9 Ihr wisst doch ganz genau, dass Menschen, die unrecht tun, das Reich Gottes nicht erben können. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Kein Lüstling, kein Götzendiener und kein Ehebrecher, kein Strichjunge und kein Knabenschänder, 

10 kein Langfinger und kein Halsabschneider, kein Trunkenbold, kein Lästermaul und kein Wegelagerer wird das Reich Gottes erben. 

11 All das wart ihr, jedenfalls manche von euch. Doch jetzt seid ihr rein gewaschen, heilig geworden, als Gerechte angenommen im Namen unseres Herrn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist unseres Gottes.

12 Der Satz »Alles ist erlaubt!« gilt zwar, doch ich füge hinzu: Nicht alles ist auch zuträglich. »Alles ist erlaubt!« — doch ich darf mich nicht von jemandem ungerecht beherrschen lassen. 

13 Man darf sagen: »Alles, was wir essen, ist erlaubt« oder: »Die Speisen sind für den Bauch, und der Bauch ist für die Speisen da.« Gott wird nämlich beides, Speisen und Bauch, zerstören. Anders verhält es sich mit zügelloser Triebhaftigkeit, denn für sie ist der Leib nicht bestimmt. Vielmehr gilt: »Der Leib ist für den Herrn bestimmt, und der Herr wird sich um den Leib kümmern.«

14 Denn Gott hat Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt und wird auch uns von den Toten auferwecken in seiner Macht. 

18 Daher lasst euch auf keinen Fall mit einer Dirne ein. Jede andere Sünde, die ein Mensch begeht, betrifft nicht seinen Leib, sondern einen Gegenstand außerhalb [zum Beispiel Geld oder Ansehen]. Wer sich aber mit einer Dirne einlässt, der vergeht sich gegen seinen eigenen Leib. Denn er ist mit dem ganzen Leib dabei, und es geht um nichts Drittes. 

19 Jeder Leib eines Christen ist ein Tempel des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wohnt in euch. Gott hat ihn euch geschenkt. Ihr seid damit Gottes Eigentum und gehört euch nicht mehr selbst.

20 Der Preis, mit dem ihr erkauft wurdet, war hoch: Gott hat sich selbst als Heiligen Geist in euer Herz gegeben und euch so zum Eigentum erworben. Verherrlicht Gott mit eurem Leib!

 

„Lebensangst und Kreislaufstörung, Hasten, Jagen, Kampf und Gier. Was stabil ist, ist die Währung, was labil ist, das sind wir. Lass die Puppen schneller tanzen ohne Ziel in dem Getriebe, hochgepeitscht durch Dissonanzen, ohne Glauben, ohne Hoffnung, ohne Liebe ...“

Liebe Gemeinde,

diese Analyse unserer Gesellschaft zogen 2004 die Kabarettisten im Düsseldorfer Kommödchen und sie ist, wie ich meine noch genauso aktuell, wie vor 2 Jahren. Das klingt hart in unseren Ohren, genauso hart, wie der Lasterkatalog des Apostels Paulus, den wir in der Schriftlesung hörten. Uns wird heute Morgen also einiges zugemutet! An einem Sonntagmorgen, an dem wir doch eigentlich lieber nur über die Liebe Gottes nachdenken wollen und das, was es an Schlechtem in der Welt so alles gibt, für eine Stunde am liebsten ausblenden würden. Mit dem was Paulus schreibt, sind wir selbst ja nun wirklich nicht gemeint. Das mag es draußen in der Welt, an bestimmten Orten wie der Reeperbahn geben, oder früher in der Gemeinde in Korinth – einer Hafenstadt – gegeben haben. Aber hier in Haarzopf – doch weiß Gott nicht!!

Doch die Texte der Bibel sind nicht nur dazu da, sie Wort für Wort zu buchstabieren, und sie wortgetreu auf unseren Alltag zu übertragen. Nein, der Geist Gottes, der in uns lebt mutet uns zu, diese Worte weiter zu denken, hoch zu denken, wie es meine über 90-Jährige Freundin formuliert. Paulus hätte daher, in einem Brief an unsere Gemeinde, sich vielleicht der Themen angenommen, die ich zu Beginn der Predigt mit Worten der Düsseldorfer Kabarettisten zitiert habe.

Angeregt durch Peter Hahnes Buch „Schluss mit lustig – Das Ende der Spaßgesellschaft,“ das ich im Urlaub mit großem Interesse gelesen habe, will ich versuchen – und es kann nur ein Versuch sein – Paulus Gedanken auf die Probleme unserer Gesellschaft umzudenken.

Hier also der Versuch eines Briefes, wie er heute hätte geschrieben werden können:

Liebe Gemeinde,

was ist nur in eurem Land los! Lebensangst lässt euch in immer größere Hast verfallen. Ihr kennt nur noch das „immer höher, immer schneller,“ und gönnt euch keine Atempause mehr. Auf der Jagd nach dem Erfolg kämpft ihr oft genug mit falschen Mitteln. Wer sein Leben nur noch als Karriereleiter und in der Freizeit als eine einzige Party begreift, wird einen hohen Preis bezahlen: Flucht in Überstunden und Hyperaktivität bis zur Besinnungslosigkeit. Alkohol und womöglich stärkere Drogen sind die zu erwartenden Folgen, die euch am Ende nur eines bescheren: Einen großen Katzenjammer! Auch lässt euch der hektische Wechsel von Themen, Thesen und Tagesordnungen eurer schnelllebigen Spaßgesellschaft keinen Raum mehr für Besinnung, nimmt euch jegliche Ruhe, um zu euch selbst zu kommen. Doch: Wenn Ihr euch nicht mehr besinnen könnt, verliert ihr eure Bestimmung. Auch könnt Ihr inmitten von Stress und Hektik Gottes Stimme nicht mehr hören. Denn Gott redet in der Stille und ganz sicher nicht durch Innovationen und Modetrends, die so oder so nur eine immer kleiner werdende Halbwertzeit haben. 

Ihr seid doch im Namen unseres Herrn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist selbst heilig geworden und als Gerechte angenommen.

Auch gilt der Satz »Alles ist erlaubt«!, doch ist nicht alles auch zuträglich, vor allem, wenn Ihr euch von Dingen beherrschen lasst.

In eurem innersten Sein lebt der Heilige Geist, und damit seid ihr selbst mit eurem ganzen Sein der Ort, in dem Gott wohnt! Deshalb Schlagt eure Zeit nicht tot, sondern besinnt euch auf eure Bestimmung!“

Liebe Gemeinde,

vielleicht ist das Hauptübel aller Probleme, mit denen wir in unserer Gesellschaft zu kämpfen haben: „Der Schnellgang unserer ichbezogenen Spaßkultur!“ Unsere Highspeed-Generation vermag nur noch mit einer ständigen Temposteigerung umzugehen, mit Geduld, Besinnung und Stille hingegen kann sie nichts mehr anfangen. Von daher verarbeiten wir viele Nachrichten nur noch halbherzig, hören nur mit halbem Ohr hin, weil wir von so vielen Eindrücken gleichzeitig überflutet werden. Außerdem verderben uns schlechten Nachrichten den Spaß, der in einer Spaßgesellschaft „in“ ist. Spaß, der alles cool finden muss und der uns vorgaukeln will, dass wir immer „gut drauf“ sind. Doch macht dies überhaupt noch Spaß? Ich kann mir dies nicht vorstellen! Oder will Gott uns allen Spaß verbieten? Sollen wir alle nur noch mit ernster Miene durch den Tag laufen und nichts mehr zu lachen haben??

Nein, und nochmals Nein!! Der Spaß an etwas Schönem oder Lustbringendem soll uns nicht genommen werden. Es geht vielmehr um eine Absage an den „Spaß um jeden Preis! Denn der Preis, den wir dafür zahlen müssen ist einfach zu hoch. Außerdem: Gut dosiert sind Spaß und Ernst keine Gegensätze. Wir brauchen Humor und lachende Augen, mit denen wir unsere Welt realistisch betrachten, um mit neuem Ernst die Frage nach dem Wertegefüge unserer Gesellschaft zu stellen.

Und als Christen haben wir hierbei eine besondere Aufgabe. Denn, wenn Gott, wie Paulus es schreibt und ich es von Herzen ihm glaube, in uns wohnt, dann haben wir durch den Heiligen Geist eine unvergleichliche Möglichkeit die Menschen um uns herum mit Zuversicht und Hoffnung zu erfüllen. Unsere Kultur muss sich wieder mit Leben füllen, und wir Christen können dazu einen maßgeblichen Beitrag leisten.

Ein 17-Jähriger schrieb über seinen Vater folgendes: „Ein dickes Bankkonto, zwei Autos, ein Landhaus und eine Jacht ... Mein Vater ist die Leiter des Erfolges hochgeklettert und musste erkennen, dass sie nirgendwohin führt – man muss nur immer weiterklettern. Jetzt bekommt er Angst. Er leidet unter Depressionen und sein Alter macht sich bemerkbar. Auf dem Gipfel des Ruhmes ist er ein gebeugter, verbrauchter, alter Mann. Ich will nicht so werden wie mein Vater!“

Müssen wir noch mehr hören? Sicher nicht, und deshalb gilt es sich neu zu besinnen, umzukehren und unseren Aufgaben in der Welt mit Hilfe des Heiligen Geistes gerecht zu werden. Wir müssen Gottes Wort wieder als Gebrauchsanweisung für unser Leben begreifen. So, wie Dietrich Bonhoeffer es vor seiner Hinrichtung formulierte: „Ich glaube, dass die Bibel allein die Antwort auf alle unsere Fragen ist. ... Es bleibt nichts als die Entscheidung, ob wir dem Wort der Bibel trauen wollen wie keinem anderen Wort im Leben und im Sterben. Und ich glaube, wir werden erst dann recht froh und ruhig werden können, wenn wir diese Entscheidung getroffen haben.“

Mit dem Wort Gottes, werden wir als entschiedene Christen, unseren Mitmenschen entscheidende Antworten auf ihre Lebensfragen geben können. Denn die Spaßgesellschaft übertüncht mit ihrer ständigen „gut drauf sein Laune“ nur ihre Angst vor der Zukunft. Und wer, wenn nicht wir Christen, vermag denn diese Ängste zu vertreiben? Wir können uns nicht zurücklehnen und zu den Problemen unserer Gesellschaft schweigen. Nein, wir müssen uns dem Unmöglichen stellen, und mit Gottes Hilfe Lösungen der Probleme aufzeigen. Denn als Botschafter der Liebe Gottes, können wir den Menschen Seine Liebe zeigen. Wie? Indem wir in unseren Familien, in unserer Gemeinde nicht mehr darüber streiten, wer in bestimmten Fragen Recht hat, oder behält. Indem wir unter alte Streitigkeiten einen Schlussstrich ziehen und die Hand zur Versöhnung auszustrecken. Indem wir in unserer Gemeinde vorleben, was es heißt, Gräben zuzuschütten und Mauern niederzureißen, die zwischen uns aufgebaut wurden. Und diese Art, mit Problemen umzugehen, wird weite Kreise ziehen, Schule machen: In unserem Land und letztlich auch in der Welt.

Vielleicht dichten die Düsseldorfer Kabarettisten ihre Strophe dann sie folgt um: „Lebenshoffnung - langer Atem, fairer Umgang, fairer Wettkampf ohne Gier. So stabil, wie unsere Währung, nein, stabiler durch den Glauben, voller Zuversicht sind wir. Und wir halten öfter inne, haben Ziele im Getriebe, leben ohne Dissonanzen, voller Glauben, voller Hoffnung, voller Liebe...”


Amen.

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