Liebe Gemeinde,
ich habe Ihnen heute ein Osterei aus Ton mitgebracht. Das Ei ist seit jeher Symbol des Lebens. Da wir von Ostern herkommen, liegt es nahe, daß wir uns einmal mit dem Leben, das Jesus Christus uns durch seine Auferstehung geschenkt hat, beschäftigen.
Im 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums lesen wir im 47. Vers einen Ausspruch Jesu: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben!“
Jesu Worte verbinden Glauben direkt mit dem Leben. Glaube und Leben gehören also zusammen. Wir sind somit gefordert uns selbst zu fragen, woran wir glauben und was das besondere Merkmal unseres Glauben ist. Im Glaubensbekenntnis heißt es: „Ich glaube an Jesus Christus ... gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel...“
Dieses Bekenntnis - daß Jesus von den Toten auferstanden ist und lebt - dieser Glaube ist gemeint. Diese Überzeugung kann uns helfen, das eigene Leben - so wie es ist, in allen Höhen und Tiefen - in jeder Minute anzunehmen. Dieses Credo beschenkt uns auch mit der Gewißheit, daß dieses uns sichtbare Leben nicht das einzige - endgültige Leben ist, sondern daß es in ewiges Leben bei Gott mündet.
Ostereier gelten als Symbol für diesen Glauben. Sie werden in Rußland zu Ostern verschenkt und sollen den Beschenkten daran erinnern, was sich die Gemeindeglieder am Ostersonntag untereinander zurufen:
„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“
Es gilt also diese österliche Freude in uns zu bewahren, damit wir unser Leben aus dieser Freude heraus gestalten können. Gleichzeitig hilft uns diese Freude auch, auf unser Leben ganz anders zurückzublicken. So ein Rückblick ist folglich nicht mit Gedanken des Bedauerns verknüpft wie: „Schade, diese Stunden sind unwiderbringlich vorbei.!“ Nein, unser Rückblick kann von Ostern her gesehen eine Hoffnung in uns entfachen, daß das Leben letztlich in allem den Sieg davon trägt und tragen wird.
In so manchen schweren Stunden sind wir gereift und Persönlichkeiten geworden! Dies spiegelt unser Gesicht wider, in dem sich gelebtes Leben ablesen läßt. Die guten und die schweren Stunden unsere Seele haben sich eingeprägt und ihre Spuren hinterlassen. Und indem ich darin ein Leben ablesen kann, gerate ich ins Stauen ob der Wunder, die Gott in diesem Leben getan hat! Heute nachmittag wollen wir dieses Staunen über unser unverwechselbares Leben, in das Staunen über das uns von Jesus geschenkte ewige Leben führen. Es liegt ein Geheimnis darin, das wir nicht entschlüsseln können! Doch ermuntert uns Jesus immer wieder neu an diesem Glauben festzuhalten, damit wir Halt in unserem Alltag finden.
Jesus wußte, wem sein Lebensweg zu verdanken war und ging immer wieder in die Einsamkeit, um zu beten. Heute nachmittag sind wir dazu aufgerufen, es ihm gleichzutun. Denken wir daran, daß der Gott, zu dem Jesus gebetet hat auch unser Vater ist. Jesus hat zu seinen Lebzeiten immer wieder darum gerungen, daß wir Gott als Vater sehen, der uns liebt und nichts sehnlicher wünscht, als daß wir mit ihm vereint sind.
Er hat uns durch sein Leben verdeutlicht, daß Gott ein ganz persönliches Interesse an unserem Leben hat. Daß er uns auch weiter treu zur Seite stehen wird. Er hat uns bewahrt in allen zurückliegenden Zeiten und wird Sie und mich auch in der Zukunft bewahren. Gott war in jeder Lebenssituation dabei und hält in jeder Situation zu uns. Er vergibt uns und wird uns nie verlassen. Deshalb können wir heute vertrauen - ja glauben, daß Gott sein Versprechen hält und uns wie Jesus Christus selbst ewiges Leben schenken wird.
Heute, morgen und an jedem weiteren Tag, soll unser Weg ein Leben widerspiegeln, das geprägt ist von der Zuversicht und Hoffnung, daß der Tod nicht das letzte Wort hat, auch wenn wir sterben müssen. Wir entdecken neu, daß wir dem Ewigen verwandt sind. Dass wir neues Leben geschenkt bekamen. Wir sind erlöst und bleiben mit dem verwandt und verbunden, welcher der Sohn Gottes ist. Gottes Barmherzigkeit bleibt über uns, in jeder Situation unseres Lebens. Die Liebe Jesu, die sich am Kreuz geopfert hat, verbindet Gott mit uns Menschen. Sie schenkt uns neue Hoffnung und Vertrauen. Das Leben behält den Sieg, denn Jesus ist vom Tode auferstanden. Ermuntern wir einander in diesem Glauben, der der Garant dafür ist, daß wir ewiges Leben haben.
Amen.