Die Ständekämpfe
Die wichtigste Institution der Gesellschaft ist die Familie, die die gesamten Hausgemeinschaft mit dem Sklaven einschließt, und unter der absoluten Gewalt des männlichen Familienvorstandes, dem pater familias, unterstand. Dieser konnte Rechtssprechung ausüben, und sogar seine Kindr als Sklaven verkaufen. Die verwandten Familien bildeten ein Geschlecht (gens) und hatten den gleichen "Familiennamen" (nomen gentile).
In der Königszeit formierten sich die Adligen zu einem Patriziat, und bilden mit Vertreten den Adelsrat (Senat). Dieser Senat beriet den König und übte hohen politischen Einfluß aus.
Diese Adeligen (Patrizier) übernehmen das Patronat, eine Schutzherrschaft über die finanziell schwächeren Bürger, und bieten ihnen gerichtlichen Schutz oder auch finanzielle Zuwendung. Dafür gaben die Klienten ihre Stimmen bei Wahlen an die Adlige. Je nach Anzahl des Klientel wuchs der politische Einfluß einer Familie.
Die Angehörigen des Volkes wurden Plebejer (lat. plebs = Volk) genannt. Dies waren meist freie, selbständige Handwerker und Händler, die oft auch in die Stadt zogen, und nicht im Klientelverhältnis standen. Die Plebejer waren zwar persönlich frei, aber ohne politische Rechte. Das Durchbrechen dieser Standesschranken war fast unmöglich, denn es bestand lange Zeit ein Heiratsverbot zwischen Plebejern und Patriziern.
Im Laufe der Zeit empfanden die Plebejer diese Diskriminierung als Widerspruch zu ihrer wachsenden Bedeutung. Durch die Einführung der Kampfphalanx gewannen die Plebejer an Bedeutung. Es entsteht auch eine plebejische Oberschicht, die finanziell nicht hinter den Patriziern zurückstecken muß. Dies führt zu einem gestiegenen Selbstbewußtsein und der Forderung nach politischem Mitspracherecht. Das Patriziat verschließt sich vor diesem Mitspracherecht, was die Patrizier zu anderen Maßnahmen greifen läßt. Sie wollen den Kriegsdienst verweigern oder sogar die Stadt verlassen. Eine Sage schildert einen Auszug aus dem Jahre 494 v. Chr. als die Plebejer bereits die Stadt verlassen haben, jedoch durch den patrizischen Abgesandten Menenius Agrippina durch eine Parabel zurückgeholt wird. Er erklärt ihnen die politische Situation anhand eines Körpers, der einen Bauch (Patrizier) und Glieder (Plebejer) benötigt, und trotz der unterschiedlichen Arbeitsteilung nicht getrennt überleben kann.
In der Anfangsphase der Standeskämpfe (494- 287) gründen die Plebejer eine Volksversammlung, in welcher sie auch Vertreter wählen, die gegenüber dem Senat ihre Interessen schützen sollen Diese Vertreter, die Volkstribune, fungieren als Anwälte des Volkes, und können mit ihrem Veto (= ich verbiete) gegen patrizische Politik schützen. Die Volksversammlung wird durch ein heiliges Gesetz legitimiert. Damit gelten die Volkstribunen als sacrosanct. Dies macht die Volkstribunen zu Autoritätsträgern. Diese stammen aus der gehobenen Schicht der Plebejer und beginnen teilweise mit einfachen Plebejern ein Klientelverhältnis. Die Patrizier können sich gegen die Veränderungen nicht wehren, und müssen akzeptieren, daß innerhalb von 200 Jahren eine rechtliche Gleichstellung erreicht wird.
494 v. Chr.: Einrichtung des concilium plebis (Volksversammlung) und das Volkstribunat
450 v. Chr.: Mit dem Zwölftafelgesetz werden die Gesetze schriftlich niedergeschrieben, um Willkür auszuschließen
445 v. Chr.: Aufhebung des Eheverbotes zwischen den beiden Ständen
367/66v.Chr.: Zulassung von Plebejern zum Konsulat
bis 300 v.Chr.:Zulassung zu allen anderen Ämtern
287 v.Chr.: Die Volksversammlung wird anerkannt als gesetzgebende Versammlung
Im Jahre 287 v.Chr. sind die Ständekämpfe beendet. Doch schon ab 445 begann durch die
Aufhebung des Eheverbots der Aufbau einer neuen Oberschicht. Das alte Patriziat
verschmilzt mit der reichen Oberschicht der Plebejer, und bildet mit ihm zusammen die
Nobilität. Der Aufstieg eines homo novus (Neuankömmlings) ist zwar möglich, aber in
politischer Praxis recht selten.
Die Grenze der römische Gesellschaft stellt jetzt nicht mehr nur die Herkunft dar, sondern
kann auch durch finanziellen Besitz dargestellt werden. Das Amt des Volkstribun verliert immer mehr seinen ursprünglichen Charakter, sondern wird später als Sprungbrett für eine weitere politische Karriere gesehen.