch wohlbehalten wieder nach Hause. Sein Engel begleite euch mit seinem Schutz«!
Tobias machte sich zum Gehen bereit und küsste zum Abschied Vater und Mutter. Der Vater wünschte ihm eine gute Reise,
18 aber die Mutter brach in Tränen aus und machte ihrem Mann Vorwürfe. »Warum schickst du unseren Sohn weg«? sagte sie. »Er ist doch die Stütze unseres Alters! Ist er nicht unsere einzige Freude, wenn er bei uns aus- und eingeht?
19 Was macht es schon, wenn wir das Geld nicht wiederbekommen? Wenn wir nur unseren Sohn nicht verlieren!
20 Gott hat uns gegeben, was wir zum Leben brauchen; damit wollen wir zufrieden sein«!
21 Aber Tobit antwortete ihr: »Sorge dich nicht! Unser Sohn wird gesund ans Ziel gelangen und wohlbehalten wieder zu uns zurückkehren; du wirst es mit deinen eigenen Augen sehen.
22 Sei nicht bekümmert und mach dir keine Sorgen um die beiden, liebe Frau! Ein guter Engel wird unseren Sohn begleiten; er wird eine glückliche Reise haben und wohlbehalten heimkehren«.
23 Da hörte seine Mutter auf zu weinen.
„Ein Engel ist jemand, den Gott dir ins Leben schickt, unerwartet und unverdient, damit er dir, wenn es ganz dunkel ist ein paar Sterne anzündet“.
Können wir gerade jetzt in der Urlaubszeit nicht davon lernen, wenn wir Abschied von Menschen nehmen, die wir lieben? Wir machen uns auf den Weg in fremde Länder und wissen nicht, was uns begegnen wird. Gerade in dieser Zeit, die durch den Terror islamischer Fanatiker besonders unsicher geworden ist, kann uns die Geschichte des Tobit helfen, Mut zu fassen, um uns von geliebten Menschen zu verabschieden . Mut darauf zu vertrauen, dass Gott ihnen und uns einen Engel zur Seite stellt, der uns begleitet und uns hilft, unseren Weg zu finden und sicher zurückzukehren.
Tobias selbst hat gleich am ersten Tag ein Abenteuer zu bestehen.
6,1 Am ersten Abend schlugen sie am Ufer des Tigris ihr Nachtlager auf.
2 Tobias ging noch zum Fluss hinunter und badete seine Füße; da schnellte plötzlich ein großer Fisch aus dem Wasser und wollte ihm einen Fuß abreißen. Tobias schrie,
3 aber der Engel rief: »Greif zu und fang ihn!«
Tobias packte den Fisch und warf ihn aufs Land.
4 »Schneide ihn auf«, sagte der Engel, »nimm Galle, Herz und Leber heraus und bewahre sie auf! Sie sind als Heilmittel zu gebrauchen. Die anderen Eingeweide wirf weg!«
5 Tobias tat es. Dann kochte er ein Stück Fisch und aß es; den Rest salzte er ein und bewahrte ihn als Reiseproviant auf.
Nur so geht es: Wir sehen Gottes Engel nicht schon am Anfang unseres Weges, sondern wir können nur darauf vertrauen, dass er uns begleitet. Und erst vom Ende her wird sich erweisen, dass es tatsächlich Gottes Engel war, der mit uns gegangen ist. Dass uns in ihm tatsächlich Gott begegnet ist. Dass er die ganze Zeit an unserer Seite war und wir deshalb das Gefühl hatten, dass er uns menschlich eng verwandt erschien.
Asarja, so wird erzählt, hilft Tobias, seine Reise glücklich zu bestehen. Und nachdem dieser sich – angekommen in Rages - in Sara verliebt, zeigt er ihm, wie er den Dämon vertreiben kann, so dass er sie heiratet und die Hochzeitsnacht überlebt. Und nach der Reise, als sie wieder bei Tobit ankommen, kann Tobias mit Asarjas Hilfe auch noch die Blindheit des Vaters heilen und ihn sehend machen. Asarja selbst gibt sich erst beim Abschied als Engel Raphael zu erkennen:
12,11 Ich will euch jetzt alles offenbaren und nichts vor euch geheim halten. Ich habe euch schon gesagt: Die Geheimnisse eines Königs soll man verschweigen, aber was Gott tut, gehört aufgedeckt.
12 Ich war es, der dein Gebet, Tobit, und das Gebet Saras vor den Thron Gottes brachte; und auch wenn du einen Toten begrubst, machte ich es dort bekannt.
13 Damals, als du ohne Zögern von deinem Mahl aufgestanden bist, um den Toten zu begraben, da hat Gott mich zu dir gesandt, um dich auf die Probe zu stellen.
14 Und ebenso hat er mich gesandt, um dich und deine Schwiegertochter Sara zu heilen.
15 Ich bin Raphael einer der sieben Engel, die vor Gottes Thron stehen und seiner strahlenden Herrlichkeit nahe kommen dürfen.«
Amen.