Liebe Gemeinde,
1 Der Erlöser hat den Tod verschlungen – das weißt du sehr wohl.
2 Er legte die vergehende Welt beiseite.
3 Er verwandelte sich in einen Äon, eine unvergängliche Himmelsmacht.
4 Er ließ das Sichtbare durch das Unsichtbare verschlungen werden,
er stand von den Toten auf.
5 So hat er uns den Weg geschenkt, auf dem wir unsterblich werden können.
6 Dann gilt, was der Apostel sagt:
„Wir leiden mit ihm, wir stehen mit ihm von den Toten auf,
wir gehen in den Himmel mit ihm.“
1 Wenn einer das nicht glauben kann, so hat jedenfalls der Versuch,
ihn durch Überreden dazu zu bringen, keine Chance.
2 Denn es geht um einen Standpunkt des Glaubens, mein Sohn, nicht um Überredung.
3 Der Grundsatz heißt: Wer tot ist, wird auferstehen.
Liebe Gemeinde,
laut einer Umfrage des Forsa-Instituts weiß nur noch die Hälfte der Deutschen, was wir an Ostern feiern. Geht allmählich die Bedeutung des Osterfestes verloren, so können sich wohl noch weniger Menschen etwas unter „Auferstehung“ vorstellen! Und wer daran nicht glauben kann, den kann auch niemand durch Überredungsversuche dazu bringen. Es geht also wahrhaftig um einen Standpunkt des Glaubens, den wir vertreten.
Ostern, ist das Fest, an dem wir uns daran erinnern, dass Jesus Christus den Tod überwunden und das ewige Leben empfangen hat. Ewiges Leben, das ER auch uns, nach unserem eigenen Tod, schenken wird, wie wir dies glaubend bezeugen und in ganz besonderer Weise an Ostern proklamieren.
Wir glauben daran, dass Jesus Christus nach seiner Kreuzigung den Tod überwunden hat und seitdem in einer neuen Existenz an der Seite Gottes weiterlebt. In einer neuen Seinsweise, die unseren Augen verborgen ist, die aber in vielen Glaubenserfahrungen erlebt werden kann.
Auferstehung ist damit eines der Geheimnisse Gottes, das wir nicht allein mit dem Verstand begreifen können, sondern das nur mit einem glaubenden Herzen begriffen werden kann.
Und so heißt es auch im 9. Kapitel
12 Die Auferstehung ist die Offenbarung dessen, was besteht. Sie ist die Verwandlung der Dinge, sie ist Übergang in etwas Neues.
Das erinnert uns an den Satz des Paulus, wenn er sagt: „Alle, die mit Christus verbunden sind, sind neu erschaffen. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist entstanden!“
Auferstehung ist also eine neue Existenz! Und so ist sie nicht nur etwas, was uns nach unserem Tode widerfahren wird, sondern eine Kraft, die unser Leben in der Nachfolge Jesu bestimmen will. Vielleicht wird deshalb Rheginus im 10. Kapitel aufgefordert:
1 Halte dich nicht mit Kleinigkeiten auf, sondern bedenke mutig das Ganze.
2 Nimm in deinem Leben nicht die kreatürliche Schwäche zum Maßstab,
nur um nicht aufzufallen.
3 Fliehe vor allen Spaltungen und Fesseln, dann hast du schon die Auferstehung.
4 Wir alle werden sterben und wissen das.
Auch wenn wir viele Jahre in diesem Leben zubringen, gelangen wir dahin.
Ebenso kannst du dich als auferstanden betrachten und als jemand, der schon dahin gelangt ist.
5 Du bist schon auferstanden.
Trotzdem tust du seltsamerweise so, als müsstest du noch sterben,
obwohl doch der alte Mensch in dir weiß, dass er schon gestorben ist.
6 Solche Inkonsequenz lasse ich nicht zu!
Hier, liebe Gemeinde, sind wir am eigentlichen Thema angelangt. Denn es gilt, das Leben zu ergreifen, sich darauf zu verlassen, dass wir durch unsere Verbindung mit dem auferstandenen Christus, bereits in dieser Welt ein neues Leben erhalten haben. Ein Leben, das nicht mehr gebunden ist an die Machenschaften der Menschen, sondern an die Wirklichkeit des Reiches Gottes.
So wie es die Emmaus-Jünger mit ihrem brennenden Herzen gespürt haben. Seit dem ersten Ostermorgen ist etwas Neues in der Welt. Wenn Sie so wollen, ist seither ein Fenster zur Ewigkeit hin geöffnet worden. Deshalb gilt es nicht unsere kreatürliche Schwäche zum Maßstab der Dinge zu nehmen. Nicht aus ihr heraus Geschehnisse zu beurteilen, sondern sich vom Heiligen Geist inspirieren zu lassen, und unsere Blickrichtung auf die Möglichkeiten der Neuwerdung zu richten. Alles, wirklich alles kann neu werden. Schon hier und heute. Unsere Hoffnungslosigkeit kann sich in Zuversicht verwandeln, unsere Mutlosigkeit in Stärke und Vertrauen. Unsere ganze Lebenseinstellung, das Setzen von Prioritäten, unsere Haltung zu Geld und Besitz, unser Umgang mit unseren Mitmenschen, alles kann sich verändern. Denn an unserer Seite steht der, der denen, die ihn lieben, alle Dinge zum Besten dienen lässt: Der lebendige Gott!
Einen stärkeren Verbündeten gibt es nicht! Und mehr noch, dieser Gott lebt durch den Heiligen Geist in uns selbst! Wenn wir unser Leben Gott anvertrauen und Jesus nachfolgen, dann wissen wir, dass der alte Mensch schon gestorben ist. Auch wenn er uns anderes vorgaukeln will. Denn dann haben wir Möglichkeiten in uns, die Jesus uns in seinen Abschiedsreden verheißen hat: „Alle, die an mich glauben, werden die Taten, die ich vollbringe, auch tun, und sie werden noch größere als diese tun, denn ich gehe zu Gott“. Damit verweist Jesus, davon bin ich überzeugt, auf das Neue und die neuen Möglichkeiten hin, die seinen Jüngerinnen und Jüngern mit der Auferstehungskraft geschenkt werden. Von daher ist es gut und richtig, wenn wir Gott darum bitten, unseren Glauben in diesem Wissen konsequenter zu leben. Auf ihn zu vertrauen und weniger auf unsere menschlichen Möglichkeiten.
Wird die Kraft Gottes, die Jesus auferstehen ließ freigesetzt, dann erleben wir Wunder über Wunder im Kleinen wie im Großen. Dann kann es gelingen, dass wir Frieden schließen, mit denen, die uns verletzt haben. Uns versöhnen mit denen, die hinter den von uns aufgerichteten Mauern der Feindschaft leben. Ja, wir können uns sogar mit den Menschen, denen wir großes Leid gebracht haben, aussöhnen. Das wird uns Deutschen besonders bewusst, wenn wir an den jüdisch-christlichen Dialog denken, oder an die Rede Horst Köhlers oder Angela Merkels in der Knesset denken.
Um diese Kraft können wir JESUS CHRISTUS täglich neu bitten. Diese Kraft ist uns, durch den in uns lebenden Geist Gottes, so nah, so dass wir einander dann berichten können, was Marie Luise Kaschnitz in einem Gedicht so ausdrückt:
„Manchmal stehen wir auf, stehen wir zur Auferstehung auf.
Mitten am Tage, mit unserem lebendigen Haar, mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns,
keine Fata Morgana von Palmen mit weidenden Löwen und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken, ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht, und dennoch unverwundbar, geordnet in geheimnisvolle Ordnung, vorweggenommen in ein Haus aus Licht.“
Ich wünsche uns allen, dass diese Worte mehr und mehr zu unserer eigenen Aussage werden! Dass wir einander ermutigen, unser Leben aus der Auferstehungskraft zu gestalten. Es ist möglich, da wir durch Jesus Christus neu geworden sind.
Amen.