Tiberius:
Tiberius übernahm 14 n.Chr. im Alter von 56 Jahren die Regierungsgeschäfte. Er hält sich an den eingeschlagenen Weg von Augustus, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Der Senat darf auch abstimmen, was Tiberius half, seine Stellung nicht zu übertreiben. Der Versuch, dem Senat wieder größere Partizipation zu geben scheitert jedoch. Die Senatoren erwarteten klare Direktiven in ihrem Handeln. Auf die Dauer sorgte es für Entfremdung zwischen Kaiser und Senat. Als Tiberius seinen Lebensabend ab 27 auf Capri verbringt schlägt es sogar in offenen Haß gegen die Politik in Rom um. Die Popularität war ihm verhaßt, und er versuchte im Schatten des übermächtigen Augustus zu regieren. Dessen Idee auf Expansionsstopp folgt Tiberius, der keine Kriege unternimmt, um das Imperium auszudehnen. Stattdessen versucht er die Romanisierung der eroberten Gebiete in Europa vorantreiben. Auch gegenüber den Provinzen zeigt er sich bei den Steuern nachsichtig. Er beschreibt diese Zurückhaltung als Aufgabe des guten Hirten seine Schafe zu scheren, und nicht zu schinden. Tiberius erkannte nämlich, daß die Provinzen vor Ausbeutung geschützt werden müssen, um Aufstände und die dazugehörige Militärkonzentration zu verhindern, die eventuell das Imperium bedrohen könnten. Diese Politik sorgte für mehrere Prozesse, bei denen Statthalter angeklagt wurden. In diesen Gerichtsfällen sprach sich Tiberius fast immer für die Provinzen aus.
Seit Caesar zeigte sich, daß man Rom auch aus den reichen Provinzen unter Druck setzen konnte. Deshalb begann die tiberianische Politik die Unterschiede zwischen Italien und Provinzen etwas einzuebnen. Den politischen Eliten der Provinzen gelang es teilweise in höhere Führungspositionen aufzusteigen, was ein loyales Verhalten der Provinzen mit sich zog.
Bei der geschichtlichen Betrachtung von Tiberius ergeben sich Probleme. Man betrachtet die Gestalt des Tiberius als nicht mehr so negativ, was gegen die Glaubhaftigkeit und Objektivität von Tiberius spricht. Die beiden anderen Informationsquellen, Sueton und Cassius Dio, gelten eher als oberflächlich. Folgende Charaktereigenschaften werden Tiberius nachgesagt: anxius, tristis, superbus,callidus, intentus ad publicas curas. Das allgemein negative Bild von Tiberius beruht auf der Tasache, daß alle 3 Geschichtsautoren nicht immer objektiv schreiben. Sueton versucht nicht weniger historisch angeordnet zu schreiben, sondern verfaßt eher Unterhaltungslektüre über private Datails der Kaiser. Er bildet Grundansichten heraus, in die die jeweiligen Kaiser gepreßt werden. Tacitus sieht schon eher als chronistischer Geschichtsschreiber, der eine republikanische Ansicht besitzt. Die senatorische Führungsschicht soll von ihm pädagogisch nützlich als Lektüre erhalten. Tacitus enthält sich nicht der Bewertung. Er ist weniger am Kaiser interessiert, sondern eher an den moralischen Aspekten der Herrschaft. Cassius Dio schreibt erst im 3. Jahrhundert. Er orientiert sich schon am Kaiser, doch nicht mehr alle notwendigen Quellen sind auffindbar.