�...von der Auferstehung Christi her kann ein neuer, reinigender Wind in die gegenw�rtige Welt wehen...�
Liebe Gemeinde,
1 Liebe Br�der und Schwestern! Ich m�chte euch an das Evangelium erinnern, das ich euch verk�ndigt habe. Ihr habt es angenommen und dadurch festen Stand gewonnen.
Paulus erz�hlt von Menschen, lebendigen Menschen, denen Christus als Auferstandener in ganz besonderer Weise begegnet ist. Auch Paulus begegnete der Auferstandene vor Damaskus, so dass er selbst erkannte, dass der gekreuzigte und gestorbene Jesus Christus lebt und als der lebendige Herr nahe und gegenw�rtig ist. Durch die Begegnung mit dem Auferstandenen ver�nderte sich sein eigenes Leben radikal. Vom Verfolger der Christen wurde er zum �berzeugendsten Prediger der frohen Botschaft. Gerade an ihm, der von sich sagt, er sei der Geringste unter den Aposteln k�nnen wir ermessen, was es hei�t vom Auferstandenen im Innersten ergriffen zu werden.
diese Worte Dietrich Bonhoeffers, dessen Todestag sich am Karfreitag zum 59. Mal j�hrte, laden uns ein nicht nur �ber die Auferstehung Jesu von den Toten nachzudenken, sondern uns mit ihrer Auswirkung auf unser Leben auseinander zu setzen. Wir m�ssen von neuem sehen, von neuem h�ren und von neuem f�hlen, was dieses so unfassbare Ereignis f�r unser Leben hier und heute bedeutet. Von Wissenschaftlern k�nnen wir lernen, was das hei�t, da diese sich t�glich mit ihrem Fachgebiet auf eine Weise auseinandersetzen, die ihnen abverlangt neu hinzusehen, neu hinzuh�ren und unter Umst�nden auch neu zu f�hlen. So formulierte der Experimentalphysikers Georg Christoph Lichtenberg schon vor ca. 250 Jahren den Wunsch: �Ich wollte, dass ich mich von allem entw�hnen k�nnte, dass ich von neuem sehen, von neuem h�ren und von neuem f�hlen k�nnte.� Und sicher k�nnen wir es nur in dieser inneren Haltung erhoffen, dass der Geist Gottes neu und reinigend in unser pers�nliches Leben und in unsere gegenw�rtige Welt weht.
Neugierig wie Kinder es sind sollten wir uns auch an diesem Ostermorgen auf den Weg machen, dem Auferstandenen zu begegnen. Dem der sagt: �Siehe ich mache alles Neu!�
Die Auferstehung Jesu will etwas in unserem Leben hier und heute bewirken. Sie will uns und unser Leben ver�ndern! Sie will uns in unserem innersten Sein befreien und uns zu ganz neuen Menschen nach dem Bilde Gottes machen.
Doch wie k�nnen wir etwas glauben, das weder wissenschaftlich beweisbar, noch f�r unseren Verstand nachvollziehbar ist. Offensichtlich gab es auch in Korinth Gemeindeglieder, die an der Auferstehung Jesu zweifelten. So war es Paulus wichtig ihnen zu schreiben, dass es unz�hlige Zeugen f�r dieses unfassbare Ereignis gibt und dass die Auferstehung kein Hirngespinst einiger Phantasten ist: Ich lese aus dem 15. Kapitel des 1.Korintherbriefes die Verse 1 - 11.
2 Vom Evangelium h�ngt es ab, ob ihr selig werdet. Haltet das Wort, das ich euch verk�ndigt habe, in Treue fest, sonst war eure Bekehrung eine taube Nuss.
3 So wie man es mir berichtet hat, konnte ich es euch von Anfang an weitersagen: Jesus, der Messias ist stellvertretend gestorben f�r unsere S�nden, wie es schon in der Schrift steht.
4 Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es schon in der Schrift steht.
5 Als Auferstandener ist er Petrus erschienen, danach den Zw�lfen.
6 Dann ist er mehr als f�nfhundert Br�dern gleichzeitig erschienen. Die meisten von ihnen leben noch und k�nnen es bezeugen, nur wenige sind schon verstorben.
7 Dann erschien er seinem Bruder Jakobus, dann allen Aposteln einzeln
8 Zuletzt erschien er auch mir, diesem Pfuschwerk,
9 der ich unter allen Aposteln der unwerteste bin, nicht wert, Apostel zu hei�en, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Alles, was ich bin, bin ich durch Gottes Gnade. Was Gott mir gn�dig geschenkt hat, ist jedoch nicht unwirksam geblieben: Ich habe mehr als die anderen gearbeitet, oder besser: Gottes Gnade hat mich, als Helfer verwendet.
11 Aber davon abgesehen ist meine Botschaft genau so, wie ich sie euch verk�ndet habe, so dass ihr zum Glauben gekommen seid.
Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? fragt der Engel am Ostermorgen die Frauen. Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Wo aber k�nnen wir den Auferstandenen finden?? Den lebendigen Christus finden wir nur bei Menschen, die ihn bezeugen. Gott sei Dank, dass wir uns dabei nicht nur auf die Berichte der Augenzeugen, die Paulus aufz�hlt verlassen m�ssen. Nein, bis in unser 21. Jahrhundert finden sich Zeugen f�r die Wahrheit der Osterbotschaft. Es sind bedeutende M�nner und Frauen wie: Augustinus, Meister Eckhart, Martin Luther, Paul Gerhardt, Gerhard Tersteegen, Jochen Klepper, Dietrich Bonhoeffer, Edith Stein, Elisabeth von Th�ringen, Mutter Teresa und viele mehr, die alle vom lebendigen Sohn Gottes ergriffen wurden. Sie alle bezeugten auf ihre individuelle Weise dass der Gekreuzigte der Lebendige Herr, der Kyrios der Welt ist.
Es sind gro�e Glaubenszeugen gewiss - aber auch wir, denen Christus auf die eine oder andere Art begegnet, sind aufgerufen, uns einzureihen und selbst zu diesen Zeugen zu geh�ren!!
Als Beweis f�r das Osterereignis kann jeder, jede von uns nur das anf�hren, was wir selbst mit Jesus, dem Auferstandenen erlebt haben und erleben! Ich glaube, weil ich ergriffen bin von dem Sohn Gottes! Ich glaube, weil ich erlebt habe, dass er mir vergeben hat und mir immer wieder die Chance gibt, neu anzufangen. Ich glaube, weil ich Menschen erlebe, die ihre Kraft, ihre Hoffnung und Fr�hlichkeit aus ihrem Glauben an den Auferstandenen sch�pfen. Ich glaube, weil ich ihm zutraue, jede Grenze � auch die von Zeit und Raum zu �berwinden. Und ich glaube, weil ich seiner Liebe zutraue, st�rker als der Tod und die Quelle ewigen Lebens zu sein.
Der Tod bedroht zwar noch immer unser Leben, aber durch die Auferstehung Jesu hat er die Macht verloren. Tod ist mitten in unserem Leben zu finden. T�glich sterben Hoffnungen, Erwartungen, Pl�ne und Beziehungen. Doch t�glich erweist sich auch Auferstehung, neues Leben! Das Ereignis am Ostermorgen l�sst etwas geschehen, das s�mtliche Erwartungen �bertrifft. Menschen finden neue Wege und neue Lebensziele:
�ngstliche Menschen, wie die fliehenden J�nger, verwandeln sich in kraftvolle Zeugen!
Der Christenverfolger Saulus wird zum Apostel Paulus,
verzagte Christen wurden und werden wie Petrus inmitten der Verfolgung zu M�rtyrern,
Gewalt wird mit Gewaltlosigkeit beantwortet, denken wir nur an Martin Luther King,
Predigtverbot wird mit Bekenntnis zur Botschaft beantwortet, wof�r der Lebensweg Dietrich Bonhoeffers bis heute steht.
Alltag verwandelt sich in Sonntag! Aus dem 1. Arbeitstag der Woche wird ein Tag, an dem wir feiern k�nnen, weil Neues Leben � unzerst�rbares Leben entstanden ist.
Und an diesem neuen Leben k�nnen wir, die Menschen unserer n�chsten Umgebung und alle Menschen auf der ganzen Welt teilhaben. In unserer kleinen Welt f�ngt es an und zieht immer weitere Kreise. Wo immer in unserem Alltag Neues hervor bricht, wird es f�r das Auferstehungsereignis zum Gleichnis.
Unsere sch�nste Aufgabe besteht darin, die Freude �ber diese Botschaft - in uns und um uns herum - wach zu halten gegen alle Probleme unserer Zeit. Der Herr ist auferstanden! Wenn uns diese Botschaft im tiefsten unseres Herzen erreicht, dann strahlt diese Freude aus und wirkt auf unsere Mitmenschen ansteckend.
Wir Menschen haben in uns eine tiefe Sehnsucht nach Freude und der heilenden Gegenwart Gottes! Dieses vermittelte Jesus den Menschen w�hrend seines Lebens in Wort und Tat. Doch die heilende Gegenwart Gottes hat mit dem Tod am Kreuz nicht ihr Ende gefunden. Die Osterbotschaft ruft uns zu: Durch die Auferstehung Jesu kann Gottes Gegenwart - Orts unabh�ngig - von jedem Menschen erfahren werden. Ob im Gebet, im Lesen der Bibel, in der Natur, ob allein oder in der Gemeinschaft der Glaubenden. Gottes Schalom, Gottes Heil f�r unseren K�rper und unsere Seele l�sst sich seit Ostern �berall finden!
Wir k�nnen den Menschen diese freudige Erfahrung erz�hlen: Jesus Christus lebt, er ist mir nahe, er ist wahrhaftig auferstanden! Alle bisherigen Erfahrungen werden vom Auferstandenen gesprengt! Seit er den Tod �berwunden hat, ist die heilende Dimension der N�he Gottes erfahrbar. Wir k�nnen Gott darum bitten und wenn wir meinen, nicht die rechten Worte zu finden, dann hilft uns der Geist Gottes die rechten Worte zu finden. Er erm�glicht es uns auch, immer wieder >�von neuem sehen, h�ren und f�hlen� zu k�nnen. Trotz allem Versagen, trotz aller Schuld k�nnen wir aufstehen und uns f�r das unendlich freie Leben in der N�he Gottes entscheiden. Hier und jetzt - in diesem Leben - gilt es dem Ruf Bonhoeffers zu folgen und �...von der Auferstehung Christi einen neuen, reinigenden Wind in die gegenw�rtige Welt wehen... zu lassen. Wenn wir dies wirklich glauben und uns in unserem irdischen Handeln davon bewegen lassen, wird vieles anders werden. Dann ereignet sich die Auferstehung mitten in unserem Leben, in unserer Gemeinde, in der Welt und das hei�t doch Ostern."
In diesem Sinne wollen wir gemeinsam Ostern feiern. Wir wollen uns beim gemeinsamen Abendmahl von Jesus neu - f�r unseren Weg in eine helle Zukunft an der Hand Gottes st�rken lassen.
Amen.