Liebe Gemeinde,
Abigail, so haben wir gerade vernommen, bekam ihre Würde durch den zukünftigen König David zurück. Sie hat durchbrach alte Gewohnheiten - "wie du mir, so ich dir" - durch mutiges, neues Handeln. Im gerade gehörten Dialog trat die Frage in den Vordergrund, ob dieses Handeln ganz ohne Zweifel geschehen konnte. Aber Abigail sagt: "Ich hatte gar keine andere Wahl!"
Diese Aussage führt Paulus weiter: Was bewegt uns, was geht in uns vor, wenn wir diese Worte des Apostel Paulus hören? Regt sich Widerspruch zu dieser Aussage, weil die damit angesprochene neue Lebenswirklichkeit doch wahrhaftig nicht unser Leben auszeichnet!? Hätten die rumänischen Frauen das Thema: "Zur Versöhnung herausgefordert" für den heutigen Weltgebetstag gewählt, wenn das Neue unsere Lebensrealität widerspiegeln würde? Wohl kaum! Was fangen wir also mit dieser Aussage an? Gilt sie nur Menschen, die wie Paulus ein ganz besonderes Gotteserlebnis hatten, oder auch Ihnen, mir und allen glaubenden Menschen? Für Paulus ist Glaube nie ein theoretisches Gebilde. Ihm geht es immer um eine persönliche Beziehung des Glaubenden mit Jesus Christus. Erst diese Verbindung mit Jesus schenkt eine neue Lebenswirklichkeit! Unabhängig davon, ob wir das Alte in seinen Auswirkungen noch spüren, oder nicht ruft Paulus uns dazu auf, das uns von Jesus geschenkte "neue Leben zu ergreifen.
Vor diesem Hintergrund, wollen wir uns dem Text zuwenden, den uns die rumänischen Frauen zu bedenken geben. Er steht im 2. Korintherbrief, Kapitel 5, die Verse 18 - 20.
18 "Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
Anschaulich beschreibt Paulus, dass das Evangelium sich nicht in eine Reihe mit den vielen religiösen Weltanschauungen stellen lässt.
Denn die frohe Botschaft will uns Menschen nicht zu einer Verbesserung unseres Wesens anleiten.
Nein, diese "Neue Schöpfung" stammt allein "von Gott"! Um dies zu begreifen, müssen wir das Bild des gekreuzigten Christus betrachten und verinnerlichen. Dann spüren wir: Mit der freien Entscheidung Jesu, sich kreuzigen zu lassen, vollbrachte ER die Versöhnung des Menschen mit Gott. Das ist der tiefe Sinn des Sterbens Jesu am Kreuz: "Die Menschen mit Gott zu versöhnen." Wo immer uns Feindschaft, Streit, Rivalität, Wutausbrüche, Intrigen, Uneinigkeit, Spaltungen, Neid, Habsucht und vieles mehr begegnen, letztlich sind dies Auswirkungen der Entfremdung des Menschen mit Gott. Deshalb ist es für uns so wichtig, die gute Nachricht des Paulus heute zu hören: "Gott versöhnte in Christus die Welt mit sich selbst und rechnete den Menschen ihre Verfehlungen nicht an."
Keiner unter uns kann wohl von sich sagen, zwischen ihm und Gott sei alles in Ordnung.
Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, finden wir sicher jede Menge Unvereinbares dem heiligen Gott gegenüber.
Denn wenn wir die Heiligkeit Gottes spüren, dann nehmen wir auch das Un-heilige an uns wahr.
Den rumänischen Frauen, die den heutigen Weltgebetstag vorbereitet haben, ist diese Versöhnung offenbar so wichtig geworden, daß sie das Thema dieses Tages als Herausforderung begriffen haben. Doch ist es überhaupt möglich, einen anderen Menschen zur Versöhnung herauszufordern? Eine Herausforderung kommt doch einer Aufforderung gleich. Und wenn Versöhnung nötig ist, dann ging doch ein Bruch voraus. Fronten bildeten sich, Grenzen wurden gezogen, Türen zugeschlagen. Freunde wurden zu Feinden, Partner zu Gegnern! In so einer Situation gleicht doch jede Forderung einem Affront, einer Provokation. Dies können die Rumäninnen nicht gemeint haben. Denn Versöhnung kann nur gelingen, wenn ein Mensch spürt: "Ich bin gemeint, es ist an mir den Weg der Versöhnung zu beschreiten.
Versöhnung ist also ein Prozess, der mit dem Bewußtsein beginnt, daß Gott mir vergibt!
Er, der Heilige, geht den ersten Schritt auf mich, auf uns Menschen zu.
Es ist der entscheidende Schritt, der uns Menschen Versöhnung untereinander erst ermöglicht. Gott schenkt uns seinen Sohn, der sich aus Liebe zu uns freiwillig ans Kreuz schlagen läßt und den Tod an unserer Stelle auf sich nimmt.
Folgen wir dem Apostel Paulus, dann müssen wir diese Versöhnung nicht bewirken, weil sie bereits da ist!
Nehmen wir das Geschenk Jesu an und verbinden uns mit ihm, dann sind wir eine "neue Schöpfung".
Dann sind wir befähigt die Selbstherrlichkeit gegen Gott, den Unfrieden, die Feindschaft abzulegen.
Wir können dann glauben, beten, hoffen und lieben. Und daraus wächst unsere Fähigkeit, selbst zur Versöhnung aufzurufen.
An Stelle von Jesus selbst, bitten wir dann zuerst, sich mit Gott selbst versöhnen zu lassen.
Die Versöhnung zu erleben, die wir zuvor erfahren haben.
Dieser Ruf zur Versöhnung wird Auswirkungen haben. In unseren Familien, in unserer Nachbarschaft, in unseren Gemeinden, in unserer Stadt, in unserem Land und in der Welt! Als mit Gott Versöhnte gewinnen wir Kraft uns gegen unsere Ichbezogenheit im Leben und Denken aufzulehnen, sie sozusagen zu bekämpfen.
Dieser Egoismus, der uns unsere Mitmenschen aus diesem Blickwinkel heraus betrachten lässt. Durch den sie uns sympathisch oder unsympathisch sind. Durch den sie für unsere Interessen wichtig oder unwichtig sind. Uns imponieren, erfreuen oder ärgern.
Doch als mit Gott Versöhnte gewinnen wir neue Fähigkeiten. Wir werden Versöhnung aktiv suchen und die Menschen ganz neu beurteilen. Unsere Augen sehen unsere Mitmenschen aus einem veränderten Blickwinkel heraus an. Und dieser neue Blick befähigt uns Trennendes wegzuräumen. Türen wieder zu öffnen, Grenzen abzuschaffen. Ein neuer Weg beginnt und kann beginnen, weil Christus uns den Weg dazu geebnet hat. Vergebung wird möglich, weil uns zuerst von Gott vergeben wurde und wir befreit von unseren Altlasten auch Anderen diese Freiheit schenken können.
Versöhnung heißt also, mit Gott im Einklang zu leben. Seinen Frieden befreiend als Realität zu spüren. Sind wir mit Gott versöhnt, dann erleben wir, dass wir endlich frei sind unseren eigenen Weg zu gehen. Und damit verbunden sind wir auch frei, Andere ihre eigenen Wege suchen und gehen zu lassen. Diese Freiheit befähigt uns Menschen einander loszulassen, um sich als Versöhnte neu zu begegnen. Frauen ihre Männer, Männer ihre Frauen, Lehrer ihre Schüler, Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Eltern.
Wir spüren an diesem Beispiel, dass es wichtig ist, miteinander im Gespräch zu bleiben, aber innerlich einander loszulassen, damit jeder Mensch sein Leben im Einklang mit dem leben kann, der die Quelle allen Lebens ist - Jesus, der Sohn Gottes.
Versöhnung ist eine Bitte, immer wieder zurückzufinden zu Gott. Eine Einladung, im gekreuzigten Herrn die Mitte des Lebens zu finden, damit endlich Frieden in unser Leben einkehrt. Und als Versöhnte können wir uns in Gottes Hand bergen wie ein kleiner Vogel, der sich still - wie in ein Nest - in die warme und geöffnete Hand eines Menschen setzt. Der Vogel kann fliegen und wieder zurückkehren in diese Hand. "So hält Gott seine Hand für uns bereit. Seine Hand bleibt geöffnet, sie hält nicht fest und verschließt sich nicht vor uns."
Lassen Sie uns, wo immer es uns schwerfällt einander die Hand zu reichen, daran denken.
Wir können die ausgestreckte Hand Gottes ergreifen, weil Jesus mit seiner Menschwerdung selbst den ersten Schritt auf uns zu getan hat. Er hat uns vorgelebt, dass es möglich ist, selbst den ersten Schritt zu tun. Und an seiner Hand können wir es wagen, es ihm gleichzutun. Wir werden nicht mehr darauf warten, bis der Andere den ersten Schritt wagt. Nicht mehr überlegen, wer angefangen hat, wer größere Schuld am Bruch der Beziehung trägt. Nein, in uns wird sich der Wille entwickeln, der Unversöhnlichkeit ein Ende zu bereiten.
Wir müssen uns dabei nicht verbiegen, sondern eine Entscheidung für die Liebe treffen, die Versöhnung sucht.
Lassen Sie uns uns gemäße Schritte der Versöhnung finden, im Bewußtsein, daß wir dies Gott schuldig sind, nachdem ER uns mit sich versöhnt hat.
Damit wir es uns dann voller Freude erzählen und in der Gewißheit zusprechen können: "Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden."
11 Denn der Sohn, der die Menschen Gott weiht, und die Menschen, die von ihm Gott geweiht werden, stammen alle von demselben Vater. Darum schämt der Sohn sich nicht, sie seine Brüder zu nennen.
"Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden."
19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute.
20 Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Laßt euch mit Gott versöhnen!"
Amen.