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Fanfiction  

Flugrouten ~ Gästebuch ~ Elsterhöhle  

 



Der Scrooge-Effekt




Die Nacht war dunkel und ein Schneesturm fegte um das Gemäuer. Das flackernde Feuer des mannshohen, steinernen Kamins malte unheimliche Muster auf die Gesichter der in der Halle Versammelten.
Ein nervöses, angespanntes Schweigen lag schwer auf den beiden Personen, die in steil aufragenden, ledernen Ohrensesseln den tanzenden Flammen zusahen als sie auf den letzten im Bunde wartete.
Das durch eine schwere, alte Eichentür gedämpfte Geräusch schlurfender Schritte zerbrach die Stille und ließ die Gestalten in ihren Sesseln erwartungsvoll herumfahren. Die Katze auf dem Schoß der alten Dame fauchte.
Mit einem durchdringenden Quietschen und Knarren öffnete sich die eisenbeschlagene Tür und gab den Blick auf eine weitere Person frei, die mit zu einer triumphalen Geste weit ausgebreiteten Armen in der Tür stehen blieb.
„Es ist vollbracht!“ Die heisere Stimme des alten Mannes überschlug sich fast. „Er wurde endlich gefunden. Er befindet sich... in Tokyo.“
Die alte Dame scheuchte die Katze mit einer achtlosen Geste von ihrem Schoß und erhob sich. Sie wandte sich an einen Diener, der in ebendiesem Moment wie aus dem Nichts erschien: „Kontaktieren Sie Mister Crawford!“
Der Diener verschwand augenblicks und es herrschte Stille in der Halle, die nur vom Knistern des Feuers durchbrochen wurde. Schweigend sahen sich die drei Verbündeten an. Ein düsteres Grinsen breitete sich auf ihren in bewegte Schatten getauchten, runzligen Gesichtern aus und schließlich brachen sie in ein unheilverkündendes, boshaftes Lachen aus, das wie Totenglocken an den steinernen Wänden der Halle widerhallte und erst vom brüllenden Schneesturm außerhalb der Halle verschluckt wurde.

~*~

Schuldig liebte Weihnachten.
Also im Grunde weniger Weihnachten allgemein als vielmehr dieses spezielle Weihnachten, aber wo lag schon der Unterschied? Im Hintergrund lief in nahezu ohrenbetäubender Lautstärke die Weihnachts-Kuschel-Rock-Schmalz-Pop-CD, ein Geschenk Nagis, das bis vor wenigen Wochen sein Leben als Schuldigs Bieruntersetzer hatte fristen müssen. Aber er hatte plötzlich, quasi in einem euphorischen Taumel, die unwiderstehliche Lust verspürt, ausgerechnet diesen Mist zu hören.
Und das, obwohl er normalerweise schon im November jeden umbringen würde, der solches Zeug auch nur im Autoradio laufen ließ. Offensichtlich machte Liebe nicht nur blind, sondern auch taub.
Dies waren so in etwa die Gedanken, die Schuldig im Kopf herum spukten, als er vor dem Spiegel stand und seiner Frisur den letzten Schliff gab.
Er starrte in den Spiegel und fasste jede einzelne der orangeroten Strähnen genau ins Auge. Es sollte weniger ein Out-of-bed-Look werden, als vielmehr ein Let’s-go-to-bed-Look. Die Haare mussten schon ein wenig unordentlich sein, um den Wunsch zu erwecken, sie anzufassen, jedoch nicht so unordentlich, dass sein Gegenüber ständig darüber nachdachte, wie es diese Katastrophe von einer Frisur unauffällig in Ordnung bringen konnte. Einige Strähnen mussten schon ins Gesicht hängen, um sein wildes, verwegenes (und wahnsinnig gutes) Aussehen zu unterstreichen, andererseits sollte es nicht so wirken, als hätte er die Kontrolle über seine Haare verloren.
Hm. Schwierig. Schuldig sah sein Spiegelbild an. Das Spiegelbild blickte abschätzend zurück. Schuldig beugte sich etwas nach vorn, strubbelte sich mit beiden Händen durch die kopfüber hängenden Haare und richtete sich ruckartig wieder auf.
Posen, lächeln.
Perfekt!
Wo jetzt die elementaren Probleme mit seiner Frisur geklärt wären...
Fiel ihm auf, dass gerade zwei Japaner mit schaurigem Akzent „Silent Night“ sangen. Okay, so weihnachtlich war seine Stimmung nun auch wieder nicht. Schuldig musste dennoch zugeben, dass ihm die Einstellung der Japaner zum Fest der Liebe gefiel. Sie verbanden damit keinerlei kulturelle Hintergründe, hatten es einzig und allein dem Kommerz verschrieben und somit einen zweiten Valentinstag daraus gemacht. Gute Sache.
In der plötzlichen Stille hörte er das Telefon im Nebenzimmer klingeln. Wer rief denn um diese Zeit noch an? Takatori sicher nicht. Der war auf einer Weihnachtsgala und hatte Schwarz für heute freigestellt.
Unbezahlt.
Geizkragen!
Ach egal, sollte doch Brad range... okay, Klingeln weg. Problem gelöst.
Apropos.... Schuldig wühlte sich durch seine für diesen Abend verworfenen Outfits und fand schließlich nach langem Suchen auch sein Handy.
Hm. Nichts. Kein Anruf in Abwesenheit, keine SMS. Das war vermutlich ein gutes Zeichen. Was erwartete er auch? Irgendwelche romantischen Anwandlungen? Er stellte mit einem gewissen Entsetzen fest, dass ihm das gefallen würde.
Egal, wenn er nicht zu spät kommen wollte, musste er jetzt los. Also noch ein letzter umwerfender Blick in den Spiegel – atemberaubend; kein Wunder, dass er unwiderstehlich war – und dann schnell zur Tür, Mantel schnappen. „Okay, ich bin dann weg. Hab mein Handy mit.“ Handy ausgeschaltet und in Tasche gesteckt, Schal umgeworfen, Tür auf und –
„Schuldig, du Arsch!“ Nagis vor Wut schrille Stimme ließ ihn herumfahren. Was ein großer taktischer Fehler war, denn in diesem Moment traf ihn ein Barbieplastikpferdearsch ™ knapp einen Zentimeter unterhalb der linken Augenbraue und noch während er wie erstarrt dastand und sich fragte, was zur Hölle grade geschehen war, spürte er, wie sein Auge mit frappierender Geschwindigkeit zum mit Abstand schmerzhaftesten Veilchen anschwoll, dass er in den letzten Jahren gehabt hatte.
Ruhig. Ganz ruhig. Selbst unter diesen Umständen, angesichts dieser wahnsinnigen Schmerzen und unter dem Damoklesschwert einer einseitigen Erblindung, hatte Nagi den Tod nicht....
Andererseits. Er warf einen Blick in den im Flur hängenden Spiegel. Sein blendendes Aussehen - das Resultat zweistündiger, intensiver Arbeit (ganz abgesehen mal von seiner natürlichen Perfektion) - innerhalb von Millisekunden dahingerafft von dem spitzen, harten Plastikhintern von Barbies Stute Tinkabell ™. Er konnte zusehen – natürlich nur mit einem Auge – wie es immer dicker und dicker wurde und eine Farbe annahm, die auf schwer zu definierende Weise zwischen schillerndem Violett und ungesundem Gelb schwankte.
Von wegen ‚den Tod nicht verdient’! Der kleine Scheißer konnte froh sein, dass er seine Knarre gerade nicht griffbereit hatte.
Wutschnaubend ging er auf Nagi zu. „Du widerliches, undankbares Balg, du-“
Nagi hatte sich schon in Verteidigungsstellung gebracht und mehrere potentielle Wurfgeschosse in unmittelbarer Nähe schweben, als Brad den Flur betrat.
„Nagi, benimm dich wie ein Erwachsener! Und Schuldig... versuch es wenigstens.“
„Brad, der Zwerg hat mein Date versaut!“ Okay, Schuldig gab zu, dass er ein bisschen kindisch klang. Vielleicht. Aber immerhin war er ja hier der mit dem blauen Auge.
Brad allerdings zeigte sich gewohnt mitleidlos und rieb sich nur in einer genervten Geste die Nasenwurzel. „Schuldig, dein Date ist sowieso gecancelt. Schwarz hat eine Mission.“

~*~

Claas Atsun wohnte in einer kleinen Wohnung über einem skandinavischen Spezialitätenrestaurant. Nagi hasste Schnee, Kälte, Winter und alles, was damit zu tun hatte. Weihnachten war für ihn ja so was von gestorben. Schuldig war so ein Arsch. Warum bekam Farf coole Geschenke und er selbst ein beschissenen Plastikgaul? In Rosa! Er hatte Schuldig doch letztes Jahr wenigstens eine nette CD geschenkt. Also schön, dieses Jahr würde der Idiot nichts kriegen. So. Die Marilyn-Manson-CD wollte er sowieso lieber behalten.
Und so bibberte er trotz dicker Jacke in der kalten Abendluft vor sich hin und ignorierte Schuldigs böse Blicke. Der hatte es verdient, dass er nicht zu seinem Date konnte. Schuldig war in letzter Zeit sowieso viel zu gut gelaunt. Total gruselig, man erkannte ihn kaum wieder. Bäh!
Und dieser Auftrag war ja wohl auch der letzte Dreck. Welche total inkompetenten Idioten hatten es für eine gute Idee befunden, Schwarz die Feiertage zu versauen? Das würde Eszett noch bereuen. Allein dafür würden sie sie vernichten.
Nagi konnte sich soviel besseres vorstellen, als hier in der Kälte zu stehen – zu lauern, na wenn das nicht schon lächerlich klang – und auf einen Psi zu warten, den sie entführen sollten. Er könnte jetzt in ihrer schönen, warmen Wohnung sitzen, in einem schönen, warmen, kuscheligen Pullover, warmes, süßes, klebriges Popcorn essen, heiße Schokolade trinken und sich mit Farfarello geistloses Weihnachtsfernsehprogramm oder wahlweise auch „Der Exorzist – Director’s Cut“ ansehen, den Schuldig ihm ungerechterweise geschenkt hatte.
Vielleicht hätte sich Crawford sogar in einem ungewöhnlichen Anfall von weihnachtlicher Geselligkeit dazugesetzt und es wäre so ähnlich wie Familie geworden (abgesehen davon, dass Schuldig gefehlt hätte, weil der lieber zu einem bescheuerten Date ging, als mit ihnen Weihnachten zu verbringen, aber auf den Arsch konnte Nagi sowieso verzichten).
Aber nein. Arbeit. Sie waren als Schwarz unterwegs. Dieses Weihnachten war so was von scheiße. Eine einzige große Enttäuschung. Klar. Was auch sonst.
Nagi konzentrierte sich wieder mehr auf ihre Umgebung, war aber bald zu genervt von Schuldigs ständigem schmerzhaften... tja, wie sollte man das nennen? Fiepen?, wenn dieser mal wieder an seinem blauen Auge herumfingerte. Trottel!
Er hatte das so was von verdient! Ernsthaft!
Ah, endlich passierte was! Die Tür, die sie die ganze Zeit beobachtet hatten, öffnete sich und Claas Atsun trat auf den mit braungrauem Schneematsch bedeckten Gehweg. Er war so um die 65, ziemlich groß, kräftig gebaut (um nicht zu sagen dick) und sah auch sonst ganz und gar europäisch aus. Sein Gesicht wirkte unter dem mächtigen, weißen Bart und den buschigen Augenbrauen sehr freundlich. Alles in allem fehlte nur diese eigenartige Mütze und er sähe aus wie...
Nein, Unsinn.
Andererseits verhielt er sich für einen alten Mann schon etwas merkwürdig, wie er da so auf der Straße stand und sich nach links und rechts umsah, als warte er auf etwas.
In diesem Augenblick gab Brad das verabredete Zeichen und sie stürzten sich auf den alten Mann und zerrten ihn in das Auto, das sie in einer Seitenstraße abgestellt hatten.

~*~

Yohji saß auf dem Sofa und machte sich Sorgen. Ernsthafte Sorgen. Denn wenn es eine Sache gab, die ganz klar besorgniserregend war, dann war das die äußerst unwahrscheinliche und dennoch so unleugbar wahre Tatsache, dass es Weihnachten war und er kein Date hatte, sondern hier mit Ken und Omi im Wohnzimmer rumsaß und sich bei süßem, klebrigem Popcorn und heißer Schokolade das geistlose Weihnachtsfernsehprogramm ansah.
An und für sich keine schlechte Sache. Zumal es ja auch nicht so war, dass er kein Date gefunden hätte. Oh nein! Er hatte sogar drei alternative Dates gehabt, allerdings hatte dann plötzlich Omi vor ihm gestanden und ihn gebeten, den heiligen Abend mit ihnen zu verbringen.
Omi sah ganz klar zu viele amerikanische Fernsehsendungen. Und manchmal hatte er diese sentimentalen Phasen, denen man einfach nicht entkommen konnte. Hätte er Nein sagen sollen?
Der Grund, warum er sich Sorgen machte und warum Weiß nun doch nicht vollständig war, war, dass Das Unmögliche geschehen war.
Natürlich hatte Omi Aya nicht gefragt, ob er zu Hause bleiben würde. Seine Überlegungen zu Aya waren sicher nur gewesen, wie er ihn von dem düsteren Brüten in seinem Zimmer lange genug ablenken konnte, um ihn auf die Couch zu locken, wo er dann düster weiterbrüten konnte (Ayas Action of Choice für alle familienbetonteren Feiertage). Wer rechnete schon damit, dass Aya – Aya! Yohji konnte es immer noch nicht fassen – ein Date hatte?
Und so saß Yohji auf dem Sofa und beschäftigte sich weiterhin damit, es einfach nicht fassen zu können, dass Aya zu Weihnachten ein Date hatte, er aber nicht. Dass er dieses Weihnachten kein Date hatte, aber Aya. Aya! Das war sozusagen eine Umkehrung aller geltenden Naturgesetze und wenn jetzt die Apokalypse käme, dann konnte Aya ja sehen, wie er sein unverantwortliches Handeln vor der Menschheit rechtfertigte...
„Yohji? Yohjiiii! Du guckst so verzweifelt. Willst du lieber was anderes sehen? Ken war heut Vormittag noch in der Videothek und hat „Der Exorzist“ ausgeliehen.“
Hä? Was? Wie? „Warum „Der Exorzist“?“
Ken sah ihn genervt an. „Hättest ja mitkommen und dich mit den anderen Leuten um die weihnachtlichen Filme prügeln können.“
Das Türklingeln enthob Yohji einer Antwort. Als er öffnete, stand Birman vor der Tür und lächelte ihn entschuldigend an.
Was hatte das zu bedeuten?
These 1: Birmans Date hatte sie versetzt, woraufhin sie nach Ersatz gesonnen hat und, sich ihre Schwäche für Yohji schließlich und endlich doch eingestehend, darauf gekommen war, wer der klügste, attraktivste und begehrenswerteste Junggeselle Tokyos war. Und nun war sie hier, um sich in seinen Armen trösten zu...
Nun ja, oder auch nicht. Zugegebenermaßen wirkte ihr Gesichtsausdruck eher abweisend, nachdem Yohji sie ein wenig zu lange angestarrt hatte, ohne sie hereinzubitten...
Also These 2: Sie hatten eine Mission.
Na toll.
„Ähm... Komm doch rein, Birman, wir-“
In diesem Augenblick tauchte Aya hinter Birman auf. Was Yohji nun restlos verwirrte.
Aya und Birman? Birman und Aya? Das war so abgedreht, das reichte nicht einmal für eine These.
Außerdem, wenn sie ein Date gehabt hätten, – was überhaupt ganz und gar unmöglich war, denn: Birman und Aya??? Also alles rein hypothetisch... – was täten sie dann hier?
Aya zeigte Gott sei Dank auch keinerlei Anzeichen, die diese Halbthese in irgendeiner Form hätten bestärken können, und schlüpfte nur an Birman und Yohji vorbei ins Haus. Und schmiss die Tür zu. Laut.
Als er sich Aya genauer ansah, stieg in Yohji der Verdacht auf, dass er sich diesen Lehrfilm über Exorzismus vielleicht doch hätte ansehen sollen. Waren das schwarze Wolken, die Aya da zornlodernd umwaberten oder bildete er sich das nur ein?
These 3 - Na gut, These 3,5: Aya war von Birman angerufen und von seinem Date weggeholt worden, was seine miese Laune erklären würde.
Allerdings lebte Birman noch.
„Was ist hier los, dass alle im Flur rumstehen? Was macht sie hier? Haben wir eine Mission?“, fragte Aya missmutig, der Birman scheinbar erst jetzt bemerkt hatte.
Yohji strich These 3 und dachte fieberhaft nach, was passiert sein könnte, was ihn direkt zu These 4 brachte: Aya war versetzt worden und nur zufällig gleichzeitig mit Birman hier.
Wow! Das Gleichgewicht der Welt war wieder hergestellt. Obwohl diese These einen Haken hatte: Niemand war dumm oder lebensmüde genug, um Aya zu versetzen. Aya zu versetzen, das wäre sicher wie...
Aya zu daten war ja schon...
Na ja, sagen wir mal riskant...

~*~

„Kannst du mir mal verraten, was das sollte?! Habt ihr mich jetzt bei dieser verdammten Mission gebraucht? Ist dir eigentlich klar, das du mir die Feiertage ruiniert hast? Und wofür das alles?“ Schuldigs aufgebrachte Stimme durchdrang mühelos mehrere Wände und lockte Farfarello hervor, der sich einen Streit zwischen dem Telepathen und Crawford um keinen Preis entgehen lassen wollte. „Damit wir einen alten Sack im Wohnzimmer sitzen haben? Dafür hätten wir uns den ganzen Aufriss echt sparen können, die gibt’s im Altenheim umsonst.“
„Schuldig, er sitzt gar nicht im Wohnzimmer, sondern im Gästezimmer.“, stellte Crawford ruhig fest, der in diesem Augenblick scheinbar Gefallen daran fand, Schuldig zur Weißglut zu treiben. Was diesen Abend erstaunlich einfach war, denn Schuldig brach in eine längere Schimpftirade aus und stapfte wütend im Zimmer herum.
„Du könntest ja auch jetzt noch zu deinem Date gehen, wenn du unbedingt willst.“, warf Crawford in einer kurzen Pause ein.
Schuldig blieb ruckartig stehen, drehte sich zu Crawford um und bedachte ihn mit einem wirklich mörderischen Blick. Er öffnete den Mund, aber offensichtlich waren ihm die Worte ausgegangen, denn er stand sekundenlang nur so da. Dann aber gab er sich einen sichtbaren Ruck, drehte sich auf dem Absatz um und stürmte, irgendwas unverständliches vor sich her murmelnd, aus dem Zimmer. Es folgte das Knallen einer Zimmertür, das die Wände wackeln ließ und zu tödlicher Lautstärke aufgedrehte Musik – wenn man das so nennen konnte, was da schrill und wummernd aus Schuldigs Zimmer quoll.
Ganz klar emotionaler Protest, interpretierte Farfarello das seltsame Verhalten seines Mitbewohners. So ein Theater wegen eines Dates. Machte ihn fast schon neugierig, wen Schuldig traf. Aber nur fast. Im Augenblick war da ein größerer Störfaktor, der Farfarello Kopfzerbrechen bereitete.
Also begab er sich zurück in das Gästezimmer, um ihren Gefangenen zu bewachen.
...was für eine langweilige Aufgabe. Aber mit ihm konnte man es ja machen. Farfarello verzog das Gesicht und richtete seinen Blick auf den Gefangenen, der ihn freundlich anlächelte. War ja eklig.
Farfarello starrte ihn an, weil er wollte, dass dieses Lächeln verschwand.
Der Gefangene lächelte immer noch. Freundlich und unbekümmert.
Farfarello ging zu seiner Geheimwaffe über, mit der er bis jetzt noch jeden in Angst und Schrecken versetzt hatte: Er lächelte zurück.
Das Lächeln des Gefangenen wurde im Gegenzug höchstens noch freundlicher.
Farfarello gab es frustriert auf und dachte darüber nach, was er heute alles besseres hätte tun können, als einen alten Mann für Eszett zu bewachen.
Erst einmal hätte er dann Zeit und Muße gehabt, um sich über Schuldigs Veilchen lustig zu machen. Danach wäre er zu einer Spätmesse gegangen und hätte die Krippe angezündet. Dann hätte er sich mit Nagi bei süßem, klebrigem, warmem Popcorn „Der Exorzist“ angesehen und schließlich hätte er Brad noch irgendwie dazu gebracht zwei oder drei Irish Coffee zu trinken, was immer den Aufwand wert war, da man dann erstens live und in Farbe miterleben konnte, wenn Crawford sich benahm wie ein echtes, menschliches Wesen und zweitens am nächsten Tag einen verkaterten Crawford hatte, was einfach nur unbeschreiblich war und Farfarellos Laune bis Silvester merklich gehoben hätte.
Aber nein. Farfarello sah wieder den Gefangenen an und bemerkte plötzlich, dass nicht nur dieser, sondern auch er selbst immer noch lächelte. Er versuchte aufzuhören, aber es ging nur ansatzweise.
Farfarello fing an sich ernsthaft zu fragen, was hier los war, als ihm der Gedanke kam, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war, dass er keine Gelegenheit bekommen hatte, die Krippe anzuzünden, denn eigentlich war das ja eine schreckliche Sache und-
Moment mal!
„Wie machst du das?“, fragte er den alten Mann misstrauisch.
Ein freundliches, wenn auch etwas verständnisloses Lächeln: „Was?“
„... ach nichts...“, antwortete Farfarello etwas verwirrt und sah aus dem Fenster. „Oh, es schneit... schön, nicht?“
Claas nickte zustimmend und wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als die Tür von Schuldig aufgerissen wurde, der hereingestürmt kam und sich gleich auf den alten Mann stürzte. „Hör auf mit dem Scheiß, du alter Sack! Ich habe heute ein Recht darauf, unglücklich zu sein und Schwarz zu hassen, also lass mich mit diesem sentimentalen Mist zufrieden, du Freak!“
Farfarello war sich nicht sicher, worum es hier ging, aber er fand es nicht in Ordnung, dass Schuldig so rumschrie, wo Weihnachten doch ein Fest des Friedens und der Besinnung war...
Ah gut, Schuldig hatte aufgehört zu brüllen. Er hielt Claas Atsun immer noch am Kragen seines Pullovers gepackt und starrte ihn wie erstarrt an. Claas lächelte im Gegenzug sein nachsichtiges, freundliches, warmes Großvaterlächeln.
Schuldig richtete sich auf und eine steile Falte erschien auf seiner Stirn, dann schloss er kurz die Augen und fuhr sich mit einer fahrigen Geste durch die Haare. Einen Moment stand er da, als wäre er sich nicht ganz sicher, was er jetzt tun sollte. „... ich... hab jetzt irgendwie Lust auf... Glühwein.“, er runzelte die Stirn und sah sich im Raum um. „Möchte noch jemand? Claas? Farf?“

~*~

Omi war todunglücklich. Er hatte sich Weihnachten mit den anderen so schön vorgestellt und dann war nicht nur Aya weg (er hatte ein Date, wie eigenartig...) nein, dann tauchte auch noch mittendrin Birman mit einer blöden Mission auf.
Freizeit, Ade!
Sie saßen in ihrem bis vor zehn Minuten unbeheiztem Kellerraum und starrten den Fernseher an, der heute allerdings schwarz blieb.
„Tja, tut mir leid.“, sagte Birman in die Stille hinein. „Aber wir hatten nicht genug Zeit, um ein Video zu machen.“
„Ach, ist nicht schlimm, die sind eh blöd.“, kommentierte Yohji jovial.
Birman lächelte ihn etwas verkrampft an, sprach dann aber weiter. „Heute Abend wurde ein uns bekannter Psi, den wir schon seit einiger Zeit beobachten, entführt. Es handelt sich hierbei um Claas Atsun, der als freiberuflicher Public-Relations-Berater der hiesigen Niederlassung der Coca-Cola-Company arbeitet. Von den Tätern gibt es keine Spuren, aber gewisse, zugegebenermaßen eher vage Informationen deuten auf Schwarz hin.“
An dieser Stelle hörte Omi hinter sich ein gefährlich klingendes Grummeln, dessen Ursprung sich als Aya entpuppte.
„Wir wissen aus verlässlicher Quelle, dass die Organisation hinter Schwarz schon seit langem nach Atsun sucht, wenn auch nicht genau, zu welchem Zweck. Euer Auftrag, Weiß, ist es, ihn noch vor Mitternacht zu finden und aus der Gewalt seiner Entführer zu befreien.“, beendete Birman ihre Ausführungen.
Vier Augenpaare sahen sie ungläubig an.
„Vor Mitternacht?“, fasste Omi die Gedanken aller in Worte.
„Ja. Auch ich bin nicht mit allen Informationen vertraut, aber es scheint, dass Atsun heute Nacht einen... Auftrag von weltpolitischer Relevanz ausführen muss.“, antwortete Birman vage.
„Was soll das denn für ein Auftrag sein?“, fragte Yohji irritiert, „Wer ist er? Der verdammte Weihnachtsmann?“
Birman warf ihm einen indignierten Blick zu. „Wenn es keine essentielleren Fragen mehr gibt...“, sie sah prüfend in die Runde, „dann muss ich jetzt gehen.“
Einen Moment lang war es still, nachdem Birman den Raum verlassen hatte, dann ließ sich Yohji der Länge nach aufs Sofa fallen. „Wahnsinn. Zweieinhalb Stunden... Ich sag euch, Kritiker läuft auch nicht mehr ganz rund.“
„Sie hätten uns wenigstens mehr Hinweise geben können, als das bisschen heiße Luft über Schwarz.“, stimmte Ken zu. „Und selbst wenn es Schwarz war, haben wir keine Ahnung, wo wir suchen sollten...“
„Wir kennen seinen Wohnort und von dort soll er ja auch verschwunden sein.“ Omi versuchte, zuversichtlicher zu klingen, als er sich angesichts der heiklen Mission fühlte. „Ich werde gleich anfangen, in den Polizeiberichten von heut Abend zu suchen. Vielleicht wurde ein verdächtiges Auto gesehen...“
Omi unterbrach sich, als ein Telefon klingelte. Ken und Yohji erwachten aus ihrer missmutigen Resignation und blickten, wie auch Omi, zu Aya, der nun sein Handy zückte und es wenig freundlich anstarrte.
„Möchtest du nicht rangehen?“, fragte Yohji nach dem dritten Klingeln.
Aya warf ihm einen ungnädigen Blick zu, hielt sich den Hörer ans Ohr, hörte zwei bis drei Sekunden zu, knurrte und legte wieder auf.
„Und? Wer war dran?“
Oh oh, diese Frage hätte Yohji nicht stellen sollen. Aya hatte schon wieder diesen „Ich kann mich gar nicht entschieden, ob es den Aufwand lohnt, dich zu töten oder nicht“-Blick. „Verwählt.“
Wieder klingelte das Telefon. „‚Kann nicht’ ist keine adäquate Absage.“, meldete sich Aya diesmal und legte sofort wieder auf.
Yohji grinste.
Das Handy klingelte ein drittes Mal. Ein Knopfdruck von Aya und es verstummte.
„Wo warst du, Omi?“
Omi setzte zu einer Antwort an, wurde aber wieder vom Klingeln unterbrochen.
„Oh, penetrant, könntest du das Telefon vielleicht ausmachen?“, beschwerte sich Yohji.
Omi war sich sicher, dass Aya genau das getan hätte – wenn Yohji nichts gesagt hätte. Und dass dieser das wusste. Stattdessen warf Aya Yohji nur den vielgenutzten „Kümmer dich um deinen eigenen Scheiß, Kudou“-Blick zu und ignorierte ihn sonst.
Der mysteriöse Anrufer gab natürlich nicht auf und so war es nur eine Frage der Zeit, bis das Telefon sich erneut bemerkbar machte und Aya ein „Was?!“ in die Leitung bellte.
Dann war es einen Augenblick still, wenn man von Ayas kurzgehaltenen Antworten einmal absah.
„Nein, ich habe zu tun. ... Aha... ... Verarschen kann ich mich allein. ... Vergiss es.“ Und wieder aufgelegt.
Weiß starrte Aya an. Er starrte zurück. „Habt ihr nichts zu tun, wir haben nur zwei Stunden Zeit.“, merkte er dann trocken an.
„Aya, mit wem telefonierst du?“
„Mit nieman-“ Wieder klingelte das Handy. Aya schien nahe dran, das Ding zu zertrümmern, gab dann aber auf. „Ja. Okay. Wo?“

~*~

Aya saß im Auto und haderte mit dem Schicksal. Es hatte seine Gründe, dass er Weihnachten hasste und er hätte niemals, niemals! an diesem wohlbegründeten Konzept zweifeln sollen.
Was Kritiker anging hatte Yohji ganz klar recht. Was erwarteten die von Weiß? Dass sie mal eben mit dem Finger schnippten und alles kam in Ordnung?
Zufällig hatten sie diesmal Glück. Er keineswegs. Er hatte sich eine hanebüchene Story über einen nebulösen Informanten ausdenken müssen, um sein Wissen über Schwarz’ Verbleib zu erklären und hatte so das dumme Gefühl, ihm war kein Wort geglaubt worden.
Er atmete noch einmal tief durch und wandte sich dann an seine Teamkollegen. „Also wir gehen da rein, holen ihn raus, fertig. Schwarz werden da sein, versucht euch nicht in Gefechte verwickeln zu lassen, sie haben keine Priorität. Noch Fragen?“
„Ähm ja, genaugenommen...“, meldete sich Yohji. „Wir sprechen hier doch von den gleichen Schwarz? Du weißt schon: seltsame Leute mit halbphänomenalen, fast kosmischen Kräften? Wie soll das gehen?“
„Also keine Fragen.“, ignorierte Aya Yohjis Einwände. „Dann los!“
Sie stiegen aus, stürmten in das Apartmenthaus, drängten sich in den Fahrstuhl und –
Jingle bells, jingle bells, jingle bells Rock...
Oh, auch noch tolle Musik im Fahrstuhl. Es wurde echt immer besser.
Pling
Sie stürmten aus dem Fahrstuhl, zur Wohnungstür, wollten sie aufbrechen, aber:
„Würdet ihr bitte die Tür in Ruhe lassen, ihr könnt einfach reinkommen.“, kam ihnen Oracles Stimme entgegen.
Weiß betrat den Raum. Doch die Szene, die sich ihnen bot, ließ sie erstarren. Schwarz saßen , in den Geruch von Popcorn und Glühwein gehüllt mit Claas Atsun im Wohnzimmer vorm Fernseher und sahen „Das letzte Einhorn“. Passte das echt zusammen?
Aya war sich sicher, in einer Paralleldimension gelandet zu sein, als Farfarello sich umdrehte und sie fragte, ob sie sich nicht dazusetzen wollten.
Weiß starrten erst Farfarello, dann Aya fragend an, der sich fragte, warum ausgerechnet er diesen Wahnsinn entscheiden sollte. Yohji murmelte irgendwas von „Mad Teaparty“ und Lady Amartia verwandelte sich wieder in ein Pferd, während eine Schale mit Gummibärchen durchs Wohnzimmer schwebte.
Irgendwas stimmte hier nicht. Andererseits wollte Aya sich jetzt keineswegs damit auseinandersetzen.
Er seufzte, zuckte mit den Schultern und Weiß setzte sich dazu. Auf dem niedrigen Tisch standen Kerzen, Süßigkeiten und eine große Teekanne.
„Der Tee ist alle,“ bemerkte Schuldig, „ich geh schnell neuen machen.“
Er verschwand in die Küche und Aya folgte ihm kurzentschlossen.
„Was ist los mit euch? Seid ihr jetzt vollkommen durchgedreht?“, fragte er gedämpft, sobald er die Küche betreten hatte. Er stutzte, als er in Richtung Herd sah. „Sind das da Kekse?“
„Weihnachtsplätzchen.“, berichtigte Schuldig, während er Wasser aufsetzte. „Ich hab versucht, es dir am Telefon zu sagen... Er hat uns besiegt.“
„Besiegt?“
„Ja, Schwarz ist geschlagen. Auf ganzer Linie. Wer hätte das gedacht, nicht wahr? Der alte Mann steckt uns alle in die Tasche. Wir müssen ihn loswerden.“
„Claas Atsun hat Schwarz besiegt?“, fragte Aya ungläubig.
Schuldig füllte ein Teeei und drehte sich dann zu Aya um. „Oh, er ist gut. Ich verstehe, warum Eszett ihn will... Aber wir können ihn nicht ausliefern. Weinachten ist doch das Fest der Liebe und des-“ Schuldig brach ab und blinzelte verwirrt, dann ärgerlich. „Siehst du, wir müssen ihn los werden.“
Aya starrte Schuldig ungläubig an. Was sollte der Quatsch? „Wir sollen euch helfen, weil ihr mit einem alten Mann nicht fertig werdet?“
Schuldig ließ den Kopf hängen. „Sag das bitte nicht so. Versuch du mal eine halbe Stunde in seiner Gegenwart zu verbringen und an irgendwas Negatives zu denken. Allein diese Unterhaltung kostet mich unglaubliche Konzentration.“
Aya zog eine Augenbraue hoch.
Schuldig seufzte. „Weißt du eigentlich, wie schön es ist, dass du heute Abend hier bist? Ohne dich wäre es dieses Jahr kein richtiges Weihnachten gewesen und es tut mir leid, dass ich nicht zu unserer Verabredung kommen konnte.“
Das war – so – gruslig! Und peinlich. Aya musste unbedingt schnell etwas finden, auf das er das Thema lenken konnte, irgendetwas. Unauffällig, wenn’s ging. „Was ist mit deinem Auge?“
„Meinem wie? Oh.“ Schuldig sah aus, als würde ihm sein Veilchen gerade erst wieder einfallen, als er jetzt mit den Fingerspitzen leicht darüber strich. „Ach, das. Nagi...“
„Ich hab dir gleich gesagt, du sollst ihm ein Computerspiel kaufen. Alles, außer dem Pferd.“
Schuldig war gerade dabei, den Tee aufzubrühen, hielt aber plötzlich inne. „Da fällt mir ein, ich habe gar kein Geschenk für dich.“
Ein Geschenk? Von Schuldig? Und was, bitte? Wieder starrte Aya Schuldig ungläubig an, als ihm klar wurde, dass dieser das ernst meinte. Himmel, wo war dieser zynische Telepath geblieben, den er kannte und liebte?
Und wo zur Hölle war dieser Gedanke hergekommen?
Schu hatte Recht, sie mussten Atsun loswerden. Bevor es noch schlimmer wurde. Andererseits... Viel bizarrer ging es sowieso nicht mehr.
Aya zuckte mit den Schultern. „Ach, ich war sowieso mehr auf die Naturalien aus...“
Es war doch unglaublich, wie sehr einen das Ausbleiben eines dreckigen Grinsens erschrecken konnte. Hoffentlich wurde das wieder...

~*~

„Es gibt Leute auf der Welt, denen geht es viel schlechter als uns, man muss doch daran mal denken...“, sagte Farfarello und sowohl Claas als auch Oracle und Prodigy nickten zustimmend.
Ken traute seinen Ohren nicht. Das alles hier war viel zu eigenartig für seinen Geschmack. Die friedlich versammelten Leute, die Unterhaltungen, das Essen... Bei Schwarz? Es beunruhigte ihn so sehr, dass er sich nicht traute, irgendetwas von den angebotenen Speisen zu essen. Wer wusste schon, was da drin war, so komisch, wie sich hier alle benahmen?
Und Aya war nun auch schon viel zu lange mit Schuldig in der Küche...
Dabei hätte es so ein schönes, ruhiges Weihnachten werden können, wenn Schwarz nicht diesen alten Mann entführt hätten. Moment mal. Warum schnappten sie sich den Typen nicht einfach und sorgten dafür, dass er entkam? Dann könnten sie immer noch Weihnachten feiern. Und Schwarz wirkte nicht gerade so, als würden sie solcherlei Plänen erbitterten Widerstand leisten.
Aber vielleicht war das auch alles nur eine ausgefuchste Falle, um sie in Sicherheit zu wiegen. Oder Schuldig manipulierte sie alle, so dass sie nur glaubten, dass sie hier mit Schwarz Tee tranken und „Das letzte Einhorn“ sahen. Und das alles zu dem einzigen Zweck, hinter ihrem Rücken... Ja, was eigentlich? Ken ließ diesen Gedankengang plötzlich fallen, als ihm die außerordentlich hübsch arrangierte Weihnachtsdekoration aus Orangenscheiben, Tannenzweigen und Sternanis zwischen den Kerzen auffiel.
Eigentlich war es ja ganz gemütlich hier...
Diese Ruhe und Gemütlichkeit wurde von Aya gebrochen, der in diesem Augenblick aus der Küche hineinstürmte und seinen Blick auf Claas Atsun fallen ließ, dessen ganze Aufmerksamkeit scheinbar von der Aussicht auf die Großstadt hinter sacht fallenden Schneeflocken beansprucht wurde.
„Okay, es reicht jetzt. Schluss mit dem Theater. Atsun? Wenn Sie bitte endlich gehen würden... Haben Sie heute Abend nicht noch was anderes zu tun?“
Der Angesprochene blickte sichtlich verwundert auf und runzelte nachdenklich die Stirn. „Hm?“, brummte er ratlos, bevor ihm wohl doch noch etwas wichtiges einfiel, denn er setzte sich mit einem erschrockenen „Ach ja!“ ruckartig auf und machte Anstalten, das Apartment zu verlassen. „Himmel, es gibt noch soviel zu tun und ich sitze hier… das Alter… aber ich danke Ihnen für Ihre Gastfreundschaft,“ sagte er, während er sich seinen Mantel anzog, „es war mir ein Vergnügen.“
„Das war doch selbstverständlich.“, entgegnete Crawford freundlich.
Dann war das mysteriöse Entführungsopfer verschwunden und Weiß und Schwarz sahen sich leicht ratlos an.
„Es wäre vielleicht ratsam,“ sagte Crawford nachdenklich, „wenn Eszett nicht erfahren, was wirklich passiert ist.“
Farfarello nickte. „Wir machen es wie immer und wälzen die Schuld auf Weiß ab. Kritiker wusste bescheid und hat uns ein Double entführen lassen…“, spann er den Faden weiter.
„Cooler Plan.“, bemerkte Nagi ironisch. „Und so neu…“
Crawford machte nur eine Wegwerfende Handbewegung. „Fragt sich nur, wen wir da nehmen.“ Er nahm einen Schluck von seinem Irish Coffee und lächelte gar nicht weihnachtlich. „Hätte jemand was gegen ein paar Wochen Urlaub?“

~*~

Kurz nach Mitternacht. Die Weihnachtsgala ging gerade zuende und Takatori kam aus dem Gebäude und stieg die Freitreppe herunter zu seiner Limousine.
Bevor er das Fahrzeug erreichte, drehte sich Crawford noch mal zu Nagi und Farf um, die im Fond saßen. „Alles planmäßig?“
„Bart und Kleber bereit.“, sagte Farfarello.
„Flug in die Schweiz geht klar.“, bestätigte Nagi.
Und was die lästigen Fragen anging, die diese Aktion bei Eszett aufwerfen würde… tja, würde Schuldig eben mal was für sein Geld tun müssen. Dafür hatte er jetzt frei.
Takatori hatte den Wagen erreicht und die Tür wurde geöffnet.
Crawford drehte sich wieder um und lächelte. Weihnachten war herrlich.



ENDE




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