Liebe Gemeinde,

in der aktuellen Ausgabe des Spiegels las ich einen Artikel: „Vom Straps zur Schnabeltasse“. Dieser Artikel stellt ein Projekt vor, das z. Zt. in Nordrhein-Westfalen begonnen hat. Ehemalige Prostituierte werden umgeschult und zu Altenpflegerinnen ausgebildet. Was für ein Gedanke! Dieses Projekt könnte im Untertitel durchaus heißen: „Neuanfang wagen“! Denn hier wird Frauen und Mädchen geholfen, ihr bisheriges Milieu zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Nach Aussagen der Projektleiterin ist das Projekt bislang ein Erfolg, da gerade diese Menschen Einfühlungsvermögen und wenig Berührungsängste mitbringen. Fähigkeiten, die in diesem schweren Beruf gebraucht werden.
Doch was hat das mit uns zu tun? Wünschen wir uns auch einen Neuanfang? Wollen auch wir unser Leben neu ordnen?
Diese Frage ist vielleicht eine der ältesten Fragen, die sich Menschen von Anbeginn der Welt immer wieder gestellt haben und bis heute stellen. Auch die ersten Christen haben dies getan. Der Apostel Petrus geht ihr sogar gleich zu Beginn seines 1. Briefes nach. Ich lese im 1. Kapitel die Verse 13 – 16:

13 Darum haltet euch bereit und seid nicht schläfrig, sondern hellwach. Erwartet alles von Gott, der euch bei der Offenbarung Jesu Christi voll Gnade beschenken wird.
14 Ich wünsche mir, dass ihr jetzt gehorsame Kinder seid und nicht in die Haltlosigkeit von damals, als ihr noch Heiden wart, zurück fallt. Passt euch nicht dem Alten an,
15 sondern nehmt den heiligen Gott selbst zum Maßstab. Er hat euch berufen, und ihr sollt in eurem Leben so werden wie er.
16 Wie er nach der Schrift sagt: »Seid heilig, denn ich bin heilig«.

Petrus ermutigt dazu das Alte, also das Heidentum hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen.
Doch was, liebe Gemeinde, macht denn das Heidentum aus?
In der Zeit der ersten Christen waren Heiden diejenigen, die Götzen anbeteten, und in ständiger Furcht vor diesen lebten. Wie gut, dass wir aufgeklärte Menschen sind und uns nicht als Heiden fühlen. - Doch was ist mit unserem Streben nach Macht, Reichtum und Karriere? Sind diese Wünsche nicht an die Stelle der Götzenstandbilder getreten? Und fürchten nicht gerade wir uns vor Machtlosigkeit, Armut und Bedeutungslosigkeit?
Direkt an dieser Stelle werden die Worte des Petrus lebendig! „Passt euch nicht dem Alten an, sondern nehmt den heiligen Gott selbst zum Maßstab. Er hat euch berufen, und ihr sollt in eurem Leben so werden wie er. Wie er nach der Schrift sagt: »Seid heilig, denn ich bin heilig«.
Petrus setzt ganz hoch an. Er ruft uns auf, Gott zum Maßstab zu nehmen! So kann es gelingen ganz von vorne anzufangen und mit Gottes Hilfe ein geheiligtes Leben zu wagen. In der Bibel bedeutet heilig zuerst und vor allen Dingen: zu Gott zu gehören! Unser Glaube an Jesus Christus begründet unsere Zugehörigkeit zu Gott. Deshalb sind wir heilig und können ein geheiligtes Leben führen! Heilig sein hat also zuerst etwas mit unserer Zugehörigkeit zu Gott, und erst dann mit unserem Verhalten zu tun.

Natürlich können wir unsere Vergangenheit nicht einfach so abstreifen wie eine Schlange ihre zu eng gewordene Haut. Was wir sind, ist das, was uns geprägt hat. Aber wir können entscheiden was wir daraus machen, und diese Entscheidung mutet uns Gott auch zu. Dazu sind wir als Christen aufgerufen! Nicht ein für alle Mal, sondern täglich immer wieder neu. Begegnen uns doch jeden Tag Menschen, die uns in irgendeiner Art und Weise brauchen: als Zuhörer, Berater oder Partner. Kurz, als ein Mensch, der einfach da ist. In diesem Bewusstsein können wir weiter lesen, was Petrus schreibt:

17 Gott wird ohne Ansehen der Person jeden einzelnen nach seinem Werk richten. Daher müsstet ihr eigentlich die restliche Zeit eures Erdendaseins wie Fremdlinge im Exil in Furcht und Angst vor ihm leben. Doch ihr ruft diesen Gott ja auch als Vater an
18 und wisst, dass er euch erhört hat. Daher geht es nicht nur um Furcht und Angst sondern um Glaube und Hoffnung.

Unser Glaube ist ein Glaube, der ins Leben führt und das Leben mit Hoffnung erfüllt. Besonders deshalb, weil wir Gott glauben, dass er Jesus von den Toten auferweckt und ihm die Herrschaft übergegeben hat.
Daraus schöpfen wir die befreiende Hoffnung, dass nicht nur unsere 70, 80 oder 90 Lebensjahre unser Leben ausmachen, sondern wir auf das ewige Leben in der Gegenwart Gottes zugehen!!
Mit Gottes Hilfe können wir uns auf die wahren Werte besinnen. Auf das was unser Leben mit Sinn, Mut und Zuversicht erfüllt. Zuversicht, die uns, in allen Bereichen unserer Gesellschaft, mit Hoffnung in unsere Zukunft erfüllt. «Gott ist mitten im Leben jenseitig», wie es Dietrich Bonhoeffer sagt! Er öffnet uns immer wieder aufs Neue ein Fenster, hinter dem wir IHN an unserer Seite erkennen können. In diesem Wissen können wir Christen auch in dieser angespannten Zeit sagen: Es geht bergauf!!!
Liebe Gemeinde, öffnen wir also dem Geist Gottes unser Herz, damit ER es mit Hoffnung füllt. Denn wenn wir die von Gott geschenkte Hoffnung in uns tragen, dann sind wir fähig, die Menschen um uns herum aus ihrer Hoffnungslosigkeit zu reißen. Dann werden wir hellwach mit den Augen, die uns Jesus Christus schenkt, durch unser Leben gehen. Dann nehmen wir die Menschen um uns herum auf ganz neue Art und Weise wahr, sehen ihr Nöte, hören ihre Fragen und können auch ihre „Furcht und Angst, in Glaube und Hoffnung“ verwandeln!
Amen.


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