Gemeinde singt:

1.     Mit den Hirten will ich gehen, meinen Heiland zu besehen,
        meinen lieben heil’gen Christ, der für mich geboren ist.

Liebe Gemeinde,
dunkel ist diese Heilige Nacht! Es die dunkelste Nacht des Jahres. Mitten in diese Dunkelheit hinein, bringen uns Engel – umstrahlt vom hellen Glanz Gottes – die frohe Botschaft über die Geburt eines neugeborenen Kindes! Doch es ist nicht nur ein beliebiges Kind. Nein, es ist Gott selbst, der als Kind mitten in unsere Welt hinein geboren wird, um uns Heil zu bringen. Mit den Hirten wollen wir uns auf den Weg machen, um dieses Wunder zu bestaunen und zu begreifen, dass dieser heilge Christ für Jeden und Jede unter uns ganz persönlich geboren ist.

Gemeinde singt:

2.     Mit den Engeln will ich singen, Gott zur Ehre soll es klingen,
        von dem Frieden, den er gibt jedem Herzen, das ihn liebt.


Nun sind wir im Stall angelangt. Haben das Kind gesehen und unsere Seele vom Glanz der Höhle Bethlehems berühren lassen! Wenn dies geschehen ist, dann wird der Wunsch in uns übermächtig, mit den Engeln zur Ehre Gottes zu singen.  Denn in der Nähe des Kindes spüren wir, dass es letztlich alle finsteren Mächte erhellt. Ja, alle Verfehlungen, alle Sünden vertreibt. Und mehr noch: Wir, die wir von Ostern wissen, ahnen tief in uns, dass dieses Kind uns den umfassenden Frieden schenken wird, wenn wir uns ihm anvertrauen. Denn schon bei seiner Geburt ist die Nacht des Kreuzes spürbar, an dem ER ein für alle Mal mit Gott für uns Frieden schließt. Was für ein Wunder!
Sind wir uns dessen bewusst? Empfinden wir in jeder Lebenssituation die Liebe, mit der uns dieses Kind beschenkt, wenn wir ihm nahe kommen? Wenn dies so ist, dann werden wir seine Liebe erwidern.

Gemeinde singt:

3.     Mit den Weisen will ich geben, was ich Höchstes hab im Leben,
        geb zu seligem Gewinn ihm das Leben selber hin.

Da kann einem schon ein wenig bange werden. Denn es ist die Frage, ob wir wirklich so weit gehen werden, dass wir mit den Weisen dem Kind wirklich unser Leben hingeben. Das heißt doch, wir vertrauen es IHM an, und letztlich werden wir seine Entscheidungen in unserem Leben akzeptieren. Egal was uns das Leben noch bringt: an Freuden oder an Leid, Schmerzen und Tränen. Wir vertrauen uns dem an, der zu unserem Heil geboren ist und der uns sein Schalom, den Frieden für unser ganzes Sein – den inneren und äußeren Menschen – bringt. So muss es Maria, der Mutter Jesu gegangen sein, als sie ihn im Arm hielt. Ihre Gedanken eilten sicher schon voraus und sie ahnte, dass dieses Kind nicht nur ihr Kind sein würde.

Gemeinde singt:

4.     Mit Maria will ich sinnen ganz verschwiegen und tief innen
        über dem Geheimnis zart: Gott im Fleisch geoffenbart.

Wenn wir etwas von Maria lernen können, dann ist es dies: ganz tief in uns selbst hineinzuhören, um über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes nachzusinnen. Es ist nicht von ungefähr, dass hier nicht von nachdenken, sondern von nachsinnen die Rede ist. Denn nachsinnen birgt eine größere Ruhe und innere Gelassenheit in sich, fordert auch nicht die Auflösung des Geheimnisses, sondern lässt zu, das ein Geheimnis auch Geheimnis bleibt!
Und wenn wir dies zulassen, dann können wir die letzte Strophe unseres Liedes mit voller Überzeugung singen:

Gemeinde singt:

5.     Mit dir selber, mein Befreier, will ich halten Weihnachtsfeier;
        komm, ach komm ins Herz hinein, lass es deine Krippe sein!

Liebe Gemeinde,
unsere persönlichen Fragen und Probleme beschäftigen uns oft so sehr, dass wir in kaum einer Situation mehr Gott und seine Geschenke an uns wahrnehmen. Wenn wir Freundlichkeit erfahren, bringen wir diese nicht mehr mit IHM in Verbindung. Das Lachen eines Kindes, das Geschenk eines Blumenstraußes, ein unverhoffter Besuch, eine unerwartete Versöhnung und vieles mehr. Stattdessen drängen sich familiäre Sorgen wie Krankheit, Unfrieden; Zukunftsängste, Arbeitslosigkeit und natürlich die Nachrichten aus aller Welt in den Vordergrund.
Alle diese Hemmnisse bilden nach und nach eine immer höher werdende Mauer. So hoch, bis unsere Seele den Glanz Gottes nicht mehr wahrnehmen kann und selbst an Weihnachten dunkel bleibt. Um aus diesem Teufelskreis herauszukommen ist es gut wie die Psalmbeter unsere Seele immer wieder aufzufordern, sich an Gottes Taten im eigenen Leben und im Leben anderer Menschen zu erinnern.
Und im Erinnern wird unsere Seele erhellt. Je mehr wir die Situationen und Erlebnisse unseres Lebens mit Gott in Verbindung bringen, desto enger wird unser Verhältnis und unsere Verbindung zu ihm sein. Und allmählich werden wir zu glücklichen Menschen, die sich von dem Kind in der Krippe beschenken lassen, die mit IHM Weihnachten feiern.
Heute, in dieser Heiligen Nacht, beschenkt das Kind in der Krippe unsere Seele mit seinem Licht. Wir sind aufgefordert, es im Glauben in die Tiefen unseres Seins leuchten zu lassen. Wenn wir dies zulassen, dann sind wir sozusagen die Krippe, in der das neugeborene Kind liegt. Sein Licht erwärmt unsere Seele umfassend. So erfahren wir tiefste Geborgenheit. Das KIND mit seinem Weihnachtslicht will sich uns schenken, und sehnt sich danach, dass wir dazu „Ja“ sagen. Erwählt, berufen zu werden reicht nicht. Wir müssen unserer Erwählung zustimmen und es jeden Tag aufs Neue ernst meinen. Denn dann geschieht das Wunder aufs Neue: „Jesus wird in uns geboren“ und macht damit unsere Seele hell.
Indem wir unser Herz dem Kind öffnen, wird unser Leben verändert. Mit seiner Hilfe können wir vollbringen, was mit Gottes Willen im Einklang ist. Und dann verstehen wir, dass Jesus selbst das Licht ist. Nehmen wir das an, dann macht sein Licht uns überglücklich. Das wäre doch etwas - von Gott so überwältigt zu werden, dass wir den Himmel in unserem Leben spüren und in seinem Licht unsere tiefste Sehnsucht gestillt wird.
Mit diesem Glück verstehen wir was wir in der letzten Strophe gesungen haben: Mit dir selber, mein Befreier, will ich halten Weihnachtsfeier! Wenn wir dies tun, dann gewinnt unsere Weihnachtsfeier eine neue Dimension. Wir spüren die Freude, die unsere Augen hell macht und zum Leuchten bringt. Und dann geht es uns vielleicht so, wie den Christen Nordkameruns, die vom Heiligen Abend an bis zum Neujahrmorgen ununterbrochen die frohe Botschaft von der Geburt Jesu verkünden. Sie ziehen tanzend und singend von Dorf zu Dorf und lassen sich weder durch Müdigkeit noch durch Heiserkeit davon abbringen.
Ich wünsche uns allen, dass wir Gott in diesen Weihnachtstagen begegnen und entdecken, wie viel Licht unser Leben durch IHN erhält. Unser Innerstes wird dadurch von tiefer Weihnachtsfreude erfüllt, die uns befähigt, die Menschen um uns herum mit ihr anzustecken und ihr Leben durch das Licht Jesu zu erhellen. Dieses Licht, das uns die Gewissheit schenkt, für immer und ewig mit Gott verbunden zu sein.
Amen.


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