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Tertullian:

Tertullians Biographie

Tertullian wurde 155 n.Chr. in Karthago in der Provinz geboren. Sein Vater war Zenturio, der im Dienste des Prokonsuls von Africa stand. Der junge Tertullian erhielt eine sprachliche und rhetorische Ausbildung. Zudem verstand er sich auch in juristischen Sachverhalten, was sich in seinen theologischen Schriften widerspiegelt. Nach seinem christlichen Bekenntnis blieb er ungefähr 10 Jahre ein Mitglied der Kirche. Dann begann er sich dem kirchlich rückorientierten Montanismus anzuschließen. Er prägte dort eine eigene Gruppe , und blieb bis zu seinem Tode um das Jahr 220 im hohen Alter das Oberhaupt dieser neuen Gemeinschaft. Tertullian zählt als der fruchtbarste abendländische Schriftsteller der vorkonstantinischen Kirche. Er widmete sich apologethischen, dogmatischen und praktisch – asketischen Schriften. Seine schriftstellerische Blütezeit hat er zur Regierungszeit des Severus und seiner Söhne zwischen den Jahren 193 bis 212. Jahre zuvor erlebte er in Karthago zwei Christenverfolgungen, was ihn dazu bewegte, theoretische Verteidigungsschriften zu verfassen.

Zu seinen Schriften gehören "Apologeticum" (eine Schrift zur Widerlegung von Vorwürfen gegen das Christentum), "adversus marcionem" (eine schriftliche Auseinandersetzung mit Marcion) und die "adversus praxean" (eine Schrift über die Trinität)

Tertullians Einstellung zu christlichen und heidnischen Frauen:

Anhand der Texte lassen sich verschiedene Grundzüge von Tertulians Frauenvorstellung rekonstruieren. Die verschiedenen Facetten sind Gedanken über das richtige Verhalten der Frau gegenüber ihrem Ehemann, Gedanken über die wichtigen Tugenden einer Frau und Gedanken über die Notwendigkeit von Kosmetik bei Frauen. Tertullian wünscht sich die Unterordnung der Frau gegenüber ihrem Ehemanne. Er leitet diesen Gesichtspunkt aus dem Sündenfall im Paradies ab, und versucht dadurch die moralische Position des Mannes zu erhöhen.

Ein anderer Unterpunkt seines Frauenbildes, ist die Angabe einer Verhaltensnorm, die für das alltägliche Leben der Frau gedacht sind. Die Frau soll sehr zurückhaltend leben, und sich ganz dem Leben im Haushalt anpassen. Die Frau soll sich Gottgefällig verhalten, und sich keusch verhalten.

Laut dem Autor des Textes darf die Frau nur ihrem Ehemann gefallen. Dies ist für sie nicht schwierig, denn sie gefällt ihm nicht durch ihre äußere Schönheit, sondern durch ihre Sittsamkeit. Deshalb braucht sie keine Kosmetik zu verwenden, weil ihr Ehemann sich nicht über ihr Aussehen beklagen wird, weil er sie geheiratet hat, und sie zu dieser Zeit für schön gefunden hat. Sollte sie dennoch geschminkt das Haus verlassen, wird sie bei den heidnischen Männern gewisse Absichten erzeugen.

Dieses Bild über die Christinnen erzeugt in gewisser Weise auch ein Bild über die Heidinnen. Die vielen Ratschlägen von Tertullian für die christliche Frau scheinen eine bewußte Abgrenzung von den Heidinnen zu implizieren. Wenn Tertullian die christlichen Frauen ihren Ehemännern unterordnet, heißt es, daß die heidnischen Frauen nicht immer und unbedingt sich ihrem Mann unterstellen. Ein anderer Punkt ist der Ratschlag von Tertullian bezüglich der geeigneten Verhaltensnormen der christlichen Frau. Daraus läßt sich schließen, daß die heidnische Frau sich nicht nur um den Haushalt kümmert, isoliert und keusch zurückgezogen lebt, sondern auch die Öffentlichkeit nicht scheut. Der dritte erwähnte Themenpunkt ist die kosmetische Pflege der Frau. Bei Betrachtung der Ermahnung an die Christin wird impliziert, daß die heidnische Frau sich weniger ihrer sittlichen Schönheit, sondern eher ihrer körperlichen Schönheit widmet. Die heidnische Frau versucht auch noch in der Zeit ihrer Ehe für ihren Mann attraktiv zu bleiben, ganz im Gegensatz zu der sittlich idealen Frau Tertullians. Dieses geschminkte Auftreten in der Öffentlichkeit scheint jedoch auf die heidnischen Männer eine Signalwirkung ausgelöst zu haben, was nach Tertullians Angaben ausdrücken soll, daß die geschminkte heidnische Frau nicht die zurückhaltende Keuschheit ausdrückt, die er in seinen Schriften fordert.

Tertullians Vorstellung über die Ehe, sowie Vergleiche zu anderen antiken Kulturen:

Ein konkretes Idealbild der Ehe gibt Tertullian nicht an, denn seine Vorstellung über die Ehe verändern sich im Laufe der Zeit. In späteren Lebensjahren steht er der Ehe zunehmend feindlicher gegenüber. Er erkennt in dem Zustand der Ledigen und der damit verbundenen Jungfräulichkeit größere religiöse Wichtigkeit, denn "die Keuschheit begünstige die visionären Zustände und den prophetischen Geist." Dieser Gedankengang beruht auf der Vorstellung, daß die Ehe zwischen Mann und Frau von göttlicher Hand gestattet wurde, weil der Mensch unvollkommen war. Jener Umstand führt zu dem Verlangen des Menschen nach geschlechtlichem Umgang. Dieser sexuelle Kontakt ist für ihn eigentlich unsittlich, doch in der monogamen Ehe kontrollierter als in einer außerehelichen Beziehung. Dies zeigt, daß die Ehe für Tertullian nur der Kanalisierung der sexuellen Begierde diente, und somit ein weniger großes Übel darstellte. Doch laut Tertullian ist die Zeit der Vollendung nahe gekommen, was ein keusches Leben von den Menschen fordert. Die Eheleute sollen in der Ehe genauso jungfräulich bleiben, wie vor der Heirat.

Für den Falle einer vollzogenen Heirat jedoch erkennt Tertullian zwei Ideale. Er fordert von beiden Ehepartner die lebenslange Monogamie. Sie soll bestehen bleiben, auch wenn einer der beiden Partner verstirbt. In diesem Falle ist es dem verwitweten Eheteil untersagt einen neuen Lebenspartner zu ehelichen.

Der andere wichtige Punkt ist für Tertullian die Unterordnung der Ehefrau gegenüber ihrem Ehegatten. Dies zeigt sich auch im zweiten Abschnitt, als er fordert, daß sie ihr Haupt zu ihrem Mann senken solle. Der Mann soll als das dominierende Teil des Ehebündnisses gelten.

Ähnliche Ideale herrschten auch im antiken Rom bis ca. 300 v.Chr.. Auch dort dienten die stets monogame Ehe lediglich der Zeugung von Kindern, was sich mit den Vorstellungen Tertullians deckt. Die Aufgaben der römischen Frau waren auf den Haushalt und die Familie bezogen, was bedeutete, daß die Frau sich von der Öffentlichkeit und dem damit verbundenen politischen Leben fernzuhalten hatte. Ebenfalls eine Parallele zu Tertullian kann man in der ehelichen Stellung der Frau beobachten. Sie kann von einem Mann verstoßen werden, ohne selbst die gleiche rechtliche Möglichkeit für sich beanspruchen zu können. Sollte der Ehemann versterben, wird die Frau zwar faktisch Alleinerbin, bekommt aber dennoch formal einen männlichen Vormund.

Eine andere ähnliche Kultur findet sich im antiken Griechenland, und besonders in Athen. Dort verbringt die Ehefrau ihr Leben im oikos. Sie ist damit beschäftigt, sich um den Haushalt zu kümmern. Sie muß, wie in der Vorstellung Tertullians, unter ihren Mann stellen, und darf nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Zudem besitzt das Wort eines Mannes ungleich mehr Gewicht, als das einer Frau.

Tertullians Rezeption:

Die hier geäußerte Meinung steht für die Askese, die zuerst von den Aposteln, und später von vielen Sekten vertreten wurde. Die Askese war eine Entsagung von weltlichen Genuß, der sich unter anderem durch Fasten, Alkoholverzicht, Kosmetikverzicht und sexuelle Enthaltsamkeit zeigte. Der generelle Verzicht auf diese Dinge läßt sich nicht aus dem Lebenslauf von Jesus ableiten, der zwar in Armut lebt, aber die Heirat nicht untersagt. Er schreibt nirgendwo in der Bibel die absolute Askese vor. Auch die nachösterliche Gemeinde in Palestina übt sich noch nicht in Askese. Erst in den apostolischen Briefen findet sich die Forderung des Verzichts wieder. Diese Angabe wird später von abspaltenden Gruppen der Kirche verwendet, was strikt ausgeübt zu den Ursprüngen der monastischen Bewegung zählte. Die Vertreter dieser Segretationsbewegung betonten die Wichtigkeit der Askese für ihre Gruppen, die entweder als reformerisch oder eschatologisch einzuordnen waren. Eschatologische Sekten erwarten den nahenden Weltuntergang und mahnen deshalb zur Enthaltsamkeit. Diese Sekten entstehen meistens auf hellenistischem Boden, und zeigen sich häufig in Kleinasien und Ägypten. Bei den asketischen Sekten verlegt sich der Entstehungsort auf das griechische Festland. Als Ursprungspunkt der asketischen Sekten kann Korinth bezeichnet werden. In dieser Stadt trat eine besonders starke Strömung der Askese auf. Deren Hauptforderungen waren der Eheverzicht, Enthaltsamkeit falls doch geheiratet wurde und keine zweite Heirat waren. Einer der herausragenden Vertreter dieser Askesebewegung war Augustinus, der mit der von ihm verfaßten Augustinerregel einen Verhaltenscodex für das Mönchtum veröffentlichte. Seine Forderungen unter anderem nach Armut und sexuellem Verzicht läßt sich durchaus mit den Gedanken der Askese der Apostel vergleichen. Bis zum heutigen Tage erfahren Klöster hohes Ansehen, und besaßen zur mittelalterlichen Zeit politische Partizipationsmöglichkeiten. Die Fastenzeit vor Ostern, auch eine Form der Askese, hat sich im christlichen Abendland bis zum heutigen Tage gehalten.

Das Heidentum und das Christentum haben gänzlich verschiedene Auffassungen vom menschlichen Körper. Für das Christentum steht die Körperlichkeit im Hintergrund. Als viel wichtiger wird die unsterbliche, menschliche Seele eingestuft, deren Heil im menschlichen Leben erreicht werden soll. Die hohe Stellung der Seele unterstreicht Augustinus, der die Körper als notwendiges Beiwerk zum Körper erachtet. Auch Tertullian versucht die menschliche Seele als wichtiger einzustufen, denn sein Kosmetikverbot für Frauen soll helfen, Seelenheil zu erlangen. Das Heidentum hingegen bringt dem Körper sehr viel mehr Beachtung entgegen. Im antiken Griechenland war der menschliche Leib viel wichtiger eingestuft. Es entstand dort eine gesellschaftliche Ansicht, die Kalokagathia genannt wurde, und besagte, daß wer als schön eingestuft, auch als sittlich gut betrachtet wurde. Ein ähnlich positives Verhältnis zum Körper läßt sich auch im antiken Rom betrachten. Ovid verfaßte ein kosmetische Anleitung für Männer, die ihnen Empfehlungen für die tägliche Schönheitspflege gibt. Ebenfalls ein positives Bild vom Körper vertritt Seneca, der die tägliche Pflege der Hülle des Geistes empfiehlt.

Diese kontrastiven Ansichten beruhen auf der Wichtigkeit des jetzigen Lebens. Die christliche Religion richtet auf das Leben nach Tod aus, und versucht durch ein entsprechendes Leben in der Gegenwart ein angenehmes Leben im Jenseits zu erhalten. Die heidnische Religion versucht sich am irdischen Leben zu orientieren. Das Leben in der Unterwelt erscheint der heidnischen Religion nicht als unbedingt erstrebenswertes Ziel. Ein Beleg findet sich in der Odyssee, die als bekanntestes Werk im Mittelmeerbereich galt. Kirce bietet Odysseus die Möglichkeit, mit den Seelen der Verstorbenen zu reden. Der verstorbene Seher Teiresiras erklärte Odysseus, daß er Licht und Sonne verlassen hätte, und sich nun an einem Ort ohne Freude befände. Ähnliches weiß auch sein verstorbener Kriegsgefährte Achill zu berichten, der angibt, daß er lieber ein unfreier Knecht auf den Feldern wäre, als bei den Verstorbenen zu herrschen. Dieser Unterschied in der Bedeutung des Lebens in der Gegenwart beeinflußte auch maßgeblich die Auffassungen vom Körper des Menschen.

Bibliographie:

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