Oktavian / Augustus
Über die Jugend des Oktavian finden sich nur wenige Quellen. Doch einiges läßt sich rekonstruieren. Das Geschlecht der Octavier stammt aus dem Ort Velitrae in den Albanerberger. Von diesem Geschlecht hört man wenig in der Zeit der Republik. Seine Familie soll ritterlichen Ursprungs gewesen. In der Zeit des Bürgerkriegs behauptet Marcus Antonius, daß der Urgroßvater des Octavian ein Freigelassener gewesen sei, der als Seiler in Thurii, Unteritalien, gearbeitet hätte. Der Großvater väterlicherseits des Octavian sei ein Geldwechsler gewesen. Ob wahr oder nur Diffamierung läßt sich heute nicht mehr feststellen. Der Großvater mütterlicherseits soll afrikanischen Ursprung gewesen sein, und einen Salbenladen und eine Mühle besessen haben, was wohl eine deutliche Diffamierung des Octavian sein sollte. Auf alle Fälle hatte Octavian in seiner Jugend den Spitznamen Thurinus, was ihn als Provinzler darstellen soll. Auch über seine Vater wurde gelästert, daß er ein Geldverleiher gewesen sei. Es steht jedoch fest, daß er die Ämterlaufbahn eingeschlagen hatte. Im Jahr 61 v. Chr. gelang es ihm als Prätor militärische Verdienste zu erringen. Er besiegt einen Rest des versprengt und besiegten Spartacusheer, und schlägt ein auch eine kleine Schar von Catillinaanhängern. Als Proprätor verwaltet er dann die Provinz Macedonia, wo er sich militärisch behaupten kann, und zudem die Besser und Thraker als Bundesgenossen zu gewinnen versucht. Als er nach Italien zurückkehrt erkrankt er, und stirbt 59 v. Chr. in Nola in Campanien. Im gleichen Haus und gleichen Bett sollte sein Sohn Augustus auch sterben. Der Vater hinterließ zwei Mädchen und einen Sohn.
Octavian wurde am 23.9.63 v. Chr. (das Konsulatsjahr des Cicero) kurz vor Sonnenaufgang geboren. Seine Geburtsstätte war ein Haus auf dem Palatin, das den Namen "die Ochsenköpfe" führte. Im Jahr 59 v. Chr. (Konsulatsjahr des Julius Caesar und Marcus Bibulus) verliert er im Alter von 4 Jahren seinen Vater. Seine Mutter heiratet erneut. Zu seinem Stiefvater sollte er ein gutes Verhältnis haben. Er erhält eine normale Erziehung in einem wohlhabenden Haus. Seiner Großmutter Julia, Schwester Caesars, wird er in Obhut übergeben. Im Jahre 50 v.Chr. verstirbt sie. Der junge Oktavian hält die Leichenrede, die wohl von seinem Rhetoriklehrer überarbeitet wurde.
Nach Beendigung des Bürgerkrieges muß der römische Staat neu geordnet werden. Die res publica, innerhalb von wenigen Jahrhunderten zur größten Macht der bekannten Welt geworden mußte neu Strukturen bekommen. Seit der Zeit Sullas war die Herrschaft in den Händen der jeweiligen Feldherren, die oftmals eine Militärdiktatur führten. Jedoch durften die jeweiligen Machthaber keinesfalls ihre diktatorische Macht offen zugeben, denn die republikanischen Traditionen waren stark im Bewußtsein verankert. Gaius Julius Caesar, der die Republik immer mehr aushöhlte und zu offensichtlich Alleinherrschaft ausübte, wurde umgebracht. Octavian gibt am 13.1.27 v. Chr. offiziell die Macht an den Senat zurück. Doch gleich anschließend bittet der Senat Oktavian seiner Verantwortung gegenüber Rom auch in Zukunft gerecht zu werden. Deshalb werden ihm folgende Befugnisse übertragen:
Offiziell hat Rom wieder den juristischen Standpunkt einer Republik, aber de facto ist es die Alleinherrschaft des Augustus, die politisch die Machtposition inne hat. Augustus bildet in Rom eine eigene Leibwache, die Prätorianergarde, die nur zu seinem Schutz aufgestellt wurde. Die Herrschaftsform des Augustus wird als Prinzipat bezeichnet, weil es zwischen der republikanischen Zeit und der Kaiserzeit steht. Diese Monarchie ohne juristische Bestätigung wird vom römischen Volk wohlwollend aufgenommen. Der Wunsch nach Frieden nach den turbulenten Jahren des letzten vorchristlichen Jahrhunderts wird von Augustus erfüllt. Diese Friedenszeit während seiner Herrschaft wird pax romana genannt. Zudem sind viele republikanisch gesinnte Politiker wie Cicero und Brutus Opfer der Bürgerkriege geworden. Sie können nun nicht mehr das inzwischen gegenüber Verfassungsbrüchen abgestumpfte römische Volk vor einer möglichen Diktatur warnen.