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Territorialisierung

Was ist Territorialisierung?

Territorium = lat. Lehnwort für politisches Gebilde; ein Territorium kann Herrschaftsgebiet oder auch eine Stadt sein

Der Konflikt zwischen der Zentralgewalt und der Partikulargewalt zählt zu einer Konstante in der mittelalterlichen Zeit.

Beginn der Territorialisierung:

Der Aufstieg der Landesherrschaft beginnt im 12. Jahrhundert, als die Macht der Könige zu schwinden scheint, und nur noch durch eine große Hausmacht aufrecht erhalten werden kann. Der erste Monarch, der einem territorialen Herrscher etwas "Souveränität" zukommen läßt, ist

Friedrich Barbarossa, der einen schweren innerpolitischen Konflikt zwischen Jasomirgott und Heinrich den Löwen um ein Teilgebiet von Bayern lösen muß. Er muß schnell einen Ausgleich schaffen, um in der Besitzfrage Klarheit zu schaffen. Deshalb stellt er im September 1156 Privilegium Minus aus.

Die wichtigsten Bestimmungen des Privilegium minus:

Þ Führt zur territorialen Herrschaftsgewalt innerhalb des Gebietes des deutschen Reiches und zur Ausbildung des Reichs-/ Kurfürstenstandes, aus deren Mitte die Wahlberechtigten gemäß der goldenen Bulle entstanden.

Auch die Fürsten von anderen Gebieten versuchen ähnliche Privilegien zu erhalten. Sie üben zwar teilweise auch schon Regalien aus, doch ohne diese vom König schriftlich bestätigen zu lassen.

Erst Friedrich II, der meistens in Sizilien residierte, und sein Sohn gaben mit königlichen Bullen aus den Jahren 1220 und 1231 den Reichsfürsten die Verfügung über einige Regalien, die bisher zumindest proforma nur dem Reichsoberhaupt zustanden:

In der zweiten Bulle werden die Territorialherrscher erstmals mit dem Titel "dominus terre" angesprochen, was das gestiegene Ansehen der Landesherrn repräsentiert.

Zur Zeit der Doppelwahl 1257 werden zwei ausländische Herrscher von den Kurfürsten zu Könige von Deutschland gewählt. Beide Herrscher hatten ihren Rang durch Versprechungen und Zahlungen erhalten. Von dem Engländer, Richard von Cornwall, heißt es, er habe "Geld wie Wasser vor die Füße der Fürsten" geschüttet. Er kann jedoch kaum Kontinentalpolitik betreiben, weil er in England innerpolitische Probleme hat. König Alfons von Castilien betritt nie sein Reichsgebiet, und läßt die Fürsten die Interessen ihrer Territorialgewalt verfolgen. In dieser Zeit bis zur Krönung von Rudolf von Habsburg 1273 bekommen die Fürsten die Möglichkeit ohne einen präsenten König zu regieren. Die Nachfolger von Rudolf müssen sich bei kommenden Doppelwahlen die Königswürde gegen ihren Wahlgegner erkämpfen. Diese Wirrnisse halten an, bis Karl IV zum König gewählt wird

Die goldne Bulle von 1356

(Goldene Bulle = Kaiser- oder Königsurkunde mit goldenem Siegel)

Verfasser der goldenen Bulle von Nürnberg vom 10.1.1356 ist Kaiser Karl der IV.

Wichtige Passagen aus der goldnen Bulle:

- Stimmrecht haben:

Erzbischof von Trier (Erstwahlrecht)

Erzbischof von Köln

Der König von Böhmen

Pfalzgraf bei Rhein

Herzog von Sachsen – Wittenberg

Markgraf von Brandenburg

Erzbischof von Mainz (Wahlleiter)

- Maioritätsprinzip

- Erste Regierungshandlung ist die Bestätigung der Privilegien der Kurfürsten

  1. Unteilbarkeit und Erstgeburtsrecht der Kurlanden
  2. Privilegium de non evoncando ( Untertanen dürfen nur zum kurfürstlichen Gericht geladen werden)

Privilegium de non appelando ( Untertanen dürfen kein anderes Gericht anrufen)

d) Regalien fallen an Kurfürsten

Weshalb entstand die Territorialisierung ?

 

Folgen der Territorialisierung:

Þ es entsteht keine sprachliche Leitvarietät, sondern die jeweiligen Territorien behalten ihren Regiolekt.

Þ Es entsteht ein Streben der Territorien nach eigenen Universitäten, die unabhängig von einander lehrten, und eine wichtige Rolle in der Ausbildung von "Landesbeamten" hatten.

Þ bis heute haben sich die Bundesländer ihren politischen Einfluß behalten, ganz im Gegensatz zu Frankreich, wo der größte politische Einfluß aus dem Zentrum, Paris, kommt.

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