Krieg um den Animemarkt in Deutschland

Artikel der Mangazone (Mangaszene)   Nr. 3 05/2001  www.mangaszene.de

Von Namen und anderen Streitigkeiten...

Die Sachlage - kurz geschildert - ist die Folgende: Am 9. Januar dieses - also genau eine Woche, nachdem wir erstmals auf einer und im Internet bekanntgegeben hatten, dass Ende Januar unsere Zeitschrift erscheinen würde und zwei Tage nach der Comicbörse "MangaMania" (inzwischen MangaMagic) in Castrop Rauxel, auf der wir die ersten Vorab-Ausdrücke und den Coverentwurf öffentlich präsentierten - meldete eine Medienvertriebsgesellschaft aus dem Westerwald beim Deutschen Patent- und Markenamt ein Markenkennzeichen an, das (von einem Detail in der Schreibweise abgesehen) mit dem Titel unserer Zeitschrift identisch ist. Am 9. März, unmittelbar nachdem die Bestätigung über die Eintragung des Markenzeichens erfolgt war, erhielten wir sodann ein Schreiben von deren Anwalt, in dem wir darüber informiert wurden, dass beide Begriffe verwechslungsfähig seien, weswegen der Vertrieb unserer Zeitschrift besagter Medienvertriebsgesellschaft schade. Dieser könnten daher "in Zukunft neben einem Unterlassungsanspruch auch Schadenersatzansprüche zustehen. ... Eine Einigung könnte etwa erzielt werden, indem Sie sich verpflichten , den Namen in zukunft nicht mehr zu verpflichten, den Namen in Zukunft nicht mehr zu verwenden oder indem Sie sich bereiterklären, eine finanzielle Kompensation an unsere Mandantin zu zahlen.... Für den Fall dass Sie dieser Aufforderung (zu einer Stellungnahme) nicht Nachkommen, behalten wir uns gerichtliche Schritte gegen Sie vor." Da für den umstrittenenen Namen bereits seit Mitte 2000 Titelschutz besteht, und wir den Begriff mit vollster Unterstützung des derzeitigen Titelschutzinhabers verwenden, sind wir nicht bereit, darauf zu verzichten noch einer dritten Partei, die an der Entwicklung des Namens in keinster Weise beteiligt war für diesen Geld zu bezahlen. Da aber auch die Gegenseite nicht bereit ist, unsere Rechte anzuerkennen (bzw. darauf beharrt, Zitat "ein besseres Recht" zu haben) und ihrerseits auf den Titel zu verzichten (interessanterweise war im zweiten Schreiben ihres Anwalts nur noch von einer ggf. von uns zu zahlenden finanziellen Kompensation die Rede, nicht mehr von unserem Verzicht auf den Namen), wird die Angelegenheit jetzt vor Gericht geklärt werden müssen. Da sich ein solcher Rechtsstreit aber leider einige Zeit hinziehen kann, haben wir uns dazu entschlossen, vorübergehend den Titel des Magazins zu ändern, damit dieses weiterhin, unbeeinflußt vom jeweils aktuellen Stand der Dinge, pünktlich erscheinen kann und wird. Eigentlich wäre dieser Rechtsstreit auch kein Thema für den redaktionellen Teil unseres Magazins, wäre er nicht nur die Spitze eines Eisberges: Besagte Westerwälder Firma hat in der Vergangenheit bereits eine beträchtliche Anzahl vergleichbarer Aktionen gegen andere Zeitschriften und Fanzines, Händler, sowie einzelne Fans, insbesondere solche die im Internet aktiv sind, veranlaßt.

Bereits mit einer 1996 neu erschienen Manga- und Anime-Zeitschrift gab es unmittelbar nachdem Erscheinen der ersten Ausgabe einen Rechtsstreit um deren Titel, der die Zeitschrift zu einem Namenswechsel zwang. Durch einen interessanten Zufall hatte kurz vorher die hauseigene Manga- und Anime-Zeitschrift der Westerwälder eine Rubrik identischen Namens eingeführt und Titelschutz eingereicht. Interessant auch deshalb, weil der Chefredakteur und Herausgeber der neuen Zeitschrift bereits einige Zeit vor deren Publikation Kontakt zu der Mediengesellschaft aufgenommen hatte, um sie für eine positive Zusammenarbeit zu gewinnen. Im letzten Jahr unmittelbar nach dem ersten Auftritt des Händlers "Manga Cafe" unter diesem unter diesem Namen, bei dem auch Werbeflyer verteilt wurden, sicherte sich ein Geschäftsführer der Medienvertiebsgesellschaft neben zahlreichen anderen Internet-Domains auch "www.manga-cafe.de". Der Großteil besagter Domains enthält übrigens bis heute noch keine aktiven Seiten, sondern lediglich Hinweise, diese seien noch in der Entwicklung, und Links auf die Seiten der Medienvertriebsgesellschaft, ihrer Tochterfirma und deren verschiedener Produktnamen (drei Videolabels und ein Vertrieb). Selbstverständlich können dies alles nur Zufälle gewesen sein. Die Geschichte hat längst bewiesen, dass es tatsächlich gelegentlich vorkommt, dass zur gleichen Zeit, an verschiedenen Orten, verschiedene Personen die gleiche Idee entwickeln. Wenn aber bei drei (oder mehr) solcher Fälle eine der beteiligten Parteien immer die gleiche ist, ist eine gewisse Skepsis der Umgebung, wie gesagt, möglicherweise zwar gänzlich ohne Grund, aber sicherlich doch verzeihlich...

 Im Laufe des vergangenen Jahres  bekamen mehrere Händler von der Westerwälder Firma bzw. deren Tochterfirma Unterlassungserklärungen in Höhe von mehreren 100.000 DM zugeschickt, weil sie Import-Videos und -DVDs aus den USA anboten,zu den Titeln, von denen die Tochterfirma zwar bereits die Rechte für eine deutsche Version erworben hatte - dies aber noch nicht bekannt gegeben. Mindestens ein Online-Händler mußte in Folge seine Tätigkeit einstellen. Mehrere Mitglieder der Mailingliste de.alt.anime und anderer Internetforen sowie mindestens ein prominentes Miglied eines der großen Fanclubs bekamen Unterlassungserkärungen oder Androhungen einer Klage, als sie im Internet, in den meisten Fällen im Zusammenhang einer Diskussion, Kritik an der Verkaufsstrategie und Qualität der Produkte sowie Spekulationen über den Zusammenhang der Firma, Tochterfirma und deren Labels u.a. äußerten. Den Höhepunkt bildete eine Unterlassungserklärung über 100.000 DM an die damals 16jährige Leiterin eines Fanclubs mit 40 Mitgliedern, die in ihrem Fanzine zum Boykott der von der Firma organisierten Convention aufgerufen hatte. (Die Betroffenen sind der Redaktion namentlich bekannt, aus Rücksicht auf deren Privatsphäre wird hier jedoch auf namentliche Nennungen verzichtet.)

Wie weit darf eine Firma gehen um ihre Interessen zu wahren ?

Und wie weit sollte sie gehen, insbesondere den Händlern und Fans gegenüber - den Menschen, die ihre Produkte kaufen bzw. zum Kunden bringen? Die deutsche Manga- und Anime-Szene, und die Comicszene insgesamt, ist klein und überschaubar. Nahezu jeder, insbesondere bei den Händlern und Verlagen, kennt jeden. Interessenkonflikte sind nur natürlich und kommen vor, und manchmal muß tatsächlich der Anwalt einschreiten, aber in den meisten Fällen läßt sich mit ein paar deutlichen alles ohne viel Blutvergießen rgeln. Viele der betroffenen Händler sagen, hätte der von der Westerwälder Firma geschickte Testkäufer sie einfach auf die Lage hingewiesen anstatt  (incognito) die Filme zu kaufen und mit der belastenden Quittung von dannen zu ziehen, hätten sie die betroffenen Titel zwar vielleicht noch abverkauft, aber sicher nicht mehr nachbestellt und ihr Kunden entsprechend auf das bevorstehende deutsche Release hingewiesen. Als Fazit stellen viele Händler jetzt - zumindest auf Börsen - keine Quittungen mehr aus, es sei denn, sie kennen Käufer persönlich. Vielleicht haben sich tatsächlich einige Fans in besagten Internetforen im Ton vergriffen oder auch nur ungeschickt ausgedrückt - im Netz nimmt so mancher nicht unbedingt ein Blatt vor den Mund. Vielleicht haben einige bei dem Versuch, die Zusammenhänge zwischen Firmen, Tochterfirma und Markennamen zu durchschauen, falsch getippt. Aber auch hier hätte ein freundliches Schreiben sicherlich mehr bewirkt als die direkte Drohung mit rechtlichen Schritten. die Fans im Internet streben immerhin schon seit langem eine konstruktive Kommunikation mit der Westerwälder Firma an, leider bislang ohne allzu großen Erfolg: Mißliebige Kommentare im hauseigenen forum, die z.B. auf die hier angesprochene Problematik, oder auf die umstrittene Veröffentlichungspolitik und Produktqualität der Medienvertriebsgesellschaft und ihrer Tochterfirma hinweisen, werden gelöscht und zensiert, deren Urheber angeschrieben, sie sollten sich gefälligst "etwas zurückhalten". (Interessierte können die entsprechenden Vorgänge teilweise noch über eine Suche in den vergangen Beiträgen der diversen Internetforen nachvollziehen; einige der umstrittensten Beiträge wurden allerdings längst gelöscht.) Der immer sehr hoch angesetzte Streitwert - der einer der seltenen Äußerungen eines Medienvertriebs-Mitarbeiters zufolge (per email, vom Empfänger später bei Animecity zitiert) die Betroffenen "zum Nachdenken anregen" soll - verhindert in vielen Fällen effektiv, dass die Empfänger der Unterlassungserklärungen Rechtsbeistand suchen - die Anwaltskosten werden nach dem Streitwert festgesetzt und sind damit für Schüler, Studenten und kleinere Händler unerschwinglich. Eingeschüchtert unterschreiben sie so Unterlassungserklärungen, die bei genauerer Prüfung vielleicht gar nicht standgehalten hätten.

Fazit:

Um einer möglichen Einstweiligen Verfügung vorzubeugen, die uns verbieten könnte, unsere Zeitschrift zu verkaufen, haben wir kurzerhand den Titel geändert. Der Entschluss, nicht länger zu den Geschehnissen zu schweigen, ist uns nicht, ist uns nicht leicht gefallen, denn wir wollen keinen "Krieg" in der deutschen Anime-Szene und es liegt uns fern, einzelne Anbieter zu "verteufeln". Aber ebensowenig, wie wir uns selbst von den uns betreffenden Aktionen einschüchtern lassen wollen, wollen wir weiterhin zusehen, wie dies mit anderen geschieht - denn wenn man sich nicht mehr offen zu einem Thema äußern, legal einzuführende Produkte nicht mehr anbieten kann aus Angst vor möglichen Repressalien, dann herrscht effektiv eine "Diktatur". Und die Frage ist: Wollen wir das? Denn letztendlich werden all diese Massnahmen auf dem Rücken der Fans ausgetragen, die nichts dazu können, sondern einfach froh sind (bzw. wären) über jedes Video, jede DVD und jede weitere Animezeitschrift auf dem deutschen Markt.

Steffi und Lars

(Anmerkung von Kitley: Es handelt sich hier um niemand anderen als die Firma ACOG, die sich in einer Art und Weise den Fanclubs als auch dein eigenen Kunden präsentiert, die jeder Beschreibung spottet. Leider bin ich noch selbst nicht sehr tief in diese Materie vorgedrungen aber eins ist mal sicher wenn sich Fans über die Qualität (der nicht vorhandenen) von ACOG und Co. äußern kann auch ich nur sagen jedes Importvideo ist besser als das bei ACOG. Meine Entscheidung hierzu ist das ich keinerlei Artikel dieser Firma bestelle den es entspricht nicht meiner Ansicht das ein Firma so handeln sollte eher solte sie sich freuen über jeden Kunden den sie einst hatten aber das ....... haben sie wohl nicht begriffen. LINKS zu deren Seiten werde ich löschen...)

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