Von Außen |
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Akiha hatte Kijima niemals gemocht. Für ihn war er einer dieser Menschen, die nach außen hin perfekt aussehen, aber dahinter verbirgt sich nur ein großes Nichts. Er war ihm immer sehr herablassend, beobachtend und kalt erschienen.
Nun ja, vielleicht war er voreingenommen. Ziemlich sicher sogar. Der erste Eindruck war ja bekanntlich der entscheidende. Der erste Eindruck, den er von Kijima hatte, war ein denkbar schlechter gewesen.
Kjima hatte ihn angesehen, als wäre er es eigentlich nicht wert, mit ihm zu sprechen. Es war nichts persönliches, sondern der Blick, mit dem er jeden ansah. Er war wie immer hinter einem Lächeln verborgen und andere hätten ihn vielleicht nicht bemerkt und würden es auch nie, aber andere Leute ließen sich sowieso viel zu leicht von Freundlichkeiten täuschen.
Freundlichkeit war eine bei weitem überschätzte Eigenschaft, fand Akiha. Aber er war sich nicht sicher: hatte er das schon immer so gesehen und sich deswegen in Senpai verliebt oder war es umgekehrt? Wie dem auch sei, das einzige, was Kijima zweifelsfrei war, war freundlich. Er machte in dieser distanzierten Freundlichkeit keine Unterschiede, weil ihm im Grunde alle gleich egal waren. Alle außer Umeda.
„Hör mal, Kleiner. Du gehst ihm auf die Nerven. Also würdest du bitte in deinen eigenen Klassenraum zurückgehen und aufhören, in den Pausen immer hierher zu kommen?“
Es war keine Drohung gewesen, nicht das kleinste bisschen aggressiv, Akiha war keine Konkurrenz.
Es war auch keine richtige Frage. Es war ein wohlwollender Ratschlag. Akiha könnte gerne weiterhin kommen, aber für Kijima stand es völlig außer Frage, dass er damit nichts erreichen würde. Und tatsächlich, wenn Umeda-senpai sie ansah, dann sah er Kijima, der mit diesem aufgekratzten Typen aus der Klassenstufe unter ihnen sprach. Wahrscheinlich wusste er nicht einmal Akihas Namen. Es war einfach nur demütigend.
Es spielt keine Rolle, wie ernst Akiha das alles nahm, wenn ihn niemand ernst nahm.
Und das war das. Wie soll man jemanden mögen, der zwischen dir und deinem Schwarm steht?
Natürlich teilte niemand von Akihas Freunden dessen Abneigung gegen Kijima-senpai – genauso wenig, wie irgendjemand verstehen konnte, was er an Umeda so toll fand. Die beiden waren die Besten in ihrem Jahrgang, aber unterschiedlich wie Tag und Nacht. Kijima war immer so ruhig und höflich. Er hielt sich an die Regeln. Ein bisschen sehr zurückhaltend vielleicht, aber auf jeden Fall viel besser als Umeda, der keinen Hehl daraus machte, dass er mit den meisten Leuten nichts zu tun haben wollte. Umeda hatte kein Problem damit, Leuten auf die Füße zu treten. Er wurde schnell unhöflich, wenn ihm etwas nicht gefiel und redete eigentlich nur mit seinen paar Freunden.
Oberflächlich betrachtet stimmte das vielleicht sogar, aber in Wirklichkeit waren Umeda und Kijima nicht grundsätzlich verschieden. Sie waren beide intelligent, faul, kühl, arrogant und egoistisch und man konnte den wesentlichen Unterschied zwischen ihnen vielleicht am besten so beschreiben:
Wenn man Umeda um irgendetwas bat, dann würde er ganz sicher erstmal nein sagen, er würde murren und meckern und einem erzählen, was er alles besseres zu tun hätte und wie wenig ihn fremde Probleme interessierten, aber wenn man nicht aufgab, half er einem. Und natürlich würde er sagen, dass er es tat, um einen loszuwerden.
Wenn man Kijima um irgendetwas bat, würde er freundlich ja sagen und dann im letzten Moment doch noch irgendwelche Ausreden finden oder erfinden und egal wie Leid es ihm dann angeblich tat, stand man doch mit seinem Problem allein da.
Akiha verstand nicht, wie Kijima immer mit dieser schleimigen Masche durchkommen konnte. Er verstand auch nicht, warum Umeda-senpai den Typen mochte, obwohl er ihn durchschaut hatte. Das musste dann wohl die vielzitierte Ironie des Schicksals sein.
Also tat Akiha das einzige, was ihm blieb: Er beobachtete aus der Ferne. Er war ein brillanter Beobachter mit einem guten Auge für Menschen. Und wenn er dabei etwas obsessiv rüberkam, dann lag das nur daran, dass Kijima ihn von Umeda fernhielt. Und wenn das paranoid war, dann war das eben so.
Eines wurde Akiha ziemlich schnell klar: Senpai und Kijima waren nicht gerade ein Herz und eine Seele. Das machte ihre Beziehung allerdings nicht weniger eng nur irgendwie... komplizierter. Weit schwerer zu verstehen als Akihas erste Theorie, dass Kijima ein herzloser Bastard war, der Umeda-senpai ausnutzte. Nicht, dass daran irgendein Zweifel bestand, aber irgendwie war da mehr, etwas weit weniger greifbares als nur unerwiderte Liebe. Eine beidseitige Abhängigkeit, die Akiha wahnsinnig machte.
Ein Stern und ein schwarzes Loch, die sich umeinander drehten und sich gegenseitig bis zur Unkenntlichkeit verformten. Und irgendwo daneben Akiha, der sich dagegen unbedeutend und hilflos vorkam.

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© 2007 by Elster |
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