|
|
Jeder Mensch ist allein. Der Mensch ist eine Insel. So heißt es...
Insel. Ein viel zu idyllischer, positiver Begriff, um die Menschen zu beschreiben. Eine Insel,
das assoziiert irgendwie Karibik, Ruhe, Erholung. Einsamkeit im positiven Sinne. Nicht die
Einsamkeit, die einen erdrückt, einen langsam den Verstand verlieren lässt, einen in den Tod
treibt.
Schwachsinn! Natürlich war er nicht allein. Nicht in dem Sinne, dass niemand da war. Es
waren ständig Leute da. Die Welt wimmelte von ihnen. Und er war froh, wenn er vor ihnen
Ruhe fand. Wenn er allein sein konnte. Einsam war er ohnehin. Ob jemand sich in seiner
Nähe befand und ihm auf die Nerven ging oder nicht. Das spielte keine Rolle.
Seine Gedanken wurden unterbrochen, als er in den Ort kam und von dem bizarren,
fahlgelben Licht der Straßenlampen umgeben wurde.
Natrium. Die Farbe war so alltäglich und dennoch war es für ihn wohl die seltsamste Farbe
der Welt. So unbeschreiblich hässlich. Abstoßend. Und dennoch irgendwie beruhigend. Alle
Dinge nahmen durch dieses Licht völlig andere Farben an, als sie bei Tageslicht zeigten.
Menschliche Haut wirkte soviel blasser, fast tot. Die meisten kräftigen Töne wurden entstellt.
Zu schwachen Brauntönen. Aber sie wirkten niemals gesund, sondern nur verblasst, verfallen,
siech.
Jetzt wurden die Lampen von flackernden Schleiern umgeben. Brach sich das kränkliche
Licht in Tausenden von zitternden Tropfen, die vom schwarzen Himmel fielen. Die
Außenwelt schien verschwommen durch die Frontscheibe.
Dann war der winzige Ort schon wieder vorbei. Alles war dunkel. Die Scheibenwischer nur
huschende Schatten, die es nicht schafften, die Sicht wesentlich zu verbessern. Alles war
trübe.
In unbewohnten Gegenden, im Dunkeln, wirkte Regen so normal. Aber dort, in diesem Licht,
wirkte er falsch, unnatürlich, unerwünscht. Das Wasser, das vom Himmel stürzte,
verwandelte die Straßen in flache Flüsse, verbannte die Menschen in ihre Häuser.
Nicht, dass sie diese sonst um diese Zeit verlassen hätten, aber allein die fehlende Möglichkeit
hatte etwas beklemmendes. Als hätte die Natur ein wenig Macht zurückgewonnen. Oder
niemals verloren. Wie eine Ahnung von kommendem Unheil.
Er seufzte, fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen. Was dachte er da nur? Warum...
Seine Gedanken wurden von einer Bewegung unterbrochen, die er in den Augenwinkeln
wahrnahm. Ein Schatten, der sich in der Nähe der Straße bewegt hatte, eine menschliche
Silhouette.
Der Gedanke an einen Menschen, bei diesem Wetter, um diese Uhrzeit unterwegs, war irreal,
grotesk. Er suchte die Umgebung mit Blicken ab, sah aber nichts mehr.
Vielleicht hatte er nicht richtig gesehen. Ein Hirngespinst, mehr nicht. Sein Verstand war
überspannt. Wie sollte es auch anders sein, wenn er ständig über so seltsames Zeug
nachdachte. Außerdem war er müde. Es war nicht mehr weit bis nach hause.
Er lenkte seinen Wagen weiter aus dem Ort hinaus, über Felder, die jetzt düster dalagen.
Sein Haus stand etwas außerhalb, nur ein paar Minuten mit dem Auto, aber in dieser Gegend
gab es keine Straßenbeleuchtung. Er bremste den Wagen ab und verließ die Straße, hielt vor
dem kleinen Haus und stellte den Motor ab. Blieb noch einen Moment sitzen und starte auf
die Regentropfen, die mit ungeminderter Stärke auf die Frontscheibe prasselten, dieses
typische Geräusch von Regen verursachten. Ein angenehmes Geräusch. Wunderschön.
Vermutlich das einzig Gute an diesem Tag.
Es dauerte eine Weile, bis er sich entschloss, ins Haus zu gehen. Nicht, dass es eine Rolle
spielte, aber schon wieder überfielen ihn diese trüben Gedanken. Vielleicht würde er sich
drinnen irgendwie ablenken können.
Er stieg aus und schloss den Wagen ab. Nur aus Gewohnheit. Er glaubte nicht wirklich, dass
bei diesem Wetter Autodiebe unterwegs waren.
Auf den zehn Metern bis zur Haustür wurde er völlig durchnässt. Es störte ihn nicht weiter. Er
schloss in aller Seelenruhe auf und betrat das Haus.
Es war dunkel, aber er machte das Licht nicht an. Er kannte die Räume ohnehin auswendig,
hatte keine Lust, sich blenden zu lassen. Die Düsternis war ihm angenehm.
Auch im Haus konnte man den Regen hören. Ein feines Rauschen, ein kratzendes Klopfen an
den Scheiben. Dazu das leise Ticken der Uhr rechts von ihm.
Abgesehen von einem Wecker hatte er nur eine große Wanduhr im Wohnzimmer. Sie wollte
nicht richtig zu den anderen Möbeln passen. Außerdem ging sie meist falsch. Sie war noch
vollständig mechanisch und er vergaß ab und zu, sie aufzuziehen. Ohnehin war sie nicht
sonderlich genau. Aber das störte ihn nicht. Wenn er die genaue Uhrzeit wissen wollte, konnte
er auch auf seinen Computer sehen. Er bewegte sich nahezu lautlos durch den Raum. Er hatte
kein bestimmtes Ziel, wirkte aber trotzdem nicht unsicher.
Ein lauter Knall durchbrach plötzlich die Ruhe im Zimmer. Er zuckte heftig zusammen. Einen
Augenblick lang schien sein Herzschlag auszusetzen. Auch das Ticken der Uhr und das
Prasseln des Regens schienen für einen Moment unterbrochen worden zu sein. Innerhalb
weniger Sekunden war er wieder bei der Eingangstür. Sah sich mit schnellen Bewegungen
um. Die Tür war geschlossen. Wahrscheinlich hatte er sie offen gelassen und sie war
zugefallen. Allerdings hatte er das Gefühl, nicht mehr allein hier zu sein.
Irgendjemand war da.
Eine Bewegung ließ ihn herumfahren, sich nochmals umsehen. Er starrte sein eigenes blasses
Spiegelbild in der Fensterscheibe eine Zeitlang an, bevor er sich wieder beruhigt hatte.
Verwirrt schüttelte er den Kopf. Er war doch sonst nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.
Seltsam. Vermutlich sollte er wirklich besser schlafen gehen, bevor er noch völlig paranoid
wurde.
Er wandte sich ab und wollte gerade gehen, als es an der Tür klopfte.
~*~
Was war nur mit der Welt los? Hatte sich jetzt alles gegen ihn verschworen? Von einem Tag
auf den anderen, und zwar buchstäblich, war alles aus den Fugen geraten. Sein ganzes
beschissenes Leben war an einem Punkt angelangt, an dem er nur noch Überdruss und puren
Hass auf den Rest der Welt verspürte. Kein besonders angenehmes Gefühl, aber es hielt ihn
immerhin aufrecht.
Nicht, dass er sich beschweren oder in Selbstmitleid versinken wollte. Sein Leben war auch
vorher nicht gerade großartig gewesen, aber nun hatte es ganz klar den entgültigen Tiefpunkt
erreicht.
Natürlich ließen sich seine Depressionen vor allem auf den Umstand zurückführen, dass er
klitschnass war, erbärmlich fror und vermutlich wie ein Schwein blutete. Das war in Regen
und Dunkelheit allerdings nicht mit absoluter Sicherheit zu sagen. Dafür sprachen allerdings
die äußerst lebhafte Erinnerung an zwei auf ihn zufliegende 9-MM-Geschosse und die
Schmerzen.
Eine Weile lenkte er sich damit ab, seine Wunden genauer zu definieren. Bei der ersten Kugel
hatte er ziemliches Glück gehabt. Durch eine wohl äußerst geschickte Drehung seines Körpers
war sie an einer Rippe abgelenkt worden oder zumindest hatte es sich so angefühlt. Die
andere allerdings steckte noch immer in seiner Schulter und gab sich bei jeder noch so
kleinsten Bewegung die größte Mühe, seinem Schlüsselbein Guten Tag zu sagen.
Unter Einwirkung von einem interessanten Gemisch aus Adrenalin und eher zufälligerweise
schon vorsorglich eingenommener anderer Substanzen hatte er es immerhin noch bis aus
seiner Wohnung und in sein Auto geschafft.
Die Fahrt zum nächsten Krankenhaus hatte er dann allerdings in Anbetracht der ‚Besucher'
verworfen. Unterwegs zu einer Klinik etwas weiter außerhalb der Stadt hatte jedoch der
Drogencocktail seine Wirkung verloren und was sich bisher nur als schwaches Ziepen und
unangenehmer Druck bemerkbar gemacht hatte, war langsam aber sicher unerträglich
geworden.
Nach einer knappen Stunde Fahrt, war er dann im Straßengraben wieder zu sich gekommen
und konnte wahrscheinlich froh sein, dass er überhaupt noch mal aufgewacht war. Aber
undankbar, wie der Mensch an sich und er im besonderen nun einmal war, hatte er sich
keineswegs darüber gefreut. Es war aber auch wirklich ein wenig zuviel verlangt, wenn man
sich darüber freuen sollte, mitten im Nirgendwo mit einer verreckten Karre und in einem
mehr als angeschlagenen Zustand im strömenden Regen aufzuwachen und langsam zu
verbluten.
Er hatte dann aber festgestellt, dass er noch halbwegs laufen konnte und, dass durch die
Regenschleier ab und zu der Umriss eines Hauses zu erahnen war, also hielt er darauf zu. Mit
letzter Kraft, hätte er fast gedacht, aber so eine grässlich klischeehafte Redewendung wollte er
nicht mal denken.
Dann schon lieber, dass sich Gott oder die Götter oder seinetwegen auch Fortuna, die
Schlampe, anscheinend fest vorgenommen hatten, Schuldig heute noch unter die Erde zu
bringen oder zumindest auf den besten Weg dahin.
Der würde er aber einen Strich durch die Rechnung machen. Nicht so sehr, weil er in seinem
Dasein nichts geschafft hatte, worauf er stolz war, das war eher so eine nebensächliche
Tatsache, sondern eher, weil er verdammt stur war. Und nachtragend.
Er wollte es diesen anscheinend lebensmüden Spinnern heimzahlen, dass sie seine Wohnung
zerstört und seinen anbetungswürdigen Körper derart demoliert hatten. Das durfte nur er
selbst.
Die würden noch ihr blaues Wunder erleben, wenn er wieder auf der Höhe war. Niemand tat
so etwas ungestraft. Er würde sie langsam und qualvoll zugrunde gehen lassen. Er hatte keine
Ahnung, wer sie waren oder was sie von ihm wollten, aber sie hatten sich definitiv mit dem
Falschen angelegt.
Wenn er nur endlich dieses verfluchte Haus erreichen würde! Er war inzwischen schon
ziemlich nah, bewegte sich aber in einem Tempo fort, dass selbst eine Schnecke wohl nur
belächelt hätte.
Plötzlich tauchten hinter ihm Scheinwerferlichter auf. Ein Auto näherte sich und er ging
unwillkürlich so schnell er konnte weiter weg von der Straße, stolperte und fiel in den Gaben
zwischen der Fahrbahn und dem angrenzenden Feld.
Durch den Regen hatte sich dort schon eine ganz ansehnliche Menge schlammigen Wassers
gesammelt. Nicht, dass es einen großen Unterschied machte, nasser hatte er ohnehin nicht
mehr werden können, aber es brachte ihn doch dazu einen Moment in den schwarzen Himmel
zu sehen, aus dem unermüdlich dichter Regen fiel und zu überlegen, ob es sich denn lohnte,
noch einmal aufzustehen.
In einem scheiß Straßengraben zu ersaufen war aber eine zu demütigende Art zu sterben. Das
brachte ihn dann dazu, wieder aufzustehen, was mit ziemlichen Schmerzen verbunden war.
Allerdings waren sie nicht so stark wie erwartet, was vermutlich an der Kälte lag. Eine weder
sonderlich beruhigende noch tröstende Überlegung.
Von dem Auto, das ihn so erschreckt hatte, sah er nichts mehr, also lief er elend langsam
weiter auf das Haus zu, hoffend, dass dort jemand war, der ihm helfen konnte oder ihn
zumindest in ein Krankenhaus bringen.
Nach einer ihm schier endlos scheinenden Zeit, erreichte er die Haustür und klopfte an.
~*~
Das Licht im Haus ging an und die Tür wurde von einem etwas gehetzt wirkenden jungen
Mann mit nassem, roten Haar geöffnet. Er starrte erst ungehalten, dann maßlos erstaunt auf
die Person vor der Tür.
Der starrte ebenso fassungslos zurück, während ihm das Regenwasser beständig von den
langen, in trockenem Zustand orangeroten Strähnen lief.
Der Besitzer des Hauses fasste sich zuerst wieder, setzte einen undurchdringlichen
Gesichtsausdruck auf oder besser gesagt, erneuerte ihn wieder und ging in
Verteidigungsstellung, während er sein Gegenüber nicht einen Moment aus den Augen ließ.
„Du!" Es klang halb wie ein Knurren, halb wie ein Vorwurf.
Schuldig brauchte etwas länger, um mit allen Konsequenzen zu erfassen, wer da vor ihm
stand und warum, um alles in der Welt, von allen Menschen auf dieser gottverdammten Insel,
er ausgerechnet auf diesen treffen musste. Irgendwer hatte da einen verflucht beschissenen
Sinn für Humor. Das war ja wohl die blanke Ironie. Er atmete einmal tief durch, so gut das
eben mit einer Kugel in der Schulter möglich war.
Okay, jetzt bloß keinen Fehler machen,
keine schnelle Bewegung und nichts Falsches sagen, sonst wäre er schneller tot, als er
„Katana" sagen konnte. Nichts gegen Aya, aber nach Schuldigs leicht subjektiv gefärbter
Einschätzung, handelte es sich bei diesem um einen besessenen Irren.
Umgekehrt war das
aber scheinbar genauso, wie er jetzt merkte. Ein kleiner Lichtblick, den er, wenn er geschickt
vorging, für sich nutzen konnte.
Es kostete ihn wirklich Mühe, sein Grinsen aufzusetzen und er hoffte nur, dass man es ihm
nicht anmerkte. „Ich darf doch reinkommen?", fragte er, während er eintrat, ohne eine
Antwort abzuwarten. Er musste einfach aus dem Regen raus. Und außerdem wäre der Andere
wenn er im Haus zusammenbrach gezwungen, irgendetwas zu tun. Da war immerhin die,
wenn auch geringe Chance, dass er ihm half. Wenn er vor der Haustür umkippte war es wohl
wahrscheinlicher, dass er einfach draußen in der Sintflut liegengelassen wurde.
Aya war jetzt dazu übergegangen, ihn aus sicherer Entfernung von zwei Meter
Mindestabstand ausdruckslos zu mustern. Die langen Haare waren, wie auch der Rest des
Körpers, klitschnass und verdreckt. Sie klebten ihm verfilzt und angeklatscht im Gesicht. Mit
seiner Stirn musste er irgendwo gegen geschlagen sein, denn es zeichnete sich dort eine
bläulich gefärbte Beule scharf gegen die unnatürlich blasse Haut ab.
Der Telepath trug nur ein
dünnes, kurzärmliges Hemd und eine Hose, deren Farbe nicht mehr erkennbar waren und die
ihm wie seine Haare an der Haut klebten.
Sein Atem ging flach und keuchend, er zitterte
erbärmlich und wirkte im ganzen so mitgenommen, dass Aya sich wunderte, wie er sich
überhaupt noch auf den Beinen halten konnte.
Schuldig folgte dessen Blick, der letztendlich an Schuldigs Schuhen hängen blieb und dem
Rinnsal aus Schlamm, Blut und Regenwasser, dass sich von dort über den naturweißen
Teppich ausbreitete und einen wachsenden Fleck hinterließ.
„Ähm... schöner Teppich...", murmelte Schuldig beinahe verlegen.
Aya sah ihm in die Augen und zog die Augenbrauen hoch. „Was tust du hier?"
Oh Mann, was hätte Schuldig jetzt für tolle Sprüche klopfen können! Nur leider war er dazu
momentan nicht in der Verfassung. „Wie sieht's denn aus? Ich geb' meinem Blut mal
Ausgang, weil es sich so langweilt."
Oh, ging ja doch. Kam sogar ziemlich überzeugend.
Schon erstaunlich.
Aya zuckte nur cool mit den Schultern. „Wenn das so ist... Aber nicht auf meinem Teppich.
Raus hier!"
In diesem Augenblick aber war es mit Schuldig vorbei. Trotz seinem Vorsatz, eisern Haltung
zu bewahren, knickten seine Beine unter ihm weg. Sein Kopf fühlte sich plötzlich gleich
zeitig sehr schwer und seltsam leer an, er sah für ein paar Sekunden schwarze Karomuster vor
seinen Augen tanzen, die sich immer mehr verdichteten, sein Gleichgewichtssinn setzte aus
und er kippte um.
Aya stand einfach nur völlig überrumpelt daneben. Eine ganze Zeit lang tat er gar nichts,
starrte auf den Bewusstlosen oder besser durch ihn hindurch. Dann seufzte er, ließ sich auf die
einen Sessel in der Nähe fallen, fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand über
die Augen und blickte dann wieder auf das schlammige Bündel Mensch zu seinen Füßen.
Er erinnerte ihn, so verwahrlost und halbtot, wie er da lag, stark an den angefahrenen Hund,
den er als Kind mal aufgesammelt hatte. Er hatte sich rührend um das Tier gekümmert,
nächtelang danebengesessen und um sein Leben gebangt. Als es aufwachte hatte das blöde
Vieh ihn gebissen und war den Tag darauf auf nimmer Wiedersehen verschwunden. Soviel
dazu.
Na gut, beißen würde Schuldig wohl nicht... Obwohl...
Aber seine Gedanken schweiften ab. Er sollte sich an die Tatsachen halten. Er musste eine
Entscheidung treffen und zwar möglichst bevor sie ihm von höheren Mächten abgenommen
wurde. Mal sehen, was hatte er denn für Optionen.
A: Schuldig helfen.
Contra: Ein bisher noch nicht abzusehender Aufwand und ziemlich wahrscheinlich sein Tod
nach Erwachen des Telepathen, als Rache für das Vereiteln dieser schrägen
Weltuntergangsnummer vor über einem Jahr.
Pro: Na ja, eigentlich nichts. Vielleicht das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben. Wobei
zu bedenken war, dass man hier einem Menschen half, dessen Karma vermutlich schlechter
war, als das von Jack the Ripper.
B: Schuldig verbluten lassen oder vielleicht auch noch ein bisschen nachhelfen,
gewissermaßen aus Mitleid.
Pro: Ein Problem weniger auf dieser Welt.
Ein gewisses Maß an Befriedigung.
Das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben, da es sich hier um einen Menschen handelte,
dessen Karma vermutlich schlechter war, als das von Jack the Ripper.
Er glaubte nicht, dass irgendjemand ihn vermissen würde.
Contra: Das endgültige Ende seines neuen Teppichs. (Übrigens nicht weit entfernt, wenn er
sich nicht bald entschied.)
Niemand, der ihm den Schaden ersetzte. (In seinem derzeitigen Job verdiente er wirklich
schlecht.)
Einen toten Telepathen in der Wohnung. Trotz langjähriger Berufserfahrung mit Leichen
hatte Aya leider keine Ahnung, wie man eine verschwinden ließ. Na ja, er könnte sie in
seinem Garten vergraben, aber erstens würde das wahnsinnige Arbeit machen und zweitens
hatte er keine Ahnung, ob sich eine verwesende Telepathenleiche im Boden nicht negativ auf
den Gedeih seiner Rosen auswirken würde.
Sein Vorsatz, nie mehr jemanden umzubringen.
Fazit: Sechs zu fünf gegen Schuldig. Eigentlich nur sechs zu viereinhalb.
Aya seufzte abermals und holte den Erste-Hilfe-Kasten aus seinem Auto. Entweder hatte er
ein zu weiches Herz oder er war lebensmüde.
Er tippte mal auf Zweiteres.
~2~ Déjà Vue

 |
E-Mail •
Fanfiction |
© 04/05 by Elster |
|