„Hätte ich doch eine Elefantenhaut, oder sieben Häute einer Zwiebel. Könnte ich doch eine Ritterrüstung tragen und mir einen feuerspeienden Drachen als Haustier halten.
Alle würden mich Monster nennen. Aber ich hätte keine Angst mehr - vor nichts und niemanden.“

Liebe Gemeinde,

dieses Gedicht von Anne Steinwart bringt m. E. sehr lebendig zum Ausdruck, was uns Menschen immer wieder in unserem Leben beeinträchtigt. Ängste aller Art hindern uns daran, das Leben in seiner ganzen Fülle mit all unseren Sinnen zu erfahren.
Dies beschäftigte auch David, den späteren König von Israel vor fast 2600 Jahren. Sein Leben ist uns wohl vertraut. Bevor er König seines Volkes wurde, war er lange Jahre auf der Flucht vor Saul. In dieser Zeit dichtete er viele Psalmen, die bis heute Grundlage für unseren Gebete sind. Der wohl bekannteste Psalm ist der 23., den wir vorhin gemeinsam gebetet haben:

1 Der Herr ist mein Hirt, mir mangelt nichts,
2 er weidet mich auf grünen Auen. Zur Ruhe am Wasser führt er mich,
3 neues Leben gibt er mir. Er leitet mich auf Pfaden des Heils um seines Namens willen.
4 Wandere ich auch im finstern Tal, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, übervoll ist mein Becher.
6 Güte und Gnade werden mir folgen alle meine Tage, und ich werde bleiben im Hause des Herrn mein Leben lang.

"Bewahre deine guten Erinnerungen und versuche die Spuren Gottes in deinem Leben zu entdecken!"

Der Anfang unseres Psalmes beschreibt die guten Seiten des Lebens, doch folgt auch das dunkle tiefe Tal. Höhen und Tiefen, Tiefen und Höhen...Leben in seiner ganzen Fülle. Dieser Psalm ist voller schöner Bilder: Grüne Auen, wie gut es tut , jetzt im Frühling überall das frische Grün zu sehen. Vereinzelt sehen wir auch wieder Schafeherden mit ihrem Hirten übers Land ziehen.
Für die Menschen in Israel ist die grüne Wiese ein besonderes Bild: Zwischen Wüste und Steppe suchen die Hirten mühevoll ein paar grüne Halme für ihre Herden. Da sind grüne Auen geradezu ein Paradies. Sie gelten als Symbol für das pralle Leben.
Dennoch wollen wir nicht unbedingt ein Schaf sein oder mit ihm verglichen werden. Formulierungen wie dummes Schaf, blödes Schaf, schwarzes Schaf und ähnliches mehr fallen uns wohl ein. Und vielleicht schmerzt uns auch die Vorstellung, in einer Herde, in einer Gruppe sein zu müssen. Doch glaube ich nicht, dass es im Psalm darum geht. In erster Linie macht uns der Psalm doch darauf aufmerksam, dass da einer ist, der es gut mit uns allen meint. Es ist Gottes Wille uns Gutes zu tun. Immer wieder neu, an jedem neuen Tag. Und darüber hinaus steht Gott an unserer Seite in allen Situationen des Lebens. “Wandere ich auch im finstern Tal, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.“

Durch alle Grenzen unseres Lebens hindurch und durch alle Angst hindurch sind wir von Gottes Segen und Schutz begleitet, jeder und jede von uns. Der „Stecken und Stab“ verdeutlichen aber auch wie Gott für uns da ist. Er erspart uns nicht Angst und Leid. Das erfahren wir immer wieder. Gott ist nicht verfügbar wie ein Automat, an dem wir mit genügend Kleingeld uns das gewünschte Objekt unserer Begierde ziehen können. Aber er ist da. Er begleitet uns in jeder Situation unseres Lebens. Mitten in aller Angst. gibt er uns Halt – dafür stehen „Stecken und Stab“ Das ist ein Gedanke, der uns persönlich hilft, wenn unser Leben Tiefen durchschreitet.

Doch der Psalm greift noch ein Bild auf, das ich sehr liebe: „Du deckst mir den Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, übervoll ist mein Becher.“

„Liebe geht durch den Magen“ sagt der Volksmund. Und Sie, die Sie hierher gekommen sind haben sicher im Weltkrieg manch hungrige Tage erlebt. So wird Ihnen das das Bild vom gedeckten Tisch gefallen. Der gedeckte Tisch ist nicht für einen einzigen Menschen. Meist wird er für eine kleine oder große Gesellschaft bereitet. „Du deckst mir den Tisch“ – Das heißt auch: Ich muss nicht allein bleiben! Ein tröstender Gedanke! Gott lädt jeden Einzelnen von uns ein: “Komm her; iss und trink. Dann sieht dein Leben gleich wieder anders aus.“ Es ist wunderbar, von Gott selbst eingeladen zu werden.

Fast klingt es, als hätte David vom Abendmahl gesprochen. Denn gerade dort sind wir eingeladen. Gott hat ja wirklich den Tisch für uns gedeckt. Bei dieser Einladung zeigt uns Gotte seine Liebe und schenkt uns Geborgenheit, wie nur Er sie schenken kann. Wir merken, dass wir nicht allein sind. Das hilft und stützt, wenn man etwas Schweres verkraften muss. Gott sagt: „Du musst nicht allein bleiben. Komm her und stärke dich. Dann sieht die Welt für dich gleich freundlicher aus. Deshalb sage ich:
Kommt, lasst uns gemeinsam das Mahl mit Jesus feiern! Wir sind eingeladen! Kommt mit Gaben und Lobgesang!
Amen.

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