1 Hierauf redete Gott alle diese Worte und sprach:
2 »Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten hinausgeführt hat, aus dem Hause der Knechtschaft.
3 Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!
4 Du sollst dir kein Gottesbild anfertigen noch irgendein Abbild weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf der Erde, noch von dem, was im Wasser unterhalb der Erde ist!
5 Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott,
der die Verschuldung der Väter heimsucht an den Kindern, an den Enkeln und Urenkeln bei denen, die mich hassen,
6 der aber Gnade erweist an Tausenden von Nachkommen derer, die mich lieben und meine Gebote halten.
7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen!
Denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heilig hältst!
9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Geschäfte verrichten!
10 Aber der siebte Tag ist ein Ruhetag zu Ehren des HERRN, deines Gottes: da darfst du keinerlei Geschäft verrichten, weder du selbst
noch dein Sohn oder deine Tochter, weder dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh,
noch der Fremdling, der bei dir in deinen Ortschaften weilt!
11 Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde geschaffen, das Meer und alles, was in ihnen ist; aber am siebten Tage
hat er geruht; darum hat der HERR den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.
12 Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Lande, das der HERR, dein Gott, dir geben wird!
13 Du sollst nicht töten!
14 Du sollst nicht ehebrechen!
15 Du sollst nicht stehlen!
16 Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen gegen deinen Nächsten!
17 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus!
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, noch seinen Knecht,
noch seine Magd, noch sein Rind, noch seinen Esel, noch irgend etwas, was deinem Nächsten gehört.«
Liebe
Gemeinde,
du
sollst, du darfst nicht, du musst! Wer unter uns kennt
nicht Verbote dieser Art? Wie reagieren wir darauf? Mit Freude, Eifer
und Lust?
Nein, eher keimt in uns Widerstand auf und die Lust, das Verbot zu
umgehen.
Nach dem Motto des 11. Gebotes meiner Kindheit: „Du sollst
dich nicht erwischen
lassen!“
Warum
aber reagieren wir so? Ein Grund: Wir fühlen uns
unterdrückt, von einem der stärker ist und Macht
ausübt. Und so ist die Frage
heute Morgen: Will auch Gott diese Macht über uns
ausüben? Ich denke nein, denn
Gott möchte unser Vertrauen, unsere Liebe, ja, unseren Glauben
an und in IHN!
Denn Gott zwingt niemanden! Er hat uns ja den Willen zur freien
Entscheidung gegeben.
Und mit dieser Entscheidung setzt er uns ein Ziel vor Augen: Ein Leben
mit IHM
und auf IHN ausgerichtet. Nach vorne schauend, voller Zuversicht und
Vertrauen,
das Ziel – ein Leben mit Gott – zu erreichen. Es
heißt also, sich auf den Weg
zu machen. Doch nicht wie Ruderer, die ihr Ziel im Rücken
haben, so dass sie
genaue Anweisungen benötigen, um es zu erreichen. Nein, wir
können wie Paddler
mit offenen Augen auf das Ziel zusteuern, unserer Fahrt wenn
nötig korrigieren,
um unserer Ziel eigenverantwortlich, voller Vertrauen, dass es gelingen
wird,
zu erreichen. Im Hebräischen gibt es eine Zeitform, die unsere
Sprache nicht
kennt: die so genannte „sichere Zukunft!“ Darin
vereint sich das Wissen um die
Zukunft mit dem Vertrauen, dass sich die Zukunft genau - wie
vorhergesagt -
ereignen wird.
Können
wir aus der Sichtweise der Hebräer nicht etwas für
unser Leben lernen, ja, gewinnen? Was wäre, wenn wir den Bund,
den Jesus
Christus für uns mit Gott geschlossen hat, einmal versuchen,
mit den Augen der
Hebräer zu sehen und die Verbindung zu Gott damit ganz neu
überdenken. Dann gilt
auch für uns: Wenn Gott an unserer Seite ist, wenn wir seine
Kinder sind, dann
sind SEINE Gebote etwas „für uns“ und
keine Verbote, die ständig nur aufzählen,
was wir nicht dürfen! Denn Gott weiß, wie unsere
Zukunft in einem Leben mit IHM
aussehen wird. Er weiß, dass, wenn wir uns auf IHN einlassen,
wir seinen
Vorstellungen vom Leben – freiwillig und voll Vertrauen
– folgen werden. Er
lädt uns ein, wartet auf unser JA, um unser Leben in
großer Freiheit zu
begleiten. Er bietet uns an, uns Freundlichkeit zu erweisen, wenn wir
uns ihm
anvertrauen. Als unser Vater geht es ihm einzig und allein um unser
Wohl. Und
er weiß, dass wir nur glücklich sein
können, wenn wir mit den Menschen um uns herum
so umgehen, wie wir selbst es haben möchten. Wie Jesus selbst
es sagt: „Mit dem Maß,
mit dem ihr messt, werdet auch
ihr gemessen werden.“
Ja
unter diesem Blickwinkel, liebe Gemeinde, werden wir
unsere Eltern in Ehren halten, werden weder töten, noch in
eine Ehe einbrechen,
weder eine Falschaussage treffen, noch neidisch auf das Eigentum
anderer
schielen oder uns durch andere bereichern! Dann können wir die
Errungenschaften
unserer modernen Welt nutzen und manches Mal sogar genießen,
ohne dass wir sie zu
Göttern erheben an die wir glauben! Dann genießen
wir auch wieder ganz bewusst
unseren Sonntag als freien Tag und geben uns nicht auch noch sonntags
dem
Kaufrausch hin.
Ja,
mit Gott auf unserer Seite fällt es uns immer leichter,
das Leben so anzunehmen, wie es sich für uns erweist. Und mit
Blick auf IHN
sind SEINE Gebote die Hilfe schlechthin, um im Leben zu bestehen. Sie
sind der
Garant dafür, dass wir unseren Mitmenschen in allen
Situationen offen begegnen
können. Unser Blick wird frei und wir spüren, dass
SEINE Gebote keine Last
sondern Befreiung für unsere Seele sind. Ja mehr noch: Wo
Vertrauen und Liebe
wohnt, sind Verbote überflüssig!
Und dann kann man den Bibeltext so lesen, wie ihn die Hebräer lesen und hören, in der Zeitform der sicheren Zukunft:
Ich lese im 20. Kapitel die
Verse 1 – 17 noch einmal, wobei ich das
Tetragram des Gottesnamens mit Adonaj ersetze, so wie es bis zum
heutigen Tag
in allen Synagogen getan wird:
1
Dann
sprach Gott alle diese Worte und
sagte:
2 »Ich
bin Adonaj, bin dein Gott, weil ich
dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Sklavenarbeit
herausgeholt habe.
3
Deshalb wird es für dich keine anderen
Gottheiten geben – mir ins Angesicht.
4
Du
wirst dir kein Kultbild machen noch
irgendeine Gestalt dessen, was im Himmel oben, was auf der Erde unten
und was
im
Wasserunter der Erde ist.
5
Du wirst dich nicht vor ihnen beugen, noch
wirst du für sie arbeiten,
denn ich, Adonaj, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott,
nachgehend der Schuld von Vätern oder Eltern bei Kindern, Enkeln und Urenkeln, derer die mich hassen,
6
aber
Freundlichkeit erweisend der ganzen Verwandtschaft derer, die mich lieben und meine Gebote bewahren.
7
Nicht wirst du den Namen Adonajs, deines Gottes, zum Schaden gebrauchen,
denn Adonaj wird nicht für unschuldig halten, wer diesen Namen zum Schaden gebraucht.
8
Du
wirst dich des Sabbattages erinnern, um ihn heilig zu halten.
9
Sechs
Tage wirst du arbeiten und alle dein Werk verrichten.
10
Doch der siebte Tag ist Sabbat für Adonaj, deinen Gott, da wirst du keinerlei Werk verrichten, du und dein Sohn und deine Tochter,
dein Sklave und deine Sklavin, und dein Vieh und deine Fremdlinge, die sich in deinen Toren aufhalten.
11 Denn in sechs Tagen hat Adonaj den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und ruhte aus am siebten Tag.
Deshalb hat Adonaj den Sabbattag gesegnet und ihn geheiligt.
12
Du wirst deinen Vater und deine Mutter in Ehren halten, damit auch deine Tage lang werden auf dem Ackerboden, den Adonaj, dein Gott, dir gibt.
13
Du wirst
nicht töten.
14
Du wirst
keine Ehe brechen.
15
Du wirst
nicht stehlen.
16
Du wirst
nicht aussagen gegen deinen Nächsten
durch Lügenzeugnis.
17
Du wirst nicht aus sein auf das Haus deiner Nächsten.
Nicht wirst du aus sein auf die Frau deines Nächsten,
weder auf deren Sklaven oder Sklavin, ihr Rind oder ihren Esel,
noch auf irgendetwas anderes, das deinen Nächsten gehört«.
Amen.