Liebe Gemeinde,
17 Jesus brachte die frohe Botschaft f�r euch Heiden drau�en und uns Juden drinnen.
Das Haus Gottes, liebe Gemeinde, hat einen unvergleichlichen Bauherrn - den Heilige Geist selbst! Dieser baut bis heute - auf dem Fundament der Propheten und Apostel - ein unvergleichliches Meisterwerk! Gott, der vom Propheten Jesaja sagen l�sst: �Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel f�r meine F��e. Was w�re das f�r ein Haus, das ihr mir bauen k�nntet? Was w�re das f�r ein Ort, an dem ich ausruhen k�nnte? � dieser Gott baut sich selbst ein Haus. Schon das Fundament zeugt von unvergleichlicher Stabilit�t und weist uns auf den apostolischen, also einheitlichen Ursprung und Charakter der Gemeinde Jesu hin. Sie wird als �Haus Gottes� bis zur Wiederkunft Jesu in der Kraft des Geistes aufgebaut aus lebendigen Menschen. Das Baumaterial ist so ungew�hnlich wie sein Fundament. Denn � betrachten wir die Herkunft der Menschen aus dem es besteht - so ragt keiner besonders heraus, sondern es sind Menschen wie Sie und ich.
in welchem Zeitalter leben wir? Ist es das Zeitalter der Technik, der Wissenschaft, des Fortschritts? Oder sollten wir als Christen uns dieser Frage lieber anders zuwenden und fragen: Leben wir im Zeitalter des Vaters, des Sohnes oder im Zeitalter des Geistes?
Wenden wir uns von der Bibel her dieser Frage zu, dann werden wir relativ schnell den Eindruck gewinnen, dass bis zur Geburt Jesu das Zeitalter des Vaters, des Sch�pfergottes vorherrschte. Dann � zu Lebzeiten Jesu � lebten die Menschen sicher im Zeitalter des Sohnes. Doch welche �ra ist nach Jesu Tod und Auferstehung angebrochen? Ist es wirklich der Zeitraum des Geistes? Oder sind wir quasi � epochal gedacht � in der �ra des Sohnes stehen geblieben?
Viele Geistesgr��en haben sich immer wieder dieser Frage zugewandt und sind zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Winston Churchill, der britische Staatsmann bekannte freim�tig: �Die Reiche der Zukunft sind Reiche des Geistes.�
Und so sei die Frage an uns heute morgen gestellt: Leben wir in der Zuversicht, im Reich des Geistes zu Hause zu sein, unser Leben und unsere Zukunft also in dieser Gewissheit zu gestalten?
Vielleicht hilft uns bei der Beantwortung dieser Frage ein Text aus dem 2. Kapitel des Epheserbriefes. Ich lese die Verse 17 - 22
18 Beide haben durch ihn Zugang zu Gott dem Vater, weil er sie durch den Heiligen Geist Gott �hnlich werden lie�..
19 So seid ihr Heidenchristen jetzt nicht mehr Fremde oder Ausl�nder, sondern gleichberechtigte Mitb�rger der Judenchristen, die �Heilige� hei�en und geh�rt zu Gottes Haus.
20 Es ist erbaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten. Der Eckpfeiler ist Jesus selbst.
21 Er h�lt das Haus zusammen, und so w�chst das ganze Haus organisch empor zum Gotteshaus, wie der Herr es will.
22 In der Gemeinschaft mit Jesus werdet auch ihr in der Kraft des Geistes mitaufgebaut zur Wohnung Gottes.
Doch wer ist dieser Bauherr, der f�r unseren Verstand so schwer zug�nglich ist? Wie haben wir uns den Geist Gottes, dem wir unsere ganze christliche Existenz verdanken vorzustellen? Offensichtlich haben wir mit dem 3. Glaubensartikel unseres Glaubensbekenntnis, den wir in jedem Gottesdienst verk�nden, unsere geregelten Schwierigkeiten! �Ich glaube an den Heiligen Geist�: Wie k�nnen wir erkl�ren, an wen wir glauben!? Welche Worte beschreiben, f�r uns und alle Menschen verst�ndlich Gottes Geist, von dem uns gesagt ist, er weht, wo er will?
Schon an Pfingsten stellten wir fest: Es ist am besten, wenn wir uns an die Wirkungen des Heiligen Geistes halten, um ihn zu beschreiben und sich ihm ohne Angst zuzuwenden.
Schauen wir also heute auf den Bauherrn, der sein Meisterwerk � das Haus Gottes � baut. Ein Bauherr, wie es keinen zweiten gibt oder je geben wird! Denn er ist vollkommen souver�n und unabh�ngig! Demzufolge baut er das Haus Gottes, die Gemeinde, seinem Wesen entsprechend und l�sst sich von niemandem reinreden.
Das gef�llt uns nicht immer, denn so manches Mal w�rden wir gerne mit dem Bauherrn verhandeln. Stellen wir uns nur die Vielfalt der unterschiedlichsten Menschen vor Augen, die ungleicher nicht sein k�nnten. Doch wahre Kunst zeigt sich gerade in ihrer Vielgestaltigkeit, deren K�nstler scheinbar Unvereinbares eint. Dies erleben wir, wo immer es geschieht stets aufs Neue als Wunder.
Denken wir nur an gro�artige Architekten, die unvergleichliche Kunstwerke geschaffen haben. Zum Beispiel die Kathedrale von Chartres, von der man sagt, sie sei wie Musik. Oder denken wir an gro�e Komponisten. Zum Beispiel an Ludwig van Beethoven, der besonders in seinem Sp�twerk, als er schon v�llig taub war, Klangr�ume entwickelte, die vorher f�r unvorstellbar gehalten wurden. Doch er, das Genie wusste sie derart zu schaffen, dass sie uns bis heute in unvergleichlicher Weise eine Botschaft des Himmels verk�nden. Wenn wir nur die einzigartige Hammerklaviersonate oder die Diabelli-Variationen h�ren, die im letzten Konzert dieser Saison in der Reihe �Musik in Fulerum� erklingen werden.
Doch zur�ck zu unserem Bauherrn. Seit Jesu Tod und Auferstehung ist Gottes Geist uns zur Seite gestellt. Und die Bibel bezeugt, dass wir ihn empfangen k�nnen, wenn wir es nur wollen! Einzige Voraussetzung daf�r ist, dass wir ihn - wie damals die J�nger am Pfingstfest - erwarten.
Dar�ber hinaus k�nnen wir sein Werk f�rdern oder hindern, je nach dem, ob wir ihm unserer innerstes Wesen �ffnen oder verschlie�en. Wo immer wir uns dem Heiligen Geist �ffnen, f�gt er uns harmonisch in das Haus Gottes ein. Dies wird f�r die Menschen um uns herum sichtbar und wirkt auf sie so einladend, dass sie selbst dazugeh�ren m�chten. Denn wir werden, so unser Text, Gott ��hnlich� gemacht.
F�r Paulus war dies keine Frage, des �f�r wahr halten�, sondern fundamentale Gewissheit. Er war davon �berzeugt und in seinem innersten Wesen vom Heiligen Geist ergriffen. Deshalb finden wir in seinen Briefen �berall Zeugnis f�r die Existenz und das Wirken des Geistes.
Noch im 4. und 5. Jahrhundert war f�r alle Kirchenv�ter der Heilige Geist die �berragende, leitende Kraft der Geschichte, und dar�ber hinaus auch in Philosophie, Wissenschaft und Kultur. Um so erschreckender ist es, dass heutzutage �ber den Heiligen Geist immer weniger gesprochen wird, obwohl in den Menschen nach wie vor eine gro�e Sehnsucht nach ihm sp�rbar ist. Schon 1937 formulierte der Berliner Theologieprofessor Otto A. Dilschneider folgenden bemerkenswerten Satz: �Es ist heute kein Geheimnis mehr: die christliche Theologie leidet an einer akuten Geistvergessenheit.�
So scheint es mir wichtig, dass wir uns gegenseitig immer wieder ermuntern, dem Heiligen Geist Einzug in unser Leben zu erm�glichen. Unser Text verdeutlicht, dass er den einzelnen Menschen, zu dem er kommt nicht �f�r sich� lassen will, sondern ihn in sein Bauwerk - der Gemeinde Jesu Christi - eingliedert.
Dies bedeutet aber keineswegs, dass nun die Individualit�t des Einzelnen ausgel�scht w�rde. Statt dessen werden wir mit unserem ganzen Sein Glied einer Gemeinschaft, der wir mit unseren Begabungen und Gaben dienen.
Je mehr wir dies begreifen, umso weniger werden wir mit Neid oder Missgunst reagieren, wenn wir bei anderen Begabungen erkennen. Am Bild des K�rpers machte Paulus dies schon im ersten Korinther Brief klar. �Das Auge kann nicht zum Fu� sagen ich brauche dich nicht, genauso wenig wie sich die Hand isoliert vom Ohr sehen kann.�
Ich bin sicher: Je mehr wir uns dem Wirken des Heiligen Geistes aussetzen, desto weniger werden wir uns aneinander �rgern. Statt dessen werden wir einander Vertrauen entgegenbringen. Dadurch werden wir den Entscheidungen des Presbyteriums beispielsweise nicht mit Misstrauen begegnen, sondern die Zuversicht haben, dass diese aus Liebe zu den Menschen und zum Wohle der Gemeinde getroffen werden. Dies gilt immer, doch ganz besonders in diesen schwierigen Zeiten.
Der Heilige Geist will wirken. Es ist nur die Frage an uns, ob wir ihn denn wirken lassen. Wenn wir uns daf�r entscheiden, dann erkl�ren wir uns gleicherma�en damit einverstanden, dass ER seine Gemeinde so baut wie ER will. Es geht nicht um unsere Vorstellungen, sondern um die Absichten des Heiligen Geistes! Er allein hat den richtigen �berblick. Denn er ist keiner Zeit und keinem Zeitgeist unterworfen. Er will und wird uns ermutigen daran zu glauben, dass wir bereits jetzt und hier in seinem Zeitalter leben. Wenn wir dies glauben, dann haben wir keine Angst vor der Zukunft. Dann wissen wir, dass Gottes Geist in uns und um uns herum sein Reich baut. Ein Reich das f�r alle Menschen Platz hat: Reiche und Arme, Gesunde und Kranke, Arbeitende und Arbeitslose, Alte und Junge.
Wenn wir zulassen, dass Gottes Geist uns zur Wohnung Gottes erbaut, dann wirkt sich dies auf unsere Umwelt und die Welt aus. Denn wir werden durch den Heiligen Geist �Gott �hnlich�. Durch IHN wird in unserer Gemeinde Friede herrschen. Ein Zeichen daf�r, dass Frieden und vertrauensvolles Miteinander auch heute m�glich ist. Ja, es wird deutlich werden, dass �Die Reiche der Zukunft die Reiche des Geistes sind.� Und daf�r lohnt es sich zu beten!
Amen.