Liebe Gemeinde,
„Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre!“
Liebe Gemeinde,
das Neue Jahr lässt uns - immer wieder neu - in verschiedenster Weise voraus blicken. Manche unter uns auch im Hinblick auf ihren persönlichen Glauben. Und wenn wir ehrlich zu uns sind, gewinnen wir den Eindruck, dass wir an der einen oder anderen Stelle glaubensmüde geworden sind.
Denn vieles stellt sich unserem Glauben in den Weg. Krankheit, Unglück, unsere eigenen Veranlagungen, Arbeitslosigkeit, Streit – ob in der Familie, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz, - allgemeine Zukunftsängste und vieles mehr.
Das weiß auch Jesus, weshalb er im „Hohepriesterlichen Gebet“ den himmlischen Vater um Bewahrung seiner Jüngerinnen und Jünger in Zeiten der Anfechtung bittet.
Ohne dieses Gebet Jesu sähe es manchmal schlecht für unseren Glauben aus. Es scheint, als ob unser Glaube einer Kerze im Wind gleicht: Wenn wir nicht aufpassen, verlischt er wie die Kerze schneller, als wir es für möglich halten.
Da tut es gut zu wissen, dass Jesus darauf vorbereitet ist und uns nicht im Stich lässt. Am Leben von Petrus können wir ermessen, was das heißt. „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhört. Und genauso sollst du deine Brüder und Schwestern stärken, wenn du zurückgefunden hast zum Glauben.“ Wie tröstlich ist es, das zu hören: Der Herr betet für den, der ihn verraten wird. Ja er selbst tritt bei Gott für denjenigen ein, der ihn verleugnen wird. Das gibt uns bis heute große Hoffnung. Denn Jesus wird auch uns nicht loslassen, wenn wir versagen! Er weiß, wie schwach wir sind. Er kennt unsere Schwäche vielleicht besser, als wir sie selbst kennen. Wie tröstlich, dass er uns auch dann nicht aufgibt!
Petrus hat dies erfahren: In der für ihn dunkelsten Nacht seines Lebens. Aus lauter Angst streitet er ab, Jesus auch nur gekannt zu haben. Und das, obwohl er ihm, noch wenige Stunden zuvor erklärt hatte: „Herr, ich bin doch bereit mit dir zusammen ins Gefängnis und sogar in den Tod zu gehen.“ Doch - im entscheidenden Moment versagt er vollständig! Er verrät Jesus dreimal und begreift erst als er den Hahn krähen hört: Sein vollmundiges Gerede Jesus gegenüber hat sich ins Gegenteil verkehrt.
Was für eine ungeheure Erkenntnis. Petrus schämt sich im Augenblick der Wahrheit, wie wir so sagen, in Grund und Boden.
Und wir? Jeder, Jede unter uns kennt wohl gleichfalls solche Momente. Situationen, in denen wir selbst den Mund zu voll genommen haben, ein Versprechen gegeben und nicht gehalten haben. Ein Augenblick, in dem wir einen Menschen enttäuscht oder im Stich gelassen haben. Das Gefühl der Scham, das sich einstellt. Eine Sekunde, wo wir am liebsten im Boden versunken wären. In solchen Zeiten verfinstert sich auch unser Glaube! Und da keiner von uns weiß, was im Jahr 2005 auf uns zukommt, kann keiner sagen, ob wir den Herausforderungen auch gewachsen sein werden. Niemand unter uns kann versprechen, dass unser Glaube nicht angefochten wird.
Wann und wo immer wir schuldig werden, droht unser Herz dunkel, ja blind für Gottes vergebendes Licht zu werden. Und wir hören die Verheißungen Gottes nicht mehr, wann immer wir ein Versprechen brechen, obwohl er uns seine Liebe niemals entzieht. Jesus hat bei Petrus diese Gefahr, die den Glauben abtötet, vorhergesehen. Deshalb sagt er zu ihm beim letzten gemeinsamen Mahl mit seinen Jüngern: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“
Unglaublich aber wahr: Obwohl er im Stich gelassen wird, betet er für den, der ihn im Stich lassen wird. Wir Menschen tun uns schwer, diese Größe zu begreifen. Doch deutlicher als die Größe Jesu steht seine große Liebe zu Petrus uns vor Augen. Gleichwohl gilt dieses Gebet nicht nur Petrus, sondern behält bis zum heutigen Tag seine Gültigkeit und Kraft. Mehr noch, es reißt uns Menschen aus der Dunkelheit unserer Schuld heraus.
So sind wir besonders am Anfang des Neuen Jahres aufgerufen, diesem Gebet zu vertrauen und darüber hinaus Vertrauen gegenüber allen Verheißungen Gottes zu entwickeln. Denn die Jahreslosung „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre!“ dürfen wir alle, wenn wir in das neue Jahr hineingehen auch auf uns ganz persönlich beziehen. Auf dieses Gebet Jesu für uns dürfen wir uns verlassen, und es sollte uns alle zuversichtlich stimmen, wenn wir das neue Jahr vor uns sehen.
Amen.