Gothic

Entstehung der Gothic- und Darkwave- Szene

Wie schon erw�hnt, steht Punk f�r eine expressive, aggressive Form des Umgangs mit der Au�enwelt und ist hier �hnlich der Skinhead- Kultur. Er spricht damit haupts�chlich den jugendlichen Au�enseiter aus dem Arbeiter- und Handwerksmilieu an, der offen und aggressiv seine Wut �ber die von ihm kritisierte herrschende Gesellschaft zum Ausdruck bringt. F�r ihn ist es kein Problem, in der Fu�g�ngerzone um Kleingeld zu betteln und dabei gen�sslich mit seinen Kameraden zusammen Dosenbier zu trinken. Schon fr�h (Ende der 70er Jahre), wollten sich verschiedene Menschen aus der Punkszene heraus mit diesem typischen Bild des Punks nicht mehr identifizieren. Es entstanden die, von den "Ur- Punks" oft sp�ttisch bel�chelten, "Nobel- Punks". Meistens eher aus der Mittelschicht stammend, das Lebensgef�hl des Punks nachahmend, waren sie die Speerspitze derjenigen, mit denen sich auch die Mainstreamgesellschaft (nat�rlich vor allem aus kommerziellen Gr�nden) anfreunden konnten. Im Zuge der Kommerzialisierung wurde nat�rlich auch die Musik der Punks ausgeschlachtet; die gro�en Plattenfirmen nahmen die bekanntesten Punk- Bands unter Vertrag. Nicht zuletzt deshalb mussten die entstandenen kleinen Label immer �fter nach neuen, innovativen Bands schauen, um die alten Bands, die aufgrund �konomischer Gr�nde nicht mehr zu halten waren (Marketingm�glichkeiten sind solchen kleinen Firmen nur in sehr begrenztem Umfang gegeben) zu ersetzen. W�hrend Postkarten mit abgebildeten "Edel- Punks" zum Pflichteinkauf f�r London- Touristen wurden, konnte sich, anfangs noch unbeachtet, aber nach ersten Erfolgen schnell vermarktet, der "New- Wave"36 entwickeln. Stellvertretend hierf�r mag nur der Name POLICE stehen, eine Band, die ihre Wurzeln ebenfalls in der Punkbewegung hat. Der "schmutzigen" �sthetik von Punk- Lokalit�ten wird eine �sthetik der K�nstlichkeit entgegengesetzt:

"Kalte und k�nstliche Materialien wie Neonlicht, Stahl, Spiegel und Gumminoppenb�den lassen die Gem�tlichkeit der Hippie-Disko hinter sich."

Die Bands der entstehende "Wave- Kultur" formen ihre Musik zwar immer noch nach der "Do-it-youself-Philosophie des Punk",38 doch ist ihre Musik weitaus vielschichtiger. Die Bandbreite der New- Wave Musik reicht vom Ska (MADNESS (GB), SPECIALS (GB)) �ber den Retro- Rockabilly der STRAYCATS (GB) bis zum gef�lligen Pop von HUMAN LEAGUE (GB) und der fr�hen DEPECHE MODE (GB). Die d�stere Seite des New- Wave repr�sentieren anfangs vor allem die ehemaligen Punk- Musiker von THE CURE und SIOUXSIE AND THE BANSHEES. Vor allem der S�nger der CURE, Robert Smith, pr�gt mit seinem Aussehen die entstehende Dark- Wave Szene entscheidend. Hervorstechende Eigenschaft ist seine Androgynit�t. Hochtoupierte Haare und wei�geschminktes Gesicht werden zum Markenzeichen der "Waver". Die sehr d�ster geschminkte Siouxsie von den SIOUXSIE AND THE BANSHEES wurde als Vorbild f�r den weiblichen Teil der Szene �hnlich wichtig. Heute w�rde man zwar sagen, dass sich das Aussehen der Kleidung und das Styling nur sehr wenig vom typischen Aussehen der Punks unterschied - f�r die jugendlichen Fans waren diese kleinen Unterschiede aber deutliche genug, um eine eigene, neue Jugendkultur, in der Abgrenzung zur alten - des Punk - zu begr�nden. Einige andere Bands, die ab Ende der 70er Jahre mit einer d�steren Musik, oder einem d�steren Image bekannt werden sind: THE DAMNED, ADAM AND THE ANTS, ULTRAVOX, KILLING JOKE und JOY DIVISION. Die erste Hymne der (eigentlich noch nicht existenten) Gothic- Kultur war vielleicht das Lied: "Bela Lugosi�s dead" von der Londoner Band BAUHAUS (1979). Treffpunkte der neuen Jugendkultur entstanden:

"The story goes that gothic originated from the London club the Batcave, but when this club opened in 1981, gothic already was well on its way. But the bands that performed there, like the Virgin Prunes and Alien Sex Fiend with their horror image, helped to spread the movement."

Wie es genau zu der Bezeichnung "gothic" f�r diese Art von Musik, bzw. der damit verbundenen Szene kommt ist nicht ganz klar. Fest steht nur, dass der Name urspr�nglich vom germanischen Stamm der Goten abstammt, die, �hnlich wie die Vandalen, von den R�mern als barbarisch und unkultiviert angesehen wurden. Sp�ter stand und steht der Begriff f�r die gotische Architektur. Au�erdem steht er im angels�chsischen Sprachraum f�r einen bestimmten Stil romantischer Erz�hlungen aus dem sp�ten 18. und fr�hen 19. Jahrhundert, den sogenannten "gothic novels". Diese "gothic novels" besch�ftigen sich haupts�chlich mit dem Themenkreis Tod und allen Erscheinungsformen des �bernat�rlichen.

Der Begriff "gothic" zur Beschreibung, der hier wichtigen, post-Punk Jugend- und Musikkultur ist m�glicherweise von Martin Hannett, dem Produzenten der Band JOY DIVISION im Jahr 1979 zum erstenmal benutzt worden - allerdings nur zur Beschreibung der Musik von JOY DIVISION. Bis zum Jahr 1982 setzt sich der Begriff auch durch, um das Umfeld von bestimmten Bands zu beschreiben (Ian Astbury, S�nger der Band SOUTHERN DEATH CULT, benutzt den Terminus "goth" f�r Anh�nger der Band SEX GANG CHILDREN).

"However, it�s not that simple. The term "goth" doesn`t seem to have been commonly applied to the movement until 1984, several years after it had originally been used. In 1983, the most common term for what became the goth movement was "Positive Punk", or later "Posi- Punk", courtesy of Richard North in the NME (New Musical Express - britische Musikzeitschrift 0.Z.). Somehow, and probably sometime in late 1983 or early 1984, the term seems to have been replaced by �goth�."

Schuld daran, dass sich der Begriff endg�ltig durchsetzt hat, ist anscheinend der NME- Autor David Dorrell. Auch er spielte damit auf Andi Sex Gang von den SEX GANG CHILDREN an, der im Dachgeschoss eines alten viktorianischen Geb�udes wohnte und von einigen "Count Visigoth" genannt wurde - und seine Anh�nger eben "goths". Dorrell selber erkl�rt allerdings dazu:

"Oh, God, it all comes back! I won�t even try and make claims that I wrote an article and called them goths or wether I cribbed that off one of my fellow goth journalists -- speed burns my memory. As a journalist, I noticed that the end of punk was starting to get darker (John) Lydon was getting dark with Public Image Ltd. By committing suicide, Ian Curtis of Joy Division not only put an end to his own life and that of his band, but allowed a vacuum to occur into which all of these other bands scurried."

Auch in den USA setzte sich der Begriff "Gothic- Punk" zur Beschreibung der Szene rund um die 1981 gegr�ndeten Band CHRISTIAN DEATH durch, die jedoch sp�ter nach Europa gingen und somit nicht mehr den ganz gro�en Einfluss auf die US- amerikanische Gothic- Szene hatten.

In Deutschland setzte sich der Begriff "Gothic" erst Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre durch. Vorher bezeichnete man die Szeneangeh�rige meist einfach als "Waver". Umstritten ist, ob die sogenannte "New Romantic- Szene" der 80er Jahre (repr�sentiert von Bands wie OMD (GB)) direkte Vorg�ngerin der Gothic- Szene ist oder unabh�ngig von ihr existierte. Eine Frage, die wahrscheinlich f�r die Jugendlichen, die sich der dunklen Szene zugeh�rig f�hlten, relativ unwichtig war, da sie sich einfach der damals vorherrschenden �sthetik in Kleidung und Styling anschlossen - und das war in beiden Szenen (Wave und New- Romantic) sehr �hnlich. Die ersten "richtigen" Gothic- Bands, die mit den typischen Symbolen des Gothic spielten waren u.a. UK DECAY (GB), SISTERS OF MERCY (GB) , THE MISSION (GB) und die FIELDS OF THE NEPHILIM (GB).

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