Süchte und geistige Suche
Es gibt wenige Phänomene, die so deutlich zu merken sind, wie die Süchte.
Ein großer Teil der Taten unserer Gesellschaft ist auf Solche begründet. Nicht
nur ist hier die Drogenabhängigkeit gemeint; wir alle haben irgendeine Sucht:
Essen, Tabak, Sex, Beziehungen, Fernsehen, usw. Die Aufzählung würde unendlich
sein.
Der Süchtige ist aber nichts weiteres als eine Person die sich in Verzweiflung
nach der Unendlickeit sehnt. Die Gesellschaft gibt einer solchen Person nichts
außer oberflächliche Lösungen, so dass die Abhängigkeit eher gestärkt und
in ein Objekt verwandelt wird.
In den Gemeinschaften der Vorfahren gibt es keine Süchte. Die verwendeten
Substanzen werden, von einem hohen Grad an rituellem Verhalten begleitet,
eingenommen. Das rituelle Verhalten dient als Bewusstsein und Vertiefung.
Deshalb ist niemand nach der Ayahuasca
, oder nach dem Tabak oder der Koka, so wie sie unter den Indianern in Südamerika
verwendet werden, süchtig. Es ist genau die unkontrollierte, mechanische Einnahme,
die nichts zu entdecken versucht, weder von der Person noch von der Umgebung,
die die Personen fesselt.
Hinter solchen Problemen verbergen sich die fehlende Kommunikation und die
Isolierung, zu anderen Leuten aber auch zur eigenen Person. Das Versagen auf
dieser Suche führt zu Bewegungen im Kreis.
Erfolgreiche Ergebnisse, in Deutschland und in Kolumbien, führen uns dazu,
ein interessantes Behandlungsmodell vorzuschlagen.
Duga ist ein tausendjähriger Vorgang der Uitotos, im Amazonas. Er besteht
aus Treffen in der Nacht im Haus der Gemeinschaft (Maloka). Verschiedene Aspekte
der Arbeitsaktivitäten und des Zusammenlebens in der Gemeinschaft werden
aus dem Sichtpunkt des Geistes analysiert, so wie die daraus entstehenden
mythischen, umweltbezogenen und religiösen Folgen. Der Vorgang ähnelt sich
der Meditation, mit der Hilfe von zwei heiligen Pflanzen: Tabak, in der Form
des Ambils, einer kompottähnlichen
Zubereitung, die im Mund gelöst wird und
Jipiji, eine Mischung aus gerösteten Kokablätter (
erythroxylum coca), und Asche der Blätter des Baumes
Yarumo (cecropia discolor).
Diese Verwendung der Koka ist gesetzlich erlaubt in den Ländern der Anden,
da sie als Nahrung und nicht als Rauschgift zählt. Es sind keine gefährlichen
Nebenwirkungen bekannt; im Gegenteil ist diese Zubereitung als eine große
Quelle an Proteine, Vitamine und Mineralstoffe anerkannt. Der durchgeführte
Abbau von illegalen Plantagen schont den Anbau für solche Zwecke, die von
der UNO als ein Recht angesehen werden.
Mit der Duga als Grundlage entstand die als
Ethnotherapie bekannte Heilungsaktivität. Mit den besten Ergebnissen
in Gruppenbehandlungen, sind schon hunderte von Patienten in Kolumbien geheilt
worden
In Ländern mit weniger kultureller Toleranz benutzen wir, statt
Jipiji, Mate (Ilex paraguariensis
), die weltweit akzeptiert wird.
In Deutschland haben wir Ambil benutzt, um zu zeigen, dass die “Kenntnis
der Anderen” die “eigene Kenntnis”
ist und, dass es andere Arten an Beziehungen gibt. (Siehe “Verwendung des
Ambils als Orakel und kurzer Mythos über die Herkunft des Tabaks”).
Die Pflanze Mate hat auch eine lange Geschichte hinter sich. Sie wurde als schamanische Pflanze von den Indianern in Paraguay benutzt und später als rituelles Getränk auf dem Land in Brasilien. Dort hat sie geholfen, die Konflikte zwischen Arbeitern und Arbeitgebern auf friedliche Weise zu lösen. Die rituelle Gruppeneinnahme besteht heute noch im Süden des Kontinents.