Offenbarung 1, 9 - 20
9 Ich bin Johannes, euer Bruder. Gemeinsam leiden wir, gemeinsam hoffen wir geduldig auf das Reich, verbunden durch Jesus. Ich bin gerade auf der Insel Patmos, um Gottes Wort zu verkünden und von Jesus Zeugnis abzulegen.
10 Am Sonntag kam der Heilige Geist über mich, und ich hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Trompete, die sagte:
11 Schreibe alles, was du siehst in eine Buchrolle und schicke sie an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea.
12 Und ich wandte mich um, weil ich sehen wollte, wer mit mir sprach. Als ich mich umwandte, erblickte ich sieben goldene Leuchter.
13 In ihrer Mitte stand jemand wie ein Mensch mit einem langen Gewand bis auf die Füße und einen goldenen Gürtel bis an die Brust.
14 Haupt und Haar leuchteten wie schneeweiße Wolle, seine Augen wie eine Feuerflamme.
15 Seine Füße glänzten wie libanesisches Golderz, das im Feuerofen geläutert wurde, seine Stimme donnerte wie das Meer bei Sturmflut.
16 In seiner Rechten hielt er sieben Sterne, und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert. Und sein Antlitz erstrahlte wie die Sonne, wenn sie im Zenit steht.
17 Als ich ihn sah, fiel ich vor ihm nieder wie tot. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: „Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte
18 und der Lebendige. Ich war tot, doch ich lebe für immer und ewig. Ich habe die Schlüssel, um das Reich des Todes in der Unterwelt zu öffnen.
19 Schreibe nun auf, was du gesehen hast: das, was ist, und das, was in Zukunft geschehen wird.
20 Die sieben Sterne in meiner Rechten und die sieben goldenen Leuchter haben folgende Bedeutung: Die sieben Sterne sind die Boten der sieben Gemeinden, die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.
Liebe Gemeinde,
die Nachrichten der letzten Tage sind mehr als beunruhigend. Ich denke da insbesondere an die bedrohte Lage der Irakgeiseln, den Streit um die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed in europäischen Zeitungen, der den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen erschwert. Ich denke an den Atomstreit mit dem Iran, aber genauso an den drohenden Streik der ÖTV, der am Montag in Baden-Württemberg beginnt und eine große Unsicherheit insbesondere bei den Alten und Kranken verursacht. Ich denke an die immer häufiger auftretenden Aggressionen Jugendlicher u. an v. m..
Liebe Gemeinde,
Bedeutungsvoll ist die Zahl »sieben«, die als »heilige Zahl« ein Symbol der Vollkommenheit ist. Sieben – steht sicher nicht nur für die genannten sieben Gemeinden, die im weiteren Verlauf der Offenbarung mit je einem Sendschreiben bedacht werden. Sieben – lässt auch an die Gesamtheit der christlichen Gemeinden denken, schließt also auch unsere eigene Gemeinde mit ein. Und damit wird deutlich, dass es gerade auch um unsere Zukunft geht. In dieser Zeit, in der sich die Zukunftsängste breit machen, tut es gut zu wissen, dass uns der Auferstandene eine Zukunft gibt. Und er schenkt uns im Buch der Offenbarung des Johannes sozusagen eine Handreichung, die uns hilft auch das Schwere, die Nöte, die Ängste, die auf uns Menschen warten, aus dem Blickwinkel Gottes zu sehen. Denn letztlich hält Gott unsere Zukunft in seinen Händen und wir können niemals tiefer fallen, als in die Hände Gottes.
Amen.
Es kann einem wahrlich Angst und Bange werden. So schreit es in mir und vielen Menschen nach Sicherheit und die Sehnsucht nach tiefer Geborgenheit wächst nicht nur in uns Erwachsenen. Nein, auch unsere Jugend und unsere Kinder fühlen sich bedroht und sind im höchsten Maße beunruhigt. Und wer heute seinen Schulabschluss macht, fragt sich bang, wie seine Zukunftsaussichten sind.
In der Zeit, als die Bücher des Neuen Testamentes verfasst wurden, fühlten sich die ersten Christen durch Verfolgung bedroht und bangten um ihr Leben. Und wenn uns auch diese Art Bedrohung nicht belastet, so fühlen wir uns bedroht, weil unsere Zukunft uns nicht mehr voraussehbar, sondern wie hinter einer bedrohlichen Nebelwand verborgen erscheint. So haben wir mehr und mehr mit Zweifeln zu tun, die uns das Leben schwer machen.
Marc Chagall, der große Maler– befragt zu Zeiten des Zweifels – hat einmal gesagt: „Von meiner Kindheit an hat mich die Bibel mit Visionen über die Bestimmung der Welt erfüllt.... In den Zeiten des Zweifelns haben ihre Größe und ihre hohe dichterische Weisheit mich getröstet. Sie ist für mich wie eine zweite Natur.“ Vielleicht geht es Ihnen wie mir selbst. Ich kann dieser Aussage voll und ganz zustimmen. Ja, ich glaube, dass es mir in vielen verzweifelten Situationen meines Lebens, ohne die tröstlichen Visionen der Bibel viel schlechter gegangen wäre. Andererseits verstehe ich Menschen, die sich mit Visionen schwer tun, vor allem, wenn Bilder beschrieben werden, die ihnen fremd sind. So will ich mit Ihnen gemeinsam über die große Vision des Johannes nachdenken, die wir in der Schriftlesung bereits gehört haben.
Uns sind dies ungewohnte, unvertraute Bilder. Und vielleicht hätte Johannes heute andere Bilder gewählt, um uns zu verdeutlichen, dass der Auferstandene uns mit seiner ganzen Kraft, Herrlichkeit und Liebe Gottes unmittelbar verbunden ist. Doch da er in einer anderen Zeit lebte, müssen wir seine Bilder erst entschlüsseln. Dies gelingt uns nur, wenn wir bereit sind, manches Geheimnis als Geheimnis zu belassen, bis wir GOTT einst von Angesicht zu Angesicht schauen werden. Stellen wir uns also vor, dass wir an der Seite des Johannes stünden und von ihm seine Vision geschildert bekämen.
Er, selbst ein Bedrängter und Verfolgter, lebte in großer Einsamkeit auf der Insel Patmos. Ob er dahin verbannt wurde, oder die Einsamkeit selbst suchte, wird kontrovers diskutiert. Entscheidend scheint mir dabei nur zu sein, dass er sich aus dem normalen Alltagsleben zurückzog und ohne äußere Ablenkung für Gottes Reden offen war.
Johannes macht uns deutlich, dass gerade seine Einsamkeit und die Stille um ihn her es ihm ermöglichte, mit inneren Augen zu sehen, mit inneren Ohren zu hören und mit allen inneren Sinnen die Nähe Gottes zu spüren. Dass er in seiner Einsamkeit lernte, die äußere Bedrohung der Welt nicht im Vordergrund zu sehen. Ja, er ermutigt uns als Bruder, der unseren Glauben teilt. „Gemeinsam leiden wir, gemeinsam hoffen wir geduldig auf das Reich, verbunden durch Jesus.“ Ich möchte ihm so gerne sagen, dass wir gar nicht mehr so geduldig auf Gottes Reich hoffen. So viele Jahrhunderte sind vergangen und so viele Katastrophen haben sich ereignet. Ja, unserem Empfinden nach wird alles nur noch schlimmer. Und dann erzählt uns Johannes, was ER sieht und hört, wenn ihm dafür auch fast die Worte fehlen. Er spricht vom strahlenden Glanz des libanesischen Golderzes, von einer leuchtenden Gestalt, dessen Stimme dem Meeresrauschen bei einer Sturmflut gleicht und dessen Antlitz an die Sonne erinnert, wenn sie im Zenit steht. Diese Gestalt erinnert uns gemeinsam an die Bilder im Buch Daniel und ist doch kein Abbild dessen, was Daniel im Traum sah. Nein, der Seher Johannes erkennt inmitten alle Glanzes den Auferstandenen und fällt wie tot vor diesem nieder. Doch gleich berichtet Johannes, dass auch er - wie bei allen furchteinflössenden Erscheinungen, von denen uns die Bibel berichtet - das erlösende „Fürchte dich nicht!“ hört. Das ermutigt ihn und gibt ihm neue Kraft. Folgt doch diesem „Fürchte dich nicht!“ gleich der Satz, der uns bis heute ermutigt, dem Tod ohne Angst zu begegnen. „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch ich lebe für immer und ewig. Ich habe die Schlüssel, um das Reich des Todes in der Unterwelt zu öffnen!“
das ist das Entscheidende: Jesus Christus ist der Erste und der Letzte. Wir sind von IHM sozusagen umschlossen. ER geht voran und schirmt unseren Rücken. Nichts und niemand kann uns aus seiner Hand reißen. Keine atomare Bedrohung, kein Terror, keine Arbeitslosigkeit, keine Krankheit. Denn „ER war tot, lebt aber für immer und ewig und hat die Schlüssel, um das Reich des Todes in der Unterwelt zu öffnen!“ Das soll euch ermutigen, sagt Johannes, durchzuhalten, allem Zweifel zu Trotz. Denn er sieht mit eigenen Augen den Auferstandenen. Er spürt, dass damit alles was ein Mensch je erdulden muss, in Gott selbst geborgen ist und eine Zukunft erhält. Und er empfängt vom Auferstandenen höchst persönlich eine Erläuterung der ersten Bilder.
„Schreibe nun auf, was du gesehen hast: das, was ist, und das, was in Zukunft geschehen wird. Die sieben Sterne in meiner Rechten und die sieben goldenen Leuchter haben folgende Bedeutung: Die sieben Sterne sind die Boten der sieben Gemeinden, die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.“
Wir sind von Engeln, den Boten Gottes umgeben und Jesus Christus befindet sich als der Herr über Leben und Tod, aber auch als der Herr der Gemeinde mitten uns unter. Ja, Jesus macht sich selbst ein Bild über jede einzelne, auch über unsere Gemeinde! Und mit Seinem klaren Bild sollten auch wir eine deutliche Vision unserer Gemeinde gewinnen. Wie sieht unsere Zukunft aus? Diese Frage können wir nicht allein beantworten, sondern wir brauchen wie Johannes die Möglichkeit, unsere Glaubenserfahrungen mit anderen zu teilen, sie weiterzusagen, so dass andere davon zehren können. Ängste, Gerüchte oder Halbwahrheiten bringen uns niemals weiter. Es kann nicht angehen, dass aufgrund einer angespannten Finanzlage und sinkender Gemeindegliederzahlen, sich Gemeinden spalten. Es kann auch nicht angehen, Partei für Personen zu ergreifen, und im Gegenzug andere Personen zu diskriminieren! Nein, wir sind darauf angewiesen, dass Gott uns einen Blick nach vorne schenkt, der uns unsere Zweifel nimmt und uns - erfüllt mit dem Wissen der „biblischen Visionen über die Bestimmung der Welt“ - „in Zeiten des Zweifelns tröstet.“
Suchen wir alleine und gemeinsam die Möglichkeit, Gottes Stimme zu hören. Nicht in der Hektik des Alltags, sondern in der Stille und vielleicht auch in der Einsamkeit. Und wenn unsere Visionen auch nicht mit denen des Johannes vergleichbar sein werden: Für uns Christen und für unsere Gemeinde gibt es Zukunftsperspektiven!
Mit diesem Wissen können wir unsere eigene Mutlosigkeit und die vieler Mitmenschen in unserem Stadtteil, in unserer Stadt und in unserem Land in Hoffnung verwandeln. Denn dazu sind wir aufgerufen, den Herrn der Welt, den Herrn über Leben und Tod zu proklamieren und die Menschen um uns herum für IHN zu gewinnen. Dies wird uns aber nur gelingen, wenn wir es dem Heiligen Geist erlauben, unsere eigenen Herzen ganz neu und ungeteilt für Jesus Christus zu öffnen. Mit dieser Bereitschaft können wir dann die Probleme in unserer Gemeinde, losgelöst von eigenen Interessen, mutig und stark angehen. Jesus Christus ist als der Sieger über Leben und Tod an unserer Seite und mitten unter uns, zu jeder Zeit und Stunde. Wir fallen nie tiefer, als in die Hände Gottes, der uns durch Jesus Christus sagt: „Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.“