Lily Evans 1. Schuljahr
1. Kapitel
„Lily! Petunia!“, die Stimme von Lilys Mutter hallte durch das ganze Haus. Lily stürmte aus ihrem Zimmer, rief: „Ich komme ja schon!“ und rutschte das Treppengeländer herunter. Ihre ältere Schwester Petunia dagegen pfiff verächtlich durch ihre Zähne und ging mit klackernden Absätzen ihrer Schuhe die Treppe hinunter.
„Petunia!“, ertönte wieder die Stimme ihrer Mutter, „Vernon kommt gleich und holt euch wieder zum Spielen ab.“ Petunia hörte ihre kleine Schwester aufstöhnen, als auch sie die Küche betrat. „Mam, wieso kann Petunia nicht mit ihm alleine spielen? Ich würde gerne mal wieder mit Persie spielen.“ Persie strich ihr um die Füße, denn Persie war eine Perserkatze, die zurzeit leider sehr viele von ihren roten Haaren verlor.
Lily hasste es mit Vernon zu spielen, denn er war immer hundsgemein zu ihr. Er wohnte nebenan und kam fast jeden Samstag zum Spielen herüber.
„Nein mein Schatz, ich muss mit Persie zum Tierarzt, dass ist ja nicht mehr normal mit seinem Haarausfall!“, erklärte Lilys Mutter und stellte sich ans Spülbecken.
Petunia nahm sich die Butter und bestrich ihr Brot damit hauchzart, damit sie bloß nicht zuviel Fett zu sich nahm. Lily dagegen tat ordentlich viel Butter und Marmelade auf ihr Brot und trank 2 Tassen heiße Schokolade.
„Petunia, du musst mehr essen, sonst kriege ich noch Angst, du hättest Magersucht!“, tadelte Mutter Evans und trocknete eine Salatschüssel ab und stellte sie in den Küchenschrank.
Petunias Gesichtszüge verhärteten sich nur und sie zupfte an ihren Haaren herum. Sie waren perfekt zu einem Dutt oben auf dem Kopf geschlungen, sodass kein einziges Haar lose durch die Gegend hin. Sie waren rabenschwarz, genauso wie ihre Augen. Ihr Gesicht war sehr schmal, die Augenbrauen waren sehr dünn und ihr Kinn war sehr spitz.
Doch Lilys Haare hatten ein leuchtendes rotkastanienbraun, die wellig auf ihre Schultern herab fielen und heute Morgen noch nicht gekämmt waren. Ihr Gesicht war oval, nicht zu dick, nicht zu dünn, ihre Augenbrauen normal und ihre Augen funkelten braungrün.
Petunia tupfte sich die Krümel mit einer Serviette aus dem Gesicht, Lily nahm ihren Ärmel und wischte sich einmal damit über den Mund.
Da klingelte es auch schon an der Haustür. Petunia stand bedächtig auf und drückte die Türklinke herunter. „Na Petunia?“, schmeichelte sie der dicke Nachbars Junge. Seine Augen quollen ein bisschen hervor und sein dickes, rotes Gesicht war mit einer dünnen Schweißhaut bezogen. Petunia ließ den Nachbarn herein und ging zurück in die Küche. Dort nahm sie ihr Geschirr, wusch es ab und stellte es sorgfältig in den Schrank. „Ich zeige Vernon dann mal meine neue Puppe.“, rief sie und schon waren die beiden in Petunias Zimmer verschwunden.
„Puppen“, murrte Lily und bekam fast einen Brechreiz. Sie hasste diese Puppen, die wie hypnotisiert und mit glasigen Augen durch die Gegend starrten und deren Augen mit einem Glucksen zuklappten, wenn man sie hinlegte.
Lily stand auf und beschloss die Post aus dem Briefkasten zuholen, vielleicht war ja etwas Interessantes dabei. Sie schlüpfte in ihre wolligen Puschen und huschte über die Küchenfliesen hinweg. Die Haustür stand noch offen, sodass ein kühler Wind ins Haus strömte. Der Briefkasten quietschte wie immer kläglich, sodass sich Lily wie immer die Ohren zu halten musste. Sie schaute in das Innere des rostigen Kasten und entdeckte ein dutzend Briefe. Das war nicht sonderlich erstaunlich, denn ihre Eltern bekamen immer viel Post.
Lily fischte die Briefe heraus und hopste damit ins Wohnzimmer, wo sie den Stapel auf den Tisch legte. Jetzt würde sie die einzelnen Umschläge sortieren, nach Mama und Papa, für die beiden Kinder war gewöhnlich nichts dabei.
Grob durchwühlte sie den Stapel und stutzte, da war doch tatsächlich ein Brief für sie. Er schien ein bisschen alt und die Tinte war vom Regen etwas verlaufen, trotzdem stand dort klar und deutlich: An Lily Evans, Simphonyway 16, erster Stock - zweite Tür rechts, 56007 Little Uspontown
Oben rechts sah sie ein Grünschimmerndes Wappen: Hogwarts stand in verschlungenen Lettern da.
„Lily?“, rief ihre Mutter, „Lily? Wo steckst du?“ Ihre Mutter kam mit dem Geschirrtuch in die Hand. Verwirrt schaute sie erst auf den Brief, den ihre Tochter in der linken Hand hielt und dann auf ihre rechte Hand, die einen Brieföffner hielt.
„Was tust du da? Wieso öffnest du unsere Post?“, fragte sie mürrisch, blieb aber im Türrahmen stehen. „Das ist nicht eure Post!“, giftete Lily, „Der Brief ist für mich!“ Sie warf ihre Mähne über die Schulter und öffnete den Brief mit einem Ratsch.
„Ein Brief für dich?“, fragte Mrs Evans ungläubig und trat neben ihre Jüngste. „Hogwarts“, las sie, „Was ist das?“ Lily zuckte mit den Schultern und nahm einen gefalteten Pergamentbogen aus dem Briefumschlag.
Wispernd las sie vor:
„Sehr geehrte Lily Evans!
Wir von der Hogwarts (Schule für Hexerei und Zauberei) freuen uns, dass wir Sie in unserer Mitte aufnehmen dürfen.
Nachforschungen haben festgestellt, dass Sie eine Hexe sind, obwohl sie muggelstämmige Eltern haben (nichtmagische Eltern).
In Hogwarts wirst du die verschiedensten Arten von Zauberei erlernen, wir würden uns freuen Sie begrüßen zu können. Wir warten auf eine Rückmeldung.
Anbei liegt eine Liste der benötigten Utensilien für den Unterricht.
Mit freundlichen Grüßen
M. McGonagall
(Stellvertretende Schulleiterin)
P.S. Halten Sie bitte ihr Geheimnis für sich und ihre Familie!!“
Lilys Stimme war immer leiser geworden und nun endlich verstummt. Mit glasigen Augen schaute sie auf das Stück Papier, das ihre zittrige Hand hielt. „Eine Hexe?“, Mrs Evans konnte es nicht glauben, „Es gibt doch gar keine Hexen!“ Lily zuckte mit den Schultern: „Vielleicht doch. Erinnerst du dich noch, als Petunia und ich uns um Persie gestritten haben? Ich konnte ehrlich nichts dafür, doch auf einmal war ein Buch wie aus Geisterhand aus dem Regal geflogen und hat Petunia ins Gesicht geschlagen.“ In Lily drehte es durch, war sie wirklich eine Hexe. War sie es wirklich? Mrs Evans nickte kaum merklich und flüsterte: „Stimmt, ich erinnere mich. Du bist eine Hexe, zweifelslos!“
Bevor Lily richtig verstand was geschah, fand sie sich in einer festen Umarmung ihrer Mutter vor, die immer wieder keuchte: „Eine kleine Hexe! Das müssen wir unbedingt deinem Vater erzählen.“ Sie wollte schon durch das Haus rufen, doch Lily hielt ihr geistesgegenwärtig den Mund zu: „ Bist du verrückt? Vernon und sowieso die Nachbarn dürfen das nicht merken. Das stand doch in dem Brief.“ Mutter Evans zuckte zusammen, nickte dann und sagte zerstreut: „Stimmt ja, habe ich ganz vergessen...“ Lily zog jetzt ein zweites Stück Pergament aus dem Umschlag und sah eine Reihe von unbekannten Dinge: „Kessel, Normgröße 2 aus Zinn? Buch der Zaubersprüche Band 1? 3 Garnituren einfache Arbeitskleidung (schwarz)? Ein Zauberstab?“ Auf dem Papier wimmelte es nur so von unbekannten Begriffen: „Woher sollen wir das alles kriegen?“ „Schau mal, hier!“, sagte ihre Mutter und entnahm dem Brief einen letzten Zettel, der mehr eine Notiz war: „Die Einkäufe können Sie in der Winkelgasse in London erledigen. Wie Sie dorthin kommen? Gehen Sie einfach in das Hotel „Tropfender Kessel“ und legen Sie dem Besitzer diesen Brief vor, er wird Ihnen sicherlich behilflich sein! Dort können Sie dann auch die Zugkarte für den Hogwartsexpress kaufen.“
Lily war reichlich wirr im Kopf: „Und du bist dir sicher, dass mich da keiner veräppeln will?“ Ihre Mutter schüttelte den Kopf: „Natürlich nicht! Schau doch mal, da ist sogar ein Siegel drauf!“ Mrs Evans zeigte auf einen rubinroten Siegel, der das Wappen von Hogwarts zeigte. „Hufflepuff? Ravenclaw? Gryffindor und Slytherin? Was sind das denn für Namen?“, fragte sie sich, „Na, das kriege ich schon raus!“
Beim Abendessen herrschte Tumult. „Wie? Du bist eine Hexe?“, fragte Mr Evans und sein Schnauzer war verklebt von der Suppen. Er saß richtig geschockt auf seinem Stuhl. Fragen schaute er seine Frau an: „Wirklich? Das ist ja wundervoll! Ich habe mir schon immer gedacht, dass unsere kleine Lily etwas ganz besonderes ist.“ Er kam um den Tisch und umarmte die 11-Jährige herzlich. Petunia saß mit harter Mine am Tisch und gab den ganzen Tag nichts weiter als Zischlaut und verächtliche Handbewegungen von sich. Den nächsten Tag verbrachte sie vollkommen bei Vernon.
Schon am nächsten Morgen setzte sich Lily noch im Schlafanzug an den Tisch und schrieb ihre Antwort:
Sehr geehrte Schulleitung von Hogwarts!
Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass ich gerne auf Ihre Schule gehen mag.
Ich werde dann am 20. August den Express nach Hogwarts nehmen.
Vielen Dank,
Lily Evans
Sie faltete den Brief säuberlich zusammen und steckte ihn in einen Umschlag. Moment mal! Sie hatte ja gar keine Adresse! Sie kaute auf ihrer Lippe und dachte nach, als sie plötzlich ein leises Klopfen an der Fensterscheibe hörte. Sie blickte auf und konnte kaum glauben, was sie da sah: Vor ihrem Fenster flatterte ein Steinkauz immer auf und ab, klopfte an die Scheibe und hatte am rechten Band einen Brief festgebunden.
Lily stürmte ans Fenster und öffnete es. Der Kauz flog herein und setzte sich klackernd auf ihren Schreibtisch. Vorsichtig öffnete Lily den Riemen, der den Brief an das Bein der Eule festband. Dann rollte sie das Pergament auf und las:
„Nehmen Sie diese Eule für die Anmeldungsbestätigung und geben Sie ihr ein Stück Wurst.“ Ein Stück Wurst? Doch dann wurde ihr klar warum, denn die hungrige Eule kam auf ihre Hand zu und wollte sie schnappen, doch Lily zog sie zurück und lief hinunter in die Küche, wo sie aus dem Kühlschrank ein Stück Wurst mopste.
Dann hüpfte sie wieder die Treppe herauf, fütterte die Eule und rollte ihre Antwort zusammen. Komische Sitten haben diese Zauberer und Hexen! Dann band sie die Antwort fest und trug die Eule zum Fenster. Der Steinkauz entfaltete seine großen Schwingen und war auf und davon. Kopfschüttelnd ging Lily zurück in ihr Zimmer. Heute Nachmittag würde sie mit ihrer Mutter nach London fahren, um die Einkäufe zu erledigen.
London sah gar nicht danach aus, als ob man dort so etwas wie einen Zauberstab kaufen konnte. Lily und ihre Mutter gingen drei Mal die Straße, in der sich der Tropfende Kessel befinden sollte, auf und ab, bis sie endlich das schmuddelige Hotel fanden. Quietschend öffneten sie die Eingangstür und schauten misstrauisch hinein.
Es gab eine große, hölzerne Theke, um die ein paar merkwürdige Zauberer in langen, schwarzen Mäntel und einem schwarzen Spitzhut auf dem Kopf sich versammelt hatten. Der Wirt spülte gerade ein paar Bierkrüge und schaute auf, als die beiden sein Haus betraten.
Er kam hinter der Theke hervor, er trug ebenfalls einen langen, aber dunkelgrünen Umhang und empfing sie: „Kann ich Ihnen behilflich sein?“ Mrs Evans, die Lily bei der Hand nahm, sagte zu ihm: „Wir wollten Einkäufe machen, wir sollen Ihnen einen Brief zeigen...Moment mal!“ Sie wühlte in ihrer Handtasche und zog den zerknitterten Brief hervor.
Misstrauisch öffnete der Wirt ihn und las. „Ah ja, in Ordnung, wenn sie mir bitte folgen würden?“ Der Wirt machte eine einladende Geste und wies sie durch die Schanke. Dann befanden sie sich in einem kleinen Raum, der nur kahle Wände aus Backsteinen hatte. „Als erstes sollten Sie mit ihrem Muggelgeld zu Gringotts gehen, das ist die Zaubererbank. Verlangen Sie von den Kobolden...“ „Moment mal! Kobolde? Und wo ist hier die Gasse?“ „Ein bisschen Geduld, Madam! Also, Sie gehen zu Gringotts, verlangen von einem Kobold ein neues Verließ und lassen ein bisschen Geld umtauschen. Danach können Sie in die einzelnen Läden gehen, was Sie brauchen steht ja hier auf dem Zettel. Gut, dann will ich Ihnen beiden jetzt die Winkelgasse zeigen.“ Er zog einen Stab aus seiner Umhangstasche und tippte mit seiner Spitze an ein paar Steine an der Wand.
Mit offenen Augen und Mündern verfolgten Lily und ihre Mutter die Backsteine, die sich zur Seite schoben und eine kleine Gasse zwischen dem Mauerwerk freigaben. „Auf Wiedersehen!“, sagte der Wirt und schob Lily, die ihren Mund gar nicht zu bekam, sachte ein Schritt nach vorne. Glucksend traten die beiden in die Gasse ein und konnten gar nicht genug auf einmal sehen. Rechts und links von ihnen reihte sich ein Laden neben dem anderen, entweder enthielten sie Kessel, merkwürdige Bücher, flatternde Eulen, kriechende Ratten oder komisch aussehende Medikamente. Um sie herum hasteten viele Zauberer und Hexen, allesamt in langen Umhängen und spitzen Hüten. Die Häuser der Gasse neigten sich etwas auf sie herab und dann entdeckte Lily auch ein großes, weißes Gebäude, auf dem stand: Gringotts – Zaubererbank.
„Mam, schau! Dort ist die Bank!“, rief Lily aufgeregt und war schon im Getümmel verschwunden. „Lily!“, rief Mrs Evans verzweifelt, doch die kleine Lily war weg. Keuchend hastete Mrs Evans durch die Gasse, doch Lily war nirgends zu sehen.
Dann endlich erblickte sie Lily am Portal des großen Hauses und las etwas. Rasch war sie an ihrer Seite und beide drückten gegen das massive Eichenholz.
Ein zweites Mal an diesem Tage staunten sie nicht schlecht. In einer Ecke wogen ein paar merkwürdige Kreaturen, die wohl Kobolde waren, Goldbarren, doch es gab sehr viele Schalter, hinter dessen Pulte sich Kobolde mit Brillen auf der Nase und Federkiele in den Mündern postiert hatten.
Bestimmt ging Mrs Evans auf einen Schalter zu, dessen Kobold sehr vertieft in einem Kreuzworträtsel war. Sie klopfte vorsichtig gegen die Scheibe, doch der Kobold murrte: „Sehen Sie nicht, dass ich beschäftigt bin?“ Mrs Evans ließ nur einen Zischlaut von sich hören und wand sich an den nächstliegenden Schalter.
Diesmal war der Kobold etwas freundlicher und fragte: „Guten Tag, M’dam! Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“ „Ähm... Wir wollte gerne etwas Geld umtauschen und ein Verließ anlegen lassen.“ „Geld umtauschen? Muggelgeld?“ „Jawohl.“ „Gut, wenn Sie mir folgen wollen“, der Kobold war auf einmal sehr klein, als er von seinem Hocker sprang und sich auf eine sehr große Tür zuging. Er öffnete diese und wieder befanden Sie sich in einem großen Saal. „Legen Sie das Geld, das umgetauscht werden soll, doch bitte hier her.“, forderte sie der Kobold auf und zeigte mit seinem dürren Finger auf ein komisches Instrument.
Mrs Evans zog ein paar größere Scheine aus ihrem Portemonnaie und legte sie auf die Messanlage. „Diese Muggel und ihr Papiergeld!“, fluchte ein Kobold mit Hakennase, der jetzt hinzugekommen war.
Trotzdem hantierte er wild an der Maschine herum und übergab Lilys Mutter letzten Endes fünf Beutel, die mit Goldstücken gefüllt waren. „Die Goldenen heißen Galleonen, die Bronzenen nennen sich Sickel und die kleinen Kupfernen heißen Knut.“, erklärte der Kobold. „Wollen Sie etwas sofort mitnehmen?“ „Ja, geben Sie uns... Ähm, ich weiß nicht, wie viel da Geld wert ist. Wie viel braucht man denn wohl für einen Einkauf für die 1. Klasse?“, Mrs Evans rang etwas unbeholfen mit ihren Händen. „Nehmen Sie soviel mit“, der Kobold drückte ihr ein dutzend Goldstücke in die Hand, „Das reicht dann auch noch für ein paar Süßigkeiten während der Schulzeit.“ „Dankeschön.“
„So, jetzt noch das Verließ!“, murmelte der Kobold und ging wieder auf die Tür zu, die beiden Evans folgten ihm. Er ging zurück zu seinem Schalter und zog einen goldenen Schlüssel hervor. „Diesen Schlüssel sollten Sie nie verlieren. Wir richten dann das Verließ für den Rest ihres Geldes ein.“, der Kobold übergab Mrs Evans den Schlüssel, die ihn sicher in ihrer Handtasche verstaute. Wieder bedankte sich Mrs Evans und die beiden verließen das riesige Gebäude.
„So, meine liebe Lily, jetzt wollen wir doch mal deinen Einkauf erledigen! Als erstes kaufen wir dir einen Umhang, würde ich sagen. Schau mal da, da ist ein Laden. Madam Malkins, na, das hört sich doch nett an.“, zielstrebig ging sie auf einen kleinen Laden zu, dessen Schaufenster die verschiedensten Umhänge und Kleider ausstellte.
Es klingelte, als sie den Laden betraten. Huschend kam eine Frau heran, die sich als Madam Malkins vorstellte. „Kommst du nach Hogwarts?“, fragte sie Lily. Lily nickte strahlend. „Na, dann wollen wir dir mal einen Umhang schneidern.
Lily musste sich auf einen Hocker stellen, damit die Ladeninhaberin die Nadeln stecken konnte, wie sie den Umhang nähen musste. Am Ende erhielt die stolze Lily einen schönen, schwarzen Umhang, auf dessen Brust das Hogwartswappen abgebildet war.
Glücklich verließen sie den Laden und klapperten einen nach dem anderen Laden ab. Überall gab es etwas Aufregendes zu entdecken. In der Tierhandlung gab es komische, lila Wollknäuel, die wild durch die Gegend sprangen. Auf dem Zettel für die benötigten Utensilien stand, dass man eine Eule, Katze, Ratte oder Kröte kaufen konnte. Lily entschied sich für eine Zwergohreule, die sie Snappy nennen wollte, weil sie dauernd versuchte ihre Hand zu schnappen.
Das Spannendste jedoch war, einen Zauberstab zu kaufen. Im Laden türmten sich tausende Kartons übereinander, dass Lily erst dachte, sie sei in einem Schuhgeschäft, doch dann trat ein alter Zauberer hinter einem Regal hervor und begrüßte sie: „Na, brauchst du einen Zauberstab, mein Kind?“ Wieder nickte Lily eifrig. „Nun denn“, murmelte Olliviander, so stand es jedenfalls auf seinem Schild, das am Laden hing. Er kramte zwischen den verschiedensten Kartons und zog einen schmalen letzten Endes heraus. „Drachenzahn und Liebesperle, 9 Zoll“, sagte er und öffnete den Kasten. Er enthielt einen dünnen, feinen Zauberstab, der raffinierte Muster hatte. „Bitteschön“, er reichte ihn Lily, „Schwing ihn einmal durch die Luft.“ Lily kam sich etwas dämlich vor, trotzdem folgte sie seinem Wunsch. Sie schwang ihn durch die Luft, doch nichts geschah. „Nein!“, das ist er nicht. Olliviander riss ihr den Stab aus der Hand und verpackte ihn wieder in seinem Karton.
Es folgten noch drei weitere Zauberstäbe. Der erste ließ die Lampe explodieren, der zweite ließ ein paar Zauberstäbe aus den Kartons fliegen und der dritte zersprang in tausend kleine Teile. Erschrocken hielt sich Lily die Hände vor den Mund und wusste nicht, was sie sagen sollte. Doch Mr Olliviander schüttelte nur den Kopf und zückte seinen eigenen Zauberstab: „Reparo!“ Im nu war der Zauberstab wieder heil und Lily und Mrs Evans waren wiederum erstaunt, es war einfach zu außergewöhnlich.
„So, jetzt bin ich mir aber ganz sicher!“, flüsterte der Verkäufer und ging mit zuckenden Händen am Regal auf und ab, bis seine Hand zuschnappte. „Weidenholz, besonders gut für Zauberkünste, 10 Zoll. Bitteschön!“
Lily nahm den Zauberstab in die Hand und wusste, dass es der richtige war. Es kribbelte merkwürdig und als sie ihn schwang kam eine leuchtende Glitzermasse aus der Spitze. „Bravo!“, Mr Olliviander klatschte und packte ihr den handlichen Zauberstab wieder ein. „Viel Glück!“, wünschte er ihr zum Abschluss, als die beiden voll gepackt mit Einkäufen den Laden verließen.
„Jetzt haben wir es geschafft!“, seufzte Mrs Evans und steuerte auf den Tropfenden Kessel zu. „Eine klitzekleine Kleinigkeit noch, dann haben wir es geschafft. Die Zugkarte.“
Die beiden traten in den Schankraum ein und sofort kam der sympathische Wirt aus sie zu: „Haben Sie alles gefunden, was Sie brauchen?“ „Ja, fast!“, antwortete Mrs Evans. „Wir brauchen nur noch die Zugkarte für Lily.“ „Ach ja, die Zugkarte!“, sagte der Wirt mehr zu sich, als zu seinen beiden Gästen.
Er zog eine Karte aus der Tasche und reichte sie Lily. Mrs Evans bezahlte die Karte und wollte auch schon gehen, aber Lily starrte auf die Karte: Gleis neun dreiviertel? „Ähm...Sir?“, fragte sie etwas verlegen und tippte den Wirt an. „Ja?“ „Gleis neun dreiviertel, wo ist das?“ „Oh ja, natürlich! Du gehst zum Bahnhof King’s Cross, hier in London. Dann suchst du den Gleis 9 und den Gleis 10. Dazwischen ist nur eine Mauer. Du musst durch die Mauer gehen.“ „Durch die Mauer gehen?“, Lily schrie fast. „Ja, hab’ keine Angst da passiert nichts.“, sagte der Wirt nur und ging zurück hinter die Theke, wo einer schon etwas länger auf sein Bier warten zu schien.
Kopfschüttelnd verließen die Evans das schmuddlige Hotel und wurde rundum angegafft, da sie so beladen waren von den merkwürdigsten Dingen.
„Hallihallo, wir sind wieder da!“, rief Mrs Evans. Es war Abend geworden, bevor sie nach Hause kamen. Mr Evans kam die Treppe heruntergetrampelt und viel fast über den Berg von Büchern, die Lily für die 1. Klasse benötigte. „Hoppla! Das sind aber eine Menge Sachen.“, meinte er und schaute in ein Buch für Verwandlung. „Oh je! Das sieht ja kompliziert aus!“ Lily nahm ihm das Buch aus der Hand und drückte es mit ein paar anderen Büchern Petunia in die Hand, die gerade die Treppe hinunter kam: „Trag das mal bitte in mein Zimmer, Schwesterchen!“ Lily klimperte mit ihren Wimpern und Petunia schleppte mürrisch die Sachen hinauf.
Fast die ganze Nacht las Lily die Bücher, vor allem von den Zaubersprüchen war sie begeistert, doch auch die anderen Bücher waren höchst interessant. Doch bald fing sie zu zweifeln an, dass sie so etwas überhaupt hinbekäme.
Am nächsten Morgen hatte sie dicke Ränder unter den Augen und konnte sie kaum öffnen. Sofort schickte Mrs Evans sie zurück ins Bett, heute müsse sie nicht in die Schule gehen.
Von ihrer Schule hielt Lily sowieso nicht mehr so viel, sie wollte endlich nach Hogwarts. Doch bis dahin waren es noch 3 Wochen! 3 elendige, lange Wochen! Lily fragte sich, wie sie das überleben sollte.