Liebe Gemeinde,


Eine alte amerikanische Geschichte berichtet: »Ein alter Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn auf einer kleinen Farm. Sie besaßen nur ein Pferd, mit dem sie die Felder bestellen konnten und kamen gerade so über die Runden.
Eines Tages lief das Pferd davon. Die Leute im Dorf kamen zu dem alten Mann und riefen „Oh, was für ein schreckliches Unglück!“ Der alte Mann erwiderte aber mit ruhiger Stimme: „Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?“
Eine Woche später kam das Pferd zurück und führte eine ganze Herde wunderschöner Wildpferde mit auf die Koppel. Wieder kamen die Leute aus dem Dorf: „Was für ein unglaubliches Glück!“
Doch der alte Mann sagte wieder: „Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?“
In der nächsten Woche machte sich der Sohn daran, eines der wilden Pferde einzureiten. Er wurde aber abgeworfen und brach sich ein Bein. Nun musste der alte Mann die Feldarbeit allein bewältigen. Und die Leute aus dem Dorf sagten zu ihm: „Was für ein schlimmes Unglück!“ Die Antwort des alten Mannes war wieder: „Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?“
In den nächsten Tagen brach ein Krieg mit dem Nachbarland aus. Die Soldaten der Armee kamen in das Dorf, um alle kriegsfähigen Männer einzuziehen. Alle jungen Männer des Dorfes mussten an die Front und viele von ihnen starben. Der Sohn des alten Mannes aber konnte mit seinem gebrochenen Bein zu Hause bleiben. „Wer weiß..., wer weiß, wozu es gut ist?“«
Liebe Gemeinde,
die Haltung dieses alten Mannes beeindruckt mich. Denn sie beinhaltet eine Tugend, die auch uns Christen gut zu Gesicht stehen würde. Wie oft stehen wir den Gegebenheiten unseres Lebens missmutig, voller Sorgen oder einfach ärgerlich gegenüber.
Auch den Jüngern Jesu ging es nicht anders. Nach der Kreuzigung Jesu waren sie wie gelähmt und hatten keinerlei Hoffnung mehr. Obwohl ihnen Jesus doch seinen Tod und Auferstehung vorausgesagt hatte. Doch selbst der Bericht vom leeren Grab konnte sie nicht aus ihrer Hoffnungslosigkeit reißen. Sie wollten zurück in ihren vertrauten Alltag, und ihrer früheren Tätigkeit wieder nachgehen. Doch Jesus begegnet ihnen, wie Jahre zuvor genau dort: Mitten im Alltag! Und alle Begegnungen knüpfen an Erinnerungen ihrer gemeinsamen Wanderjahre an, und haben nur eine Botschaft: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“.
Leben in der Haltung des „Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?“ Und unsere Antwort gleich folgt: „Gott weiß, wozu es gut ist!“
Auf diese Weise finden wir einen ganz anderen Zugang zum alles verändernden Osterereignis.
Denn wir spüren, dass das Geheimnis des Ostergeschehens für uns und unser Leben gut ist. Und wenn wir auch das Geheimnis nicht ergründen können, so wächst daraus doch mehr und mehr die Freude und unser Vertrauen in Gott. Je mehr wir an die Auferstehung glauben, desto mehr gewinnen wir Kraft. Glaubenskraft, die sich dann wie ein Baum entwickelt. Er wächst in der Wüste und lebt in der Hoffnung, dass Gott den Regen schickt.
Wir brauchen für unser Leben keine spektakulären Ereignisse. Aber eine große Zuversicht, dass Gott weiß, wozu es gut ist. So, wie er wusste, dass er den gekreuzigte Christus aus dem Totenreich herausreißen wird! Deshalb können wir selbst auf die Überwindung des Todes hoffen! Diese Hoffnung, die unser großes Bekenntnis zum auferstandenen Christus ist! Ein Bekenntnis, das die Menschen um uns herum genauso in Bewegung bringt, wie uns selbst. Christus ist auferstanden! Diese Botschaft ist so aufwühlend, dass wir sie weitersagen müssen. Denn das Leben ist angebrochen – trotz des Todes, der uns noch einholt. Das ewige Leben ist Realität: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“, sagt Jesus Christus. Was für eine Zusage! Kaum zu fassen! Doch diese Zusage des Lebens ist unumkehrbar. Wir sind nicht für den Tod geschaffen, sondern in alle Ewigkeit hinein zum Leben mit Christus! Wir fallen am Ende unseres Lebens nicht in ein schwarzes Loch der Sinnlosigkeit. Wir gehen vielmehr in der Gewissheit auf unserem Lebensweg, dass wir nicht tiefer als in Gottes offene Arme fallen können. Deshalb reicht unsere Hoffnung über unser begrenztes Leben hinaus. Der Tod ist besiegt! Das feiern wir an Ostern.

Amen.

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