| Heavy Metal Justin drehte den Heavy Metal, der aus seiner Stereoanlage dr�hnte leiser und st�hnte. �Das wird so nichts!�, dachte er verzweifelt. �Ich muss einfach! Kann nicht anders.� Er sprang rasch von der harten, staubigen Couch auf und stolperte mit krummen Bewegungen ins Badezimmer. Er wollte gerade den kleinen Spiegelschrank �ffnen, stoppte aber, als ihm ein blasses Gesicht entgegenstarrte. Seine dunklen Augenringe sahen aus wie mit Kohlen gemalt und die braunen Locken waren schon seit Tagen nicht mehr gewaschen worden. Strubbelig und von Fett gl�nzend hingen sie ihm bis zu den Augenbrauen. Er strich sie mit einer hastigen Handbewegung aus seinem Gesicht und �ffnete dann die Spiegelt�r. Mit zitternden H�nden tastete er das Brett entlang und griff dann erleichtert nach der kleinen Spritze und die winzige Plastikh�lle daneben. Er setzte sich auf den Badewannenrand und zog behutsam die durchsichtige Fl�ssigkeit in die Nadel. �Yeah.�, grinste er, aber bi� dann die Z�hne zusammen, als ein stechender Schmerz seine Wirbels�ule hochkroch. Die Augen zusammengekniffen und die Spritze mit zitternden Fingern umfassend, wartete er ungeduldig, bis die ersten Entzugserscheinungen wieder etwas nachlie�en. Als er seine Augenlieder wieder erleichtert aufschlug, lag die Nadel immer noch unber�hrt in seiner Handfl�che. Wie oft hatte er sie jetzt schon benutzt? Alleine schon mindestens ein paar hundert mal. Immer die gleiche Spritze. Mit Freunden hatte er sie auch schon geteilt und mit ein paar Fremden. Einmal sogar, spritzte er Joey etwas. Justin lachte leicht bei der Erinnerung an den Moment... Flashback �Justin, das alles lohnt sich doch gar nicht mehr.�, seufzte er gleichg�ltig und umschloss das Messer fester in seinen zersch�rften Fingern. Er kauerte in einer Ecke in Justins K�che und weinte leise vor sich hin. Manchmal schluchzte er, aber machte sich keine M�he sich vor Justin etwas zusammen zu rei�en. Er war doch erst 17. Er brauchte so was noch nicht sehen. Joey st�rte das nicht. �Ich will nicht mehr leben,...das....das macht doch alles keinen Sinn!�, stotterte er. Mitf�hlend setzte sich Justin neben ihn und versuchte ihm in seine verweinten Augen zu schauen. Lange betrachtete er ihn so. Als Joey dann auch noch anfing zu zittern ergriff er seine Hand und zog etwas an dem Messer. �Gib das mir.�, fl�sterte er ihn sein Ohr. �NEIN!� Joey schob ihn weg von ihm und presste das K�chenmesser auf sein Handgelenk. �Geh,...geh weg!�, wimmerte er und dr�cke sich noch enger in die Ecke. �Du sollst nicht sehen, wie ich sterbe.� Justin blickte ihm traurig in die Augen und streckte langsam seine Hand aus. Da war keine Nervosit�t, keine Wut. �Bitte Joey, nur weil sie dich verlassen hat, ist das noch lange kein Grund sich umzubringen!� �Ich wollte sie heiraten verdammt!! Justin, verstehst du das nicht? Heiraten!!!�, br�llte er und kauerte sich auf die Knie. Das Messer fest im Griff dr�ckte er es wieder auf seine Pulsadern. �Ich,...ich h�tte da vielleicht was anderes f�r dich.�, murmelte Justin in seinem Rausch. Joey z�gerte erst etwas, aber blickte dann verwirrt auf. �Wie?� �Komm her.�, befahl der Junge und zupfte and Joeys Hemd�rmel. Joey ruckte langsam n�her und lies das Messer unsicher zu Boden sinken. �Mir ist jetzt alles schei�egal. Wenn du mich rettest, bitte, wenn nicht, dann halt nicht." Er lehnte sich gegen den K�chenschrank und wischte die Tr�nen von seinen Wangen. Seine Augen ruhten auf dem �den Bild an der Wand. Er hatte es nie richtig gemocht, aber jetzt, wo er nichts besseres zu tun hatte starrte er gerne darauf. Wenigstens etwas zu tun. Allemal besser als sich umzubringen. Justin fischte die Spritze aus dem K�chenschrank, wo er sie das letzte mal in Eile reingestopft hatte. Chris h�tte ihn beinahe dabei erwischt, als er sich gerade was dr�cken wollte. Er war einfach reingekommen, ohne anzuklopfen und ohne geringste Vorwarnung. Justin hatte gerade noch genug Zeit gehabt seine Drogen rechtzeitig dort zu verstecken. Jetzt, holte er sie jedenfalls wieder heraus, und die kleine Heroindosis aus deiner Hosentasche auch. Er zog den Inhalt in die Spritze, ging dann wieder zu Joey r�ber und lies sich neben ihn auf den Boden fallen. �Deine Ellenbeuge.�, kommandierte er. Widerstandslos schob der Mann seinen Hemd�rmel hoch und streckte ihm seinen Arm entgegen. Justin legte die Spritze auf die Adern und stach dann die kleine, funkelnde Nadel in seine Haut. Ein paar wenige Sekunden wartete er, dann dr�ckte er langsam einen winzigen Teil der Fl�ssigkeit aus der Spritze. �Gleich geht�s dir besser.�, murmelte er und lies das Meiste noch f�r sich selbst �brig. Er zog die Nadel wieder heraus und legte sie dann wortlos auf seine Adern in der Ellenbeuge. Joey schwieg. �Wie lang machst du das schon?�, fragte er mit w�ssrigen Augen. �Lange genug.� �Genug f�r was? Um s�chtig zu werden?� Justin seufzte, dr�ckte das Heroin hastig in seinen Arm und blickte dann zu Joey auf. �H�r zu. Du h�ttest dich fast umgebracht, richtig? Da ist das hier tausendmal besser!� Joey starrte auf die einzelne Einstichstelle in seinem Arm, dann wanderten seine Augen zu den schon vernarbten und leicht entz�ndeten von Justin. �Was ist das �berhaupt?� �Heroin.� �W..-woher?� �Brauchst du nicht zu wissen. Aber erz�hl ja keinem weiter.� �Ich muss.� Justin starrte Joey w�tend in die Augen. �Nichts musst du!!!� Aber Joey war schon zu weggetreten, um noch etwas zu sagen. Er lehnte sich l�chelnd gegen die Wand und nickte nur, mit halbgeschlossenen Augen. An das, was damals passiert war, konnte er sich nie erinnern. Ende Flashback �OK, und noch einmal...� L�chelnd dr�ckte Justin die Fl�ssigkeit in seinen Arm. Die Spritze brannte f�rchterlich in seinen Venen, aber er musste unbedingt durchhalten. �Nicht an den Schmerz denken!!! Gleich ist es vorbei!!� Erleichtert zog er die leere Spritze wieder aus dem Arm. Seine G�nsehaut legte sich langsam und auch das Zittern h�rte auf. Ruhig und gelassen sah er um sich. Jetzt hatte er keine Schmerzen mehr, jetzt war wieder alles OK. Seine Augen h�rten auf zu tr�nen, der Magen entkrampfte sich und seine Finger lockerten sich auch wieder. Er hatte sich die ganze Dosis gegeben. Vor vier Monaten war es erst die H�lfte davon. Ganz am Anfang hatte sowieso nur ein Zehntel von dem ganzen Schei� vollkommen gereicht. Jetzt brauchte er alles. Justin stand auf und lies die Spritze belanglos auf den Boden fallen. Er ging ins Wohnzimmer und wollte gerade sein Handtuch f�r die Dusche suchen, als ihn wieder ein Sch�ttelfrost �berkam. Seine wei�e Haut sah aus wie die von gerupften, blutigen H�hnern und seine Augen verblassten und wurden langsam stumpf. Er kniete sich vorsichtig und zitternd auf den Boden. �N...nicht...ge-...ge...genug?�, stotterte er mit M�he. Er �ffnete seinen Mund um besser und tiefer atmen zu k�nnen. Dann schrie er pl�tzlich auf, presste aber sofort die Lippen wieder aufeinander. �NICHT SO LAUT!�, befahl er sich. Er h�tte br�llen und schreien k�nnen, seine ganze Wohnung verw�sten, aber die furchtbaren Schl�ge und das ohrenbet�ubende Dr�hnen in seinem Kopf wollten trotzdem nicht nachlassen. Er fand nur eine M�glichkeit, seine H�llenschmerzen loszuwerden. Auf allen Vieren kroch er m�hsam ins Badezimmer. Immer die Z�hne auf die Lippen bei�end, damit ihm kein Schmerzensschrei entfuhr. Auf dem Boden fand er wieder die Spritze. Seine Finger wollten ihm nicht mehr gehorchen, trotzdem schaffte er es, sie zu fassen zu kriegen. In seiner Hosentasche war noch eine Dosis, in einer winzigen Plastikflasche. Die hatte ihn �ber $400 gekostet. Er zog die Spritze voll. Seine zitternde Hand fand eine Ader, er stach ein und sank langsam zur�ck, als alles verbraucht war. Tief atmend lehnte er seinen Kopf zur�ck und schloss die Augen. �Beruhige dich! Komm runter. Das ist bestimmt nur irgendein brutaler Albtraum. Kann gar nicht wahr sein. Zwei mal hintereinander, das ist doch unm�glich!� Er blinzelte in das Deckenlicht, bemerkte aber pl�tzlich einen Schatten an der T�r. Langsam blickte er r�ber und konnte Chris erkennen. Sch�tzte er jedenfalls, war aber sich noch nicht genau sicher. Er kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu k�nnen. Ja, es war Chris. Er stand in der T�rschwelle, seine Augen auf Justins Arm fixiert. Ungl�ubig gaffte er ihn an und trat dann langsam mit unsicheren Schritten zur�ck. �W...-warte hier...ich...�h...ich...ich hol dir...Hilfe. Ja. Warte. OK?� Er drehte sich um und stolperte hastig aus dem Badezimmer. Langsam d�mmerte es Justin, was eben passiert war. Chris wusste es jetzt. Und er w�rde es allen erz�hlen. �Schei�e!�, fluchte er laut. Er versuchte sich aufzurappeln, aber seine Arme rutschten von der Badewannenkante ab und er knallte hilflos zur�ck auf den Boden. Er wollte die Beine anwinkeln, doch es klappte nicht, sie waren wie aus Blei gegossen. Aber er musste hier raus! Er kroch ein paar Zentimeter vorw�rts. Mit den Armen zog er sich voran, die Beine stemmten sich gegen die Wand. Aber er kippte um und blieb hilflos auf dem Boden liegen. �Nein...�, jammerte er wie ein kleines Kind und Tr�nen rannen seine Wangen hinab. �W-..was hab...ich..�, weiter konnte er nicht reden. Er lag auf dem Boden, sch�tzte mit den Armen seinen Kopf vor den Flugsauriern, die er sah und br�llte los vor Angst. �CHRIS!� Er h�rte rasche Schritte in der N�he. �Rette mich sie,...sie wollen mich fressen!! Bitte!!� Ein Sch�ttelfrost �berkam ihn und zitternd und schluchzend schrie er noch einmal nach ihm. Die Flugsaurier kamen immer wieder auf ihn niedergest�rzt und hackten mit ihren gro�en, harten Schn�beln L�cher in seinen Kopf und zerfleischten seine schon blutigen Finger. Er merkte gar nicht mehr, wie JC und Chris ihm unter die verschwitzten Achseln fassten und ihn aus dem Bad zerrten. Auf die Couch legten sie ihn und riefen sofort den Arzt. Justin fror. Er wurde noch blasser im Gesicht und die H�nde zuckten unaufh�rlich. Er tr�umte jetzt von Steinen, die ihn immer zerschlagen wollten. Aus der Stra�e, auf der er lief, l�sten sie sich, schwebten �ber ihn und prasselten dann auf ihn nieder. Zerlegte H�user verfolgten ihn, Gartenmauern blickten ihn mit hasserf�llten Augen an und kleine scharfe Z�hne hackten sich von unten in seine F��e. �Nein...�, wimmerte er immer wieder in seinem Trip. �Nein�, und �Helft mir!�. Nach Chris br�llte er, nach Lance und nach seiner Mutter. Sie sollten ihn vor den Gesteinsbrocken retten, die ihn bis zu einem vernebelten Abrund hetzten. Dort, an der Klippe stehend, starrte er hinunter in die g�hnende Leere, die vor ihm aufklaffte. Kleine Kiesel br�ckelten hinunter und sangen derweil Hassges�nge. Immer lauter wurde es, die schrillen Stimmen dr�hnten und h�mmerten durch seinen Kopf, immer neue mischten sich dazu, bis er schlie�lich vor der Klippe umhertaumelnd keine andere L�sung sah, als sich hinunter zu st�rzen. Mit unsicheren Schritten tastete er sich voran, war nur noch wenige Millimeter vom Abgrund entfernt und atmete tief durch. Er versuchte noch die vielen Stimmen, Fl�che und die grellen, blitzenden Farben aus seinem Gehirn auszublocken, aber vergebens. Nichts wollte ihm gehorchen. �Stop!!�, br�llte er. �H�rt doch endlich auf!� Er fing wieder an zu weinen und kniete sich bebend vor Angst an den Abgrund. �Bitte....�, wimmerte er und versuchte seinen Kopf mit den Armen zu sch�tzen. Das Atmen fiel ihm immer schwerer und langsam sanken die zitternden H�nde vor Schw�che von seinem Kopf herunter. Dicke Wolken fra�en den Himmel vor ihm auf und dann wurde pl�tzlich alles still. Die Schreie verstummten und im gem�tlich-rot schimmernden Gras, schloss er seine Augen, rollte sich neben der Klippe zusammen und schlummerte seufzend ein. Als er wieder aufwachte, sah er nur wei�. �Justin?�, fragte eine schwummrige Stimme. Justin sah sich m�de und schwach um, doch konnte nichts erkennen. �Bin ich schon im Himmel?�, br�selte es durch sein Gehirn. �Sag doch was! Justin!!� �W-...wo?�, brachte er mit rauher Stimme heraus. Benommen starrte er in das gro�e Licht �ber ihm und l�chelte. Alles war so sch�n warm hier. �Justin!�, kreischte die Stimme und fing an, an seinen Schultern wie wild zu r�tteln. �J-...ja, was ist?� �Verdammt, du kannst mich ja h�ren!� Er sp�rte pl�tzlich, wie etwas k�hles sich durch seine Adern dr�ngelte und ihn wieder langsam normal denken lies. Sein Kopf wurde klar wie die klirrende K�lte, die jeden Januarmorgen �ber den glitzernden Schnee streifte und durch die H�nde zuckte eine erste Energiewelle. Er schlug seine Augen erneut auf und blickte direkt in das Gesicht von Chris. Diesmal sah er ihn und l�chelte schwach. �Hey Chris.� �Oh mein Gott!� JC wendete sich rasch von ihm ab und Tr�nen rannen seine Wangen hinunter. �Das darf nicht wahr sein!�, fl�sterte er mit kratziger Stimme und lehnte sich �berm�det gegen die Wand. �Er erkennt mich nicht einmal.� Justin blinzelte zu JC, starrte ihn an und sagte dann etwas unsicher: �JC? D-...du?� Der Mann blickte pl�tzlich auf, starrte Justin an und trat dann mit einem neuen Hoffnungsschimmer ans Bett. �Hey.�, fl�sterte er l�chelnd. �Ich...� Justin schrie pl�tzlich auf und kniff vor Schmerz Augen zusammen, als die qu�lenden Entzugserscheinungen wieder zur�ckkamen. �Schnell, das Morphium l�sst nach!�, schrie noch jemand und �Morgen ist dann Entzug f�r den Armen.�, aber dann legte sich die Dunkelheit wieder wie eine Decke �ber ihn, blockte die Stimmen und das Licht aus seinem Gehirn und lies ihn l�chelnd im Rausch des Morphium einschlafen. |