„Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist, was du aus dem machst, was dir zustößt.“
Liebe Gemeinde,
wie geht es uns mit dieser Aussage des britischen Schriftstellers Aldous Huxley? Je länger ich selbst darüber nachdenke, desto mehr spüre ich, dass er Recht hat. Denn alles, was uns in unserem Leben zustößt oder begegnet prägt uns doch erst, wenn wir damit umgehen oder zumindest lernen damit umzugehen.
Wie also gehen wir mit der Osterbotschaft, von der Nachricht der Frauen vom leeren Grab und von der Auferstehung Jesu um! Wird unser Leben von der Auferstehungskraft Jesu geprägt, oder macht sich der Alltag mit seiner Resignation breit? Die Ziele, die wir uns stecken, rücken oft in weite Ferne. Und die täglichen Aufgaben bewirken, dass wir uns müde fühlen, körperlich wie seelisch. Oft genug sind wir nur noch einen winzigen Schritt von der Verzweiflung entfernt. Und Menschen in Katastrophengebieten wie in Sumatra und den angrenzenden Regionen empfinden diese Verzweiflung nach dem neuerlichen Erdbeben vermutlich noch um ein vielfaches stärker. Alles, was sie nach dem Tsunami wieder aufgebaut haben, liegt erneut in Schutt und Asche. Wie verunsichert, wie verängstigt müssen diese Menschen sein?! „Alles umsonst –umsonst geglaubt, umsonst gehofft, umsonst gebetet!“ Und die Osterbotschaft kann dem auch nicht so recht entgegenwirken.
Jede und jeder unter uns kennt solche Gefühle, allen voran die Jünger, die auch nach Ostern ohne denjenigen, der die letzten Jahre ihres Lebens geprägt hat, zurechtkommen müssen. Auch wenn sie von der Auferstehung Jesu gehört haben, nichts kann sie aus ihren Zweifeln und ihrer Skepsis reißen. Was also tun? Sie entschließen sich in die ihnen vertraute Gegend beim See Genezareth zurückzukehren. Sie suchen Halt im Gewohnten, in einer ihnen vertrauten Ordnung. Denn seit dem Tode Jesu ist für sie so vieles in Unordnung geraten. Außerdem verbinden sie mit Galiläa die Verheißung, dass sie den Auferstandenen dort sehen werden. So kehrt der gewohnte Alltag wieder ein und aufs Erste könnte alles wieder so werden, als ob sie Jesus nie begegnet wären. Doch hören wir, was uns der Evangelist Johannes im 21. Kapitel berichtet. Ich lese die Verse 1 – 14.
1 Jesus zeigte sich seinen Jüngern nochmals am See bei Tiberias, und das war so: 2 Simon Petrus war zusammen mit Thomas, den sie Zwilling nannten, Nathanael aus Kana in Galiläa, den Söhne des Zebedäus und zwei weiteren Jüngern am See. 3 Als er zu ihnen sagte: „Ich gehe fischen“, riefen sie: „Wir kommen mit!“ Sie zogen alle zusammen los und fuhren mit einem Boot hinaus, doch in der ganzen Nacht fingen sie nichts. 4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger ahnten nicht, dass er es war. 5 Er fragte sie: „Habt ihr nicht etwas, das man zum Brot dazu essen kann?“ Sie antworteten: „Nein.“ 6 Da befahl er ihnen: „Werft an der rechten Bootsseite das Netz aus, dann werdet ihr etwas finden.“ Sie warfen das Netz aus und fingen so viele Fische, dass sie das Netz kaum noch ziehen konnten. 7 Da sagte der Jünger, den Jesus besonders liebte, zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Als Simon Petrus das hörte, warf er sein Obergewand über - er war nackt - und sprang in den See, um Jesus entgegenzuschwimmen. 8 Die anderen Jünger ruderten an Land. Sie hatte nicht weit zu rudern, nur rund hundert Meter, und schleppten das Fischnetz hinter dem Brot her. 9 Als sie landeten, sahen sie schon Fische auf dem Holzkohlenfeuer und Brot daliegen. 10 Jesus rief ihnen zu: „Bringt mir ein paar von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.“ 11 Simon Petrus stieg die Uferböschung hinauf und schleppten das Netz an Land. Es waren großer Fische darin, und obwohl das Netz so voll war, riss es nicht. 12 Da rief Jesus die Jünger herbei: „Kommt her und frühstückt!“ Keiner von den Jüngern wagte, ihn zu fragen: „Wer bist du?“ Denn sie wussten, dass es der Herr war. 13 Jesus gesellte sich zu den Jüngern, nahm Brot und Fisch und verteilte beides unter sie. 14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich nach seiner Auferweckung von den Toten seinen Jüngern zeigte.Petrus übernimmt die Initiative und nimmt mit 6 weiteren Jüngern den nächtlichen Fischfang, wieder auf. Es sind erfahrene Fischer, die den See genau kennen, doch was auch immer sie in dieser Nacht tun – die Netze bleiben leer. So leer wie ihre Hoffnung, ihr Lebensmut, ihre Zukunft, ihre Seele. Alles umsonst. Vergebliche Mühe. Sie stehen vor einem Nichts. So dämmert der Morgen und sie kommen müde, erschöpft und ausgelaugt wieder in Ufernähe. Dort steht ein Mann, und fragt sie ausgerechnet: »Habt ihr nicht etwas, das man zum Brot dazu essen kann«? Wie peinlich, diese Frage mit Nein beantworten zu müssen. Noch sie ahnen nicht, wer ihnen diese Frage stellt. Banal klingt diese Frage in diesem Moment, banal und doch trifft sie den Nagel auf den Kopf. Denn in dieser Frage schwingt nicht nur die Sorge nach dem leiblichen Wohl mit. Nein, eine andere Dimension von „Nahrung“ klingt an: Die Jünger, so wird deutlich, haben auch keine Nahrung für ihre Seele. Ihre „Seelennahrung“ scheint mit Jesus gestorben zu sein. Wir Menschen brauchen mehr im Leben, als Brot allein. Wir brauchen auch Nahrung für unsere Seele. Und damit verbunden Gewissheit, Zuversicht, Hoffnung und Vertrauen.