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Berliner Zeitung, 27.02.02, Artikel
   

1.-Mai-Demo will durch Mitte ziehen

Linke Gruppen gründen Gegenbündnis

Andreas Kopietz

Die Teilnehmer der "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration" wollen in diesem Jahr von Kreuzberg nach Mitte ziehen. Die Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) mobilisiert seit gestern ihre Anhänger unter dem Motto "Kapitalismus abschaffen! Eine andere Welt ist möglich!". Die Demonstration soll gegen 18 Uhr auf dem Oranienplatz beginnen. Die geplante Strecke führt über die Friedrichstraße zum Auswärtigen Amt. Wegen der "wieder ermöglichten Kriegseinsätze", so AAB-Sprecherin Andrea Laumeyer, wolle man "radikale Gesellschaftskritik" dort artikulieren, wo sie hingehöre, in der "neuen Mitte". Die AAB rechnet wie in den vergangenen Jahren mit 15 000 bis 20 000 Teilnehmern.

Ein Polizeisprecher bestätigte am Dienstag, dass die Anmeldung für diese Demonstrationbei der Versammlungsbehörde eingegangen ist. Polizeibeamte gehen allerdings davon aus, dass der Zug durch die Friedrichstraße nicht genehmigt wird - wegen der Gefahr für die dort liegenden Luxus-Geschäfte.

Professoren gegen Randalierer

Wie berichtet, will das Bündnis "Denk mai neu" um die FU-Professoren Peter Grottian und Wolf-Dieter Narr versuchen, die mittlerweile schon zum Ritual gewordenen Krawalle am 1. Mai zu verhindern. Im Kreuzberger Osten, in "SO 36", sollen etwa 60 Veranstaltungen auf den Straßen stattfinden - und potentielle Randalierer von ihrem Tun abhalten. Ziel ist es, den Tag zu "repolitisieren". Das Bündnis will, dass die Polizei nur in Notfällen im Kiez präsent ist und verhandelt darüber zurzeit mit der Innenverwaltung.

In dem Bündnis arbeitet auch die AAB mit, die noch mehr Forderungen an die Polizei hat: Sie will, dass keine Aufenthaltsverbote wie in den vergangenen Jahren für bestimmte Personen verhängt werden. Auch die sogenannten Gefährderansprachen, mit denen die Polizei im Vorfeld des 1. Mai potentielle Gewalttäter warnt, sollen nach dem Willen der AAB unterbleiben.

Unterdessen stößt das Bündnis bei vielen Linksradikalen auf immer mehr Ablehnung. Denn in dem Zusammenschluss sind auch Vertreter von Parteien, der IG Metall sowie eine "Studentische Projektgruppe Kreuzberg 2002" des Otto-Suhr-Instituts vertreten. Diese sind in den Augen autonomer und kommunistischer Gruppen nicht revolutionär genug. Im Kreuzberger Mehringhof traf sich am Wochenende ein "Gegenbündnis" aus verschiedenen linken Gruppen und Personen. Vertreter der AAB wurden wieder nach Haus geschickt. Einer der Anwesenden begründete das Gegenbündnis: "Eine Gewerkschaftsveranstaltung gehört nicht nach Kreuzberg."    





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