„Vom Ziel haben viele Menschen einen Begriff, nur möchten sie es gerne schlendernd erreichen.“

Liebe Gemeinde,
dieser Satz Goethes könnte für unsere Zeit und Gesellschaft nicht treffender formuliert sein. Viele Menschen würden ihre Ziele am liebsten als fertiges Endprodukt serviert bekommen. Sie würden gerne wie Sportler umjubelt sein, und auf dem „Treppchen“ stehen. Doch sehen sie bei all dem Jubel nicht, welcher Einsatz dafür nötig ist, bis dieser Moment gekommen ist. Die harten Trainingsstunden, das oft jahrelange „sich schinden“ steht oft genug auch uns nicht vor Augen, bis ein Sportler sich von seiner Bestform entfernt und sofort harsche Kritik in den Medien erfährt. Jüngstes Beispiel dafür ist der Skispringer Sven Hannawald.
Sport in allen seinen Facetten war auch schon im Blickfeld des Apostel Paulus. Und er zog daraus mit scharfem Blick eine Metapher für unser Leben. Dies verdeutlicht eine Stelle aus dem 9. Kapitel des 1. Korintherbriefes. Ich lese die Verse 24 - 27

24 Beim Wettlauf im Stadion ist es so: alle laufen, aber nur einer kann gewinnen. Ihr müsst also laufen, damit ihr gewinnen könnt.
25 Jeder Wettkämpfer bereitet sich auf den Wettkampf vor, indem er Verzicht übt. Die Wettkämpfer im Stadion tun es für einen vergänglichen Preis, wir aber tun es für einen unvergänglichen Preis.
26 Ich weiß für welches Ziel ich laufe, ich schlage nicht ziellos in die Luft, sondern hole gezielt aus.
27 Ich stachle meinen Leib an und halte ihn wie einen Sklaven, um selbst glaubwürdig zu sein, wenn ich andern die Botschaft verkündige.

Liebe Gemeinde,
von Sportlern können wir etwas für unser persönliches Lebensziel lernen! Geduld, Beharrlichkeit, Ausdauer, Phantasie und Selbstbeherrschung sind unerlässliche Eigenschaften, um ans Ziel zu kommen.
Doch Paulus lenkt unseren Blick weit über alle hier erreichbaren Ziele hinaus. Ihm geht es um das unvergängliche, ewige Leben bei Gott. Auf dieses Ziel hin lebt er mit seiner ganzen Kraft. Und er weiß: „Jeder Wettkämpfer bereitet sich auf den Wettkampf vor, indem er Verzicht übt. Die Wettkämpfer im Stadion tun es für einen vergänglichen Preis, wir aber tun es für einen unvergänglichen Preis.
Wenn also Sportler schon für einen vergänglichen Preis manchen Verzicht in Kauf nehmen, dann dürfen, ja müssen wir Christen erst recht entschlossen sein, alles zu meiden, was uns am Erreichen des Zieles hindern könnte. Es geht also nicht um die Frage, ob etwas „Sünde“ ist. Auch nicht darum, ob etwas besonders gut oder wertvoll sei. Ja, nicht einmal der „Verzicht an sich“ trägt in sich einen Wert. Was Paulus hier anspricht hat weder Gesetzescharakter, noch spricht er irgendein Verbot aus. Es geht ihm einzig und allein um das Ziel des ewigen Lebens bei Gott. Um den notwendigen, selbstgewollten Verzicht auf alles, was uns um dieses einzigartige Ziel bringen könnte. Deshalb spricht er auch ganz allgemein von Verzicht und spezialisiert diesen in keinerlei Richtung.
Was den einzelnen Christen in seinem persönlichen Lebenslauf aufhalten oder auch nur hemmen könnte, das ist sehr unterschiedlich. Was dem einen nichts ausmacht, kann einen anderen ernstlich gefährden. Es gibt einfach keine „allgemeinen Regeln“. Aber wir müssen als Christen mit tiefem Ernst und entschlossener Klarheit darauf achten, was uns persönlich am Erreichen des Zieles hindern will. Und wenn wir etwas für uns erkennen, dann müssen wir es lassen, ob es an und für sich „harmlos“ oder „wertvoll“ ist.
Dieser Verzicht ist alles andere als Spielerei. Paulus nimmt Spott, Haft, ja sogar ein unruhiges, ungesichertes Leben für dieses Ziel in Kauf. Ihm geht es nur darum, als Sieger ans Ziel zu kommen und die frohe Botschaft möglichst vielen Menschen zu verkünden. „Ich weiß für welches Ziel ich laufe, ich schlage nicht ziellos in die Luft, sondern hole gezielt aus. Ich stachle meinen Leib an und halte ihn wie einen Sklaven, um selbst glaubwürdig zu sein, wenn ich andern die Botschaft verkündige.“
Deshalb sei die Frage erlaubt: Wie leben wir als Christen hier in Haarzopf, Fulerum und Essen?
Haben wir ein gemeinsames Ziel? Wenn ja, welches? Sind wir bereit, dafür auf manches zu verzichten, was anderen Menschen als unverzichtbar erscheint? Sind wir so fasziniert von diesem Ziel, dass es uns in Bewegung setzt oder machen wir ganz andere Erfahrungen? Laufen wir „zielstrebig“ oder „ziellos“? Unser Blick nimmt m. E. meistens zwei Ziele zugleich ins Visier. Natürlich wollen wir die Ewigkeit nicht verlieren, aber unser Verlangen und unser Einsatz gilt gleichzeitig und vor allem unserem irdischen Gedeihen. Laufen wir aber zeitgleich zwei Zielen nach, wird unser Lauf notweniger weise „undeutlich“, ja „ungewiss“. Keiner kann uns mehr ansehen, wohin wir eigentlich laufen.
Als wir uns im Sommer 2002 über die Perspektiven unserer Gemeinde ausgetauscht haben, sind viele neue Ideen entstanden. Seither ist ein Ruck durch viele Gemeindeglieder gegangen und vieles haben wir neu in den Blick genommen. Dafür sind wir dankbar: Wir freuen uns, dass Menschen, die selten unserer Gemeinde besuchen, ihre Schritte zu einzelnen Veranstaltungen zu uns lenken. Doch bei aller Freude darüber dürfen wir uns nicht damit allein zufrieden geben. Sonst bleiben wir auch für unsere Gemeinde beim „irdischen Gedeihen“ stehen.
Wir dürfen bei allem Einsatz für das „Jetzt“ und „Heute“ in unserer Gemeinde, das Ziel, das Gott für uns im Auge hat, nicht vergessen. Denn Gott will uns selbst ans Ziel führen. Er will, dass wir in dem „Neuen Himmel, auf der „Neuen Erde“ mit ihm leben. Dieser Botschaft müssen wir glauben! Wir dürfen nicht kleinmütig werden, weil sich die Wiederkunft Jesu so lange hinzieht! Wir sollten wieder neu die Begeisterung für die Botschaft Jesu gewinnen!! Denn dann können wir andere Menschen - auch und gerade kirchenferne - für dieses Ziel begeistern! Dann würden sich unsere Kirchen wieder füllen! Ja, die Menschen unserer Stadt bekämen wieder andere Ziele vor Augen, als nur den Modetrends nachzujagen!
Wir können unsere Mitmenschen dafür gewinnen, sich Gott zuzuwenden, wenn wir uns selbst überzeugt Gott zuwenden. Wenn wir glaubwürdig zum Ausdruck bringen, dass diese Zuwendung unserem Leben dient und eine neue Ausrichtung gibt. Sind wir selbst davon überzeugt, dass Gott ein Ziel für uns Menschen bereithält, das alle anderen Ziele überragt, werden wir andere Menschen neugierig machen. Dann werden sie selbst versuchen, sich Gott zuzuwenden. Bleiben wir im Gespräch mit Gott, dann werden unsere Mitmenschen - früher oder später - selbst das Gespräch mit Gott suchen. Gottes Ziel – das ewige Leben in seinem Reich dürfen wir nie und nimmer aus den Augen verlieren. Denn Jesus Christus hat alles getan, ja den eigenen Tod in Kauf genommen, um uns diesem Ziel entgegen zu führen.
Es lohnt sich für uns, in unserem Leben alles dafür einzusetzen, um mit seiner Hilfe unser Lebensziel zu erreichen. Nicht schlendernd, sondern – mit allem Einsatz - auf dieses Ziel zu. Hindernisse, Zweifel, Angst, Leid und Trauer werden wir nur in der Gemeinschaft überwinden. Dazu wollen wir einander ermutigen und trösten. Dann finden wir die nötige Geborgenheit, Hoffnung und Freude, um mit Geduld und Beharrlichkeit unseren Lauf zu vollenden. Gemeinsam lässt sich unser Lauf besser durchhalten, unser Kampf besser durchstehen. Und gemeinsam werden wir dieses Ziel voller Freude erreichen.
Amen.

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