Beurteilung der athenischen Demokratie
Die athenische Demokratie war die erste überhaupt in der Geschichte, und wurde in den beiden letzten Jahrhunderten oft als Vorbild angesehen. Anfang des 19. Jahrhunderts existierte in Europa auch die sogenannte Griechenbegeisterung, die sich in spontaner Hilfe im griechischen Freiheitskrieg äußerte. Aber von der heutigen Demokratie unterscheidet sich die griechische schon sehr stark.
- Die Gewaltenteilung, wie von Montesquieu und Locke dargestellt, existierte nicht. Die direkte Ausübung der Regierungsgewalt zeigt sich im peloponnesischen Krieg als Problem, wenn durch massenpsychologische Phänomene unverantwortliche Entscheidungen getroffen werden.
- Die gesamte Rechtsprechung beruht auf dem Rechtsempfinden der Gerichtshöfe und Volksversammlung. Das festgeschriebene, positive Recht wird erst bei den Römern entwickelt
- Die Regierungsform ist eine direkte Demokratie. Als entscheidende Gewalt tritt die Volksversammlung auf, die ihre Macht unmittelbar ausüben kann, denn es gibt keine Volksvertreter wie heute.
- Am politischen Leben durften nur die Politen teilnehmen. Sklaven, Frauen und Landbewohner hatten kein Mitspracherecht. Insgesamt war nur 1/8 der Gesamtbevölkerung an der Politik beteiligt.
- Die kleine Anzahl an partizipationsberechtigten Bürgern bringt fast jeden Bürger im Laufe seines Lebens in eine Verantwortungsposition. Unpolitische Bürger gab es zu dieser Zeit nicht. Beinahe jeder Vollbürger war politisch involviert
- Trotz der Demokratisierung ist immer noch der Adel aufgrund seines Reichtums, Bildung und Selbstbewußtsein die politische Kraft in Athen. Alle bedeutenden Politiker dieser Zeit waren Adlige, wie auch Kleisthenes oder Perikles.