Kriegsschuldfrage und Reparationen im Versailler Vertrag
Die Reparationsfrage wird mit der Kriegsschuldfrage verbunden. So bekommt Deutschland die Alleinschuld, um die Reparationen zu regeln.
Zuerst kommt in Versailles die Idee auf, nur Einzelne Personen zu bestrafen. (Kaiser, Politiker, U-Bootkommandanten, oder wie die USA will, nur Deutschland moralisch zu verurteilen. Doch Frankreich und England sind gegen diese Vorschläge. Beide Länder wollen finanzielle Entschädigungen, um ihre enormen finanziellen Belastungen zu decken.
Schließlich kommt aus Amerika der Vorschlag, Deutschland nur für unmittelbare Kriegsschäden bezahlen zu lassen. Frankreich und Belgien stimmen zu, doch England (ohne direkte Kriegsschäden) ist dagegen.
England wünscht den "integralen Ersatzanspruch", der die Erstattung der unmittelbaren Schäden und der Folgekosten (Wittwenrenten, Materialaufwendungen...).
Die USA wünscht hingegen die finanzielle Konzession bei der Erstattung, und die Reparationszahlungen von den Fähigkeiten Deutschlands abhängig zu machen.
Im Versailler Vertrag soll in Art. 231 Deutschland die Kriegsschuld sogar selbst anerkennen. Dieser Artikel hat zuerst nur funktionale Bedeutung, um Deutschland für schuldig und reparationspflichtig zu erklären. Doch mit der Selbstanerkennung wird Deutschland moralisch verurteilt, während England und Frankreich hingegen von der Kriegsschuld befreit sind.
Bereits 1919 stimmt der berühmte Wirtschaftswissenschaftler Keynes gegen den Vertrag. Er spekuliert, daß Deutschland auf dem Weltmarkt vermehrt Devisen erwirtschaften muß, um die Reparationen bezahlen zu können. Dies würde zu deutschen Dumpingpreisen führen, die das Weltmarktgefüge stören würde.
Der Versailler Vertrag beschlagnahmt sämtlichen deutschen Auslandsbesitz, also auch den privaten Besitz. Auch Teile der deutschen Handelsflotte werden eingezogen. Deutschland wird auch von der Meistbegünstigungsklausel ausgeschlossen.
Insgesamt wird Deutschland wirtschaftlich vom Weltmarkt ausgesperrt.
Deutschland wird entwaffnet, und soll Vorreiter einer allgemeinen Truppenreduzierung sein.
Es wird 50 km den rechten Rheinufer eine entmilitarisierte Zone eingerichtet. Dies wird "entfestigte Zone" genannt.
Der Eintritt in den Völkerbund wird verwehrt.
Das linke Rheinufer wird besetzt, und es wird dort eine internationale Rheinlandkommision eingerichtet, was einem politischen Souveränitätsverzicht gleichkommt. Dieses Gebiet soll etappenweise in 15 Jahren geräumt werden. Es wird schon 1930 wieder deutsch, aber die Entmilitarisierung bleibt.
Bei Vertragsbruch sollen weitere Gebiete besetzt werden. 1923 wird das Ruhrgebiet besetzt, als Deutschland die Reparationen nicht pünktlich zahlt.
Frankreich will Elsaß-Lothringen, und ferner 100 Mrd. Goldmark.
Deutschlands Ziele:
Die USA und Großbritannien wollen Deutschland entgegenkommen, aber Frankreich hingegen pocht auf die bestehenden Forderungen.
Die Ablehnungen der dt. Forderungen ist ein Schlag für die junge Republik. Doch die Forderungen müssen angenommen werden, weil Deutschland keinen militärischen Widerstand mehr leisten kann.