„Eine unendlich tiefe Wahrheit und Gottheit ist der Dreieine Gott. In IHM finden wir das Geheimnis von LEBEN und seiner Fülle. Wir würden der Lebensfülle verlustig gehen, wenn man diese Offenbarung vernachlässigen würde.“

Liebe Gemeinde,
Diese Worte des katholischen Theologen Dr. Erhard
Meier führen uns in guter Weise in das Thema des heutigen Sonntags ein.
Das Trinitatisfest gibt es erst seit 1334, wobei es noch über eine längere
Zeit Differenzen darüber gab, ob es überhaupt gefeiert werden solle. Am heutigen Tag steht also das „Glaubensbekenntnis der Gemeinde“ im
Mittelpunkt des Gottesdienstes. Kann uns darüber überhaupt Neues mitgeteilt
werden? Schließlich bekennen wir jeden Sonntag unseren Glauben im Gottesdienst
und wissen darüber Bescheid. Also könnte die Predigt schon an dieser Stelle zu
Ende sein.
Doch ich denke, mit dieser Haltung würden wir es uns zu einfach machen. Es
ist m. E. überlegenswert darüber nachzudenken, warum ein Bekenntnis
überhaupt so wichtig ist: Für uns als Gemeinde, aber auch für jeden einzelnen
Christen.
Dabei kann uns eine der ältesten Taufordnungen aus dem Jahre 215, die uns der
Kirchenvater Hippolyt überlieferte, helfen. Sie beschreibt, wie damals getauft
wurde. Am Tag ihrer Taufe wurden die Täuflinge noch einmal selbst gefragt:
„Glaubst du an Gott den Vater, den Allmächtigen?“ Antwort: „Ich
glaube!“ Daraufhin wurde ihnen die Hand aufgelegt, und sie ein zweites Mal
gefragt: „Glaubst du an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der vom Heiligen
Geist aus der Jungfrau Maria geboren wurde, der gekreuzigt wurde und starb unter
Pontius Pilatus und am dritten Tage lebendig auferstand von den Toten und gen
Himmel fuhr und niedersaß zur rechten Hand des Vaters und kommen wird, zu
richten die Lebenden und die Toten?“ Antworteten die Täuflinge: „Ich
glaube!“, so wurden sie ins Wasser untergetaucht. Danach wurde die dritte
Frage gestellt: „Glaubst du an den Heiligen Geist, die heilige Kirche und die
Auferstehung des Fleisches?“ Und wiederum sollten die Täuflinge antworten:
„Ich glaube!“, dann wurden sie zum dritten Mal untergetaucht.
Das Bekenntnis wurde bei der Taufe vom Täufer, nicht vom Täufling selbst
gesprochen. Dieser bestätigte es allein durch sein „Ich glaube!“ Mit dem Bekenntnis: „Ich glaube!“ vertraute sich ein Täufling dem
Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist an und ließ sich sozusagen an sie binden.
„Ich glaube!“, was drückt sich für uns in diesen Worten noch aus? Ist die
Lehre zu einem dreieinigen Gott für uns heute vielleicht zu reiner Theorie
verkümmert? Wer da selig werden will, der muss vor allem den allgemeinen Glauben
festhalten. Liebe Gemeinde, Wie viele Menschen unserer Zeit sagen: „Ich glaube“ - drücken damit
aber aus. „Ich vertraue ... der Zukunft“, „dem Fortschritt“, „der Einsicht“
...?“
Wenn wir Christen aber sagen: „Ich glaube“ und unseren Glauben
bekennen, so wirkt dieses Bekenntnis in drei Richtungen: In diesem Bewusstsein können wir ohne Angst jeden unserer Tag aus Gottes Hand
empfangen und uns sicher sein, dass wir immer wieder neu die Chance erhalten,
neu anzufangen. Da ist niemand, der mit dem Finger auf uns zeigt und unser Leben
soz. benotet. Nein, im Gegenteil!! Diesem dreieinigen Gott entgegen und von ihm geführt in ein Leben in die
Freiheit der Kinder Gottes!
Dabei
hat das Trinitatisfest für unsere protestantische Kirche eine größere Bedeutung,
als für die römische Kirche. Trinitatis ist das „Fest des
Glaubensbekenntnisses“. Mit dem Trinitatisfest erreicht das Kirchenjahr
gewissermaßen einen ersten Abschluß. Während in der 1. Hälfte des Kirchenjahres
über bestimmte Offenbarungen Gottes in der Geschichte nachgedacht wird, geht es
beim Trinitatisfest um das Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit selbst. Die
liturgische Farbe des Dreieinigkeitsfestes ist Weiß, als Fest
der Herrlichkeit Gottes.
100
Jahre später wurde dieses Bekenntnis in jedem Gottesdienst von einem Pfarrer
gesprochen.
Unser apostolisches Glaubensbekenntnis hat also seinen Ursprung
in dieser Taufordnung.
Um sich dieser Frage zu nähern und eine Antwort zu bekommen
scheint es mir wichtig zu sein, dass wir keinen Bibeltext befragen. Zumal wir in
der Bibel selbst keinen direkten Text der Dreieinigkeit finden. Viele Texte
verbinden entweder den Vater mit dem Sohn, oder den Vater mit dem Geist, oder
den Sohn mit dem Geist. Doch trinitatisch wird Gott an keiner Stelle
ausdrücklich beschrieben. Neben dem bekanntesten, apostolischen
Glaubensbekenntnis bekennen wir an Festtagen mit dem Glaubensbekenntnis von
Nizäa-Konstantinopel unseren Glauben. Als Bekenntnis wurde es schon im Jahr 381
formuliert. Es ist das Glaubensbekenntnis, das im weitesten Sinn die gesamte
Christenheit verbindet. Doch für unsere Überlegungen habe ich das am wenigsten
bekannte Bekenntnis ausgewählt. Das sogenannte Athanasianum, das im 5.
Jahrhundert in Südgallien entstanden ist. Dieses hat schwerpunktmäßig Aussagen
zur Trinitätslehre und kann uns helfen, neu über die Dreieinigkeit Gottes
nachzudenken.
Da es ein langer Text ist möchte ich Sie bitten, den 1. Teil
dieses Glaubensbekenntnis mit mir gemeinsam als Bekenntnis zu sprechen.
Jeder, der diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, wird
ohne Zweifel ewig verloren gehen.
Dies aber ist der allgemeine Glaube:
Wir verehren den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die
Dreifaltigkeit in der Einheit, ohne Vermischung der Personen und
ohne Trennung der Wesenheit.
Denn eine andere ist die Person des
Vaters, eine andere die des Sohnes; eine andere die des Heiligen Geistes.
Aber der Vater und der Sohn und der Heilige Geist haben nur eine
Gottheit, die gleiche Herrlichkeit, die gleiche ewige Majestät.
Wie der
Vater ist, so ist der Sohn und so der Heilige Geist: Ungeschaffen der Vater,
ungeschaffen der Sohn, ungeschaffen der Heilige Geist.
Unermesslich der
Vater, unermesslich der Sohn, unermesslich der Heilige Geist.
Ewig der
Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei
Ewige, sondern ein Ewiger, wie es auch nicht drei Ungeschaffene oder drei
Unermessliche sind, sondern ein Ungeschaffener und ein
Unermesslicher.
Ebenso ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn,
allmächtig der Heilige Geist. Und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern
ein Allmächtiger.
So ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige
Geist Gott. Und doch sind es nicht drei Götter, sondern ein Gott.
So
ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige Geist Herr. Und doch sind es
nicht drei Herren, sondern ein Herr.
Denn wie uns die christliche
Wahrheit zwingt, jede Person einzeln für sich als Gott und als Herrn zu
bekennen, so verbietet uns der allgemeine Glaube, von drei Göttern oder Herren
zu sprechen.
Der Vater ist von niemandem gemacht noch geschaffen noch
gezeugt.
Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht noch geschaffen, aber
gezeugt.
Der Heilige Geist ist vom Vater und vom Sohn, nicht gemacht noch
geschaffen noch gezeugt, sondern hervorgehend.
Es ist also ein Vater,
nicht drei Väter,
ein Sohn, nicht drei Söhne,
ein Heiliger
Geist, nicht drei Heilige Geister.
Und in dieser Dreifaltigkeit ist nichts
früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind
einander gleichewig und gleichrangig, so dass in allem, wie
bereits oben gesagt worden ist, die Dreifaltigkeit in der Einheit und die
Einheit in der Dreifaltigkeit zu verehren ist.
Wer also selig werden
will, soll diese Auffassung von der Dreifaltigkeit haben.
die Worte dieses Bekenntnisses sind uns von ihrem Inhalt
her bekannt. Dennoch bergen sie eine Kraft in sich, der wir nicht alle Tage
begegnen. Ich persönlich bedaure es sehr, dass wir unseren Glauben nicht öfter
mit diesen Worten bekennen. Vielleicht wären wir dann weniger hilflos, wenn wir
im Gespräch mit Andersgläubigen auf die Dreieinigkeit Gottes zu sprechen kommen.
Denn gerade mit der Dreieinigkeit haben Muslime und Gläubige anderer Religionen
ihre größte Schwierigkeit.
Doch in diesem Bekenntnis, das wir gerade
gesprochen haben, finden wir viele Antworten, um sich dieser schwierigen Frage
zu nähern. Und wir spüren, dass wir mit dem Bekenntnis unseres Glaubens immer
auch sagen: „Ich hoffe“, „Ich höre“, „Ich gehorche“, „Ich will wissen“,
und „Ich vergewissere mich“. Wessen?? Dass Gott geredet und gehandelt hat
und zwar durch Seinen Sohn und durch den Heiligen Geist. Dass jedes Wort, das in
der Bibel von Gott, von Gottes Sohn oder dem Heiligen Geist redet, ewigen
Bestand hat. Dass dort die Wahrheit Gottes, die in Jesus Christus menschliche
Gestalt angenommen hat, zu finden ist. Dass in den Worten der Schrift meine und
unser aller Zukunft begründet ist.
- wir geben Gott
die Ehre,
- wir verkünden ihn, als den Schöpfer der Welt und Jesus Christus
als den Retter der Menschen und den Heiligen Geist, als Tröster, Beistand und
uns Richtung gebender Helfer, und
- wir erinnern uns selbst jedes Mal aufs
Neue an unsere Taufe und bekennen uns als zu Gott gehörigen Menschen.
Wir
erinnern uns also daran, dass wir nicht einfach nur zusammen gekommen sind, um
Gemeinschaft zu erleben und uns mit anderen Menschen auszutauschen, sondern wir
bekennen uns mit unserem ganzen Sein als Menschen, der mit Gott in Verbindung
steht. Der sich mit seinem Sein an Jesus Christus bindet, weil er dort allein
seine Schuld vergeben weiß.
Das Glaubensbekenntnis, das wir sprechen, dient
also in erster Linie uns selbst und vergewissert uns unseres Christseins. Anders
ausgedrückt, wenn wir das Glaubensbekenntnis in vollem Bewusstsein sprechen,
dann sagen wir unserer Seele immer wieder aufs Neue, dass wir mit dem
aufs engste verbunden sind, der uns unser Leben gab und der es uns heute und
jeden Tag aufs Neue ermöglicht mit IHM das Leben in seiner ganzen Fülle
zu schmecken, zu fühlen, zu erfassen.
Da ist einerseits der liebende Gott, der
uns als Vater begegnet, weil er uns als sein Kind in die Arme schließen will, um
uns Geborgenheit und Sicherheit zu schenken.
Da ist andererseits der
liebende Gott, der uns als Sohn begegnet und für jeden von uns Mensch geworden
ist. Der ein für allemal, wie es im Hebräerbrief formuliert ist, unsere Schuld
beglichen hat, indem er sein Leben für jeden einzelnen von uns hingegeben
hat. Dadurch ermöglicht er uns, in wirklicher Freiheit Gott zu begegnen.
Und
da ist der liebende Gott, der uns als Tröster in unserem innersten Menschsein
begegnet. Der uns steuert, weil er in uns lebt und uns in alle Wahrheit leiten
und führen will. Der Heilige Geist, der sich unserem Geist mitteilt und
mitteilen kann, wie kein Mensch es je könnte.
Um ihm allerdings begegnen zu
können, benötigen wir Stille und immer wieder Momente des Gebetes und des
Bekennens, damit wir fähig sind, die feinen Impulse seiner Steuerung
wahrzunehmen, und uns den dreieinigen Gott zu vergegenwärtigen.
Möge uns
Gott am heutigen Sonntag neu die Möglichkeit schenken, dies von unserem
innersten Sein her zu begreifen, um daran froh zu werden und mit Mut und
Zuversicht den dreieinigen Gott zu verkünden und anzubeten.
Dann können wir
getrost allen Menschen in Liebe und Verantwortung begegnen und sie ermutigen,
sich mit uns gemeinsam auf den Weg zu machen.
Und dereinst in das ewiges Leben in Gottes
Reich, das unseren irdischen Augen noch verborgen ist, empfangend. So erfahren
wir die „unendlich tiefe Wahrheit und Gottheit des Dreieinen Gottes“ und
„finden in IHM das Geheimnis von LEBEN und seiner Fülle.
Wir erfahren
Gott, weil ER allein Herr des Lebens und unseres Lebens ist, als Vater, als Sohn
und Heiligen Geist und als unseren Herrn und Bruder gleichermaßen.
Amen.