Liebe Gemeinde,

wie jedes Jahr in der heiligen Nacht, haben wir uns auch dieses Mal in guter, alter Tradition die Weihnachtsgeschichte erzählt! Und immer wieder fragen wir uns aufs Neue, was das Besondere dieser Nacht ausmacht.
Doch lange, bevor es die christlichen Gemeinden gab, haben die Propheten Israels in ihren Prophezeiungen das weihnachtlichen Geschehen gesehen, es in immer wieder neuen Varianten ihrem Volk geweissagt.
Eine dieser Visionen steht im Buch des Propheten Jesaja. Ich lese im 7. Kapitel die Verse 10 - 14.

10 Der Herr sprach zu Ahas; er sagte:
11 Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe.
12 Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.
13 Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müsst ihr auch noch meinen Gott belästigen?
14 Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Bei uns ist Gott) geben.

Ein Zeichen soll sich der König von Gott erbitten. Denn er steht inmitten eines Krieges. Der König von Aram und der König von Israel wollen Ahas, den König von Juda in eine Koalition gegen Assyrien hineinziehen und belagern Jerusalem. In dieser Situation wird Jesaja von Gott als Prophet berufen und zum König geschickt, um ihm die Angst zu nehmen und Gottes Hilfe zuzusagen. Doch Ahas glaubt dieser Zusage nicht, weshalb Jesaja ein zweites Mal zu ihm kommt und ihn ermuntert, sich ein Zeichen seines Gottes zu erbitten. Doch obwohl die Belagerer vor den Toren der Stadt bereits erkennen lassen, dass sie zermürbt sind, sieht Ahas darin nicht mehr Gottes Eingreifen. Ja, er will gar kein Zeichen der Macht und Bewahrung Gottes mehr haben. Für ihn steht fest, dass er sein Land – Juda – den Assyrern öffnen will. So wirkt seine scheinbar demütige Antwort eher heuchlerisch fromm. Ja, in seiner Antwort wird sogar seine Ablehnung Gottes deutlich, weil er sich offensichtlich lieber auf sich selbst verlässt.
So wendet sich der Prophet an das ganze Volk! Drastische Worte sind die Folge, der Prophet spricht von Belästigung Gottes. Er vergleicht es mit der Belästigung der Menschen untereinander, mit der sie sich gegenseitig belasten. Und aus diesem Grund „wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben!“

Musik

Liebe Gemeinde,
auch wir sind durch unsere persönlichen Fragen und Probleme oft so belastet, dass wir in kaum einer Situation mehr Gott und die Zeichen seiner Gegenwart wahrnehmen. Was immer geschieht, bringen wir kaum mehr mit IHM in Verbindung. Das Lachen eines Kindes, das Geschenk eines Blumenstraußes, ein unverhoffter Besuch, eine unerwartete Versöhnung und vieles mehr. Stattdessen drängen sich familiäre Sorgen wie Krankheit, Unfrieden; Zukunftsängste, Arbeitslosigkeit und natürlich die Nachrichten aus aller Welt in den Vordergrund.
Alle diese Hemmnisse bilden nach und nach eine immer höher werdende Mauer. So hoch, bis unsere Seele die Zeichen Gottes nicht mehr wahrnehmen kann und selbst dunkel wird.
So spricht der Prophet auch zu uns die Worte: „Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel „Bei uns ist Gott“ geben.“
Ja, das Kind in der Krippe, dem wir heute begegnen, ist ein Zeichen Gottes, dass er bei uns ist und an unserem Leben teilhaben will. Ein Zeichen seiner großen Liebe.
Wir Menschen glauben etwas davon zu wissen, wie Zeichen der Liebe“, „Wertschätzung“ oder „Freundschaft“ beschaffen sind. Haben wir nicht gerade am Heilig Abend uns auf unterschiedlichste Art und Weise diese Zeichen zum Ausdruck gebracht, indem wir einander beschenkt haben? Und ordnen wir Zeichen nicht immer wieder aufs Neue ein? Doch wir Menschen erfahren nicht immer nur die froh machenden Zeichen. Nein, leider sind es vielfach auch „negative Zeichen“ die uns widerfahren – und dies gerade am Heilig Abend: Ich denke an Gedankenlosigkeit, Unfrieden in der Familie, große Einsamkeit, gepaart mit Resignation und Hoffnungslosigkeit und vieles mehr.
Um aus diesem Teufelskreis herauszukommen ist es gut, sich gemeinsam an die wunderbaren Zeichen, die Gott uns für unser Leben gibt, zu erinnern. Die Psalmbeter wussten etwas davon, wie unsere Seele hell wird. Deshalb fordern sie die Seele auf, sich an Gottes Taten im eigenen Leben und im Leben anderer Menschen zu erinnern.
Lassen Sie uns nun ein wenig innehalten und an die Zeichen der Liebe, die Gott uns in unserem Leben geschenkt hat, denken. Ausgehend vom größten Geschenk, der Geburt seines Sohnes, dem Kind in der Krippe lassen Sie uns fragen, was dies für unser eigenes Leben bedeutet.

Musik

Im Erinnern wird unsere Seele erhellt. Je mehr wir die Situationen und Erlebnisse unseres Lebens mit Gott in Verbindung bringen, desto enger wird unsere Beziehung zu ihm sein. Und wenn dies gelingt, werden wir zu glücklichen Menschen, die sich von dem Kind in der Krippe beschenken lassen. Dabei helfen uns die Erfahrungen der Stille, als die Musik unser innerstes Sein erfüllt hat, die Weihnachtsbotschaft mit unserem innersten Sein anzunehmen.
Die Verheißung dieser Nacht bleibt geheimnisvoll. Sie erinnert uns an das Wunderwirken Gottes, der seinen Friedensplan für uns Menschen, auch durch Gerichte hindurch, vollenden wird. Er bleibt der „Bei uns ist Gott“
So ist „das Kind in der Krippe“ das Zeichen aller Zeichen! – Zeichen der Liebe Gottes, die uns Menschen durch alle Zeiten hindurch auf die niemals endende Nähe Gottes hinweist, bis wir ihn einmal von Angesicht zu Angesicht selbst schauen werden.
Amen.

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