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Der deutsche Bund und der deutsche Zollverein

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts kann man den Aufstieg Preußens erkennen. Preußen ist nach der Beendigung der Revolutionsepoche 1851 den Österreichern materiell überlegen, da die Österreicher sich modernen Veränderungen verschließen. Preußen ist neben Österreich die vorherrschende Figur im deutschen Bund, der innerlich zerstückelt ist, und wenig politische Möglichkeiten besitzt. Durch den Wiener Kongreß wurde Preußen weiter nach Deutschland hineinverlegt. Preußen versucht deutsche Außenpolitik zu betreiben, während Österreich durch Deutschland europäische Außenpolitik betreiben will. Preußen bewahrt deshalb in südöstlichen Krisen Distanz.

Im Wiener Kongreß wurden Preußen die Möglichkeiten gegeben, deutsche Politik zu machen, was Preußen hinterher nutzt. Dank der Besitzungen im Westen ist Preußen nach Deutschland hineingewachsen, deshalb haben die Preußen auch die Möglichkeit, den nationalen Einigungsprozess voranzutreiben, während Österreich noch auf dem Status quo verharrt.

Preußen wollte schon auf dem Wiener Kongreß eine Bestimmung über die deutsche Zoll- und Handelspolitik einsetzen lassen, was am Widerstand Bayerns scheiterte, das die Abgabe der Handelsunabhängigkeit als zu große Einschneidung in seine Souveränität ansah. Bayern und andere Mittelstaaten versuchten die merkantilistische Wirtschaftsordnung des 18.Jh. zu bewahren, da sie die Bedeutung des "Wirtschaftsraum Deutschland" nicht erkannten.

Da aufgrund der Partikularisierung keine einheitliche Wirtschaftsordnung gefunden werden konnte, (in der Bundesakte waren einstimmige Beschlüsse) der Bundesversammlung vorgesehen, wurde 1834 der "Deutsche Zollverein" unter preußischer Dominanz gegründet. Dieser fördert Preußens gesteigerte Macht, mit der später Österreich immer mehr aus Deutschland herausgedrängt wird. Zu Beginn war das preußische Interesse, das gesamte Gebiet einem einheitlichen Zollsystems zu unterwerfen, und für Deutschland mehr Handelsfreiheit anstelle des Protektionismus vorsah. Dies wurde am 26.5.1818 mit dem preußischem Zollgesetz verabschiedet, was bei den meisten Staaten auf Kritik stieß, da sie sich unter Druck gesetzt fühlten. Diese Staaten glaubten eher an eine wirtschaftliche Einheit durch gesamtdeutsche Institutionen.

1819 erkennt man in Preußen den Zusammenhang der handelspolitischen Forderungen und den nationalen/verfassungspolitischen Zielen des liberalen Bürgertums. In Preußen tendiert man in innenpolitischen Fragen zur Unterdrückung der Liberalen, während in der Handelspolitik versucht wird, ein Sonderbund mit wirtschaftsliberalen Zielen zu schaffen. Dieses Handelssystem wird anfangs außerhalb Preußens nur in kleinen mitteldeutschen Staaten übernommen. Die anderen mittel/- süddeutschen Staaten einigen sich nicht, und schaffen erst 1827/28 auf bayerische Initiative eine bilaterale bayrische/württembergische Zollunion. Im selben Jahr schließt sich Hessen-Darmstadt an das preußische Zollsystem an. Aus Sorge um wirtschaftliche Souveränität schließen sich andere mitteldeutsche Staaten zum "Mitteldeutschen Handelsverein" zusammen, der nicht lange hält.

Aufgrund des Erfolges der preußischen Zollunion und der Einwirkungen der Julirevolution schlägt sich 1831 Kurhessen auf die Seite Preußens.

Am 22. März 1833 verbindet sich die süddeutsche Zollunion mit der preußischen, was ab 1.1.1834 in Kraft tritt. Dieser Zusammenschluß nennt sich deutscher Zollverein, dem am Gründungstag auch Sachsen und Thüringen beitreten. 1835 folgt Baden. Hannover und andere norddeutschen Staaten treten nicht bei, was Preußen den Zugang zur Nordsee verwehrt.

Österreich verkannte 1818 die Auswirkungen des preußischen Zollgesetzes. In den Jahren danach braucht Österreich den Schulterschluß mit Preußen, um die liberalen Kräfte zu bekämpfen. So kann Österreich nicht offen gegen die preußische Zollpolitik vorgehen, sondern kann lediglich versuchen, die anderen Bundesstaaten vor dem Anschluß an Preußen abzuhalten. Ab 1830 ist die Entwicklung wegen des materiellen Erfolgs nicht mehr aufzuhalten. Nach 1840 will Metternich den Anschluß an den Zollverein finden, um den Einfluß zu wahren, doch Kaiser und Interessenvertreter der Wirtschaft verhindern dies. In Österreich war zuwenig Wille zur Verankerung der Position in Deutschland. Die europäischen Großmächte leisten keinen Widerstand, sondern wollen sich mit dem Zollverein aus wirtschaftlichen Interessen schnell arrangieren.

1834 verstummen dann die Rufe nach Reformen des Bundes, da man erkennt, daß der vormoderne, partikularisierte Bund das Gestrige repräsentierte, während im Zollverein die Zukunft liege.

Mit dem Bau von Eisenbahnen beginnt 1835 die industrielle Revolution. Der Zollverein erleichtert das Handelswesen, und hilft der wirtschaftlichen Dominanz Preußens in Deutschland.

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