Liebe Gemeinde,


Urlaubszeit ist Reisezeit! Was liegt also näher, als sich vor Antritt der Reise einen Reiseführer zu besorgen. Doch welcher ist der Richtige? Schließlich haben die Buchhändler für fast jedes Reiseziel ganz unterschiedliche Reiseführer im Angebot. Da gibt es den Reiseführer „mit Insider-Tipps“, den der „mehr vom Reisen“ verspricht, den „kompletten Reiseführer“ für „Sehenswürdigkeiten, Hotels, Ausgehen, Shopping, Tipps und viele Fotos“ Es gibt Reiseführer mit Kulturtipps, genauso wie Reiseführer für bestimmte Berufsgruppen wie Soziologen, oder den der bestimmte Ziele wie Schlösser oder Theater, Klöster oder Kathedralen unter die Lupe nimmt. Bei allen Angeboten wird nur ein Thema ausgespart: „Die Lebensreise, die wir Menschen von unserer Geburt an bis zum Tod unternehmen“.
Da unserer Lebensreise alle Altersstufen durchläuft und jede Zeit durchmisst, wie Arbeit, Freizeit und Urlaub, wäre es doch schön, wenn wir auch zu dieser Reise einen Reiseführer hätten, der uns hilft Hindernisse zu überwinden, Staus zu umgehen, Abgründe zu erkennen und Plätze zu finden, wo unserer Seele wirklich „baumeln“ kann und Ruhe findet. Dieser Reiseführer würde im ZDF bei der zur Zeit stattfindenden Abstimmung „Das große Lesen“ sicher auf einem der vordersten Plätze landen. Welches Buch können wir jungen oder alten Menschen für ihre Lebensreise empfehlen? Welches Buch hilft, sinnvoll zu leben und der Zukunft mit Hoffnung entgegenzugehen? Welcher Reiseführer hilft uns über unseren begrenzten Horizont hinaus zu blicken? Welches Buch sollten wir lesen, um die Probleme unserer Zeit im Kontext der Menschheitsprobleme zu sehen, die jeder Generation neu gestellt werden?
Schon im 2. Jahrhundert rief der spanisch-jüdische Denker Mosche Ibn Esra aus: „Ein Buch ist ein Freund, der deine Fähigkeiten aufdeckt, es ist ein Licht in der Finsternis und ein Vergnügen in der Einsamkeit; es gibt, und nimmt nicht.“
Und der 1928 in Kirgistan geborene Autor Tschingis Aitmatov fügt hinzu: „Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich.“
Wir brauchen also Bücher, um für das Leben geöffnet zu werden. Um uns selbst und unserer ureigensten Fähigkeiten darin zu entdecken, um in einsamen Stunden Freude und Vergnügen zu finden. Besonders aber brauchen wir Bücher, die uns in der Finsternis Licht spenden, um unseren Weg zu finden. Denn wer unter uns machte schon gerne Umwege auf seinen Wegen im Alltag oder seinen Reisen im Urlaub. Fragen wir also nach einem in allen Lebensbereichen bewährten Buch: als Reiseführer, Abenteuerbuch, Geschichtsbuch, Roman, Liebesbuch, Fachbuch, Rechtsberater, Knigge, Ethikbuch und vieles mehr! Ein Buch, das unseren Kinder und Jugendlichen, wie uns selbst Nahrung gibt, von der wir ein Leben lang zehren können! Der Psalmist des 119. Psalms kommt mir dabei in den Sinn: Im 105. Vers lesen wir:
„Dein Wort, Herr, ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege!“ oder wie Martin Buber es übersetzt. „Eine Lampe ist meinem Fuß deine Rede, ein Licht meinem Steig!“
Und genau das ist es doch, was wir brauchen! Ob in unserem Urlaub oder hier zu Hause. Worte, die uns ermutigen unseren Weg zu suchen, zu finden und schließlich zu gehen. Deshalb meine ich auch, das interessanteste Buch, das Buch des Jahrhunderts, nein der Jahrtausende ist und bleibt - DIE BIBEL!
Mag sein, Sie denken, ich sage das, weil ich von der Kanzel her das Wort Gottes verkündige. Doch dem ist nicht so! Ich spüre einfach beim Lesen der Bibel, dass sie zu jeder Zeit so aktuell ist, als sei sie erst gestern gedruckt worden.
Stets spannend, oft genug mit großer Verblüffung zu lesen und vor allem niemals langweilig! Deshalb möchte ich Sie und mich gleichermaßen ermuntern, die freie Zeit zu nutzen und mal wieder die Bibel als Ferienlektüre in Betracht zu ziehen. Vielleicht werden wir dadurch neu angeregt Religion, Glaube und Frömmigkeit im Alltag zum Thema zu machen. Denn unser Glaube kann zum spannendsten Gesprächsthema werden: zwischen Freunden und Arbeitskollegen, genauso wie zwischen Jungen und Alten. Auch ein gutes Thema für Zeitung und Fernsehen, gerade im viel beschrieenen „Sommerloch“. Glaube ist leider für viele Menschen heutzutage etwas so Intimes, dass sie peinlich berührt sind und sich nachgerade schämen, wenn wir dieses Thema anschneiden. Doch wenn wir über unseren Glauben und unser dadurch geprägtes Leben nicht mehr reden, dann gehen unserer Gesellschaft über kurz oder lang die notwendigen Worte und Begriffe verloren. Wir werden in religiöser Hinsicht sprachlos und damit religiös unmündig. Wird unser Glaube unter uns nicht immer wieder neu thematisiert, so wird er unser gesellschaftliches Leben, unsere Kultur und Ethik immer weniger prägen.
Wir Christen können viel mehr von dem zeigen, was Gott uns als Schätze anvertraut hat. Wir sind von ihm legitimiert anderen Menschen von IHM zu erzählen und in seinem Auftrag HEIL – SHALOM zu bringen. Licht in das Dunkel der Finsternis, die uns Menschen so oft quält. Die Impulse der Bibel, welche die Lebensführung aller Menschen berühren, wirken bis heute in den unterschiedlichsten christlichen Gemeinden rund um den Erball.
Ihre Berichte machen Mut. Das, was wir theologisch als Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen bezeichnen, ist ja nichts anderes als die in Jahrhunderten erfahrene und in Jahrtausenden gewachsene Bezeugung der Gottesgeborgenheit der Menschen - allen Rätseln, Nöten und aller Ausweglosigkeit zum Trotz,
Die Bibel ist ein Glaubenszeugnis, in der Menschen über die Jahrhunderte und Jahrtausende hin ihre Gotteserfahrungen bekundet haben. Erfahrungen, Einsichten, Lebensmut, Zuversicht und Lebensfreude die Gott ihnen geschenkt hat.
Die Bibel steckt voller Lebenswahrheiten, die wir mit Hilfe des Heiligen Geistes in guter Weise entdecken und verstehen können. Wir finden in ihr immer wieder neue und erstaunliche Gedanken zu allen Problemen unserer Zeit.
Durch die Bibel erkennen wir, dass jeder einzelne Mensch von GOTT als Partner betrachtet wird, welchem er seine Schöpfung anvertraut, um die Erde – ja, den ganzen Kosmos zu bewahren.
Beim Lesen der Bibel fällt auf, wie realistisch der Blick ist, den die Bibel vom Menschen hat. Bei aller Schuld, die wir Menschen immer wieder auf uns laden, werden wir in aller erster Linie an das Versöhnungshandeln Gottes erinnert: Vom Regenbogen nach der Sintflut bis hin zum Kreuz auf Golgatha. Gott selbst setzt die Zeichen der Versöhnung zwischen IHM und den Menschen.
Nehmen Sie mal wieder die Bibel zur Hand: Ob Sie im Buch Hiob, im Prediger Salomo oder den Geschichtsbüchern – ob im Neuen oder Alten Testament lesen, Sie werden staunen, wie aktuell Gottes Wort ist. Wie spannend es sein kann darin zu lesen. Allen Fragen unseres Lebens werden wir darin begegnen. Wir werden ermutigt, unser Leid, unseren Kummer, unsere Freude und allem voran all unsere Fragen vor Gott zu bringen. Und wir werden nicht nur auf seine Antwort und verborgene Fügung bauen, sondern Antworten erhalten und Fügungen erleben. Denken wir nur an die Gleichnisse Jesu: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, vom verlorenen Sohn, vom reichen Mann und dem armen Lazarus und vieles mehr.
Wir können darauf vertrauen, dass wir ganz persönlich in der Bibel einen Leitfaden für unser Leben finden. Es liegt an uns, liebe Gemeinde, die Weisheiten darin zu entdecken. Bei unserem Lesen haben wir zudem noch den besten Helfer zur Seite, den es gibt. Der Heilige Geist hilft uns, damit wir verstehen, was Gott uns täglich zu sagen hat. ER hilft uns nach links und rechts zu blicken und wahrzunehmen, was um uns herum geschieht. Dadurch werden wir darauf achten, wo wir gefordert sind, uns zu engagieren:
Ja, wir können darauf vertrauen, dass wenn wir „die Bibel öffnen, sie uns öffnen wird.“ Und dass sie darüber hinaus für uns mehr und mehr „zum treuen Freund“ wird, „der unsere Fähigkeiten aufdeckt, und uns ein Licht in der Finsternis ist.“ „Ein wahrer Freund, der gibt, und nicht nimmt.“
In diesem Sinne wünsche ich uns allen spannende Stunden mit dem vielseitigsten Buch, das Gott uns geschenkt hat.
Amen.

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