Liebe Gemeinde,
in guter, alter Tradition erzählen wir uns jedes Jahr in der heiligen Nacht, aufs Neue die Weihnachtsgeschichte! Möglicherweise denken wir auch darüber nach, ob Weihnachten noch Weihnachten ist und warum sich im Laufe der Jahre so vieles verändert hat. Vielleicht haben wir vergessen, was das wirklich weihnachtliche Geschenk an uns Menschen ist.
Um sich dieser geheimnisvollen Gabe zu nähern hilft es, die Prophezeiungen der Propheten Israels zu uns sprechen zu lassen. Eine dieser Visionen steht im Buch des Propheten Hesekiel. In seiner Deutung der Geschehnisse ist dieser Prophet immer noch höchst aktuell. Doch hören Sie selbst! Ich lese aus der neuen Bibelübersetzung im 37. Kapitel die Verse 24 - 28.
24 David, der zu mir gehört, wird für die Israelitinnen und Israeliten König sein - einen einzigen Hirten werden sie gemeinsam haben. Sie werden meinem Recht folgen und meine Bestimmungen bewahren und verwirklichen.
25 Sie werden in dem Land leben, das ich Jakob, der zu mir gehört, gegeben habe und in dem schon ihre Vorfahren wohnten. Sie und ihre Kinder und die Kinder ihrer Kinder werden dort leben auf Weltzeit -, und David, der zu mir gehört, wird ihr Oberhaupt sein auf Weltzeit.
26 Ich schließe ein Friedensbündnis mit ihnen ein Bündnis auf Weltzeit wird es für sie sein. Ich lasse sie zahlreich werden und stelle mein Heiligtum in ihre Mitte auf Weltzeit.
27 Ich werde unter ihnen wohnen. Ich werde für sie Gott sein, und sie werden zum Volk für mich werden.
28 Und die Nationen werden erkennen, dass ich die Ewige bin und Israel heilige, wenn mein Heiligtum in ihrer Mitte sein wird auf Weltzeit«
Liebe Gemeinde, es wird uns etwas geschenkt. Ein Geschenk, das niemals seinen Wert verliert, sondern in jeder Zeit gleichermaßen wertvoll bleibt. Der einzige und mächtige Hirte wird uns zugesagt! ER ist mit Gott vereint und kommt aus dem Licht, das die Hirten am Felde noch erschrecken ließ. Dieser Hirte behütet seine Herde auf neue Weise, indem er ihnen seine guten Gebote mitten ins Herz gibt, so dass sie zu einer Einheit zusammenwächst.
Aber er ist nicht nur guter Hirte, sondern regiert sein Volk gleichermaßen als Friedensfürst Es kommt zu einer neuen Art Regentschaft denn der Regent wird mit seinem Volk eines Sinnes sein, so dass jeder Einzelne mit Freude Gottes Willen tut. Diese Verheißung erreicht ihren Höhepunkt in der Zusage: Gott will unter uns wohnen! Mehr noch: ER will sein Heiligtum in unserer Mitte aufschlagen. Diese Vision ist keineswegs etwas, auf das wir warten und hoffen über unseren Tod hinaus. Nein, schon jetzt sehen wir immer wieder, dass sich derartiges in unserem Leben ereignet! Immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass sich für einen Augenblick der Himmel auftut und alle unsre Mühe vergessen ist. Dann ist Weihnachten, dann begegnen wir Gott!
Gott schließt an Weihnachten einen Bund, einen ewigen Bund versiegelt und für gültig erklärt durch das Blut des einen Menschen, dessen Geburt wir heute feiern und auf dem der Geist Gottes ruht. Dieser Bund bedeutet: Gott will mit uns sein! Das ist das Zentrum des Weihnachtsfestes und unser Geschenk von Gott. Hier ist die Mitte, aus der heraus alles geschieht: Gott will uns begegnen, begleiten und führen. Ja, Gott lässt uns nicht allein. Die Stunden, in denen wir leiden, in denen wir vor Dunkelheit nicht mehr wissen, wo die Tür zu finden ist werden von ihm beendet und er führt uns aus der Dunkelheit zum Licht.
Deshalb ist diese Vision des Hesekiels mehr, als die Vorausschau auf das weihnachtliche Geschehen. Sie ist die Zukunftsperspektive für unser ganz persönliches Leben, für unsere ganz persönliche Gotteserfahrung, die Gott uns schenken will.
Und darüber hinaus werden „die Nationen erkennen, dass Gott die Ewige ist und Israel heiligt, wenn ihr Heiligtum in ihrer Mitte sein wird auf Weltzeit!“ Das Kind in der Krippe kommt in die Welt wie die Sonne, die über allen Menschen aufgeht und ihr strahlendes Licht bis in die letzten Winkel schickt.
Die Verheißung dieser Nacht bleibt geheimnisvoll. Sie erinnert uns an das Wunderwirken Gottes, der seinen Friedensplan für uns Menschen, durch all unsere Rechtsbrüche hindurch, vollenden wird. Gott schließt mit uns Menschen ein Friedensbündnis ein Bündnis auf Weltzeit. Darin bleibt ER sich für alle Zeiten treu.
So ist und bleibt „das Kind in der Krippe“ das Zeichen für die Erneuerung und Bewahrung unseres Lebens! »Diese Erneuerung unseres Lebens bewirken wir nicht selbst; sie kommt auf uns zu«, wie Wolfgang Huber es formuliert. Sie kommt auf uns zu als Zeichen der Hoffnung und Liebe Gottes. Und sie weist uns Menschen durch alle Zeiten hindurch auf die niemals endende Nähe Gottes hin, bis wir ihn selbst von Angesicht zu Angesicht schauen werden.
Amen.