Gemeinde singt:

Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit;

das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit,

und dieses Welt- und Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht.

 

Auslegung EG 40

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, Amen!

Liebe Gemeinde,

dunkel ist diese Heilige Nacht! Es die dunkelste Nacht des Jahres. Mitten in diese Dunkelheit hinein, bringt uns ein neugeborenes Kind Licht. Dafür entzünden wir symbolisch so viele Kerzen, wie sonst das ganze Jahr über nicht. In diesem Licht begegnet uns viel Freundlichkeit. Doch ist es die Freundlichkeit Gottes, die wir empfinden?

 

Gemeinde singt:

2.  Lass dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein;

der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein;

er treibet weg der Höllen Macht, der Sünden und des Kreuzes Nacht.

 

3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit;

wenn Sonne, Mond und Stern vergehen,

vielleicht noch in gar kurzer Zeit,

wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein.

 

Haben wir unsere Seele vom Glanz der Höhle Bethlehems erleuchten lassen? Denn ihn zu versäumen, hieße eine Chance zu verpassen. Werden  von ihm doch letztlich alle finsteren Mächte erhellt. Ja, alle Verfehlungen, alle Sünden werden von diesem Lichtstrahl vertrieben. Und mehr noch: Wir, die wir von Ostern wissen, ahnen tief in uns, dass schon bei Jesu Geburt des Kreuzes Nacht beschienen wurde. Was für ein Wunder!

Sind wir uns dieses Wunders so bewusst, dass wir das Licht der klaren Seligkeit - ein Gefühl des überglücklich Seins – in jeder Lebenssituation über unsere persönlichen Schwierigkeiten stellen?

 

Gemeinde singt:

 

4. Lass nur indessen helle scheinen dein Glaubens- und dein Liebeslicht;

mit Gott musst du es treulich meinen, sonst hilft dir diese Sonne nicht;

willst du genießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel sein.

5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, bestrahle mich mit deiner Gunst;

dein Licht sei meine Weihnachtswonne

und lehre mich die Weihnachtskunst,

wie ich im Lichte wandeln soll und sei des Weihnachtsglanzes voll.

 

Neben allen Lichtern, die wir heute entzündet haben, bleibt die Frage: Haben wir auch unser Glaubens- und Liebeslicht entzündet? Sind wir also selbst hell geworden? Ja mehr noch - haben wir von Jesus die Weihnachtskunst gelernt und wandeln wie ER selbst im Licht?

Liebe Gemeinde,

unsere persönlichen Fragen und Probleme beschäftigen uns oft so sehr, dass wir in kaum einer Situation mehr Gott und seine Geschenke an uns wahrnehmen. Und wenn wir Freundlichkeit erfahren, bringen wir diese nicht mehr mit IHM in Verbindung. Das Lachen eines Kindes, das Geschenk eines Blumenstraußes, ein unverhoffter Besuch, eine unerwartete Versöhnung und vieles mehr. Stattdessen drängen sich familiäre Sorgen wie Krankheit, Unfrieden; Zukunftsängste, Arbeitslosigkeit und natürlich die Nachrichten aus aller Welt in den Vordergrund.

Alle diese Hemmnisse bilden nach und nach eine immer höher werdende Mauer. So hoch, bis unsere Seele den Glanz Gottes nicht mehr wahrnehmen kann und selbst dunkel wird. Um aus diesem Teufelskreis herauszukommen ist es gut wie die Psalmbeter unsere Seele immer wieder aufzufordern, sich an Gottes Taten im eigenen Leben und im Leben anderer Menschen zu erinnern.

Und im Erinnern wird unsere Seele erhellt. Je mehr wir die Situationen und Erlebnisse unseres Lebens mit Gott in Verbindung bringen, desto enger wird unser Verhältnis und unsere Verbindung zu ihm sein. Und allmählich werden wir zu glücklichen Menschen, die sich von dem Kind in der Krippe beschenken lassen.

Es ist als ob das Kind in der Krippe uns sein Licht in die Hand geben würde, mit der Aufforderung, es wie das olympische Feuer durch die Welt zu tragen. Stellen wir uns dies einmal praktisch vor: Die Läufer, die das olympische Feuer tragen, achten darauf, dass sie ihr Tempo so einrichten, dass die Flamme nicht erlischt. Sie tun dies in aller Regel voller Freude und fühlen sich geehrt, dass gerade sie mit diesem Auftrag betraut wurden.

Heute, in dieser Heiligen Nacht, erhalten wir ein viel wertvolleres Licht. Wir sind aufgefordert, es erst einmal selbst im Glauben anzunehmen. Denn erst, wenn es uns zum Glaubens- und Liebeslicht wird, können wir den Auftrag des Kindes, sein Licht in die Welt zu tragen, erfüllen. Sein uns anvertrautes Licht erwärmt unsere Seele umfassend. So erfahren wir tiefste Geborgenheit. Damit dies geschieht, ist nur eines erforderlich: Dem KIND mit seinem Weihnachtslicht unser Herz zu öffnen. Es will sich uns schenken, und sehnt sich danach, dass wir dazu „Ja“ sagen. Erwählt, berufen zu werden, sein Licht weiterzutragen, reicht nicht. Wir müssen unserer Erwählung zustimmen und es gleichermaßen treulich meinen. Denn dann geschieht das Wunder aufs Neue: „Jesus wird in uns geboren“ und macht damit unser Dunkel hell.

Indem wir unser Herz dem Kind öffnen, wird unser Leben verändert. Mit seiner Hilfe können wir vollbringen, was mit Gottes Willen im Einklang ist. Und dann verstehen wir, dass Jesus selbst das Licht ist. ER ist die Weihnachtsonne und bestrahlt uns mit seiner Gunst. Nehmen wir das an, dann wird das Licht zu unserer Weihnachtswonne und macht uns überglücklich. Das wäre doch etwas - von Gott so überwältigt zu werden, dass wir den Himmel in unserem Leben spüren und in seinem Licht unsere tiefste Sehnsucht gestillt wird.

Mit diesem Glück verstehen wir die Bitte, die wir in der letzten Strophe gesungen haben. Jesus möge uns die Weihnachtkunst lehren, wie wir im Licht wandeln sollen. Denn von Weihnachten geht die Kunst aus, die uns lehrt unser Leben in rechter Weise zu führen.

Wenn wir sozusagen beim „Kind des Lichtes“ in die Lehre gehen, dann gewinnen wir die Freude, die unsere Augen hell macht und zum Leuchten bringt. Und dann geht es uns vielleicht so, wie den Christen Nordkameruns, die vom Heiligen Abend an bis zum Neujahrmorgen ununterbrochen die frohe Botschaft von der Geburt Jesu verkünden. Sie ziehen tanzend und singend von Dorf zu Dorf und lassen sich weder durch Müdigkeit noch durch Heiserkeit davon abbringen.

Ich wünsche uns allen, dass wir Gott in diesen Weihnachtstagen begegnen und entdecken, wie viel Licht unser Leben durch IHN erhält. Unser Innerstes wird dadurch von tiefer Weihnachtsfreude erfüllt, die uns befähigt, die Menschen um uns herum mit ihr anzustecken und ihr Leben durch das Licht Jesu zu erhellen. Dieses Licht, das uns die Gewissheit schenkt, für immer und ewig mit Gott verbunden zu sein.
Amen.

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