Deutschland - England 2001
Lange haben wir auf dieses Ereignis gewartet, alles andere rückte in den Hintergrund. Am 01. September 2001 war es nun endlich soweit. Alles war angerichtet: DAS Spiel des Jahres fand in München stand. Zu unserem Glück -oder sollte ich lieber sagen, zu unserem Pech - begann das Match erst um 1930 Uhr Ortszeit, so dass mann sich um 0630 Uhr am Hbf Hannover traf, um über Göttingen, Bad Hersfeld, Fulda und dem schönen Treuchtlingen mit dem Wochenendticket den Weg in die Landeshauptstadt des Freistaates Bayerns zu gelangen. Ganz verwundert stellte ich fest, dass neben Bert, Pfadi, Grunst, Dave, Rob und natürlich mir auch noch Anke und einer der Brigarde Nord 99 sich uns angeschlossen hatten. Wir ließen es natürlich - wie immer - gaaanz ruhig angehen und stießen erstmal mit einem schönen kaltem deutschen (Dosen-)Bier auf den kommenden Tag an. Morgens halb sieben in Deutschland eben...
Ab ungefähr Bad Hersfeld mußte dann allerdings auch der Whisky-Cola dran glauben. Mit ihm entfernte sich dann erwartungsgemäß eigentlich irgendwie, irgendwo und irgendwann jeder auf seine eigene und spezielle Art von der Realität. War klar! Auf nähere Details kann und will ich an dieser Stelle leider nicht eingehen. Aber kommt Zeit, kommt Rat...

Schnell in Treuchtlingen über die Bahngleise gelaufen und schon waren wir in München. Ich frage mich doch immer wieder, wie das angehen kann, dass diese doch eigentlich mörderische 11 1/2 Std. Zugfahrt doch so schnell vorbei gehen kann, als wenn man mit dem Transrapid die Reise antreten würde. Aber egal, wer fragt schon nach dem wieso, weshalb und warum bei solch einer geilen Tour. Am Hauptbahnhof angekommen, machten wir uns auf den Weg Richtung Marienplatz, um von dort weiter zum Olympiastadion zu fahren. Offen, wie nun mal so sind, lernten wir auch doch auch glatt einige nette Engländer kennen. Wir verstanden natürlich - wie sollte es auch anders sein - sofort ganz supi mit ihnen. Wir unterhielten uns zwar mit Händen und Füßen, aber das soltte dieser doch recht einseitigen Konversation keinen Abbruch tun. Sie machten auf jeden Fall - so wie meine - uns doch recht eindeutig klar was sie von uns hielten. Mit dem Gewissen viele gute neue Freunde kennengelernt zu haben, rannten wir von diesem netten Café direkt am Hauptbahnhof dann doch noch zur U-Bahn Station und trafen uns dann alle am Endpunkt wieder.Kaum dort angekommen wollten schon wieder unsere Freunde aus England mit uns einen kleinen Plausch über Gott und die Welt halten. Wir lehnten diese Mal jedoch dankend ab. Wieso eigentlich?

Leider kam es aber auch zu einigen teilweise recht schweren Ausschreitungen zwischen Deutschen und Engländern, die mit dem Fußball ganz sich nichts zu tun haben. Dabei war die Polizei meiner Meinung nach völlig überfordert. Entweder waren es zu wenige oder sie waren von der Einsatzführung falsch eingesetzt. Das mag ich an dieser Stelle aber auch gar nicht zu beurteilen. Zur Ehrenrettung der Staatsmacht in Uniform muß ich allerdings sagen, dass ich eine solch aggressive Stimmung, der zum Teil doch recht alkoholisierten Fußballfans, noch nicht erlebt habe. Hooligans habe ich persönlich nicht gesehen. Bei den Engländern gibt es da sowieso wahrscheinlich keinen Unterschied. Vielmehr waren es die sogenannten Ultras, die vor allem nach dem Spiel auf deutscher Seite für Unruhe sorgten.
Im Stadion angekommen fand man sich direkt neben dem Englandblock wieder. Anfangs noch frohen Mutes schrieen wir das deutsche Team zum vielumjubelten 1-0 dürch Carsten Jancker-Fußballgott. Beide Mannschaften waren jedoch in der ersten Halbzeit gleichwertig. So war es eine logische Folge, dass das 1-1 fallen mußte. Das 1-2 mit dem Pausenpfiff war dann aber nun wirklich nicht zwingend notwendig. Aber egal, das packen wir schon noch. "Der Rudi macht das schon!" Aber scheiße war, gleich nach der Pause fiel das 1-3, so dass das Spiel eigentlich schon zu diesem Zeitpunkt entschieden war. Zumal die Engländer in der Abwehr kompakt und sicher standen und bisweilen mit schnellen Kontern für echte Gefahr vor dem deutschen Tor sorgten. So viel dann auch das vierte und fünfte Tor der Inselaffen. Im Enteffekt ein gerechtes Ergebnis, was aber zumindest um eben diese zwei Tore zu hoch ausgefallen ist, auch wenn sich die Deutschen - so wie ich finde - bemüht haben. Es fehlte jedoch am letzten Bissen Entschlossenheit, um gegen England zu gewinnen. Nach dem Spiel und einem nichtendenden Marsch Richtung Hauptbahnhof trennten sich unsere Wege: Anke fuhr mit einem 9er Bus nach Hause, Dave, Grunst und Rob fuhren mit dem Wochenendticket und der Rest gönnte sich den Luxus und fuhr mit einem Nachtzug, jedoch nicht bevor man das Münchener Nachtleben noch ein wenig - so weit dises möglich war - im Kunstpark genoß. Ein durchaus gelungener Abschluß einer trotzalledem sehr geilen "Auswärtsfahrt", die sicherlich zu den Besten gehört, die ich je erleben durfte. Es fehlt halt nur ein Sieg!

