
„Es kann die Ehre dieser Welt Dir keine Ehre geben, was dich in Wahrheit hebt und hält, muss in dir selber leben.“
Liebe Gemeinde,
diese Gedanken Theodor Fontanes stellen uns die Frage: was lebt in uns nach den hohen Festtagen - Ostern, Pfingsten, Trinitatis? Haben wir irgendetwas an dem Schönen und Hohen das wir erlebten, in den Alltag hinüber gerettet, oder hat uns der Alltagstrott eingeholt.
Dieser, unser Alltag, der geprägt ist von erheblichem Konkurrenzkampf: alt gegen jung, Arbeitende gegen Arbeitslose, Erfolgreiche gegen weniger Erfolgreiche, Fromme gegen nicht Fromme, Gläubige gegen Ungläubige.
So scheint es nur natürlich, dass viele Menschen nach Anerkennung trachten. Die Folge ist, dass man sich mit größerem Misstrauen begegnet. Jedes Handeln des Gegenübers wird genauestens hinterfragt. Geschieht es um der Sache willen, oder um sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Oder anders gefragt: geschieht es allein um der Wertschätzung, Anerkennung, also der Ehre willen.
Diese Frage sollten wir uns selbst häufiger stellen. Vielleicht sogar mit mehr Nachdruck, als es die Menschen aller Generationen schon immer getan haben. Auch Jesus selbst wurde von einigen Zeitgenossen unter diesem Blickwinkel beobachtet. Vor allem, wenn er Dinge vollbrachte, die Aufsehen erregten.
So berichtet uns der Evangelist Johannes folgende Begebenheit: Jesus heilt am Sabbat einen Gelähmten am Teich Bethesda und fordert diesen auf, sein Bett zu tragen. Die frommen Juden verurteilen dieses Handeln. Denn am Sabbat, am von Gott verordneten Ruhetag, ist jegliche Arbeit verboten. Dieser Ungeheuerlichkeit muss Einhalt geboten werden. Vor allem, da für sie der Verdacht nahe liegt, dass Jesus dies tut, um Anerkennung, Ehre und Lob beim Volk zu finden. Im anschließenden Disput macht sich Jesus noch unbeliebter, weil er verdeutlicht, dass Gott ihn zu diesem Tun beauftragt hat. Und ganz am Ende seiner Rede bringt er es auf den Punkt: Ich lese im 5. Kapitel des Johannes-Evangeliums die Verse 39 – 47.
39 Ihr durchforscht die Schrift, weil ihr meint, in ihr stecke das ewige Leben. Doch die Schrift ist ein Zeugnis für mich.
40 Ihr aber wollt nicht zu mir kommen, sondern weist das Leben ab.
41 Ich bin auf Ehrungen von Menschen nicht angewiesen.
42 Daher macht es mir nichts aus, wenn ihr mich nicht ehren wollt. Aber es macht mir wohl etwas aus, wenn ich erkennen muß, dass ihr Gottes nicht liebt.
43 Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und trotzdem nehmt ihr mich nicht an. Andere Leute, die in ihrem eigenen Namen kommen, nehmt ihr gerne an.
44 Wie könnt ihr auch zum Glauben finden, wenn ihr euch von menschlichen Ehrungen abhängig macht und gleichzeitig die Ehre und Herrlichkeit, die euch Gott schenken möchte, zurückweist?
45 Ihr müsst nicht glauben, dass ich euch beim Vater verklagen werde. Aber Mose klagt euch an, er, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt hattet.
46 Hättet ihr Mose geglaubt, dann könntet ihr auch mir glauben, denn seine Schrift handelt von mir.
47 Wenn ihr schon seiner Schrift nicht glaubt, wie sollt ihr dann meinen Worten glauben können?
Ja, die Menschen sind fromm. Sie lesen eifrig in Gottes Wort, und glauben auch zu finden, was sie suchen: Gott. Da man ein angesehener Mann ist, wenn man als frommer Jude die Gesetze hält, stellen sie immer neue Regeln auf, um sich zu beweisen. Aber Jesus sieht die Menschen wie sie wirklich sind. Nämlich in ständiger Gefahr, dass sie das Wort mit dem lebendigen Gott verwechseln, und Buchstaben höher achten als Gott selbst. Und dadurch zeigen sie, was sie eigentlich suchen: nämlich die Bestätigung dafür, wie fromm sie sind. Deshalb glauben sie auch, Jesus tue seine Werke nur, damit er von ihnen geehrt wird. Und deswegen verdeutlicht er: „Ich bin auf Ehrungen von Menschen nicht angewiesen, daher macht es mir nichts aus, wenn ihr mich nicht ehren wollt. Aber es macht mir wohl etwas aus, wenn ich erkennen muß, dass ihr Gott nicht liebt.“
Jesus zeigt ihnen, dass sie selbst es sind, die Ehre von Menschen anstatt von Gott suchen. Und für ihn ist dies ein Zeichen mangelnder Liebe Gott gegenüber. Mangelnde Liebe aber führt dazu, den lebendigen Gott aus dem Auge zu verlieren: „Ihr durchforscht die Schrift, weil ihr meint, in ihr stecke das ewige Leben. Ihr aber wollt nicht zu mir kommen, sondern weist das Leben ab.“
Liebe Gemeinde, auch wir stehen in der Gefahr uns in den Äußerlichkeiten zu verlieren. Dass wir den Buchstaben höher achten, als den Geist, in dem die Worte geschrieben sind. Uns ist das Lob der Menschen viel zu wichtig. Wir sind ständig auf der Jagd nach Dank und Anerkennung, nach Ehre und Ansehen, nach der guten Meinung, die andere von uns haben müssen. Dabei wissen wir doch sehr genau, wie der Dank, die Ehre, das Ansehen in dieser Welt zustande kommen! Denn wem wird denn Ehre erwiesen? Einem Minister, einem Vorsitzenden, einer Chefin, einer Künstlerin oder anderen, hochgestellten Persönlichkeiten. Die kleinen, schwachen und unbedeutenden Leute, die nicht auf der Bühne der Öffentlichkeit stehen, die nicht beklatscht und bestaunt werden, die nicht helfen und Gutes tun, weil es von vielen gesehen wird, sondern weil ihnen die Not des Mitmenschen nahe geht, beachten wir hingegen kaum. Gott indessen liebt genau diejenigen, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Er will, dass wir Menschen Seine Liebe zum Maßstab unseres Handelns nehmen! Und wenn wir seine Liebe erfahren und ihn selbst von Herzen lieben, dann sind wir auf menschliche Anerkennungen nicht mehr angewiesen. Dann werden wir die Ehre, die von Gott kommt höher achten als jeglichen weltlichen Ruhm.
So schließt sich der Kreis: „Es kann die Ehre dieser Welt uns keine Ehre geben, was uns in Wahrheit hebt und hält, muss in uns selber leben.“
Liebe Gemeinde, Jesus meint nicht nur fromme Juden, Schriftgelehrte und Pharisäer vor bald 2000 Jahren, sondern jeden von uns auch heute. Denn jedes Wort Gottes wird erst lebendig, wenn wir ihm unsere Hand, unseren Fuß und unser Herz schenken. Wenn wir anderen Menschen durch unsere Taten zeigen, dass Jesus Christus in diesen, unseren Tagen lebt! Unser Herr ist lebendig, das sollen wir den anderen Menschen mit unserem Leben und nicht durch fromme Sprüche zeigen.
Dann werden weder wir, noch sie auf blendende Äußerlichkeiten hereinfallen, sondern hinter die Fassade schauen und hinter die schmeichelnden Worte hören. Denn Gottes Sache ist nicht für die Augen, sondern die Seele bestimmt. Wie Saint Exupery es unvergleichlich schön so ausdrückt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Amen.