Die Reformen Solons
Die sozialen Krisen gefährden die Macht der Aristokratie gewaltsam zu beenden. Deshalb versuchen die Adligen mit schnellen Reformen die Gefahr zu bannen. Sie wählen im Jahre 594 v. Chr. einen Archon mit außerordentlichen Vollmachten, der als Versöhner zwischen den beiden gruppen die sozialen Probleme lösen soll. Dieser Archon wird Solon, ein Intellektueller und Schriftsteller aus vornehmer Familie, der sich großes Ansehen erworben hatte. Mit seinen Reformen aus den Jahren 594/3 versucht er nicht nur die wirtschaftlich -sozialen Probleme zu lösen, sondern beginnt eine politische Ordnung in Athen einzuführen. Seine Reformen sind
- Die Bauernbefreiung: Die Schuldknechtschaft wird aufgehoben, und sämtliche Schulden und Hypotheken getilgt.
- Die Neueinteilung der Bürgerschaft je nach Vermögen in 4 verschiedene Klassen:
- Klasse: die Pentakosiomédimnoi (Fünfhundertscheffler) mit einem Einkommen von über 500 Scheffel, die ihnen die Zulassung zu sämtlichen politischen Ämtern gab
- Klasse: die hippeis (Reiter, Ritter) mit einem Einkommen von über 300 Scheffeln. Sie hatten Zulassung zu allen Ämtern außer dem Archontat und dem Areopag
- Klasse: die Zeugiten (Besitzer eines Ochsengespanns) mit einem Einkommen von über 200 Scheffel, die die gleiche politische Beschränkung wie die hippeis hatten
- Klasse: die Theten( besitzlose Lohnarbeiter), die nur zum Volksgericht und zur Volksversammlung zugelassen waren.
- Die Schaffung des Rates der 400: Der Rat der 400 ist ein ständiger Ausschuß, der die Leitung der Volksversammlung (ekklesia) ausübt. Er setzt sich aus 100 Vertretern der alten Phylen zusammen, die noch auf die "Stämme" zurückgehen. Ihre Unterteilungen sind Geschlechter und Phratrien (Bruderschaften). Der Zusammenschluß mehrer Pratrien ist die alte Phyle, deren Mitgliedschaft auch bei einem Ortswechsel bestehen bleibt, und somit eine gentilizistische und keine territoriale Organisation war.
- Schaffung eines Volksgericht (heliaia) als Gegengewicht zum Areopag
- Das Appellationsrecht eines jeden Bürgers
- Wirtschaftliche Maßnahmen, wie z.B. Exportverbot für Agrarprodukte)
Jeder Bürger der Stadt bekommt gemäß seiner finanzieller Stellung Partizipation an der politischen Landschaft. Der Adel kann immer noch die führende Rolle beanspruchen, solange seine Mitglieder über genügend Geld verfügen. Ansonsten kann er sich nicht mehr auf seine Herkunft berufen, was auch den wohlhabenden Nichtadligen Aufstiegschancen bietet. Dieses politische Systems, das die Bürger nach ihren Vermögensklassen einteilt, nennt man Timokratie und ist ein Bindeglied zwischen Aristokratie und Demokratie.