Fieber

Lance wurde schon etwas mulmig zumute, als Justin ger�uschvoll durch den Bus stapfte und ihn mit eiskalten Augen anstarrte. Er zuckte zusammen, als Justin seine Hand hob und weit ausholte, um ihn zu ohrfeigen.

�Du verdammter Bastard!�, kreischte er und schlug zu.

Schon lag Lance auf dem Boden, H�nde vor dem Gesicht und versuchte sich vor weiteren Schl�gen zu sch�tzen, aber es folgten keine.

�Hey! Was zum Teufel machst du?�

JC, der eben noch bei Lance gesessen war und vor sich hin ged�st hatte, war jetzt aufgesprungen und gaffte Justin entsetzt an.

�Was soll der Scheiss?"

Er b�ckte sich zu Lance hinunter und half ihm aufzustehen. Lance zitterte und ihm war kalt, f�hlte sich wie ein Eisblock, doch gleichzeitig schwitzte er und seine Stirn brannte f�rmlich.

�Vielleicht Fieber?�
, dachte er und setzte sich verwirrt auf die Couch.

Justin sch�ttelte wild seinen Kopf und ging angeekelt ein paar Schritte zur�ck.

�Ich halts mit dir in einem Bus nicht mehr aus!�

Er drehte sich um und schrie den Gang entlang zum Fahrer: �Sofort anhalten!�, und f�gte noch ein angenervtes �Bitte.� ,hinzu.

JC und Lance sahen sich fragend an.

�Was ist los mit dir?�

JC hielt Justin an den Schultern fest und rammte ihn kraftvoll gegen die Innenwand des Buses, was ihn daran hinderte, weiter w�tend den gang auf und ab zu laufen. Lance war jetzt auch aufgestanden und n�herte sich vorsichtig Justin.

�Was...Justin...bist du krank?�

Justin schlug wild um sich und stie� JC weg von seinem durchgeschwitztem K�rper.

�Das ist los mit mir!�

Er griff mit einer Hand in Lances Koje und schnappte nach seinem Tagebuch. Er riss es in die Luft, so dass es alle gut und deutlich sehen konnten.

�Pfoten weg von meinem Tagebuch!!!�, schrie Lance und versuchte es Justin verzweifelt wegzunehmen.

Doch er lie� es entt�uscht auf den Boden fallen, nutzte die jetzige N�he zu Lance aus und packte ihn an seinem Hemdkragen, schmiss ihn gegen die Wand und dr�ckte seine Brust so eng an die von Lance, dass ihm fast schon die Luft wegblieb und er gezwungen war, Justin Angesicht zu Angesicht in die Augen blicken zu m�ssen. Justins Hand schob sich seinen Hals und Kopf hoch und packte ihn dann harsch an den blonden, kurzen Haaren.

�Gottesverdammter Rassist!�, kreischte er und �Haltet doch endlich den Bus an!�

Lance wurde langsam blass und dr�ckte sich noch enger an die Wand, um zwischen ihm und Justin etwas Abstand zu schaffen. Dann wurde alles still um sie herum und nur das leichte Brummen des Motors und die Reibung der R�der auf dem Asphalt war zu h�ren. Das Brummen wurde immer schw�cher und der Bus immer langsamer, bis er endlich dicht an den Stra�enrand gequetscht zum Stillstand kam.

Justin atmete tief durch, stie� sich von Lance ab und stolperte nach drau�en in die staubige Luft von Texas. Lance entschloss sich spontan ihm zu folgen, selbst wenn es hie� sich von ihm zusammenzuschlagen lassen, dachte er besorgt, w�re das noch allemal besser als von seinen drei besten Freunden weiter geschockt angegafft zu werden.

�Justin, ich...�, fing er an, als er auf den Stufen nach drau�en angelangt war, verstummte aber, als Justin ihn durch den aufgewirbelten Staub mit blitzenden Augen, die ihn wie Rasierklingen schnitten, angiftete und die tiefen Fleischwunden gnadenlos bluten lie�.

�Ich hab dein Tagebuch gelesen, Lance.�

Justin zwang sich, seine vor Hass spr�henden Augen von Lance abzuwenden und in die r�tliche W�ste zu blicken.

�Ich wollte es nicht, es war n Unfall, ....Zufall.�

Er machte eine kleine Pause und inhalierte die staubige Luft in seine Lungen, versuchte sich zu beruhigen.

�Du hast uns nie was davon etwas erz�hlt.�

Lance setzte sich auf die letzte Stufe, scharrte mit seinen Turnschuhen im Sand herum und hustete, als sich die aufsteigenden Staubwolken in seinen Hals bissen.

�Ich hatte Angst.�, gab er zu und lauschte den n�herkommenden Schritten im Bus.

"Vor so was, wie jetzt."

Joey sprang neben ihm in den Sand, wirbelte noch mehr Staub auf und sah Lance kritisch an.
Unschuldig wie immer sa� er da, die blasse Haut unter einem Hemd versteckt und die blondgef�rbten Haare strubbelig von seinem Kopf in alle Himmelsrichtungen abstehend. Die gr�nen Augen schafften es nicht Joey anzusehen.
Er lehnte sich gegen die T�r, blickte auf seine H�nde und schob weiter Sand zu einem Haufen zusammen.

�Rassist? Wieso Rassist? Ich versteh das nicht.�

Chris blickte Justin pr�fend an, dann Joey und JC, der neben ihm stand.

�Kann mir das vielleicht mal einer erkl�ren?�

Justin nickte mit seinem Kopf zu Lance.

�Er kann es dir am besten erkl�ren. Frag ihn.�

Stille. Chris und JC, die noch im Bus waren standen unbeweglich da, blickten auf Lance hinunter und warteten ungeduldig auf eine Antwort. Justin konzentrierte sich weiter auf die k�rglich bewachsene Landschaft und Joey wusste mit sich und seinen H�nden nichts anzufangen. Sah nerv�s mal hier und mal da hin und bef�rchtete er w�re der Grund des ganzen Streits.

�Ich-�, fing Lance an, brach sich selber aber rasch ab.

�Bist du ein Rassist?�

'Justin, wer sonst kann so beknackte Fragen stellen, au�er Justin. ', dachte Lance und wusste ihm nicht genau zu antworten. Also sagte er nichts, starrte auf seine H�nde, und schwieg weiter.

�Ich hab dich was gefragt!�, br�llte er los, st�rzte auf Lance zu du packte ihn wieder bei seinem Hemd. Die geballten F�uste dr�ckten gegen seinen Brustkorb, rissen w�tend an dem Stoff und zwangen Lance auf seine Beine.

�Antworte!�

�JA! Ja verdammt! Ich bin ein gottesverdammter Rassist!�

Er stie� Justin w�tend von ihm weg, so dass er mehrere Schritte zur�ckstolperte und schlie�lich in den Sand fiel. Keiner traute sich etwas zu sagen, deshalb war es wieder still um sie herum. Die Minuten verstrichen qu�lend langsam und sie starrten sich weiter schweigend an.

�Todschweigen.�, dachte Lance w�tend.

�Ich werd mich hier noch Todschweigen�.

Er wendete sich zum Bus, stieg an JC und Chris vorbei die Treppen hoch und verschwand verbittert im Businneren.

�Lance!�, rief Chris, hastete ihm hinterher und bekam seinen Arm noch auf halbem Weg im Bus zu fassen.
�Lass uns reden.�, versuchte es mit ruhiger Stimme.

�Verpiss dich!�

Er riss sich von Chris los und stapfte weiter den d�mmrigen Gang entlang. Ganz am Ende des Busses kauerte er sich in die Sitzecke, starrte aus einem der nichtverdunkelten Fenster und wendete ihm den R�cken zu. Er beobachtete von seinem Platz aus, wie sich der Staub drau�en langsam legte und Justin wieder im Bus verschwand.
Ein leichter Ruck und der Bus war wieder in Bewegung, fuhr auf die Spur hinauf und beschleunigte langsam.
Lance seufzte traurig und vergrub sein Gesicht in seinen angewinkelten Knien, schlang seine Arme um die Beine und wollte nur noch weinen.

~*~

Er merkte, wie das Polster nachgab und sich jemand neben ihn setzte.

�Hey Lance.�, sagte eine ruhige Stimme und Lance konnte h�ren, dass Justin l�chelte.

�Lass mich in Ruhe.�

Etwas warmes legte sich auf seine Schulter und Lance schloss die Augen, genoss die sanfte Ber�hrung.

�Es,...es tut mir Leid. Ich h�tte dich nicht so behandeln sollen.�

Er atmete tief durch, wendete sich Justin zu und blickte ihm in die kristallklaren, blauen Augen.

�Schon OK.�

JC lehnte an der Wand neben ihnen und sah schweigend auf sie hinunter.

�Willst du...�, er blickte auf seine nackten F��e.

�Reden?�

Lance sch�ttelte den Kopf und murmelte: �Heut Abend. Aber jetzt nicht,�

�OK.�

Justin nickte und blieb bei seinem Platz neben Lance sitzen, konnte sich aber nicht zur�ckhalten und fragte: �Was hast du eigentlich gegen Schwarze?�

JC schoss ihm einen vor Wut Funken spr�henden Blick zu, aber Justin blieb ruhig.

Lance drehte sich wieder um, blickte ihn an, dann sah er auf zu JC, zu Chris, der neben ihm stand und schlie�lich wanderten seine Augen zu Joey hin�ber, der in seiner Koje lag und alles still beobachtete.

Er f�hlte sich pl�tzlich eingesperrt, wie als sei er, ein freies, wildes Tier, gefangen und in einen winzig kleinen K�fig gesteckt worden. Er bekam durch die sperrigen Gitterst�be kaum Luft, hechelte und �chzte,  wollte nur noch aus seinem Gef�ngniss raus.

�Beruhig dich, Mann!�


Er atmete die k�hle Luft im Bus tief ein, stie� sie wieder aus seinen Lungen und sagte: �Sie sind so anders. So schwarz. Die geh�ren einfach nicht hier hin.�

�Ach ja?�

Justin sprang auf und floh geradezu vor Lances Ber�hrung.

�Wohin sollen sie dann? Zur�ck nach Afrika?�, kreischte er wutentbrannt.

Lance nickte, wendete sich ab, dr�ckte sein Gesicht gegen das kalte Glas und schwieg.

�Geh jetzt besser Justin.�, fl�sterte JC, schob ihn den Gang hinab und sah wieder auf Lance hinab.

�Heute Abend reden wir, OK?�

Er wartete auf keine Antwort, ging wortlos hinter Justin her und verschwand im D�mmerlicht im Bus. Chris wendete sich auch ab, lie� ihn hinter sich und nur noch Joey be�ugte ihn vorsichtig aus seiner Schlafkoje und wusste nicht so recht, was er mit ihm anfangen sollte.

�Hasst du Neger?�

Lance hasste vor allem, dass er wie bei einem Interview ausgequetscht wurde, alle ihm Fragen stellten und schlaue Antworten erwarteten.

�Ich will ehrlich mit dir sein.�

Er blickte mit seinen klaren, gr�nen Augen zu Joey hoch.

�Ich kann Nigger nicht ausstehen.�

Joey r�mpfte die Nase, setzte sich abrupt auf, sprang aus dem Stockbett und marschierte den Gang hinab, ohne Lance auch nur einen weiteren Blick zu schenken.

"Du bist krank!"

�Das verdien ich also daf�r, ehrlich mit meinen Freunden zu sein.�, dachte er verbittert, merkte pl�tzlich wie allein er war und versuchte erst gar nicht die brennenden Tr�nen, die seine Wangen hinabrannen zu unterdr�cken.
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