Liebe Gemeinde,
Symbole enthalten Botschaften, die wir unmittelbar erahnen oder verstehen, sie verdichten Wissen, Gefühle und Erfahrungen, die uns berühren. Sie verbinden und trennen, beruhigen oder erschüttern. Deshalb will ich mit Ihnen darüber nachdenken, was sie bedeuten, und wo sie herkommen?
Ich möchte mit Ihnen heute über ein - im Verhältnis zu anderen Symbolen - kleines Symbol nachdenken - die Lilie.
28 Denkt daran, wie die Lilien im Garten blühen. Sie wissen nichts von
Spinnrädern und Webstühlen.
Und wenig später gipfelt diese Aussage in der Aufforderung:
31 Sorgt euch also nicht ...
Jesus stellt die Lilie seinen Jüngern somit als Symbol vor Augen, dass wir uns nicht sorgen sollen. Denn er sieht in dem „sich sorgen“ eine Belastung für das Leben. So lesen wir in Vers 34 seine Begründung:
34 Belastet euch nicht mit Sorgen für den nächsten Tag. Für jeden Tag, den Gott werden läßt, sorg er aufs neue. Und es trägt auch jeder Tag seine eigene Last.
Liebe Gemeinde,
Symbole enthalten weit mehr als den Gegenstand, den sie darstellen. Das Wort kommt vom griechischen »symballein«, was soviel wie zusammenwerfen oder zusammenfügen bedeutet. Dieses Zusammenfügen kann so weit gehen, dass in einem einzigen Symbol eine ganze Weltanschauung enthalten ist wie beispielsweise im Kreuz das Christentum. Symbole wurden oft als Zeichen einer Gemeinschaft geschaffen, das die Anhänger eint – und die Gegner mobilisiert. Und so wirken viele von ihnen immer noch: einigend und polarisierend; aufwühlend und beruhigend. Und diese Gefüle treffen immer mitten ins Herz, oder mitten ins Unbewusste – wie es der Psychoanalytiker C. G. Jung ausdrückt . Also dort, wo jene Ur-Sinnbilder gespeichert sind, deren Bedeutung Menschen unabhängig von der Zeit oder dem Kulturkreis, in denen sie leben, unmittelbar verstehen.
In ihrer Wirkung unterscheiden sich Symbole von Zeichen, die nur reine Information vermitteln (wie etwa Verkehrszeichen). Dennoch können auch aus schlichten Zeichen bedeutungsvolle Symbole werden. Das Zeichen »V« ist für uns beispielsweise zunächst ein ganz gewöhnlicher Buchstabe. Seit es der britische Staatsmann Winston Churchill jedoch für »Wir werden siegen« (Victory) einsetzte und damit seinen Bürgern Mut im Kampf gegen die Tyrannei der Nazis machte, veränderte sich das simple Zeichen zu einem ins Herz gehenden Symbol.
In früheren Zeiten galten Symbole noch mehr als heute als Träger gemeinsamer Weltanschauung.
Doch auch heute noch können sie Gemüter erregen, wie es der unlängst erbitterte Streit um das Kreuz in bayerischen Schulzimmern, oder der Streit um das Kopftuch islamischer Frauen gezeigt hat.
Die weiße Lilie war schon um 3000 v. Chr. in Oberägypten ein Symbol. Im alten Orient galt sie als Sinnbild der lebensspendenden Kraft der Erde, Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge. Die Griechen verehrten sie als Symbol der Erdgöttin Kybele. Die ältesten Darstellungen, Wandmalereien etwa aus der Zeit um 1600 v. Chr. finden sich auf Kreta in den Königspalästen von Knossos. In diesen Schlössern ist die Lilie das am meisten verwendete Pflanzenmotiv. Das Christentum hat die hohe Verehrung übernommen. Das bekannteste Motiv: Der Erzengel Gabriel überreicht der Jungfrau Maria eine Madonnenlilie, um ihr zu verkünden, dass sie mit dem Gottessohn schwanger geht.
Die Verehrung findet auch in ihrem Namen Ausdruck: „Lilium candidum“ bedeutet sowohl weiß, wie rein und unschuldig. Diesen Namen verdankt sie ihren makellosen weißen Blüten. Auch der besonders liebliche, wie würzige Duft mag die Menschen bewogen haben, diese Lilie so sehr zu schätzen.
In christlicher Zeit wurde die Lilie, die der Engel Gabriel der Maria überreicht, zum Symbol der Empfängnis Jesu.
Selbst Jesus stellt in seiner Bergpredigt seinen Zuhörern die Lilie als Symbol vor Augen. Wir lesen in Matthäus 6, 28 - 29 folgende Sätze:
29 Doch ich kann euch versichern: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht so herrlich gekleidet wie eine von diesen.
ich möchte Sie ermuntern, sich ab und an eine Lilie in Ihre Wohnung, in Ihr Zimmer hier im Haus zu holen, oder mitbringen zu lassen. Dann können Sie, indem sie die Blüte ansehen, oder ihr Duft Ihnen in die Nase steigt, sich an die Worte Jesu erinnern. Vielleicht ermuntert es Sie, manche Sorge einfach im Gebet an Gott abgeben, um sich mit ihr nicht mehr zu beschweren.
Und darüber hinaus hilft es uns daran zu denken, dass, wie es das ungarisches Sprichwort ausdrückt: „Sogar eine weiße Lilie einen schwarzen Schatten wirft.“ Wir brauchen uns also auch nicht darum zu sorgen, wir könnten versagen oder nicht mehr alles recht machen. Denn Gottes ist es, der um uns weiß, der sich um uns sorgt und darüber hinaus, seit unserer Geburt für uns Sorge trägt.
Amen.