Alle Jahre wieder

Sie schließen die Weihnachtsbeleuchtung an
das Scheinwerferlicht viele Nummern zu groß,
zu grell, zu laut
für das stille Ereignis von Bethlehem

Wir erschrecken die Hirten

Liebe Gemeinde,
dieses Gedicht von Anne Steinwart beschreibt unsere ganz persönlichen Lebenserfahrungen. Seit 2 Wochen sprießen überall Lichterketten und Weihnachtsdekorationen hervor. Unbeachtet dessen, dass wir erst heute den 1. Advent feiern. Was wir dieses Jahr erleben erscheint uns schriller, bunter, glitzernder denn je. Alles tritt uns - farblich perfekt abgestimmt auf die Mode dieses Winters - entgegen. Und wir Menschen sind mittendrin, in hektischer Geschäftigkeit, die – je näher Weihnachten rückt – noch zunimmt. So veranschaulichen die Worte Anne Steinwarts haargenau die Adventszeit unserer Städte. Sie treffen die Dinge sozusagen „mit dem Nagel auf den Kopf“!
Doch wir spüren inmitten der äußeren Glitzerwelt selbst: In uns ist manches wie abgestorben, Licht und Wärme fehlen. Wir jagen von Termin zu Termin. Wir sind stets in Bewegung, doch innerlich wie ausgebrannt. Gerade jetzt – mitten in aller Geschäftigkeit - sehnen wir uns nach Licht, Wärme, Liebe, Halt, Geborgenheit und Frieden. In diesen Tagen spüren wir besonders deutlich, dass weder Geld noch Erfolg uns dieses schenken kann. Auch andere Menschen können dies nicht in dem Maße, in dem wir es ersehnen. Selbst bei größtem Verstehen, bei Vertrautheit und Wärme die von anderen Menschen ausgeht, bleiben wir oft genug mit unserer Sehnsucht allein. Oft erfahren wir, dass nur unsere Leistung gefragt ist. Um uns herum machen Menschen sich wichtig, andere tauchen verletzt in der Masse unter. Prestige allein scheint zu zählen. So zeigt sich einmal mehr, dass wir Menschen von uns aus kein wirkliches Licht und keine wirkliche Wärme verbreiten können.
Dies ist keine neue Erkenntnis, keine Wirklichkeit nur unserer Zeit. Nein, das gibt es schon seit Gott uns Menschen schuf, und wird es noch geben, wenn wir längst nicht mehr in dieser sichtbaren Welt leben. Die Bibel ist voll von solchen Berichten. Zur Zeit als Johannes der Täufer geboren wurde brachte es Zacharias in seinem Loblied auf den Punkt.
Ich lese die Verse 78 - 79 aus dem 1. Kapitel des Lukasevangeliums.
78 Gott hat mit uns Erbarmen. Wenn er kommt, wird es sein, wie wenn die Sonne aufgeht.
79 Er wird leuchten für uns, die wir in des Todes tiefem Schatten sitzen, und er lenkt uns auf den Weg des Friedens.

Drastischer kann es nicht ausgedrückt werden, was Dunkelheit bedeutet: „in des Todes tiefem Schatten zu sitzen!“
Täglich begegnen wir diesen Schatten! Sie sind stille Begleiter von Krankheit, Trauer, Arbeitslosigkeit und Armut. Doch folgen sie auch jeder Oberflächlichkeit oder reinen Äußerlichkeit, aus denen das Leben um uns herum zuhauf besteht. Wo immer Streit, Missgunst, Neid, Hass oder Unverständnis untereinander herrscht, sind diese Schatten des Todes zu finden. Und so scheint es manchmal, als gäbe es keinen Ausweg, aus ihnen herauszufinden.
Ist das vielleicht der Grund, warum wir uns mit soviel Lichterketten und Glimmer umgeben? Meinen wir wirklich, dies könnte uns heraus helfen? NEIN! Je mehr Licht wir um uns herum verbreiten, desto größer werden die Schatten, dies sagt schon der Volksmund klar und deutlich: „Wo viel Licht ist, ist viel Schatten“!
Wir wollen bei diesen Gedanken nicht stehen bleiben, sondern uns Gottes Licht zuwenden. Diesem Licht, das ein Licht der Stille ist. Es verbreitet Wärme, die unseren Körper und unsere Seele gleichermaßen erfüllt. Wärme, die sich ausbreitet und immer mehr wird. Dieses Licht begegnet uns heute mit der wundervollen Verheißung: „Gott hat mit uns Erbarmen.“ Und – „Wenn er kommt, wird es sein, wie wenn die Sonne aufgeht.“ Diese Worte wollen uns ermutigen: Der, den wir erwarten, auf den wir uns freuen – das Kind in der Krippe - ist das Licht! Es erhellt die Welt! Unsere ganz persönliche genauso, wie die Welt um uns herum! Jesus Christus ist selbst das Licht, das wir ersehnen. Und mit seinem Kommen geht die Sonne in unserem Leben auf. „Er leuchtet uns und lenkt unsere Schritte auf den Weg des Friedens.“
Wir finden das Licht nicht bei den Lichtwochen, nicht auf hell erleuchteten Straßen oder in hell erleuchteten Schaufenstern. Wir finden es nicht in den Geschenken oder in angehäuftem Reichtum. Nein, wir finden es nur bei dem, der sich nicht zu schade war, in unsere Dunkelheit hinein zu kommen. Bei dem, der uns in den Schatten des Todes nicht allein lässt. Und weil er das „Licht der Welt“ ist, deshalb beauftragt er uns auch, „Licht der Welt“ zu sein. Er tritt durch seine Geburt in unser Leben und verändert es. Die Hirten wurden davon ergriffen und erzählten es weiter. Sie bezeugten, was sie selbst gesehen haben. Und Jesus selbst bezeugte es, in dem er darauf hingewiesen hat, dass das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist. Er, das Mensch gewordene Wort Gottes, will uns für alle Zeit Ziel und Richtung unseres Lebens sein.
Das Licht JESU kann alle Finsternis vertreiben. Wo es scheint, verliert jede Dunkelheit ihre Macht. Es ist uns Wegweiser auf steinigen Wegen, in schweren und dunklen Zeiten. Es gibt uns Mut weiterzugehen. Jesus, das „Licht der Welt“, ist alle Tage unseres Lebens bei uns und erhellt unseren Alltag. Er nimmt uns an, so wie wir sind. Er schenkt uns die Wärme und Geborgenheit, die wir in unserem Leben benötigen, um unseren Alltag zu bestehen. Wenn Gottes Licht Raum in uns findet, dann ist nichts mehr so, wie es war. Christus befreit uns, unser Leben neu zu ordnen, neu zu gestalten, um in seinem Licht zu wachsen.
Von IHM selbst erhalten wir jeden neuen Tag den Auftrag, in der neu gewonnenen Freiheit selbst Licht zu sein! »Ihr seid das Licht der Welt.« spricht uns Jesus in der Bergpredigt zu. Durch dieses Wort werden wir vom Sohn Gottes ausgezeichnet. Lassen wir unser innerstes Menschsein von Gottes Licht erleuchten, dann sind wir in unserer ganzen Existenz Licht für die Welt um uns herum. Dann erhellen wir um uns herum die Wegabschnitte der Mitmenschen. Dann ermöglichen wir ihnen festen Schrittes durch ihr Leben zu gehen und vertreiben Angst und Unsicherheit. Und indem wir Leben um uns herum erhellen, wird unser eigenes Leben hell und wir spüren einmal mehr, dass es sich lohnt das Leben zu wagen.
Deshalb: wann immer wir in den kommenden Tagen und Wochen eine Kerze anzünden, wollen wir daran denken, dass wir eine Richtschnur – das Wort Gottes - in unserem Leben haben. Es erhellt jede Nacht und spendet uns mit seinem Licht wohltuende Wärme, die uns Ruhe und Geborgenheit schenkt.
Mögen wir in der Adventszeit von innen erleuchtet werden und täglich neu das Licht Gottes in uns und um uns herum finden und spürbar erleben. Erfüllt mit der Wärme des stillen Lichtes Gottes werden wir auf das Fest zugehen, an dem wir die Geburt unseres Retters Jesus Christus feiern.
„Erschrecken wir die Hirten nicht!“ Lassen Sie uns stattdessen in Ehrfurcht und Stille vor dem Wunder stehen, dass Gott selbst Mensch wird. Lassen Sie uns neu das Staunen lernen über die Tatsache, dass Gott sich nichts sehnlicher wünscht, als uns in dem Kind aus Bethlehem zu begegnen. Mehr noch, er möchte in uns geboren werden. Er will in uns das Licht Bethlehems aufs Neue entzünden. Wenn wir dazu „Ja“ sagen, dann sagen wir den Menschen um uns herum aus vollem Herzen: „Gottes Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Dann nehmen wir das stille Licht Gottes auf, wie wir das am Eingang erhaltene Teelicht nach Hause tragen, und tragen es durch die Welt!
Amen.


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