Elvis - Aloha From Hawaii Via Satellite
Am 08. Juli 1972 berichtete der "The Memphis Commercial Appeal",
dass Elvis Presley für den Herbst '72 ein weiteres Fernsehspecial plane. Es
sollte sich um ein etwa einstündiges Konzert handeln, dass über einen
Satelliten in den fernen Osten und nach Australien übertragen werden solle. In
den USA werde die Show zu einem späteren Zeitpunkt gezeigt werden. Die Show
selbst solle auf Hawaii stattfinden. Die Idee zu diesem Special kam Colonel
Parker, weil er seit dem Comeback seines Klienten mit Tourneeanfragen aus dem
Ausland regelrecht zugeschüttet wurde. Auch Elvis betonte mehrfach, er sei an
Tourneen außerhalb Amerikas durchaus interessiert, doch
Parker vertrat die
(durchaus richtige) Ansicht, dass man in der gleichen Zeit innerhalb der
Vereinigten Staaten von Amerika mit wesentlich geringerem Aufwand einen
erheblich größeren Gewinn erzielen konnte. Um der Nachfrage Herr zu werden,
Elvis aber nicht um die halbe Welt schicken zu müssen, bot sich ein weltweit
vermarktetes TV - Konzert geradezu an. Man fasste den November 1972 als Zeitraum
ins Auge. Elvis hätte seine Gastspielreihe im Hilton beendet und könnte die
Show im Rahmen einer weiteren Tournee absolvieren. NBC - TELEVISION wurde als
Partner gewonnen und der Sender wurde verpflichtete sich, sämtliche Kosten für
das Special zu übernehmen. Schlussendlich sollte die Show 2,5 Millionen US -
Dollar kosten und damit die teuerste Fernsehshow bis dato werden. Das Filmstudio
MGM legte gegen den Termin Protest ein, denn im April 1972 hatte Elvis seine
damalige Tournee für den Dokumentarfilm "Elvis On Tour" filmen
lassen. Und dieser Film sollte im November in die Kinos. Da MGM Umsatzeinbußen
befürchtete, verschob man das Fernsehevent auf den 14.01.1973. Auch dieser
Termin passte gut, konnte Elvis doch von Hawaii aus gleich nach Las Vegas
fliegen, wo er ab dem 26.01.1973 für eine neuerliche Gastspielreihe im Hilton
Hotel gebucht war. Direkt nach der Closing Show des "Elvis Summer
Festival" in Las Vegas trat Elvis in den frühen Morgenstunden des 05.
September 1972 zusammen mit Rocco Laginestra, dem Präsidenten von RCA, vor die
Journalisten. Neben dem Termin der Show wurde auch angekündigt, man erwarte die
höchsten Einschaltquoten, die ein derartiges Special je erzielt habe. Zudem
gehe man von mehr als einer Million vorbestellter
Soundtrack - Alben aus.
Obgleich die Fernsehshow verschoben worden war, startete die angekündigte
Tournee am 08.11.1972 in Lubbock, Texas. Da man bei RCA plante, den Soundtrack
zur Fernsehshow im neuen Quadraphonic - Verfahren* herauszubringen, schnitt man
Elvis' Konzerte in Long Beach am 14. und 15. November in diesem neuen Tonformat
mit. Die Tour endete mit insgesamt drei Konzerten in Hawaii. Am 17. November
trat Elvis einmal und am 18. November zweimal auf. Nach der letzten Show hielt
er im Rainbow - Room des Hawaiian Village Hotel eine erneute Pressekonferenz ab.
Elvis gab bekannt, dass die Erlöse aus den Eintrittsgeldern der Fernsehshow dem
Kui Lee Krebs Fund zur Verfügung gestellt würden. Die ersten 1.000 Dollar
spendete Elvis selbst. In den folgenden Wochen traf sich Elvis erstmals mit
Marty Pasetta, dem Produzenten der Show. In einem Interview hat sich Pasetta an
das erste Treffen mit Elvis erinnert. Demnach saßen links und rechts von Elvis
zwei seiner Bodyguards, die zu Beginn ihre Revolver auf den Tisch knallten und
den, offenbar unwillkommenen, Gast grimmig anstarrten. Der Produzent entschloss
sich seinen Erinnerungen nach zur Flucht nach vorn und erklärte Elvis, er habe
sein Konzert in Long Beach gesehen und sei nicht sonderlich angetan gewesen.
Zwar habe er gut gesungen, sich aber zu wenig bewegt, was im Fernsehen eher
langweilig wirke. Zudem sei er übergewichtig und müsse sich bis zur Show in
Form bringen. Die Gorillas neben Elvis setzten sich in Positur und der King
selbst starrte Pasetta einfach nur fassungslos an. Plötzlich, so Pasetta
weiter, habe Elvis lauthals angefangen zu lachen und meinte, es sei nun das
erste Mal seit fast zwanzig Jahren, dass er von einem Produzenten ein ehrliches
Wort gehört habe. Von da an arbeitete man perfekt zusammen und Elvis war mit
vollem Engagement bei der Sache. Ende November begann Elvis mit intensivem Sport
- Training und einer strengen Diät, um sich für den Fernsehauftritt in Form zu
bringen. Parallel dazu begann er, zusammen mit Charlie Hogde, seinem
"Mädchen für Alles", Lieder auszusuchen, die man eventuell vortragen
könnte. Da man erst vor wenigen Monaten eine Live - LP veröffentlicht hatte,
war ein Großteil des Tournee - Programms den Fans bereits bekannt, so dass eine
Veränderung des Repertoires unumgänglich war. Am 07. Januar begann am Hawaiian
International Center der Ticketverkauf. Der Vorverkauf per Post lief bereits
seit ein paar Tagen und 4.000 der 5.500 Karten waren bereits vergriffen. Noch am
selben Tage wurden auch die restlichen Eintrittskarten verkauft, so dass man
sich entschied, auch für die Generalprobe Tickets herauszugeben. Als Elvis zwei
Tage später auf Hawaii eintraf, war auch die zweite Show ausverkauft. Nachdem
die Boing 747 um etwa 16.00 Uhr gelandet war, wurde Elvis per Helikopter vor das
Hilton geflogen, wo bereits mehr als 1.000 Fans auf ihn warteten. Die Landung
des Hubschraubers, sowie die anschließende Fahrt zum Hotel wurde von NBC
TELEVISION gefilmt. Elvis schüttelte Hände, küsste Babys und die
dazugehörigen Mütter und schien sich prächtig zu amüsieren. Am selben Tage
besuchte er auch das HIC, der Konzertarena, von der aus das Special gesendet
werden sollte. Marty Pasetta hatte eine Bühne konstruiert, die aus mehreren
Ebenen bestand, auf denen sich die Musiker und Sänger befinden sollte. Elvis
aber wollte seine Leute direkt hinter sich haben und somit wurde alles wieder
abgebaut. Am
folgenden Tag begannen für Elvis die Proben. Die Musiker und
Chöre waren bereits seit einigen Tagen auf der Insel und hatten das Programm
geprobt. Das Repertoire bestand neben den neuen Liedern aus der August -
Gastspielreihe in Las Vegas aus Countrysongs, die nicht nur von der Melodie
recht simpel, sondern den Musikern auch wohlbekannt waren. Der Aufwand hielt
sich dadurch in Grenzen. Elvis konnte sich die neuen Texte allerdings nur
mühsam merken, so dass man "Idiot - Cards" schrieb, von denen er
während der Show die Texte ablesen konnte, sollte er einmal ins Stocken
geraten. An sich verliefen die Vorbereitungen recht entspannt ab. In der feien
Zeit erkundeten die Musiker die Insel oder gingen zum surfen. Elvis selbst wurde
des öfteren mit seiner Freundin beim Shopping gesichtet. Auch der Jumpsuit traf
auf der Insel ein und letzte Anproben des mehr als 1.000 Dollar teuren
Bühnenkostüm wurden vorgenommen. Aufregung gab es lediglich, als Elvis sich
mit seinem Freund Jack Lord, dem Hauptdarsteller der Fernsehserie "Hawaii
5.0", traf und danach verkündete, er habe ihm den Gürtel seines
Bühnenkostüms geschenkt. Im panischer Hektik wurde Bill Belew, der Designer
der berühmten Elvis - Jumpsuits, in Los Angeles verständigt, er möge sofort
ein zweites Exemplar anfertigen. Das gestaltete sich insofern schwierig, als
dass die dafür erforderlichen Glasperlen und Edelsteine nicht zur Verfügung
standen und zuerst angefordert werden mussten. In letzter Sekunde traf der
Gürtel ein und die Show konnte losgehen. Am 12. Januar fand vor ausverkauftem
Haus die Generalprobe statt. Auch dieses Konzert wurde gefilmt und von RCA
mitgeschnitten. Dadurch hatte man eine Show in Reserve, sollte irgendetwas mit
der Satellitenübertragung oder der Schallplattenaufnahme nicht funktionieren.
Elvis absolvierte die Probe locker und lässig. Mit einer durch Diät, Sport und
Appetitzügler wiederhergestellten Top -
Figur betrat er braungebrannt und
lässig grinsend die Arena. Der Vortrag war voller Engagement und der Spaß an
der Sache war ihm anzusehen. Er suchte häufig Kontakt zu den Fans und bestritt
den Auftritt mit einer gesunden Ironie. Lediglich zwei Dinge waren Auffällig.
Zum einen bewegte er sich kaum noch und zum anderen hatte er mehr als nur einmal
Schwierigkeiten mit dem Text. Im großen und ganzen aber war es eine gute Show,
die auch von der lokalen Presse hoch gelobt wurde. Der folgende Tag wurde erneut
für letzte Proben genutzt. Das Produktionsteam hatte bemerkt, dass die Show
kürzer war, als man es geplant hatte. Um die Lücke von etwa 10 Minuten zu
füllen, bat man Elvis, zusätzliche Songs ins Programm zu nehmen. Elvis
entschied sich für "It's Impossible" und "The Impossible
Dream". Die Lieder wurden geprobt und man war gerüstet für den nächsten
Tag. So dachte man zumindest, bis die Elektronik in der Halle unter der Last der
angeschlossenen Technik zu streiken begann. Zunächst flackerten die Lichter,
gingen aus und kurz darauf wieder an. Nach diesem Vorfall meldeten die Techniker
von RCA, dass ein undefinierbarer Brumm - Ton zu hören sei. Es wurde
festgestellt, dass die Kabel dem Energiebedarf nicht gewachsen waren und
ausgetauscht werden mussten. Die Marine wurde zur Hilfe gerufen, da sie die
einzige Organisation darstellte, die nicht nur über solche Kabel verfügte,
sondern diese auch binnen der nächsten Stunde liefern und verlegen konnte. Mit
Sirenengeheul fuhren die Marinestreitkräfte vor und versorgten die Techniker
mit dem nötigen Equipment. Nur Minuten vor der Liveübertragung waren die Kabel
verlegt und das Störgeräusch verschwunden. Ebenfalls nur wenige Minuten vor
dem Beginn des Konzertes entschied sich Elvis, die zusätzlich geprobten Lieder
zu kippen. Stattdessen sollten nun "Johnny B. Goode", "I Can't
Stop Loving You" und ein Rock' n Roll - Medley, bestehend aus "Long
Tall Sally" und "Whole Lotta' Shakin' Goin' On" gespielt werden.
Bei den ersten beiden Titeln war das Problem nicht allzu groß, waren diese
Lieder doch häufig in den Konzerten des King zu finden. Das Medley allerdings
war in dieser Form noch nicht geprobt worden, doch Elvis vertraute auf das
Improvisationstalent
seiner Musiker. Er handhabte sein Repertoire generell eher lax, so dass die Band
nie genau wusste, was er als Nächstes singen würde. Lediglich der Produzent
der Show und die zusätzlichen, lokalen Musiker, wurden nervös. Doch es half
alles nichts, die Uhr zeigte erbarmungslos 0.30 Uhr Ortszeit und die
Liveübertragung ging los. Mit der Richard Strauß Komposition "Also Sprach
Zarathustra" wurde das Event dem Anlass entsprechen eingeleitet, ein
Trommelwirbel ertönte und Elvis Presley betrat die Bühne. Er sah absolut
perfekt, beinahe unwirklich aus. In seinem weißen, mit glitzernden Steinen
besetzten Jumpsuit wirkte er wie seine eigene Ikone. Er nahm sich eine schwarze
Gitarre und griff leicht unsicher zum Mikrophon, um seinen typischen Opener
"See See Rider" zu bringen. Doch im Gegensatz zu seinen sonstigen
Konzerten sang er unsicher, lethargisch und zaghaft. Er wirkte wie paralysiert.
Auch der folgende Titel, seine Hit - Single "Burning Love", wurde mehr
als zurückhaltend interpretiert. Lediglich am Schluss bewegte er sich ein wenig
und sang mit einigem Elan. Doch seine kurze Begrüßungsrede zeigte, dass seine
Nervosität noch lange nicht überwunden war. Die Beatles - Ballade
"Something" wurde äußerst langatmig vorgetragen und Elvis schien
fast gelähmt angesichts der gigantischen Menschenmenge, die ihm zusah. Die
nächsten beiden Lieder zeigten einen Elvis, der noch immer mit äußerster
Vorsicht sang und dem man die Panik vor eventuellen falschen Tönen deutlich
ansah. Die Ballade "My Way" folgte. Frank Sinatra' s dramatische
Ballade wirkte schon fast zu perfekt. Ohne Ecken und Kanten, zu glatt. Während
"Love Me", einem Lied, das in fast jeder Show vorkam und das Elvis
vermutlich im Schlaf singen konnte, taute der King schließlich auf. In den
Rock'n Roll Song "Johnny B. Goode" legte er trotz der Fernsehkameras
nicht allzu viel Engagement und der Titel zeigte deutlich, dass seine Tage als
"King Of Rock'n Roll" vorbei waren. Er machte deutlich, dass ihm diese
Art von Musik nicht sonderlich am Herzen lag und mehr ein Zugeständnis an
vergangene Tage, als eine Herzensangelegenheit darstellte. Nachdem sich ein
Großteil der lähmenden Nervosität gelegt hatte, trug er die Ballade
"It's Over" mit absoluter Perfektion vor. Nur Elvis Presley konnte ein
Lied so ergreifend singen, wie er es hier tat. Nach diesem grandiosen
Vortrag folgte der Klassiker "Blue Suede Shoes", der stark gekürzt
und ein wenig desinteressiert gesungen wurde. Nachdem Elvis seinem Publikum
damit einmal mehr gezeigt hatte, was er von seinen eigenen Hits der 50'er Jahre
hielt, bot er mit der Countryballade "I'm So Lonesome I Could Cry"
eine seiner besten Performances überhaupt. "I Can't Stop Loving You"
wurde flott vorgetragen. Am Anfang wollte Elvis seinem Pianisten wie gewohnt die
Frage "You Know, What I Can't Do?" stellen, doch Glenn D. Hardin legte
sofort mit dem Eröffnungsriff los. Elvis wirkte für den Bruchteil einer
Sekunde völlig irritiert, dann schien ihn dieses Missverständnis zu erheitern.
Der 1956'er Hit "Hound Dog" wurde noch nicht einmal eine Minute lang
vorgetragen, zumal Elvis lediglich die ersten vier Zeilen sang und diese
mehrfach wiederholte. Das dramatische "What Now My Love" folgte. Zwar
war der Vortrag an sich in Ordnung, doch schaffte Elvis die Übergänge nicht so
glatt und gekonnte, wie man es von ihm gewohnt war. Irgendetwas fehlte an diesem
Tag. Das gewisse Etwas, das ein Elvis - Konzert auszeichnete fehlte. Während
"Fever" flirtete Elvis mit dem Publikum, jede Bewegung von ihm wurde
mit hysterischen Schreien hunderter Frauen quittiert, eine Tatsache, die Elvis
sichtlich amüsierte. Mit "Welcome To My World" folgte ein weiterer
Countrysong, bei dem Elvis sich dem Publikum näherte und seine Tücher
verteilte. Nach mehr als einer halben Stunde schien der King aufgetaut zu sein
und zeigte, dass unter all dem Makeup, den getafteten Haaren und dem
Glitzerkostüm ein Mensch steckte. Das nächste Lied war "Suspicious
Minds", sein großer Hit aus dem Jahre 1969. Doch Elvis war diesen Song
leid. Nur äußerst spärlich bewegte er sich zu Takt der Musik und auch hier
bot er mehr Posen als wirkliche Action. Die Kamerawinkel änderten sich rasch,
der Bildschirm wurde geteilt, alles blinkt, glitzert und bewegt sich. Nur Elvis
nicht. Auch während diesem Song sucht er Kontakt zum Publikum, eine Dame
streicht ihm durchs Haar, eine weitere bekommt sogar einen Kuss. Dem Lied hilft
das alles nichts. Obwohl die Band exzellent ist, merkt man dennoch allen
Beteiligten an, dass man dieses Titels nach drei Jahren im Showprogramm
überdrüssig ist. Trotz der wenigen Bewegungen ist Elvis außer Atem, der Break
wird zur Vorstellung der Band genutzt. Elvis sagt, was er immer sagt. Doch als
er auf die Spenden eingeht und frei sprechen muss, merkt man ihm seine
Nervosität an. Er stottert ein wenig und verhaspelt sich, als er die Höhe der
Einnahmen nennen will. Schnell geht er zum nächsten Lied über. Die Ballade
"I'll Remember You" wird perfekt gesungen und grandios gespielt. Das
folgende Rock' n Roll Medley hingegen macht den Eindruck, als sei es achtlos
zusammengerotzt. Elvis singt kraftlos, bewegt sich kaum und auch das
Gitarrensolo von James Burton wirkt eher unvorbereitet. Nachdem Elvis damit
einmal mehr bewiesen hatte, das er seine eigenen Klassiker lieber heute als
morgen vergessen würde, folgt das Highlight der Show. Das opernhafte "An
American Trilogy" wird mit einer fast beängstigenden Perfektion
vorgetragen. Orchester und Chöre sind absolut phänomenal und auch Elvis
scheint den Text förmlich zu leben.
Diese
Nummer ist purer Bombast, Bläser, Streicher, Chöre und ein Sänger, der an
vokaler Großartigkeit und stimmlicher Präsents nicht mehr zu schlagen ist. Ein
überwältigender Vortrag, der ein für alle Male klarstellt, warum man diesem
Mann den "King Of Entertainment" nannte. Nach diesem sensationellen
Vortrag schleudert Elvis seinen Gürtel ins Publikum, und rockt sich
anschließend durch "A Big Hunk O' Love". Obwohl auch dieser Song aus
den 50'ern stammt, wirkt das neue Arrangement absolut zeitgemäß und auch Elvis
scheint seinen Spaß zu haben. Gerade jetzt, da sich die Show zu Ende so
großartig entwickelt, setzt mit "Can't Help Falling In Love" das
Schlusslied ein. Elvis bekommt sein Cape umgehangen, schreitet ein letztes Mal
den Bühnenrand ab und schon erklingt das "Exit Theme". Ein letztes
Posing, eine letzte Verbeugung und der King ist verschwunden. Nachdem das
Publikum den Saal verlassen hatte, nahm Elvis drei Titel seinen 1961'er
Kinoerfolgs "Blue Hawaii" ein zweites Mal auf. Ebenso wurde Gordon
Lightfoot' s "Early Morning Rain" erneut eingespielt. Diese Titel
sollten fürs US - Fernsehen in die Show geschnitten werden, um dadurch einen
weiteren Werbeblock schalten zu können. Das "Aloha From Hawaii"
Konzert kann abschließend aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden. Zum einen
gibt es die kommerzielle Seite. Und die ist wahrhaft überwältigend. Das
Konzert wurde bei seiner Erstausstrahlung von 1,5 Milliarden (!) Menschen
gesehen. Das bedeutet, dass ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung dieses
Fernsehspecial gesehen haben. In Amerika sahen mehr Menschen diese Show, als die
erste Mondlandung. Weitere Rekorde gab es en' Masse: Auf den Philippinen
erreichte die Show eine Quote von 91,8 %, die Sehbeteiligung in Korea lag bei
knappen 80 % und in Japan sahen diese Show 37,8 % der Fernsehzuschauer. Das war
die höchste Sehbeteiligung, die in diesem Land je gemessen wurde. In den USA
lag die Sehbeteiligung bei ca. 51 % und damit ähnlich hoch, wie in den meisten
anderen westlichen Ländern. Dieses Konzert wurde in Europa und den USA
zeitversetzt gezeigt, live gesendet wurde in den fernen Osten und nach
Australien. Lediglich das britische Staatsfernsehen weigerte sich, die
Lizenzgebühr von 20.000 Pfund Sterling zu bezahlen. Die Doppel - LP erreichte
in den USA allein durch die Vorbestellungen Gold - Status und konnte bis auf
Platz 1 der Charts vorrücken. Das Album entwickelte sich zum Dauerbrenner und
wurde bis in die späten 80'er Jahre immer wieder
nachgepresst. 1988 erschien auch die Probeshow vom 12.01.1973 auf LP und CD. Die
eigentliche "Aloha" gibt es seit dem Beginn der 90'er Jahre auf einer
CD. Im Jahre 1998 wurde die Tonspur digital gereinigt und erneut auf einer CD
veröffentlicht. Seit 2000 sind beide Konzerte im Dolby - Digital - Tonformat
auf DVDs erhältlich, in brillanter Bild- und Tonqualität. Bis heute verkauft
sich dieses Event mehr als solide. Elvis selbst konnte damals seinen Stellenwert
als "King Of Entertainment" mehr als eindrucksvoll beweisen und
zementierte sein Image als lebende Legende. Elvis präsentierte sich als
gereifter Künstler und als Perfektionist. Er stilisierte sich zu seiner eigenen
Ikone und legte sein Image für alle Zeiten fest. Und genau daran krankt die
Show. Elvis begnügt sich nur allzu oft damit, die Pose seines Images
einzunehmen. Doch hinter der Pose herrscht Leere. Der Elvis aus dem August 1970,
der voller Energie und Spielfreude zu Werke geht, der schwitzt, der arbeitet und
der Spaß an seiner Arbeit hat, scheint vergessen. Rein äußerlich wirkt Elvis
perfekter denn je. Doch er wirkt wie paralysiert, stocksteif und gelegentlich
müde. Gleichzeitig macht er einen nervösen Eindruck. Er wirkt angespannt und
lethargisch zugleich. Auch ist seine Stimme nicht immer tadellos. Das Memphis -
Konzert aus dem März 1974 (veröffentlicht auf der LP "Elvis Recorded Live
On Stage In Memphis" zeigt deutlich, dass er es besser kann. Trotzdem ist
die Show großartig. Sie zeigt Elvis im Zenit seiner Kariere. Er war zu diesem
Zeitpunkt bekannter als Jesus Christus, der Papst oder die Marke "Coca
Cola". Er war der meistphotographierte Mensch der Erde. Niemand hatte auch
nur annähernd so viele Schallplatten verkauft wie er. Und nun hatten ihm mehr
Menschen zugesehen, als irgendjemandem sonst. Es konnte nur noch bergab gehen...
* Im Gegensatz zum STEREO Verfahren, wird der Ton nicht für zwei, sondern für vier Lautsprecher aufbereitet. Neben den Frontboxen befinden sich hinter dem Zuhörer nochmals zwei Boxen, so dass neben der Breite des Raumes auch die Weite simuliert wird. Dieses Verfahren ist der Vorläufer der heute gängigen Sourround Formate. Die heutigen Tontechniken ergänzen das Quadraphonic Verfahren noch um einen Mittellautsprecher vorn und einen Mittellautsprecher hinten.