1974 - We're Going Up, we're going down...
Governor Jimmy Carter hatte für den achten Januar 1974, dem 39.
Geburtstag des Sängers, den offiziellen "Elvis Presley Tag" in
Georgia ausgerufen. In Memphis selbst fand auf dem Elvis - Presley - Boulevard
eine Parade von etwa 150 Fahrzeugen statt, die von den Bürgermeistern der
Städte Memphis und Tupelo (Elvis' Geburtsort) angeführt wurde. Elvis selbst
zeigte sich auf dem Balkon seiner Villa und winkte
den Fans von dort aus zu. Beruflich startete er das Jahr am 12. Januar. An
diesem Tag begab er sich in die RCA - Studios von Los Angeles, um für seine bevorstehende
Auftrittsreihe im Las Vegas Hilton zu proben. Die Band konnte mit Duke Bardwell
einen Neuzugang verbuchen. Der Bassist ersetzte Emory Gordy, der ab dem
vorherigen Jahr Jerry Sheff ersetzt hatte. RCA Victor veröffentlichte die LP
"A Legendary Performer", auf der neben einigen Titeln aus den
Anfängen von Presleys Karriere auch Outtakes und seltene Liveaufnahmen zu
finden waren. Die Kritiker bezeichneten diese Veröffentlichung als
musikhistorisch signifikant und auch die Verkaufszahlen waren äußerst
zufriedenstellend. Die LP sollte sich besser verkaufen, als die letzen drei
Veröffentlichungen des King zusammen. Bereits zu diesem Zeitpunkt
spielten die alten Aufnahmen und Best - Of - Compilations mehr Geld ein, als LPs
mit neuen Aufnahmen. Am
22.01.1974 flog Elvis nach Las Vegas und setzte dort die Proben fort. Vier Tage
später fand vor ausverkauftem Haus die Opening Show statt. Man hatte das
Eröffnungskonzert um einen Tag verschoben, um nicht mit dem Comeback von Frank
Sinatra, das im Ceasar' s Pallace stattfand, zu kollidieren. Wie in den Jahren
zuvor, so gab es auch bei diesem Engagement zwei Konzerte pro Abend, jedoch
dauerte die Auftrittsreihe lediglich zwei, anstatt vier Wochen. Damit kam
erstmals der Vertrag vom August 1973 zur Anwendung, der auf zwei Jahre
geschlossen worden war. Demnach sollte Elvis in den Jahren 1974 und 1975 jeweils
zwei Konzertserien von jeweils zwei Wochen abhalten. Die Wochengage lag bei
150.000 Dollar, womit Elvis seinen Status als bestbezahlter Entertainer der
damaligen Zeit weiter ausbauen konnte. Neben dem neuen Vertrag
hatte sich auch sonst einiges getan. Als zusätzliche Unterstützung im
Background hatte Elvis die Gruppe "Voice" verpflichtet. Das Repertoire hatte sich
im Vergleich zum August 1973 ebenfalls gewandelt. Die
dramatischen
Balladen waren verschwunden und Elvis setzte wieder mehr auf rhythmische Titel.
So brachte er nach fast einem Jahr Pause wieder "Polk Salad
Annie" und "You've Lost That Loving Feeling". Auch "Sweet
Caroline" war zurück. Als neue Titel kamen "Spanish Eyes" und
"Let Me Be There" hinzu. Mit "Trying To Get To You"
ergänzte er sein Liveprogramm durch einen neuen Oldie und im Laufe des
Engagements fügte er noch die Titel "Why Me, Lord" und das Medley "Blueberry
Hill/I Can't Stop Loving You" hinzu. Elvis zeigte sich bei dieser
Gastspielreihe wesentlich engagierter als im Vorjahr und war bei bester Stimme und
Laune. Auch die Presse lobte ihn wieder und betonte, dass der Entertainer nichts
von seinem Können und Charisma eingebüßt habe. Nicht unerwähnt blieben
natürlich die überschüssigen Kilos, die Elvis seit seinem letzten Auftreten
hier zugelegt hatte. Am 09.02.1974 beendete Elvis die Gastspielreihe. Auf der anschließenden Party überreichte ihm ein Vertreter des
"Billbord Magazine" für die im Vorjahr ausgestrahlte Fernsehshow
"Aloha From Hawaii" den "Trendsetter Award". Am nächsten
Morgen flog Elvis zurück nach Memphis, um sich auszuruhen. Bereits am ersten
März sollte die nächste Tournee starten . Zu diesem Zeitpunkt kam auch die aktuelle
Single "I've Got A Thing About You, Baby" in die Charts. Die
Schallplatte stieg auf dem 90. Platz in die Hitparade ein und erreichte im Zuge
ihres 12 Wochen andauernden Chartaufenthaltes den 39. Platz. Ende
Februar gab
es auch Pressemeldungen, Elvis wolle zu Ostern eine weitere Fernsehshow
produzieren. Die Pläne verliefen allerdings im Sande. Die nächste Tournee sollte
Elvis' längste Tour seit den 50'er Jahren werden. Innerhalb von 21 Tagen gab er 25 Konzerte. Das Highlight der Tournee stellten die Auftritte im Astrodome
von Houston dar. Im Jahre 1970 hatte Elvis den weltweiten Zuschauerrekord in
dieser gigantischen Arena aufgestellt. Am dritten März brach Elvis mit der
Nachmittagsshow seinen eigenen Rekord,
nur um wenige Stunden später für die Abendshow zurückzukehren und diesen
Rekord erneut zu brechen. Insgesamt hatten 88.149 Zuschauer die beiden Auftritte
besucht. Elvis beendete die Tour mit fünf Konzerten im Midsouth Coliseum
in seiner Heimatstadt Memphis. Obwohl die Arena mehr als 12.000 Zuschauer fassen
konnte, waren sämtliche Tickets im Vorverkauf vergriffen. Das Abschlusskonzert der Tour wurde für die
LP "Elvis Recorded Live On Stage in Memphis" mitgeschnitten und im
Juni veröffentlicht. Insgesamt
wirkte Elvis auf dieser Tournee gelöster als in Vegas und war bei guter Stimme.
Auch die Presse war zufrieden und die Konzerte wurden im allgemeinen gelobt.
Diese Tour war nicht nur die längste seit den fünfziger Jahren, sondern auch
die finanziell erfolgreichste überhaupt. Am 20.03.1974, dem letzen Tag der
Konzertreise, wurde Elvis in die "Entertainment Hall Of Fame" in Las Vegas
aufgenommen. In dieser Ruhmeshalle wurden die Entertainer geehrt, die in Las
Vegas besondere Leistungen vollbracht hatten. Da niemand auch nur annähernd so
viele Menschen nach Las Vegas lockte wie er, war diese Ehrung auch voll und ganz
gerechtfertigt. Im März war Elvis in
mehreren Klatschmagazinen mit dem Gerücht vertreten, er plane eine heimliche
Hochzeit (deshalb steht es wohl auch in gleich mehreren Zeitungen). Als Braut waren, je nach Zeitschrift, seine Freundin Linda Thompson
und die Sängerin Bobbie Gentry im Gespräch. Für Gesprächsstoff sorge auch
Colonel Parker. Auf ein Angebot eines Konzertveranstalters über eine Million
Dollar für eine Tour durch Australien reagierte Parker mit der Bemerkung, er
werde auf das Angebot gerne zurückkommen, sollte Elvis einmal eine Million
extra benötigen. Auch weitere Angebote wurden abgelehnt. Ein japanischer
Veranstalter bot 500.000 Dollar für ein einziges Konzert in Japan! Parker ließ
verlauten, dass Elvis bis weit ins Jahr 1976 ausgebucht sein würde und er daher
auf das Angebot nicht eingehen könne. Tatsächlich
stand die nächste Tournee schon auf dem Plan. Diesmal tourte Elvis für vier Tage
durch Kalifornien. In der Zeit vom 10. bis zum 14. May gab er fünf Konzerte. In
Los Angeles traf er mit der Gruppe "Led Zeppelin" zusammen. Für
Elvis' Kumpel und Bodyguards war das eine aufregende Sache, war die Rockgruppe
doch die angesagteste Band der damaligen Zeit. Elvis selbst interessierte das
alles wenig, er musste sich im Vorfeld des Treffens zunächst aufklären lassen,
wer "Led Zeppelin" überhaupt waren. Ebenso wie Elvis' Angestellte, so
waren auch Jimmy Page und Robert Plant, die Köpfe der Band, aufgeregt.
Insbesondere Robert Plant war großer Elvisfan und brachte zunächst kein
einziges Wort heraus, als er seinem Idol gegenüber stand. Die Atmosphäre
lockerte sich schließlich, ein paar von Elvis' Bodyguards ließen sich Zeppelin
- Alben signieren und die Rocker von "Led Zeppelin" ließen sich von
Elvis Autogramme schreiben. Bei der Verabschiedung sangen Elvis und Robert Plant
schließlich den 1956' er Hit "Love Me" auf dem Hotelflur. Nicht nur
dieses Treffen, auch die gesamte Blitztournee spiegelte Elvis' gute Laune
wieder. Die Kritiker lobten ihn und stellten fest, dass sich der King äußerst
souverän durch seine Shows bewege und, nach einigen, eher lustlosen Konzerte
des letzten Jahres, seine Freude an Konzerten offenbar wiedergewonnen habe. Kritik gab es von kirchlicher Seite allerdings für das
"Stamps Quartett". Einige "Hardcore - Christen" verübelten
es der Gospelgruppe, einen so "umstrittenen" Sänger zu begleiten.
Dass Elvis sein Rocker - Image seit nunmehr fünfzehn Jahren abgelegt hatte und
von der Öffentlichkeit inzwischen als eine Art Kulturgut gesehen wurde, schien
den Verfassern dieser Artikel entgangen zu sein. Direkt nach dem
Ende der Tour flog Elvis nach Stateline (am Lake Tahoe), wo er in "Del Webb's Sahara Tahoe Hotel"
für die Zeit vom 16. bis zum 27. Mai für eine Gastspielreihe gebucht worden
war. In dieser Zeit waren 24 Konzerte angesetzt, wovon allerdings zwei wegen
Grippe ausfielen. Während dieser Auftrittsreihe zeigte sich Elvis von seiner
besten Seite. Er war gut gelaunt und seine Konzerte waren von einer entspannten
Ironie auf seine Person getragen. Als neue Titel inkludierte er "Big Boss
Man" und "It's Now Or Never" in sein Programm. Auch sonst zeigte
er sich flexibel und variierte die Show häufig. Nachdem die
Gastspielreihe mit der offiziellen Closing - Show beendet war, erklärte sich
Elvis aufgrund der vielen Fans, die noch immer im Foyer des Hotels warteten, zu
einer weiteren Show bereit. Zur Freude der wartenden Menge öffneten sich die
Türen des Showrooms um 3.00 Uhr morgens somit ein letztes Mal. Etwa 80 Minuten
später war auch dieses Konzert zuende und Elvis flog zurück nach Memphis. Am 08. Juni
brachte RCA Victor die neue Single "If You Talk In Your Sleep" in die
Läden. Das Lied war von Bodyguard Red West geschrieben worden und erreichte den
17. Platz der Hitparade. Am 15. Juni bereits begann die dritte Tournee des
Jahres und wieder brach Elvis einen Hallenrekord nach dem anderen. Sein Programm
war vielseitig und deckte fast alle gängigen Musikstiele ab. Einige der
Kritiker allerdings fanden, seine Show sei über die Jahre zu glatt und
stromlinienförmig geworden. Auch sei Elvis der jugendliche
Touch abhanden gekommen, der ihn seit den 50'ern umgab. Allerdings übersahen
diese Journalisten, dass Elvis bereits seit zwanzig Jahren im Geschäft war und
der vierzigste Geburtstag vor der Tür stand. Das Alter schien also auch den
King of Entertainment nicht zu verschonen, auch wenn sich die Einsicht, dass es
sich bei Elvis Presley um einen normalen, Sterblichen handelt, noch nicht ganz
durchgesetzt zu haben schien. Aber trotzdem war der große Teil der
Kommentare positiv und der anhaltende Erfolg beim Publikum gab Elvis recht. Nach
dem Ende der Tour flog Elvis am 02. Juli nach Memphis zurück, wo er unter
anderem eine Karate - Demonstration und ein Footballspiel des örtlichen Teams,
den "Memphis Southmen", besuchte. Gegen Ende des Monats flog Elvis mit seinen
Kumpeln nach Hawaii. In diesen Tagen erschien auch die LP "Elvis Recorded
Live On Stage In Memphis", die am 20. März 1974 aufgenommen worden war.
Das Album kam bis zum 33. Platz der LP - Charts und konnte sich 13 Wochen in den
Top 100 halten. Am 12. August begab sich Elvis nach Las Vegas und probte dort
ausgiebig für seine kommende Gastspielreihe. Am 19. August eröffnete Elvis
sein 11. Engagement im Hilton mit einer ungewöhnlichen Show. Er hatte sein
Programm vollständig umgekrempelt. Statt dem üblichen "Also Sprach
Zarathustra" wurde nur ein Schlagzeugstakkato gespielt, das in "Big
Boss Man" mündete. Elvis brachte fast ausschließlich aktuelles Material,
ergänzt um Konzerthighlights der letzten Jahre. Selbst die Oldies waren
ungewöhnlich. Statt der großen Hits bot er "Down In The Alley",
einen Bonussong der 1966'er Soundtrack - LP "Spinout" und "My
Baby Left Me". Als einzige, wirkliche Hits brachte er "Love Me
Tender" und "Hound Dog". Besonders bei letzterem war sein
Desinteresse offensichtlich. Die Kritik lobte die neue Show und unterstrich,
dass Elvis auch nach zwanzig Jahren im Showgeschäft noch zu Veränderungen
gewillt war. Für die Fans allerdings war dieser Wechsel zu radikal. Das
Massenpublikum wollte den alten Elvis wiederhaben. Die Fans wollten weder
anspruchsvolle Vorträge, noch künstlerische Weiterentwicklung. Sie wollten den
Elvis, der im Glitzeranzug über die Bühne schreitet, seine Tücher
verteilt, Hände schüttelt und die goldenen Hits der Vergangenheit singt. Und
somit hielt sich der Applaus in Grenzen. Elvis zeigte sich mehr als irritiert,
ob der Verweigerung der ansonsten gewohnten, bedingungslosen Begeisterung. Schon
am nächsten Tag kehrte er zum alten Format zurück und ergänzte nur hier und
dort einen Song. Obwohl Elvis bei den meisten Konzerten gut gelaunt und
zufrieden schien, nagte die Enttäuschung der Opening - Show. Er wollte
Balladen, Gospel und Country singen, die Fans aber wollten ihn als lebendes Best
- Of - Album, das einen Hit nach dem anderen abliefert. Und so ließ er sich gehen.
Seine Diät warf er über den Haufen und legte innerhalb der nächsten Wochen
rasant an Gewicht zu. Auch sein Konsum an Medikamenten dürfte in dieser Zeit
recht hoch gewesen sein. An einem Tag wurden sogar beide Konzerte gestrichen.
Als Begründung wurde eine Grippe angegeben. Zwar grassierte die Krankheit in
diesen Tagen tatsächlich in Las Vegas, nur darf eine Infektion bei Elvis
bezweifelt werden. Schon bei vorherigen Gastspielreihen war der King an
Erkältungen und grippalen Infekten erkrankt. Doch immer ließ sich der Verlauf
der Krankheit an den Konzerten nachvollziehen. Die Auftritte wurden immer
schwächer und kürzer und Elvis immer blasser und kränker. Dann konnte man
wieder den umgekehrten Trend beobachten. Diesmal jedoch gab Elvis eine, laut
Presse und Fanmagazinen, sehr gute Show, war am nächsten Tag angeblich
dermaßen von der Grippe geplagt, dass ein Auftritt unmöglich war. Bereits am
folgenden Tag erschien der King bei bester Gesundheit auf der Konzertbühne -
von Erkältungen oder sonstigen Anzeichen einer Krankheit keine Spur. Auch in
seinem Verhalten änderte sich einiges. Von Auftritt zu Auftritt wurden seine
Monologe länger und länger. So demonstrierte er ausgiebig verschiedene Karate
- Figuren und erklärte auch einmal für zwanzig (!) Minuten die Bedeutung des
Karate - Sports. Auch das Gerücht, er habe ein Drogen - Problem, wurde
ausgiebigst behandelt. Durch die vielen Monologe und das ausgiebige Eingehen auf
Zuschauerwünsche verlängerten sich die Konzerte häufig von den geplanten 45
bis 60 Minuten auf 100 bis 120 Minuten. Da es pro Tag zwei Konzerte gab, geriet
die Planung zum erneuten Eindecken der Tische im Showroom und dem Einlass der
Zuschauer für die zweite Show zumeist völlig durcheinander. Der
Höhepunkt dieses bizarren Verhaltens wurde zur Closing - Show erreicht. Unter
anderem war auch seine Ex - Ehefrau, Priscilla Presley, im Saal. Schon während
der Ballade "It's Midnight", einem Lied über eine verlorene Liebe,
starrte er unentwegt auf Priscilla und schien den Tränen nahe zu sein. Auch
"You Gave Me A Mountain" zeigte ihn als Mann mit ernsthaften,
emotionalen Problemen. Teilweise sprach er den Text, teils schrie er die Worte
förmlich heraus, als habe er jede Kontrolle über sein Verhalten verloren. Nach diesem
Vortrag betonte er, dieses Lied habe mit ihm nichts zu tun und ließ sich dann
en' Detail über seine Scheidung und sein derzeitiges Verhältnis zu Priscilla
aus. Insgesamt gab er das Bild eines völlig verstörten Menschen ab. Über
dieses Engagement kann man zwei wesentliche Dinge feststellen. Musikalisch
zeigte sich Elvis sehr flexibel, bei hervorragender Stimme und (trotz der
Zurückweisung des Publikums beim Eröffnungsabend) sehr motiviert. Zwischen den
Vorträgen aber, schien er oft abgelenkt, unkonzentriert und streckenweise, wie
etwa am Abschlussabend, sogar verstört. Alles in Allem schien der Mann Probleme
zu haben. Im Zuge
dieser Auftrittsreihe fand auch der Besuch von
Barbara Streisand statt. Sie bot
Elvis in ihrem Film "A Star Is Born" die zweite Hauptrolle an. Elvis
war begeistert, doch Colonel Parker lehnte mit der Begründung ab, Elvis spiele
niemals nur die zweite Hauptrolle. Der wahre Grund schien aber ein ganz anderer
zu sein. Elvis konnte durch Konzerttourneen in der gleichen Zeit, die er mit dem
Filmdreh beschäftigt gewesen wäre, durch Tourneen wesentlich mehr Geld
verdienen. Ebenfalls nicht unbedeutend, wenn nicht sogar der Hauptgrund, dürfte
Elvis' Abhängigkeit von diversen Medikamenten gewesen sein. Während seiner
zumeist einstündigen Shows konnte Elvis dem Publikum den Eindruck eines vitalen
und gesunden Menschen vermitteln. Bei der Produktion eines Spielfilms aber,
hätte er den ganzen Tag unter Beobachtung gestanden. Eine Medikamentensucht und
die Nebenwirkungen der Substanzen wäre wohl nicht verborgen geblieben. Zwar
gefällt diese Erklärung den wenigsten Fans, aber man sollte diese Überlegung
zumindest in Betracht ziehen. Am 05. September schließlich kehrte
Elvis nach Los Angeles
zurück. In Twin Falls besuchte er den Rekordversuch von Stuntman Evil Knievel,
der mit einer selbstgebauten Rakete über einen Canyon schießen wollte (der Versuch
scheiterte). Auch nahm er an einem Karatetraining teil, das auch gefilmt wurde.
Später wurde bekannt, dass Elvis bei einem Karatefilm namens "The New
Gladiators" als Erzähler mitwirken wolle - auch dieses Projekt verlief im
Sande. Neben diesen Aktivitäten fand Elvis noch genug Zeit, um auf mehreren
Einkaufstouren elf Fahrzeuge der Marken Stutz, Lincoln und Cadillac zu kaufen.
Nichtsdestotrotz war sein Zustand verheerend. Und die nächste Tour sollte das
schonungslos aufzeigen. Die vierte Tournee des Jahres startete am 27.
September und lief bis zum 09. Oktober. 15 Shows sollten in dieser Zeit
stattfinden. In der Pause zwischen dem Las Vegas Engagement und der Tour hatte
er dramatisch an Gewicht zugelegt. Sein Konsum an Medikamenten hatte einen Punkt
erreicht, den man als durchaus kritisch bezeichnen konnte. Ein Bodyguard
berichtete, dass Elvis am ersten Tag
der Tour mit einer Limousine zum Flughafen gefahren wurde. Die Türen wurden vom
Fahrer geöffnet - und Elvis kippte seitlich aus dem Fahrzeug. Er weigerte sich,
sich helfen zu lassen und schleppte sich ins Flugzeug. Die erste Show fand im
College Park von Maryland vor etwa 15.000 Fans statt. Es war eine Katastrophe.
Ein völlig zugedröhnter Elvis stolperte über die Bühne. Auch hier hielt er
langatmige, wirre Monologe und ging auf alles und jedes ein. Wieder dementierte
er alle Gerüchte, er hätte ein Drogenproblem und wieder jubelten ihm die Fans
dafür zu. Seine Anhänger mochten mit Blindheit geschlagen sein - die Presse
war es nicht und stellte ihm vernichtende Kritiken aus. "War das wirklich
Elvis Presley im
Expo - Center?" fragte der Indianapolis Star. Die Tour war
eine einzige Achterbahnfahrt. In den Städten South Bend und St. Paul wurden die
Konzerte hoch gelobt. Auch in Dayton lieferte Elvis zwei tadellose Shows. An
diesen Tagen war das Programm anspruchsvoll und Elvis wurde seinem Ruf als King
Of Entertainment voll und ganz gerecht. Aber an den meisten Tagen war er high,
schlecht gelaunt und nur ein Schatten seiner selbst. Mies war auch die Stimmung
bei den Fans. Colonel Parker hatte verfügt, dass 60 % aller Plätze in den
Arenen zum Höchstpreis zu verkaufen seien. So kam es, dass Fans den Top - Preis
zahlten, aber trotzdem irgendwo hinten saßen. War die Show dann zusätzlich
noch schlecht, hatte sich das Thema "Elvis Presley" für diese Leute
wohl erledigt. Aber anstatt sich zu besinnen und Hilfe anzunehmen, flog Elvis
direkt vom letzten Konzert der Tournee nach Stateline. Da im Mai im
"Sahara" Hotel einige Konzerte ausgefallen waren, holte er diese Shows
nun nach. Im Gegensatz zur Tournee wirkte Elvis bei diesen Konzerten
aufgeräumter und bei besserer Verfassung. In dieser Zeit wurde
auch in Kalifornien ein Prozess gegen zwei von Elvis Bodyguards geführt. Sie
wurden beschuldigt, bei seinem Tahoe - Gastspiel im Mai einen Mann
zusammengeschlagen zu haben. Der Fall wurde eingestellt. Schon im September war
von Parkers eigenem Label "Boxcar" eine LP mit dem Titel "Having
Fun With Elvis On Stage" veröffentlicht worden. Auf dieser Platte waren
keine Lieder, sondern nur Bühnenmonologe und Gags enthalten. Elvis war diese
Veröffentlichung äußerst peinlich, da die Sprüche ja nur für den Moment im
Konzert gedacht waren. Zwar war Elvis kein Komiker und nicht alles auf der LP
war wirklich witzig, aber dennoch verkaufte sich das Album kurioserweise ebenso
gut, wie die regulären LPs. Im Oktober 1974 erschien schließlich die Single
"Promised Land". Mit dieser Veröffentlichung bot Elvis seinen Fans
endlich wieder das, was sie von ihm hören wollten - Rock'n Roll. Die
Schallplatte erreichte Platz 14. Im November 1974 kam das Gerücht auf, Elvis
überschütte Priscilla mit Geschenken und habe sie mehrfach gebeten, ihn erneut
zu heiraten. Diese Meldungen dürfen aber bezweifelt werden. Im Dezember gab das
Hilton Hotel in Las Vegas bekannt, Elvis
werde dort zwischen dem 26. Januar und
dem 09. Februar 1975 auftreten. Zur Weihnachtszeit spendete Elvis, wie jedes
Jahr, großzügig an verschiedene karitative Einrichtungen in Memphis und Tupelo.
Das Weihnachtsfest wurde in aller Stille in Graceland verbracht. Am Silvesterabend gab er eine Party, auf der er sich allerdings nur
für eine knappe halbe Stunde sehen ließ. Seine Freunde machten sich große
Sorgen um ihn. Sorgen machte sich auch Vernon Presley, Elvis' Vater und
Finanzmanager. Elvis hatte im Jahre
1974 mehr Geld eingenommen, als jemals zuvor. Auch nach zwanzig Jahren war er
der Top - Verdiener im Entertainment, aber er war auch der größte
Verschwender, den man sich vorstellen kann. Trotz der für die damalige Zeit
riesige Gesamteinnahme von mehr als sieben Millionen Dollar, hatte er am
Jahresende kaum Geld auf der Bank. Elvis hatte alles durchgebracht...