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Wozu führt man Krieg ? Was macht man, wenn der Krieg vorbei ist ?

Diese Fragen dürften die amerikanische Regierung während des zweiten Weltkrieges besonders beschäftigt haben. In den folgenden Zeilen soll genauer gezeigt werden, welche Ziele die USA im 2.Weltkrieg im Krieg gegen Deutschland verfolgt haben. Die Ziele sind in einzelne Untergruppen aufgebaut. Am Anfang ist die Frage zu beobachten, wie der Krieg enden soll. Kann der Krieg mit Deutschland ohne Eroberung Deutschlands beendet werden ? Anschließend soll auf die verordnete gesellschaftliche Reinigung (Entnazifizierung) eingegangen werden. Bei diesem Punkt sind auch die verschiedenen Gedankenansätze innerhalb der USA sehr bedeutsam, um aufzuzeigen, wie unterschiedlich die Ansichten über Deutschland waren. Danach wird die Struktur der Gebietsverteilung erörtert werden. Bei diesem Punkt stellt sich die Frage, wie soll Deutschland unter den Siegermächten aufgeteilt werden, und was soll aus Deutschland werden. Dieser Punkt muß zusammengefaßt werden, weil sich die Vorstellungen einer Nachkriegsordnung zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion sehr schnell unterscheiden sollten. Zum Schluß soll auch noch auf die wirtschaftliche Neuordnung in Westdeutschland durch die Alliierte eingegangen werden.

 

unconditional surrender

Die Renaissance eines militärisch – aggressiven Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg sorgte für den zweiten Weltkrieg. Eigentlich sollte es eigentlich logisch sein, daß es ein Wunsch der Alliierten war, in Zukunft auf alle Waffengänge auf dem europäischen Festland verzichten zu können. Dieser Friede sollte am dauerhaftesten sein, wenn man Deutschland, den Feind, militärisch nicht nur besiegt, sondern dann auch nach politischen Interessen gestaltet. Deshalb soll Deutschland nicht während eines Waffenstillstandes verhandeln können, ob es andere Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges gibt. Stattdessen soll Deutschland zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen werden. Dieses Kriegsziel erscheint plausibel, aber es verhindert einen anderen politischen Gang der Dinge. Während des zweiten Weltkrieges hofft man – vor allem auf amerikanischer Geheimdienstseite – auf eine Opposiotionsbewegung innerhalb der deutschen Militärführung. Die bedingungslose Kapitulation verhindert diese Bestrebungen, weil sie auch von der nationalsozialistischen Propaganda ausgenutzt wird. In der deutschen Bevölkerung soll die Angst vor der Niederlage aufgebaut werden. Nach Auffassung von Dr. Hanfstaengl, einem ehemaligen Vertrauten Hitlers, der nun für den amerikanischen Geheimdienst arbeitete, sei die bedingungslose Kapitulation der letzte Rettungsring für Hitler und Goebbels. Diese Einsichten wurden jedoch von der amerikanischen Regierung verworfen, weil man Angst vor einem Allianzbruch gegenüber der sowjetischen Regierung fürchtete und somit gegen die Diktion der Casablanca- Konferenz verstoßen würde.

Die bedingungslose Kapitulation verhindert somit eine eventuelle politische Änderung in Deutschland, mußte aber von alliierter Seite aus so verkündet werden, weil die sowjetische Führung einen Seperatfrieden der Alliierten mit Deutschland fürchtete.

 

Ausrottung des Nationalsozialismus in Deutschland

Zu den wichtigsten Zielen der Alliierten zählte die Beseitigung der Nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland. Nach der schnellen militärischen Wiederauferstehung Deutschlands nach dem verlorenen ersten Weltkrieg sollte für alle Zukunft verhindert werden, daß Deutschland als Aggressor den europäischen Frieden stört. Besonders auf amerikanischer Seite entstand die Frage, wie man diese deutsche Anwandlungen verhindern könnte. Große Diskussionen entstanden um die Problematik des Deutschen Volkes. Ist das deutsche Volk von einem unheilbaren Hang zum Tolitarismus befallen oder ist es nur durch die Regierungsumstände manipuliert worden. Für die zweite Theorie setzte sich besonders der amerikanische Geheimdienst daran, der sich in den Kriegsjahren stark auf das sozial - politische Verhalten der Deutschen konzentrierte. Schon sehr bald gab es Überlegungen, wie der Krieg in Europa beendet werden könnte, ohne all zu große Risiken für die alliierten Soldaten einzugehen.

Man erkannte auf amerikanischer Seite die starke Propagandahörigkeit der Deutschen. Die gezielte Steuerung und Beeinflussung des deutschen Volkes war nach Ansicht der Geheimdienststudien besonders stark verantwortlich für den Werdegang des deutschen Volkes. Schon früh versuchte man durch Radioübertragungen eine Beeinflussung der Deutschen. Mit Musik und Nachrichten versuchte man Einfluß auf die deutsche Bevölkerung zu nehmen. Neben Jazz und Swing aus den USA fand man auch berühmte Persönlichkeiten, die Essays via Radio nach Europa brachten. Zu den Bekanntesten zählt Thomas Mann, von welchem mehrere Reden nach Deutschland übertragen wurden. Diese Radiosendungen sollten nicht nur defätistisch wirken und die deutsche Wehrkraft zersetzen, sondern auch auf die deutsche Bevölkerung einwirken, und Zweifel am System erzeugen. Die großen Anstrengungen, die unternommen wurden zeigen eindeutig, daß man nicht an eine deutsche, faschistische Besonderheit glaubte, sondern von der Möglichkeit der "Heilung" der deutschen Bevölkerung überzeugt war. Falls sich die Ansicht einer unmöglichen Loslösung vom Nationalsozialismus durchgesetzt hätte, wären wohl keine finanziell kostspieligen Propaganda-Sender aufgebaut worden. Dies zeigt, daß man auf alliierter Seite an das Gute im Deutschen glaubte. Andererseits existierte in der öffentlichen Meinung auch der Diskurs, daß das deutsche Volk nicht vom nationalsozialistischen Gedankengut getrennt werden kann.

Der Gedanke, daß man Deutschland von dem Nationalsozialismus befreien könnte und zudem auch die psychologische Wurzeln vernichten könnte, sollte mit folgenden Zielen erreicht werden:

Ämtern.

- Auslöschung des NS-Geistes in Erziehung und Recht

Nach Kriegsende zeigte sich jedoch, daß die Entnazifizierung nicht so einfach ablaufen durchführen lassen sollte. Denn sehr schnell zeigt sich, daß der Nationalsozialismus institutionell tief in Deutschland vergraben war. Die "personelle Säuberung" läuft nicht ohne weiteres ab. Die obersten Größen der NS- Regierung werden – so sie gefaßt werden können – durch die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse abgeurteilt. Schnell zeigt sich, daß man nicht pauschal jedes Parteimitglied als echten Nazi und jedes Nicht-Mitglied als guten Deutschen aburteilen konnte.

In der USA treten insgesamt zwei verschiedene Meinungen über die Entnazifizierung auf. Diese zwei Haltung manifestieren sich sowohl in der politisch interessierten Öffentlichkeit, als auch in wichtigen Regierungsorganen.

Die eine Seite vertrittt die "outlaw"-Theorie, die auch von Kriegsminister Simson und dem State Department vertreten wird. Die meist liberal – konservativen Anhänger sehen im Nationalsozialismus ein "Phänomen kollektiver Kriminalität" und glauben an die einstmalige Existenz eines anderen, guten, besseren Deutschlands in der Zeit der Weimarer Republik. Sie glauben, daß nach Verurteilung der nationalsozialistischen Kaste Deutschland von ihrem Faschismus "befreit" wäre, und infolge dessen keine nenneswerte Kollektivschuldstrafe ausgesprochen werden müßte. Nach Entfernung der nationalsozialistischen Größen ist das deutsche Volk von dieser Problematik befreit und kann als stabilisiertes Land als Bollwerk gegen expansive Tendenzen der Sowjetunion dienen. Die Eingliederung in den zivilisierten Westen ist ohne größere Einschnitte in die Sozialstruktur machbar.

Die sogenannten "Vansittartisten" teilten diese Meinung nicht. Besonders bekannt unter dieser oftmals National-Liberalen war der Finanzminister Morgenthau, auf dessen Plan später eingegangen wird. Sie beabsichtigten die Oberschicht von Deutschland zu bestrafen, weil sie davon ausgingen, daß der Faschismus ein Eigenart des deutschen Wesens sei. Sämtliches politisches und ökonomisches Potential sollte zerstört werden, weil erst ab diesem Zeitpunkt von Deutschland keine Gefahr mehr ausgehen würde.

Die amerikanische Politik fand daraus eine Kompromiß zwischen beiden Positionen. Das Schriftstück hieß : Direktive JCS 1067 und ließ offen, daß ein demokratisches Deutschland eine Zukunft im politischen Leben besitzen kann, aber dennoch äußerst gründlich die nationalsozialistisch belasteten Mitglieder der Gesellschaft zu verurteilen

In der Praxis hieß es, daß umfangreiche Fragebogenerhebungen veranstaltet wurden, um die "richtigen" Nazis zu finden. Doch sehr schnell kollabieren die Militärbehörden unter der Flut von Fragebögen. Die Amerikaner geben die Entnazifizierung sehr bald in die Zuständigkeit und geben den Kriegsverlierern selbstständig die Möglichkeit eine innere Säuberungsaktion durchzuführen.

Zu den nicht öffentlich geäußerten Kriegszielen gehören auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Die amerikanische Wirtschaft der dreißiger Jahre zählt zu einer Art Handelssystem, die wir als freie Wirtschaft bezeichnen würden. Eine freie Wirtschaft ist gezwungen externe Absatzmöglichkeiten zu finden, um einen finanziellen Gewinn zu produzieren. Diese Absatzmärkte waren durch die faschistischen Siege in Europa stark eingeschränkt worden. Fast das gesamte Kontinentaleuropa war faschistisch geworden. Faschistische Staaten neigen zu einer staatlich geregelten Wirtschaft, welche die Autarkie des Landes garantieren soll. Japan, heute ein großer Handelspartner, war in damaliger Zeit Kriegsgegner der USA und schied als Exportland aus. Einzig Großbritannien war als Handelspartner übrig geblieben, doch um die Finanzen von Albion war es nach den Kriegsausgaben nicht zum besten bestellt.

 

Deutschlands Aussehen

In den Anfangsjahren des amerikanischen Kriegseintrittes hofft man auf amerikanischer Seite einen großen Schritt in Richtung geregelter Nachkriegsweltordnung gemacht zu haben. Besonders Präsident Roosevelt hofft auf eine zukünftige Staatenpolizei, zu denen USA, Sowjetunion, England und vielleicht China zählen sollten. Dementsprechend versucht die USA mit der Sowjetunion einen gemeinsamen politischen Nenner zu finden. Ab dem Spätherbst 1943 entsteht eine Kurswende in der amerikanischen Politik, denn man ist nicht gewillt die Okkupation der baltischen Staaten durch die Sowjetunion von 1940 hinzunehmen. Bei der Konferenz in Teheran 1943 kommt es nicht zu einer Einigung zwischen den potentiellen Siegermächten. Der amerikanische Vorschlag sieht folgendermaßen aus:

  1. Trennung Deutschlands von Österreich
  2. Aufteilung Deutschlands in 5 Einheiten (Preußen – stark gekürzt - , Hannover und Westdeutschland, Sachsen, Hessen und Süddeutschland)
  3. Ruhrgebiet, Saarland, Kiel und Hamburg sollten treuhänderisch durch die vereinten Nationen verwaltet werden.

Nachdem in Teheran keine gemeinsamer Konsens gefunden wird, entwickeln sich in den USA zwei unterschiedliche Haltungen. Wer einen gemäßigten Kurs vorschlägt, will nicht Deutschland zerteilen, sondern es föderalistisch aufbauen. Das deutsche Reich soll um seine Ostgebiete verkleinert werden. Ansonsten sollte die Wirtschaft durch Friedenskontrollen beobachtet werden. Der Weg zurück in die Weltwirtschaft steht relativ offen. Ganz anders reagierte der Finanzminister Henry Morgenthau. Sein Plan "Program to prevent Germany from Starting a world war III" sah folgendes vor:

Noch im Sommer 1944 unterstützten Roosevelt und Churchill diesen Plan. Doch immer größer werdende Kluft zwischen sowjetischer und amerikanischer Interessen läßt diesen Programm nicht zur Durchführung kommen. Stattdessen wird Deutschland in 4 Besatzungszonen aufgeteilt

 

 

Was macht man mit der Industrie ?

Über die Fortdauer der deutschen Industrie gab es auf alliierter Seite nur wenig konkrete Vorstellungen. In mehreren Konferenzen während des Krieges wurde ausgehandelt, daß der Sowjetunion, als am stärksten vom Krieg betroffenes Siegerland, eine hohe Reparationszahlung erhalten sollte. Ferner könnte jede Besatzungsmacht sich aus seiner eigenen Zone an Industriegütern bedienen, um Kriegskosten zu begleichen. Gerade die Amerikaner legen Wert darauf, daß Deutschland nicht zu utopischen Reparationszahlungen verurteilt werden. Einerseits existiert die Befürchtung, daß man den gleichen Fehler wie mit den Versailler Verträgen machen würde, und Deutschland sich selbst in prekäre Situationen bringen würde. Andererseits erkannte man auch, daß Reparationszahlungen auch die Inflation auf dem Weltmarkt antreiben können, wie bei Versailles. Deshalb sollten die Zahlungen in einem Rahmen bleiben, der nicht die eigene Wirtschaft bedrohen würde. Von amerikanischer Seite aus interessierte man sich – neben der Zerschlagung der wirtschaftlichen Monopole- für den Abbau von nicht friedenswirtschaftlich notwendigen Industrieanlagen. Dieser Gedanke ist stark von der Idee des Morgenthau-Plans beeinflußt. Der Morgenthau-Plan trat für eine Deindustrialisierung Deutschlands ein. Seit einem Treffen von Roosevelt und Churchill 1944 in Quebec kursierte der Plan, Deutschland in ein agrarisch geprägtes Land umzuwandeln. In der Folge distanzierte sich Roosevelt immer mehr von diesem Plan.

Die Veränderung der politischen Lage verhinderte auch eine groß angelegte Industriedemontage. Ab dem März 1946 begann ein demonstrativer Stop in der amerikanischen Zone. Im Herbst 1946 verkündet Außenminister Byrnes, daß die Beschlüsse von Potsdam nicht zwangsläufig die Deindustrialisierung Deutschlands bedeutet, sondern daß die Möglichkeit offenbleiben müßte, sich mit harter Arbeit eine Industrie zu Friedenszwecke aufzubauen.

Der Marshall-Plan aus dem Jahre 1947 hilft dann der deutschen Industrie wieder auf die Beine zu kommen.

 

Zusammenfassung:

Auf amerikanischer Seite schafft man es nicht, eine einheitliche Politik durchzusetzen. Zu unterschiedlich sind die Ansichten, zwischen denen die amerikanische Regierung einen Kurs auswählen muß. In der "unconditional surrender" Position wäre die USA wohl bereit gewesen mit einer aufständischen deutschen Opposition zu verhandeln, und etwaige "Straferleichterung" zu geben. Doch die anderen Länder der Allianz wollen ein für alle Mal das deutsch – nationale Schreckgespenst vernichten.

Die Entnazifizierung verläuft nicht so wie die Amerikaner es sich vorgestellt haben. Die Militärbehörden kapitulieren ob der riesigen Datenmenge durch Fragebögen. Zudem entpuppt es sich als äußerst schwierig in Deutschland die wahren Nazis auszumachen. Die Amerikaner übertragen sehr bald dieses Recht auf die deutschen Behörden, die somit die Selbstreinigung beginnen können.

Die Zerteilung Deutschlands kommt für die USA auch nicht in Frage, weil man von einem einigermaßen gefestigten Westdeutschland mehr profitieren würde als von einem Zwangsagrardeutschland

Die Deindustrialisierung Deutschlands kann von amerikanischer Seite nur sehr unvollständig betrieben werden. Kurze Zeit nach dem Kriegsende beginnt die Allianz Rußland und USA/Großbritannien große Risse zu zeigen, Die Amerikaner beginnen mit ihrer containment (Eindämmungs) Politik gegenüber dem Kommunismus. Diese politische Richtung bringt bald Deutschland als anlehnungsbedürftiges Land sehr nahe an die amerikanische Politik, die bald Deutschland als sehr bedeutend erachtet.

Den Amerikanern gelang es eigentlich nicht ihre Kriegsziele durchzusetzen. Alle wichtigen Punkte für ein Deutschland nach dem Krieg konnten oder wollten nicht durchgesetzt werden, auch weil kurze Zeit nach Kriegsende ein Feind am politischen Horizont auftauchte.

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