Liebe Gemeinde,

nehmen Sie bitte aus dem Korb einen Stein in die Hand. Steine sind Zeichen unserer Lebenswege, die oft genug ein beredtes Zeichen dafür sind, wie unser Leben einem ständigen auf und ab unterworfen ist. Vielleicht denken Sie an manches Mal, an dem sie über Steine gestolpert sind. An Tage, an denen Steine Ihnen ermöglicht haben, trockenen Fußes über einen Bach zu kommen. An Bauwerke aus Stein, die für die Ewigkeit gemacht scheinen. An die Trümmer nach dem Krieg, wo manches Bauwerk, manches Haus durch Bomben zum Einsturz gebracht wurde und von vielen Frauen, den sogenannten "Trümmerfrauen" weggeräumt wurde. Aber es gab auch Steine, die freundliche Dienste geleistet haben. Die einluden, sich darauf zu setzen. Andere wiederum machten Spaß, indem sie - auf's Wasser geworfen - dieses in Kreisen in Bewegung setzte. Ja, Steine erzählen uns eine ganze Menge. Und sie erinnern uns an Stationen unseres Lebens.

Heute nachmittag wollen wir uns einen Text anhören, der eine andere Seite des Steines beleuchtet, das ursächlich mit unserem Herz zu tun hat. Beim Propheten Hesekiel lesen wir zwei im 11. Kapitel die Verse 19 und 20:

19„Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben,
20damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“

Nehmen wir doch unserem Stein einmal in die Hand und fühlen ihn. - Er ist hart, wie die Herzen der Mächtigen. So manches Mal begegnen uns Menschen, deren Herz aus Stein gemacht scheint. Andere wiederum zeigen uns versteinerte Mienen.

All dies war offensichtlich schon vor 2600 Jahren, zur Zeit des Propheten Hesekiel so. Zusammen mit König Jojachin und vielen aus seinem Volk wurde Ezechiel, der einer priesterlichen Familie entstammte, 597 v. Chr. von Nebukadnezzar in die Verbannung nach Babylonien geführt. Dort wurde er von Gott zum Propheten berufen. Er wirkte unter den Verschleppten in Babylonien. Ihnen mußte er die falsche Hoffnung, daß sie bald wieder nach Jerusalem zurückkehren könnten, nehmen, indem er Gottes Gericht über die Stadt und den Tempel ansagte. Daneben aber verkündet er das rettende Eingreifen Gottes. Denn er stellt klar heraus, dass das Sinnen und Trachten des Menschen verändern muss und dies nur Gott selbst kann. Hesekiel führte wie kein anderer Prophet viele symbolische Handlungen aus und seine Bilder, sind bis heute immer wieder von einer verblüffenden Klarheit.

Wer würde es auch nicht begreifen, dieses Bild vom steinernen Herzen, das verwandelt werden muß? Jeder, Jede unter uns kann dies nachvollziehen. Ein Stein ist kalt und hart. Umschließen wir ihn aber mit der Hand, so erwärmt er sich. Nur wenn wir ihn umfassen, mit unserer Hand, nimmt er Wärme an. Auf unseren Text übertragen, muss der innere Mensch von Gott umschlossen werden, damit er Gottes Wärme annimmt und sein Herz die Kälte verliert. Unser Stein hat viele verschiedene Seiten. Eine glatte Fläche, an der alles herunterperlt. Eine kantige, die uns weh tut und uns verletzen kann. An so einer Kante spüren wir unsere Empfindlichkeit und unsere Verletzlichkeit. Und wir spüren, je länger wir den Stein in unserer Hand halten, desto mehr wird er ein Teil von uns.

Oft sind wir ja selbst steinhart. Manchmal auch kantig, scharf und verletzend für unsere Mitmenschen. Auf manchen wirken wir vielleicht auch gefühllos, weil wir ihn nicht an uns herankommen lassen. So als hätten wir eine Seite, an der alles herunterperlt, wie an unserem Stein.

Doch Gott möchte, dass wir lebendig sind. Ganz und gar. Von innen und außen. Und er sagt uns heute nachmittag, dass diese Lebendigkeit mit einem lebendigen, fleischernen Herzen anfängt. Wenn Gott selbst kommt, und das hat er durch Jesus Christus getan, wenn ER in unser Leben, in unsere Einsamkeit und Kälte kommt, dann beginnt etwas Neues. Dann verwandelt sich unsere Kälte in Wärme. Dann löst sich unser Mund und wir werden uns wieder mitteilen. Dann schenkt uns der Geist Gottes die Gewißheit, das Jesus selbst seine Hand schon längst nach uns ausgestreckt hat. Er erinnert uns, dass Jesus sich nicht scheute, ein Mensch wie wir zu werden. Und das, obwohl es ihn sein Leben kostete. Er trug sein Kreuz für uns und überwand den Tod, indem er seine Auferstehung für uns errang. Was Jesus getan hat, das gilt jedem von uns. In unserer Taufe wurde uns dies zugesagt. Es wurde uns zugesprochen, dass Gott uns mit seinem Segen begleitet. Dadurch, dass Jesus gekommen ist, spüren wir, dass er sich unserer annimmt. So müssen wir nicht mehr „zum Himmel schreien“ um Steine zu erweichen“. Weil er gekommen ist und jeden von uns annimmt, deshalb muss auch niemand mehr über uns stolpern. Ja, Gottes Geist rollt den Stein von unserem Herzen weg. Statt dessen fließen Ströme lebendigen Wassers in uns, um uns zu beleben. Und eines ist sicher: dann sind wir veränderte Menschen, die gerade in der vergehenden Zeit, in der wir leben, von der Gegenwart des kommenden Herrn durchdrungen werden. Jesus hat den ersten Schritt getan. Wir brauchen nur noch in seine Hand einzuschlagen und unser Leben für IHN zu öffnen. Wie? Indem wir jeden Tag mit IHM reden und das eine sagen: Herr Jesus, erfülle mein Leben mit deinem Geist und hilf mir ein Mensch zu werden, der ein lebendiges Herz hat, das für andere Raum und Zeit hat.

Wenn wir uns dies täglich bewußt machen, dann werden wir zu frohen Menschen. Nicht um Probleme klein zu reden, nicht, um alles auf die leichte Schulter zu nehmen. Nein, ein frohes Herz und Gemüt zu haben heißt für mich: so zu leben, dass Menschen spüren, dass es sich lohnt, in dieser Zeit mit Gott zu leben. Es heißt für mich, Gottes Liebe weiterzugeben, in Worten der Ermutigung; Hoffnung aufzuzeigen, wo Resignation sich breitmacht. Weil Jesus den Tod überwunden hat, kann er uns von aller Angst vor dem, was die Zukunft für uns bereit hält, befreien. Und weil wir dies wissen können wir getrost jeden neuen Tag aus seiner Hand annehmen.
Amen.

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