| Das Konzert Das erste mal, als JC Ohrensausen hatte war auf einem der vielen Limp Bizkit Konzerte, auf die er immer ging. Er und sein Freund gr�lten gerade zu �Rolling� mit, als es pl�tzlich in seinem linken Ohr knackte und rasselte und mit einem leichten Stich ein anhaltendes Pfeifen durch sein Ohr wehte. Er wurde es einfach nicht mehr los, wie sehr er es versuchte. Nicht nach dem Lied, nicht nach dem Konzert und auch nach mehreren Tagen nicht. Zum Arzt ging er nicht, dazu war er viel zu faul. Als er aber nach ein paar Monaten anfing, sich langsam Sorgen zu machen, da war das Pfeifen an einem Morgen pl�tzlich weg. Genau so pl�tzlich wie es gekommen war, verschwand es wieder. JC k�mmerte sich nicht weiter darum und hoffte, dass das Pfeifen nur irgendein dummer Zwischenfall gewesen war. Er ging weiter auf die Konzerte, dazu kamen nat�rlich noch die eigenen Vorf�hrungen von ihm und seiner Rockband. Bei den Proben spielten sie meist viel zu laut, ganz zu schweigen von dem Nu Metal, mit dem er sich immer nachts beim Einschlafen zu dr�hnte und dann am n�chsten Morgen mit den Kopfh�rern irgendwo im Bett verstreut wieder aufwachte. Das er langsam schwerh�rig wurde, st�rte ihn nicht sonderlich. Bei den Bandproben drehte er einfach die Verst�rker noch weiter auf, die Instrumente wurden lauter gespielt und die Limp Bizkit Konzerte fand er trotz der �zu leisen Musik� immer noch gut. Zwischen den Jahren kehrte hin und wieder das alte Pfeifen in den Ohren zur�ck, dann verschwand es wieder f�r mehrere Monate, manchmal sogar f�r ein ganzes Jahr. Seine Bandkumpels hielten ihn schon f�r �bergeschnappt, wenn er die Verst�rker immer noch ein St�ckchen aufdrehte und nicht nur die Nachbarn fingen an sich lauthals �ber die �Grauenhafte Maschinenmusik�, wie sie den Heavy Metal nannten, zu beschweren. Josh �berh�rte sie einfach. Auf einem der Metallica Konzerte kam dann der endg�ltige Geh�rsturz. Es war der beste Teil in der ganzen Vorf�hrung, hatte ihm jeder erz�hlt, der das Konzert schon vor ihm gesehen hatte. Die Gitarristen h�mmerten mit F�usten auf die vollaufgedrehten E-Gitarren ein, sie rissen und zerrten w�tend an den Saiten und schmissen ihre langen Zottelhaare um ihre K�pfe. Der Bassist spielte nicht mehr sorgf�ltig die einzelnen Akkorde, er nahm jetzt einfach alle der Saiten, schlug mit seiner Hand auf das Instrument ein, w�hlte schwierigere Griffe auf den metallenen Schn�ren und sprang dabei wild auf der B�hne herum. Im Hintergrund konnte man den Schlagzeuger erkennen, der mit aller Gewalt auf seine zwei Base trampelte, mit den knallharten Sticks schonungslos die Becken zerschmetterte, die dann in alle Richtungen auseinander krachten und immer schneller auf den Trommeln seine Breaks spielte. Als Kr�nung kam noch der Leads�nger dazu. Er sprang, das Mikrophon fest in den H�nden, auf der B�hne herum, trampelte �bereinstimmend mit den Schlagzeugschl�gen auf den B�hnenboden und br�llte wirres Kr�chzen und St�hnen in die riesige Halle. Das ganze Stadium brodelte wie feuerspr�hende, frisch auslaufende Lava oder Buschfeuer, die in ausgetrockneten Waldgebieten w�teten. JC blickte ehrfurchtsvoll zu der Band hinauf, begriff noch nicht richtig, was da vor sich ging, doch dann packten ihn die enormen Energiewellen, die von der Masse ausgingen. Er riss die Arme in die Luft, sprang mit seinen Kumpels zusammen auf den Sitzen herum und gr�lte sinnlose S�tze, die gerade durch seinen Kopf hetzten ins Stadium hinaus und f�hlte das Blut in seinen Adern wild pochen. Das Geh�mmer und die durchlaufenden Schl�ge schienen immer lauter zu werden. Die Schallwellen dr�hnten durch seinen Magen, er sp�rte wie sie seine Haut kitzelten und er dachte, er k�nnte seine Trommelfelle schwingen f�hlen. Die krachenden Schlagzeugbeats, das Gitarrengekreische, der dr�hnende Bass und der br�llende James Hetfield verwandelten sich zu einer gigantischen Schallwelle, die direkt auf ihn zurollte. �ber ihm st�rzte sie mit einem Krachen ein, er schrie auf und warf sich vor Schmerz sch�ttelnd die H�nde �ber die Ohren, versuchte den unertr�glichen L�rm aus seinem Gehirn zu verdammen. Tr�nen stiegen in seine Augen, er versuchte sie zu unterdr�cken, doch sie rollten schon seine Wangen hinab. Hammer schlugen auf seine Trommelfelle ein, Haifische bissen sich durch sie durch, dass sie in viele kleine St�cke zerfetzt wurden und Giftschlangen bahnten sich ihren weg durch seinen Sch�del. Er schrie noch einmal laut auf und riss verzweifelt an seinen Haaren als die Ganze Welt �ber ihm einst�rzen zu drohte. Dann, mit einem Schlag war es mucksm�uschenstill. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Er atmete tief und regelm��ig durch, stand wie gel�hmt auf seinem Sitz und starrte ins Nichts. Das Rockkonzert hatte sich in eine Schweigeminute verwandelt. Josh warf einen scheuen Blick nach rechts. Seine Freunde schienen ihn gar nicht zu bemerken, sie sprangen immer noch wild auf ihren Pl�tzen herum, beobachteten dabei gebannt die B�hne und br�llten den Text zu dem Lied mit. Doch f�r Josh wollte aus ihren M�ndern einfach kein einziger Ton rauskommen. Er blickte mit feuchten Augen zur B�hne auf. Er sah die Saiten der Gitarre rei�en, starrte auf die schwingenden Metallstr�nge des Basses, die Sticks, wie sie auf die Trommeln niederprasselten und den S�nger, der wildumhertanzend irgendetwas ins Mikro schrie. Er sah sogar die Venen an seinem Hals heraustreten, den feuerroten Kopf und das von Schwei� tropfende Haar an seinem Kopf umherwehen. JC f�hlte immer noch das Dr�hnen im Magen, das leichte Kribbeln auf der Haut und das Grollen und Rumpeln unter seinen F��en, als wollte irgendein ein Spalt unter ihm aufklaffen und ihn runter in die H�lle rei�en. Nichts geschah. Kein Gitarrenriff mehr, keine Akkorde vom Bass, kein Beat vom Schlagzeug, nichts kam mehr bei ihm an. F�r ihn war das Konzert vorbei. Er kletterte vom Sitz hinunter, ging schweigend den Gang entlang und warf kurz vor dem Ausgang noch einen Blick zur�ck zu seiner Lieblingsband. Sie f�hrten das Konzert fort, genauso Powervoll wie am Anfang und JC w�re auch noch gerne geblieben. Schlie�lich war das ja die Show der Shows, das Konzert der Konzerte, Hard Rock vom Feinsten, Heavy Metal vom Krassesten. N�tzlich w�re es nat�rlich, wenn er davon noch etwas h�ren k�nnte. Er drehte sich mit h�ngendem Kopf um, schlurfte aus dem proppevollen Stadium in die K�lte hinaus und ging seufzend nach Hause. |