Tumor


Diese  Seite ist so ein bi�chen eine Abschiedsseite. Zum Abschied nehmen ist es nat�rlich noch etwas fr�h. Die Gestaltung einer Seite ist aber doch zeitaufw�ndig. Au�erdem wei� ich nicht, ob ich dazu komme Abschied zu nehmen., wenn es wirklich Zeit ist.

Aufgrund an sich l�cherlicher Beschwerden war ich am 01. April 2008 zu einer Untersuchung in der Neurologie des J�dischen Krankenhauses in Berlin-Wedding, wo ein zun�chst eher harmlos erscheinender Gehirntumor festgestellt wurde. Ich sollte aber im Krankenhaus bleiben, wurde dann in die Neurochirurgie des Charite verlegt, die sich im Virchow-Klinikum ebenfalls in Berlin-Wedding befindet. Dort wurde ich am 16. April operiert. Die genaueren Untersuchungen hatten bereits im Vorfeld der Operation erkennen lassen, dass der Tumor an einer saubl�den Stelle sitzt. Bei der ca. 5 - 6 st�ndigen Operation konnte er dann auch nicht entfernt werden; es wurde nur eine Probe zur Untersuchung genommen. - Das Ergebnis dieser histologischen Untersuchung war leider denkbar ung�nstig, ein sogenanntes
Glioblastom multiforme WHO Grad IV. Der Radiologe der Strahlenklinik kl�rte mich in einem sehr menschlich und offen gef�hrten Gespr�ch dar�ber auf, dass die Chancen auf eine Heilung gering sind und dass es zwar durchaus Patienten gibt, die noch einige Jahre in guter Lebensqualit�t haben, dass andererseits aber die meisten eher noch mit Monaten als mit Jahren rechnen m�ssen. Ab dem 15. Mai beginne ich mit einer kombinierten Bestrahlungs- und Tablettentherapie, die ca. 6 Wochen dauern soll. Wie es dann weiter geht, h�ngt von der Wirkung der Behandlung ab. Aus �rztlicher Sicht, ist es wohl vorrangig ein Kampf um Zeit und Lebensqualit�t. Die Chancen auf eine abschlie�end erfolgreiche Bek�mpfung des Tumors sind sehr gering.

Ich bedauere nat�rlich, meine Familie, Freunde, Kollegen und �berhaupt diese Welt voraussichtlich in absehbarer Zeit verlassen zu m�ssen. Ich habe aber einen starken Trost. Ohne eigenes Zutun, ohne jeden eigenen Verdienst, habe ich mich mit Bekanntwerden des Tumors innerlich verwandelt. Ich war zwar seit gut f�nf Jahren in unserer Kirchengemeinde aktiv. Dies war aber ein rein gesellschaftliches, musikalisches bzw. soziales Engagement. Mit den Glauben war es bei mir nicht weit her. Beim Beten hatte ich nie das Gef�hl, dass mein Gebet weit kling und irgendwo ankommt. Buchst�blich in dem Moment, in dem mir der Arzt erstmals von dem festgestellten Tumor erz�hlte, war es, als ob jemand in mir einen Kippschalter umgelegt h�tte. Ich empfand sofort und seither durchgehend ein Gef�hl heiterer Gelassenheit, in dem mich eigentlich nur das Bewusstsein belastet, dass ich meiner Familie, vor allem meiner Frau und meiner Tochter, viel Kummer und Leid verursache. Erst nach den weiteren Untersuchungen und Gespr�chen erkannte ich hinter bzw in dem heiter-gel�sten Gef�hl meinen pl�tzlich erwachten Glauben und mein Vertrauen auf Gottes weisen Ratschluss.

Wenn die �rzte mit ihrem Latein am Ende sind, kann Gott allein helfen. Ich wei� nicht, ob es sein Plan ist, dass ich lange lebe. Ich wei� aber, dass er seine guten Gr�nde hat, wenn er sich anders entscheidet. Dass er sich f�r einen Weg entscheidet, der mir noch viel gemeinsame Zeit mit der Familie l�sst, daf�r bete ich. Ja, ich kann jetzt beten. Es ist, als ob ein Haufen Erde und Ger�ll, die mir bisher den Weg zu Gott versperrt h�tten, pl�tzlich an Seite ger�umt w�re. Ich behaupte nicht, dass unser Herrgott mir antwortet. Er verr�t mir seinen Plan nicht.  Aber ich habe das sichere Gef�hl, dass er mir zuh�rt. Und ich muss sagen, das ist ein tolles Gef�hl! - Ich wei� wirklich nicht, was da in mir vorgegangen ist. Ich selbst habe nichts dazu getan und kann leider auch niemanden verraten, wie er oder sie in einer schweren Situation in so eine positive Stimmung kommen kann. Ich betrachte es als Gnade Gottes, die ich einfach nur dankbar annehmen kann.Ich habe - zumindest derzet (09.05.) keine Angst, keine Schmerzen und abgesehen von dem Mitleid f�r meine Familie auch keine wesentlichen Sorgen. Ich f�hle mich begnadet, obwohl ich wei� und bedauere, dass ich bzw. meine Krankheit vor allem f�r meine Frau und meine Tochter eine schwere Belastung bin bzw. ist. Sie sind diejenigen, die am schwersten zu tragen haben. So bete ich, dass Gott ihnen Kraft gebe und seine sch�tzende Hand �ber sie halte.

Ich bin wie gesagt seit dem 1. April durchgehend in einer heiter gel�sten Stimmung. Dass ich von einem Taubheitsgef�hl und etwas gest�rtem Gleichgewichtssinn abgesehen, keine Beschwerden habe, erleichtert es mir nat�rlich. Ganz wichtig ist mir aber die Unterrst�tzung der Familie, nicht nur der engeren, sondern auch von verwandtschaftlich oder geografisch entfernteren Verwandten, von Freunden, von Kollegen und vielen Schwestern und Br�dern unserer Kirchengemeinde. So viele liebe Menschen, nicht nur in Deutschland, denken an mich,  hoffen f�r mich, beten f�r mich. Das gibt mir Mut und Kraft. Betet auch Ihr f�r mich!

Ich m�chte bei dieser Gelegenheit den �rzten, aber auch und vor allem den Schwestern und Pflegern sowohl des
J�dischen Krankenhauses als auch der Neuochirurgie des zur Charite geh�renden Virchow-Klinikums danken. Obwohl die Schwestern und Pfleger durch zus�tzliche Aufgaben und weniger Personal ersichtlich weit st�rker belastet waren, als ich dies vor gut 20 Jahren anl�sslich meiner Lungenentz�ndung beobachtet habe, waren alle ohne Ausnahme jederzeit freundlich und hilfsbereit, selbst wenn es bereits der 6. oder 7. Dienst in Serie war und die Dienste oft durch ungeplante �berstunden wesentlich l�nger geworden waren. Wie die Schwestern und Pfleger trotz zweifellos erheblichen Stresses immer freundlich und hilfsbereit gegen�ber Patienten und Besuchern geblieben sind, ja sich nachgerade liebevoll um uns gek�mmert haben, das war phantastisch !!!


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